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Nationalzeitung · 1906-05-04 · Heft 32 (4.5.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 32 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 Natiünalzeilrttig Seite a rückt, und das Märchen von angeblichen Konzessionen, lvelche die jüdischen Finanziers angeblich zugunsten der russischen Juden erlangt haben sollen, zerstiebt in Nichts. Am besten wird die gegenwärtige Stimmung durch das nachstehende T e l e g r a in m aus Paris, den 2. Mai, gekennzeichnet: „Die Demission Wittes macht in allen politischen und insbesondere finanziellen Kreisen g r ö ß t e s und u na n e ii e h m st es Aufsehen, denn der Autorität Wittes wurde das letzte große Milliardenanlehen bewilligt. Die finanziellen Kreise der Republik glaubten, daß sie dem konstitutionell regierten Rußland durch das Anlehen die Möglichkeit zur Regenerierung bieten und daß sie dem in einen Verfassungsstaat umgestalteten Zarenreiche diese Hilfe nicht versagen dürfen. Die Unterschrift auf dem Anleihevertrag ist noch nicht trocken und man muß befürchten, dab durch die Entfernung Wittes von den Staatsgeschäften das Parlament, noch ehe es Zusammentritt, seiner Macht und seines Einflusses beraubt wird. Man fürchtet, daß die kann: geborene Verfassung einfach eskamotiert werden soll und daß das Zarentum an reaktionäre Staatsmänner apvellieren will, welche dieses Werk der Demolierung vollbringen sollen. Wem: diese Befürchtungen sich als begründet erweisen sollten, dann hat das Zarentum ganz Europa irregeführt uitd es hat dem enrapäischen Kapital die Milliarden entlockt, welche es nimmer hätte erlangen hönnen, falls Rußland nicht in einen konstitutionellen Rechtsstaat umgestaltet worden wäre. Man weiß nicht, ob Wittes Entlassung aus dem Staatsdienst schon definitiv ist, aber nach Mitteilungen aus offiziösen Kreisen darf man schließen, daß der Zar das Entlassungsgesuch Wittes bereits genehmigt hat. Dies geschieht gerade zwei Wochen nach der Unterfertigung des Anlehensvertrages. Das Zarentum hat nicht einmal die Respektsfrist fiir nötig gefunden, welche es der Selbstachtung und der Achtung der Anlehenskontrahenten schuldig gewesen wäre." Gegen die jüdischen Abgeordnetenkandidatcn anläßlich der eben vor sich gehenden ungarischen Reichsratswahleu zieht das Organ der antisemitischen Volkspartei „Alkotmany" los. Nach einer Besudelung des Judentums im allgenuinen schreibt dieses saubere Koalitionsblat: „In auffallend großer Zahl meldet sich der sogar in seiner Zerstreuung siegreiche Stamm zu den Abgeordnetenwahlen. Einige ziffermäßige Daten dürften hier am Platze sein. Jüdische Kandidaten treten auf: Mit Unabhängigkeitsprograinm 30, mit dem Programm der'Verfassungspartei 7, Sozialdemokraten 17, Demokraten 2, ferner je ein Achtundvierzigerdes jüdischen Nationalismus mangelt, Glicht ausreicht, um das Judentum auf die Dauer zu konservieren. Er war stets ein gutnationaler Jude, er stammt aus dem Osten, woselbst er eine religiöse Erziehung genoß, er hat längst seine Religion abgelegt, ehe er dies ofsiziell kundgab, das waren die erften Gehversuche zur Taufe, er schrieb noch in die „Welt", als sein Austritt aus dem Judentums bereits imnatrikuliert war, das gibt zu denkeil, das religiöse Judentum hatte ihn längst verlöret: und das nationale Judentum konnte ihn ilicht Halter:. Nicht rrm Adolf Gelber handelt es sich, sondern um beit Typus, den er repräsentiert, er ist denselberr Weg gewandert, den sein Kollege Kurt A r a m, irnd es gibt gar viele unter uns, von denen wir so gerne sprechen, oder die von sich gerne sprechen hören, auf deren Gesicht die Taufrose einen krankhaften seelischen Zustand verrät uub den allmählichen inneren Zerfall rmd die Auflösung dessen, was sie ihr Judentum nennen, ahnen läßt. . . . Die David-Kaufmann- Bidliothek. In der jüngsten Sitzung der Ungarischen Akademie dev Wissenschaften erstattete der Klassem