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Nationalzeitung · 1906-04-24 · Heft 30 (24.4.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 30 (24.4.1906)
Date
1906-04-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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beite 2 Nationalzeitung Nr. 30 v. Gautsch als der schwerste, direkt gegen die polnischen Interessen gerichtete Schlag anzuschen sei. In einer Zeit, da die Polen sich friedlich mit ihren ruthenischen und jüdischen LandeSgenosseir Vertragen wollten (?!) werde die Einsühvuug eines neuen Wahlrechtes die erforderliche Emtracht zerstören. Der Bürgtzr- Mister von Bützchez, Sttz r tu behauptete, daß daß von der Regierung in Vorschlag gebrachte Proportionalwahlsystem in Galizien keineswegs einen Schutz des Polentums bilden werde (!) Dieser Zweck könnte nur durch die Bildung besonderer Stadtwahlbezirke erreicht werden. Im weiteren Verlaufe des Bürgerrneister- ' tages besprach Bürgermeister Stern eingehend die Stellung, welche die Juden in Galizien gegenüber der Wahlaktion einzunehmen hätten, imb versicherte, daß die Juden bei den künftigen Wahlen keine eigene Politik befolgen, sondern gemeinsam mit den Polen unter dem nationalen Banner zu finden sein werden. (Ist das so sicher?! Anm. d. Red.) Abgeordneter Dr. Malechowski nimmt mit Genugtuung die Ankündigung entgegen, daß die Juden in Galizien ihre nationale Haltung nicht ändern werden. Hinsichtlich der Vermehrung der städtischen Wahlbezirke seien die Interessen der Städte mit den nationalen Interessen der Polen identisch. Es sprachen dann noch Abg. Dr. G r e k und Abg. Rutowski, welcher sich über das Zusammengehen der Juden mit den Polen befriedigt äußerte. Der Bürgermeistertag nahm sodann einstimmig eine Resolution an, welche sich für die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts ansspricht, die Galizien zugedachte Zahl von 88 Mandaten als ungenügend bezeichnet, zumal durch dieselbe das Land Galizien im höchsten Grade verkürzt würde und zu der von der Regierung in Aussicht genommenen Mandatszahl der anderen Kronländer in krassem Mißverhältnisse stünde. Die Resolution besagt weiter, daß zur Sicherstellung des nationalen und gesellschaftlichen Besitzstandes, sowie zur Befriedigung der kulturellen und wirtschaflichen Bedürfnisse der Bevölkerung der Stadtgemeinden die Ausscheidung der Stadtgemeinden aus den ländlichen Wahlbezirken, sowie die Bildung besonderer Wahlbezirke und die Vermehrung der städtischen Wahlbezirke bis zur Zahl von fünfunddreißig gefordert werden müsse. Der Bürgermeistertag erklärte sich auch gegen das System der Doppelmandate in den Wahlbezirken, weil durch dasselbe den nationalen Interessen der Polen keineswegs Rechnung getragen werde. Zur drohende« Gewerbereform hat die Wiener Handelskammer ihr Gutachten übgegeben. Da sie leider nicht den Standpunkt vertreten kann, daß die gegenwärtige Volksvertretung zur Lösung dieser wichtigen Aufgabe überhaupt nicht befähigt ist und daher die ganze Reform auf eine bessere Zeit vertagt werden sollte, so Muß sie sich dÄvauf beschränken, einzelne Milderungen in den zünftlerischen Maßnahmen des Gesetzentwurfes anzuraten. In diesem Sinne empfiehlt das Gutachten die prinzipielle Ablehnung des Befähigungsnachweises für das Handelsgewerbe, die Streichung der geplanten Beschränkungen im Konfektionsgewerbe u. a. m. Der verderbliche Einfluß der fea«. zösisch.russischeu Allianz auf die Freiheitsliebe der Franzosen wird durch ein jüngstes Ereignis grell beleuchtet. Zur Erlangung der Doktorwürde ist, wie an allen anderen, so auch an der juristischen Fakultät der Pariser Universität eine Dissertation vorgeschrieben. Diese wird jedoch nur noch als bloße Förmlichkeit betrachtet; man stellt so gut wie keine Anforderungen an dieselbe, und es ist seit Menschenaltern nicht vorgekommen, daß die