Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 29 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nationalzestung Nr. 29 nreind-evertrelnng gehört. In den drei deutsche rr Minvritüts - Wahlbesirken Göding, Au spitz llu>d Al'.-Ä'ItZihlirchen jedoch, in denen die Ilnd-en einen bedeutenden Bruchteil der gesamten 'Wählerschaft bilden, wird empfohleiu, das; alle Inden sich geschlossen in den deutschen Kataster einschreibeu lassen, um so das Schwergewicht ihrer Stinunen bei den Wahlen int Sinne einer jüdischen Interessen- .p'vlitik geltend machen zu können." R-edner betont, daß sowohl diese Anträge als auch senre Anssiihrnngen bei der seinerzeitigen Jnforlnationsreise durch die einzelnen G-eu.einden lediglich dem Interesse -der Inden schuft entsprechen nnd daß damit keineswegs beabsichtigt werde — wie dies -;inrichtigerweise in einzelnen jndischnationalen Blättern dargeßellt wurde — die mährischen In,den a priori in das Lager der einen oder der anderen politischen Partei hinüberznfnhren. Dr. Ha ml ich iTamboritz) spricht sich für die Erntragnng der jüdischen Wähler der genannten drei Wahlbezirke in den deutschen Kataster aus, verlangt aber, daß daselbst jüdische Kandidaten mit jüdischllativnalem Programm anfgestellt werden. Delegierter Dr. Körner tGvdingj erörtert zunächst die Verhältnisse int Gödinger Wahlbezirk, wo voranAsichtlich ein jüdischer Kandidat auf de-utsch-liberaler Grundlage gewählt werden wird. Gegenüber dem Vorredner b eurer kt Dr. Körner, daß die -rvirtschastlicheu Interessen bei der Mp hl viel mehr in die Wäg sch ale falle rr als prvgrawmalische Direktiven. Er müsse daher den Vorschlag des Vorredners, daß jüdischnationale Kandidaten, ausg-ostellt werden, ablehnen. Ein solcher Beschluß wäre' soViel wie gar kein Beschluß, weil rin Gödinger Bezirke ein derartiger Kandidat nicht die mindeste Aussicht Hätte. Die jüdischnationale Bew>egung sei durch unreife Elemente stark diskreditiert worden. Z>ür die Entscheidnng der Telegiertewvers'am'mlung sei auch der Gesichtspunkt Verlustes der -deutschen Schulen wichtig. Wenn sämtliche Miitgliedeo einer Jndengemeinde sich in den tschechischen Kataster eintragen, dann wird es dieser Gemeinde »licht mehr! möglich sein, ihre deutschen Schnlen zu erhalten. Nach der Meinung des Vorredners solle durch die Wahl jüdischnationaler Kandidaten den Deutschen eine 'Stimme entrissen werden. Eine solche Illoyalität dürfe man nicht empfehlen. Oft sei eine einzige Stimme auch für die jüdischen Interessen, wie z. B. für die Erhaltung der deutschen Schulen oder die Abänderung der Gemeindeordmrng entscheidend. Doktor Körner beantragt, die Beschlüsse der seinerzöitigen VertrauiensmänNerversammlung der „Union" - vollinhaltlich a-ufrecht tziu erhalten.! Delogierter Tr. Zweig iProßnitzj wünscht, - atz in 'der heutigen Verchandlnn-g nicht die trennenden, sondern die einigenden Momente her'vortreten mögen. Das wird aber unmöglich gernacht, wenn heute schon nach dem Programme der klinf- Das Judentum i« den ersten drei Jahrhunderten unserer Zeitrechnung so lautete das Thema, dos Herr Dr. Ziegler aus Karlsbad in einem fast eineinhalbstündigen Vortrag vor einer zahlreichen Zuhörerschaft in der Frankfurter-Loge behandelte. Warum, so führte der Redner etwa aus, hat das Judentum, nachdem eS unter den Griechen und Römern eine überaus mächtige Propaganda entwickelt und geradezu glänzende Erfolge errungen