Demokrat, radikaler Demokrat, verfassungsmäßiger Demokrat, neuorganisierter Sozialist und 2 von der radikalen Reformpartei, zusammen 62." Als neulich eine Deputation des Komitats Trencsen beim Ministerpräsidenten darüber Beschwerde führte, daß die Koalitionsleiturrg diesen: Komitate antisemitische Kandidaten aufdränge, verwahrte sich die Volks- Partei gegen diese „Einmengung in den Rechtskreis der Zentrale und diesen Bruch des zwischen den Regierungsparteien geschlossenen WahlpaktuinS". Jetzt aber schäumt die Volkspartei vor Wut gegen die jüdischen Kandidaten, die fast alle offizielle Kandidaten der Koalition sind. Ein getaufter Jude als antisemitischer Abgcordnctenkandidat ist nicht nur eine Wiener Spezialität, wo wir:nit den: getauften Dr. P o r z e r beglückt sind. Die ungarischen Wahlen haben ebenfalls ein solches Assimilationsfrüchtel an die Oberfläche geschwemmt. Der Mann heißt Dr. Bela Landauer und hat sich erst vor einigen Jahren getauft, um sich die Beamtenkarriere zu erleichtern. Er begann diese als Staats b c a m t e r in S a r a j e v o, wurde später llnternotär des Honter Komitates und hat es nun zum Abgeordnetenkandidaten der antiseinitischen VoÜspartei gebracht. Er hat die Absicht, Csaktornya mit seiner Landesvaterschaft zu beglücken. Die Esaktornyaer Wähler scheinen aber noch nicht allen Sinn für Moral und guten Geschmack verloren zu haben, denn als der jüdische Antisemit behufs Abhaltung seiner Kandidatenrede in Csaktornya erschien, wurde er mit Steinwürfen und Eiergeschossen empfangen, sodaß er unverrichteter Dinge abziehen und sich zu seinen „heiligen Vätern" versaiumeln mußte. Ob Herr Dr. L a n d a u e r in der von: antisemitiilben „Alkotmany" publizierten Statistik der jüdischen Kandidaten enthalte:: ist, wissen wir nicht. * Im Aufträge des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat Professor Dr. Rosin m Freiburg einen Gesetzentwurf für eine staatliche Organisation der Juden in: Königreich Preußen ausgearbeitet. Für die jüdischen Gemeinde:: in den altpreußischen Provinzen ist im wesentlichen noch das Gesetz von: 23. Juli 1847 in Geltung; in den neuen Landesteilen sind zun: Teile andere Judengesetze in Kraft geblieben. Der Wunsch nach einem Ausgleich der verschiedenen Rechtssysteme hat sich häufig geltend gemacht. Der Rosinsche Entwurf sucht diesen: Wunsche zu entsprechen, inden: er einem auf dem zu Frankfurt a. M. Pfingsten 1906 abgehaltenen Gemeindetage geinachten Organipräsident, ordentliches Mitglied Ignatz Goldziher seine:: „Bericht über die David-'Kalnfnmnni- Bibliothek". Die wertvolle Bibliothek besteht betauntlich aus der Sammlung des verstorbenen Orientalisten. Professors Dr. Davide Kaufmann, dessen Schwiegermutter Fra:: Gomperz sie der Akademie als ewige Stiftung geschenkt hat. Der verewigte Sammler, der sich im Jahre 1877 in Ungarn niederließ, wirkte 22 Jahre in Budapest als Professor und Schriftsteller und erlernte dank seinen: seltenen Sprachentalente die ungarische Sprache, sondern betätigte sich auch in hervorragender Weise in ihrer Literatur. «Seine glänzende Begabung war mit seltenen: Fleiß gepaart. Er entfaltete, eine vielseitige literarische Wirksamkeit mit bedeutenden selbständigen Werke::, zahlreichen Studien und kritischen Arbeiten, um welche sich die vornehmsten Zeitschriften des Auslandes bewarben. Kann: sieben::ndvierzig Jahre alt, riß ihn ein plötzlicher Tod in: Jahre 1899 in Karlsbad aus der Reihe der Lebenden. Im MittelpuiEe seiner vielseitigen wisse rrschaftlichen Tätigkeit standen die orientalischen und in deren Kreise .hauptsächlich die hebräischen und hebräischarabischer: Literaturen, die Geschichte der Israeliten und die Geschichte der mittelalterlichen Philosophie. In diesen Kreiselt beivegten sich seine Arbeiten, mit welchen er seit seinem zwanzigsten Lebensjahre zur Ausbreitung des Wissens beitrug und durch 'welche er sich in der ganzen wissensationsvorschlage juristische