Fakultät eine Dissertation als ungenügend oder aus irgend einem anderen Grunde zurückgewiesen hätte. Vergangene Woche aber ist dies, vielleicht zum ersten Male seit einem Jahrhundert, unter eigentümlichen Umständen geschehen. Der Rechtsanwalt am Oberlandesgericht Herr Leon A l l e m a n d hatte eine Dissertation „Ueber die Lage der Juden i n R u ß l a n d" eingereicht.' Am 26. v M. wurde ihm vom Dekan der juristischen Fakultät der Bescheid, daß sie zur Disputation nicht zugelassen werden könne. Als Grund gab er an, daß die Dissertation erstens Meinungen ausdrücke, die den vorn Vorsitzenden der Prüfungskommission in seinen Vorträgen verteidigten widersprechen, zweitens in einem Tone gehalten sei, der nicht derjenige eines wissenschaftlichen Werkes sei. Rechtsanwalt Allemand hat sich gegen diesen Dekanatsbeschluß beschwerdeführend an den Unterrichsminister gewendet. In seiner Eingabe führt er aus: „M-cine 'Dlss-ortalion, nach dem Urteil des Vorsitzenden Prozessors ein gewissenhaftes Werk voll interessanter und ergreifender Tatsachen," ist lediglich Wegen der darin ansgedrückten Ateirrnngen znrürkgewieselr worden. Sie haben also nicht über das Schicksal meiner Dissertation, sondern über das der Freiheit des höheren Unterrichtes in Frankreich zu entscheiden . . . Ich habe Tatsachen angeführt. Wenn sie erschreckend sind, so Hat man -dafür nicht -mich, sondern die russischen Behörden verantwortlich zn machen. Diese Tatfachen haben Wir ivollen garnicht auf die Rechtfertigung, die aus den dem Herrn Ritter vöN Taussig nahestehenden Kreisen kolportiert wird, daß in bezug auf die Judenfrage vvn der russischen Regierung wichtige Zugeständnisse erzielt wurden, einaehen; die Beteiligung jüdischer Aktionäre uito jüdischer Finanziers an einer Unterstützung Rußlands ist UUd bwibt ein Verbrechen gegen das Judentum. Aber wieder, wie immer, richten wir unseren Protest an die unrichtige Adresse, und wieder, ivie immer, beginnen wir einen Kampf, in dem wir nichts ausrichten können! Ritter von Taussig wird sein Kultusmandat gerne gegen einen Sitz im Herrenhause enttäuschen. Herr von Taussig wird aus der Kultusstube ausziehen, aber wird auch der Geist, den er drinnen verkörpert hat, mit ihm die Kultusstube verlassen? Das ist, dünkt uns viel wichtiger, und in dieser Richtung müßte noch viel gearbeitet werden, denn in dieser Richtung wurde bisher alles versäumt. Politische Kund schau. Die Bürgermeister der kleinere» Städte Galiziens hielten am 19. d. M. in Lemberg im Beisein mehrerer demokratischer AbgeordnetenZeine Beratung über die W a h lreformvorlage. Unter den Erschienenen befanden sich auch mehrere jüdische Bürgermeister. Sie traten alle für den Schutz des polnisch-nationalen Besitzstandes in Galizien ein. Der Bürgermeister von Skalat, Doktor Ehrlich, betonte in längerer Rede, daß die jetzt geltende Wahlordnung in erster Reihe die kleinen Städte benachteilige, da dieselben nicht direkt wählen und im Reichsrate gar nichtvertreten sind. Schon aus diesem Grunde sollten die Repräsentanten kleinerer Städte prinzipiell für die Wahlreform eintreten. Die gegen die Wahlreformvorlage des Ministerpräsidenten Gautsch erhobenen Einwendungen erklärt Dr. Ehrlich für begründet. Redner legt einen Resolutionsantrag vor, welcher die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes unter der Voraussetzung, daß eine Vermehrung der Galizien zugedachten 88 Mandate erfolgt, als notwendig bezeichnet, ferner das System der Schaffung von Wahlbezirken mit Doppelmandaten verwirft und auf die Ausscheidung der kleinen Städte und Markflecken aus den Landgemeindenbezirken zum Behufe der Bildung selbständiger Wahlbezirke dringt. Bürgermeister H o w o r k a sprach die Ansicht aus, daß das Projekt des Freiherrn nach New Jork zu kommen und dort ein solches Institut ins Leben zu rufen. Der „Boys Club" hat die