hatte, den Gedanken des Apostels Paulus von der Befreiung vom religiösen Gesetz nicht gut geheißen, um sich dadurch den endgültigen Sieg über die gesamte damalige Kulturwelt zu verschaffen? Diele Frage ist von so tief einschneidender Bedeutung, daß es ein Unrecht wäre, ihr feige aus dem Wege zu gehen. Aus dieser einen Frage aber entspringen andere. Wenn schon das Judentum diesen Gedanken des Apostels Paulus nicht ausgenommen hat, warum hat es sich nicht gegen die neue Lehre verteidigt, warum hat es in einer unverständlichen Apathie das Umsichgreifen des Christentums mitangesehen? Hat es überhaupt die Hand gerührt, und wenn es gekämpft hat, wie sah dieser Kampf aus, mit welchen Mitteln wurde er geführt? Die Beantwortung dieser Fragen schließt die innere Geschichte des Judentums der ersten drei christlichen Jahrhunderte iu sich. Hat denn nun das damalige Judentum als religiöses Ganzes überhaupt Ursache gehabt, Jesum zu befehden? Nein, denn JesuS hat sich weder als Ketzer, noch als; tigen jüdischen Kandidaten gefragt wird. Allo Svni derwünscho müssen znrückgestellt worben, bis die \ Juden sich als ein selbständiger politischer Faktor! konstituiert haben. Die Eintragung in den dont-? scheu Kataster — so weit dies möglich erscheine —! sei im Interesse der Iudenschaft gelegen und wird nicht a-ns Rücksicht für diese oder jene politische Partei empfohlen. Wenn wir den alten jüdischen Gemeinden raten, sich in den deutschen Kataster einzntragen, so sichert das auch das Schicksal der! politischen Indengemeinden für absehbare Zeit, * denn die Acnder-ung der mährischer; Landeordnnng j sei von einer qualifizierten Ma/j-orität abhängig! und diese Majorität können die Tschechenallein! nicht anfbringen. Die derzeitigen politischen! Indengemeinden seien aber ein wahrer Segen für j die I-üdenschaft geworden. Das ist „K-lein-Zion'"! in -der betreffenden Stadt. Diese -Bastion zu erj halten, hängt von dem guten Willen der Deutschen! ab. Wenn aber die Deutschen an den Wahlstimmen - der >I-nd'en> kein I'nteresse mehr hätten, dann j würden sie leicht die Hand dazu bieten, die politi- , schenIu den gemeinden allfzu heben, um dafür andere ' Konzessioneir ans rl-ational-envGebiete eirrzutanscheu.! Redner betont, daß die Entscheidung der heutigen i De leg ie rie live r'sam'ml n ng gewiß nicht ungefährlich sei, die Gefahr des Boykotts bestehe immer, sie bei stehe aber auch bei einer etwaige-n gegenteiligen j Entscheidung. Der Vorschlag der ,-Oesterreich;sch-! israelitischen Union", zu dem er seinerzeit als j Zionist selbst die Anregung gegeben, entspricht; allen Bedingungen. Auf dieser Basis können sich I die Iu den aller Richtungen znsammenfinden. Ne!di ner beantragt daher gleichfalls, den- Vorschlägen | des Referenten zu zu stimmen.! Delegierter Dr. H a m l i ch erklärt, -sich den ■ Ausführungen des Vorredners zu akkvmodieren! und zieht seinen Antrag, daß jüdischnationale Kanj didaten auszullesten seien, hnrück.! Delegierter H i ck l sSchaffa) erklärt namens! der nationalen Inden, daß nationale Politik von! wirtschaftlicher Politik nicht zu trennen sei. Die - Inder; dürfen mir eine jüdische Politik betreiben. Ätedner -beantragt, daß die DelestiertenversamM-! lnng eir; Exekutivkomitee ein setze, rvelches die Aktion weiterznführen und znm Zwecke de-r>Durchführn.ng der heutigen Beschlüsse in den betresferw den Wahlkreisen Bezirksverfamml-un-gen abzuhat- : ten