Fornullierung gegeben hat. * Die orthodoxe Jwderrschaft Ungarns hat einer alten Gepflogenheit entsprechend durch eine vom Präsidenten der Durchführungskanzlei Herrn Adolf Frankl geführte Deputation die neue ungarische Regierung begrüßt, und ihr die Wünsche der Orthodoxen vorgetragsn. Ministerpräsident Dr. Weckerle antwortete auf die Begrüßungsansprache unter anderem: „Die in der Gesellschaft bestehenden Erklusivitäien lassen sich durch Gesetze nicht aus der Welt schaffen. Ausgabe der liberalen Regierung ist es allerdings, durch den Ausbau liberaler Institutionen die Gleichheit unter den Kofessionen zu fördern, und unter der Einwirkung einer lang andauernden liberalen Verwaltung können mit der Zeit die Schranken fallen, wie dies auch in den östlichen Staaten der Fall ist. Was die vom geehrten Sprecher erwähnte Autonomie betrifft, so können Sie versichert sein, daß die Regierung die Autonomie der Konfessionen jederzeit respektieren wird. Habe ich doch auf meine Fahne die Religionsfreiheit geschrieben und sie auch zum Siege geführt". In der Begrüßungsansprache an den Kultusminister Graf Albert A p p o n y i erwähnte Herr Frankl, daß die orthodoxe Judenschaft ihre konfessionelle Unabhängigkeit und separate Organisation nach langem, aufopfernden Kampf erzielt habe. Graf A p p o n y r antwortete unter anderem: „Ich kenne keinen konfessionellen Unterschied. In der Beurteilung meiner Mitbürger bildet bei mir nur die Anhänglichkeit an die Nation und an die nationale Kultur den Maßstab. Was Ihre konfessionelle Autonomie betrifft, so weiß ich als eifriger Anhänger meiner Religion den Wert und das Recht der Autonomie sowie die weitestgehende Glaubens- und Gewissensfreiheit vollauf zu würdigen und so werde ich allen, die sich im Interesse der Wahrung ihrer religiösen Ueberzeugung an mich wenden, wärmste Unterstützung angedeihen laffen. So oft Sie ein Anliegen haben, wenden Sie sich nur an mich, ich werde Ihnen stets gerne zur Verfügung stehen!" Die Vorgänge in der „Union." Man wird die jüngste:: Vorgänge in der „Union" Nur dann verstehen, wenn man ihre Vorgeschichte kennen lernt, und dies ist für die nationalen Inden um so notwendiger, als sie nach all den Geschehnissen der letzten Jahre und besonschastlichen Well einen großen Ruf erwarb. Es 'war" ihm vergönnt, sein Wirken durch die Anschaffung einer großen Büchersammlnng zu fördern. -Es ist jene wertvolle Sammlung, die jetzt, nach dein Tode seiner Witwe, unter den: Namen Stiftung David Kaufmanns und seiner Güttin, geb. Irma Gomperz mit allen Zubehören in den Besitz der 'Akademie-Bibliothek überging. Da der Generalsekretär Gustav Heinrich in der letzten Plenarsitzung der Akademie die Sammlung bereits in: allgemein!:':: besprochen hat, beleuchtete Professor Goldziher heute die Sammllltt'g in ihren Details. Die Richtung der Sammlnn'g wird durch jene Fächer charakterisiert, auf welche sich das Interesse David Kaufmanns konzentrierte. Es sind dies Fächer, welche in allen großen Bibliotheken vertreten sind und für deren Bervvllstättdlglrna häufig nach unseren Begriffen horrende Sniunien verausgabt werden. Auch aus diesem Grunde wird daher die Schenkung der hochherzigen Dame, welche Schenkung einen: Mwvgel dieser Bibliothek abhilft und dieselbe de:n Niveau der großen europäischen Bibliotheken näherbringt, rnit Freuden begrüßt. Die Bibliothek besteht ans drei Teilen: Die Handschriftensammlu ng, 594 Nummern umfassend, die sich auf sämtliche Zweige und Zeitalter der hebräischen Literatur erstrecken. Wir finden darin wertvolle alte iBibelhandschriften in arabischer und aramäischer Uebertragnng mit KREB5dP0Tt1IIKE 5. niTTELBflCH Bitterer Jtanwein. Ulian I LSoUah o besohwerden, der Blutarmut sov*ie zur Behebung einer Wien, I , noner marKI NI*. ö allgemeinen 8oU«1iohs de» Orgauiemu». (Palais Sina) im Zentrum der Stadt. + Preis 3 Kronen 50 Heller.

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