Einrichtung eines Gymnasiums und hatte außerdem drei Spezialabteiluugen: das Bataillon, die Theatergruppe und die Gärtuerklasse. Ter „Girl Club" wird tmrd) Privatwohltätigkeit erhalten und fast sämtliche Funktionäre und Lehrkräfte widmen sich unentgeltlich dem wohltätigen Zwecke. Dieser Mädchenhort hat ebenfalls verschiedene.Mafien und Abteilungen von der elementarsten Stufe bis zur Klasse für ben Haushalt. Nun ist's mit all dieser Herrlichkeit vorbei! Eine in den Annalen der Unglücksfälle vereinzelt dastehende Elementarkatastrophe hat alles zunichte gemacht. Soviel steht fest! Die Einzelheiten dieses Schauerdramas der Natur werden erst bekannt werden, wenn der Draht- und Postverkehr mit dem Lande des Unheils hergestellt sein wird. Huntes Feuilleton. Jüdische Schulkinder ohne Religionsunterricht. In dieser Frage schreibt Herr Lehrer S t v a n * k i) aus M e (ui f l Böhmen) in der jüngsdeu Nummer der „Mitteiluugeir des isr. Landeslehrerverbandes" in Böhmen.' Es wurde schon öfter aus die Lücke im Schulgesetze hingewie'en, daß nämlich die jüdischen Schüler der Volks- und Bürgeischule Zeugnisse erhalten, ohne sich mit einer Note, aus der Neligionslehve ansgelvieseir zu Hatzen. Welche Folgen, diese Lücke nach sich zieht, erhellt aus folgendein: Ein Vater aus einem nahen, Dorfe entzog seine Kinder, trotz meiner wiedeiholten Ansfordernug, dem Neligionsunteorichle. Trotzdem erbiettensie ihre Quartal- und Seinestralansweise. Ich ließ daher durch den betreffenden Schulleiter bei der k. k. Schulbehörde aufragen, ob der Vater bind) diese nicht verhalten Werden könne, seine Kinder zum Unterrichte zn schickein. Hier die Au't'ivort der Behörde: „An die Schulleitung in Weißkirchen! Zur dortigen Anfrage vom 2. Fetzrnar t. I., 12, teilen wir mit, daß sich aus den gesetzlichen Voo sch'riften keilte Berechtigung ergibt, wonach lvir die Kinder des N. zur Teilnahme am Neligion'öunteirichte iil Melnik als einer anderen Schulgemeinde verhalten könnten, weimgleich dieselben' früher freiwillig dahinge gangen sind, nachdemdie Entfernung von W. nach M. ctnch über 4 Kilometer beträgt. Demgegenüber sind die Verhältnisse nicht derart, daß vvn einer Neligionsnote auf dem Entlassnngszeiignifie dieser Kindei abgesehen werden könnte, lveii der ordentliche Religionslehrer seinen Sitz nicht in der Nähe hat, es also dem Vater der genannten Kinder entweder durch häuslichen Unterricht oder aus eine -andere, ihm als die beste erscheinende Art mögt ick) ist, seine Kinder in der Neligiouslehre nnterriä)ten zll lassen, damit sie dann dlirch eine Prüfling bei dem öffen!tlid)en, Lehrer eine Klasse fürdas Entlassungszengnis erhalten können." ----- Wenn aber der Vater, was ja häufig vorkommt - - insbesondere bei Mädchen - - für sein- Kind beim Schi ilaust ritte kein Entlassiingszengnis velaugt? So tritt dieses Kind ohne jeden Neligionsiinterricht ins Leben hinaus. Es wäre daher Sack)>e des Lehrervereines-, als auch des Herrn Vertreters im Landesschulrate, ans diesen Uebel-staud hinzn-weisen und Abhilfe zu verlangen. Reschräntilnft der Einwanderung nach Schweden, ü» der -ersten .nanuner des schwedischen rlk-eichst-ages niaclne der Füliver der Neakti-vn Vorschläge zur A-banderuua des EiNwanderanasge!-et.-.es. Er wünscht besonders, -fortft den ß.itifocu, die a na e dl ich in nros.eu AK'Nge» ans Polen, .'Hilft l-and iinfo Den. ci i.nid rach > r-edeii kom-m-en, di - E i n >io a -n d e r u n g v e r d o t e n >o e >r d e, jedoci, ruisdrücktich »kt Ausuci'bme derjenigen, die „nütz I ch? r-.'rrickiv.-i-, das l:e«-ftt Ks.-ar: der <Galizier nnd Polen, die den schwedischen Gr oft arn-ub..-.ätzer»r als Vol.n-drücker gegen die ouik.ei ».'i'scken VlUi-dr-ed-eiier dienen. ffawhbarl OVM«erriiet>t! Baruchlosl Pollenz echte Reform -Schweissblätter sinil die licsteB! DeM erböltl

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