hätte. Referent Sekretär F te i's che r erblickt in der heutigen Versammlung einen erfreulichen Fort- - schritt in der politischen Organ-isM-on der mährischen Itldenschaft. Er akzeptiert den 'Antrag, daß die Versa m'mku-ng -ein eigenes politisches Organ schasse, an welches die „Union" die bisherigen; Agenden gerne abge-ben werde. Es sei ja auch dies schor; in der Vertrauensmännerversamimkung in ' Aussicht genommen worden. j Bei der Abstimmung werden die Referenten-! anträge einsiinimig zum Beschlüsse erhoben und I Weiser, noch als Häretiker gezeigt. Im Gegenteil, wir finden, daß er selbst sein Anathema gegen die Ketzer ruft. Chistus hat sich strengstens an das Gesetz gehalten. Zwar bat er am Sabbat Kranke geheilt und seinen Schülern nickt gewehrt, wenn sie den einen oder anderen Fasttag nicht hielten; aber dies ist kein Ketzertum und deshalb wurde er nicht zum Richtsätze geführt. Auch den Haß der Pharisäer hat er sich nicht zugezvgen, deuner trat nur gegen die gefärbten, gegen die falschen Pharisäer auf. Das geschah aber bereits mindestens hundert Jahre vor Christi, wie ein altes Mrschrafragment nachweist. Die Wunder konnten es auch nicht sein. Denn das Wunder ist der Religion liebstes Kind. Alles was er über die Wohltätigkeit, die Ehe, Almosen gelehrt hat, war G-meiligut des damaligen jüdischen Gedankenlebens Selbst seinen erhabensten Gedanken: Liebet eure Feinde, kann man schon früher als vorhanden Nachweisen. Es bleibt also nichts übrig, als ihn deshalb verurteilt zu sehen, weil er sich den Messias genannt hat. Dies barg für die sogenannten Herodäer eine Gefahr und nicht die Pharisäer sind schuld an seiner Verurteilung, sondern der politischen Unsicherheit der Hervdäer siel Jesus zum Opfer. Das Judentum selb'Z hatte nicht die geringste Ursache, gegen den gesitzestreuen Jesus auszutreten. Im weiteren schilderte Redner die Ausbreitung der christlichen Lehre durch seine Jünger in der D aspvra und die disputatorischen Kämpfe der hervorragenden jüdischen Weisen gegenüber der neuen Leh e in Casaiea und Antiochia, wo sich die ersten Bischofssitze befanden. Die Juden wurden in eine Defensive gedrängt und der Gedanke der Präex stenz, deS auserwählten Volkes Gottes, den das Christentum nun nach dem Falle I in das Exekrrki'vk-omitoe gewählt die Herren: Dr. j HwronymnS Fialla, Dr. LuÄwig Körner, Doktor > Gllsiäv Zlv-eig, Dr. Theodor Haas, Dr. '.Hermann Hamilich und Dr. Berg. Nachdenr noch der Bovsitzende der „Oesterreichifch-lsraelitlschen Union" und deren -Sekretär für die geleistete verdienstliche Vorarbeit 'den Dank Her Versanmilmig ausgesprochen, -wurde die DelegielsbeiMevsamilnknn-g für geschlossen erklärt. Das gciivählte Exekn-tiivliottritee trat sofort z-ust Dnr-chftthrnng der ihn; 'zn-gewicfen«en Anfgaben zusammen. Vermischte Nachrichten. Erster Wiener jüdischer Turnverein. Zugtmsten des Turnhallenbaufonds dieses Vereines findet Sonntag den 22. April 1906, > nachinittags halb 6 im Deutschen Volkstheater eine Vorstellung des neuesten Werkes! Ohor tl s, des Verfassers der „Brüder von j St. Bernhard" „Unlösbar", Schauspiel! in 6 Akten, statt. Die Premiere dieses Stückes i findet am 20. April I. I. statt. Mit Rücksicht! auf den Zweck dieser Veranstaltung, wird er-! wartet, daß jeder Jude sein Scherflein dazu! beitragen wird, der guten Sache einen bedeu-! teirden Reingewinn zu sichern. Bestellungei;! von Sitzplätzen (ohne Vorderkanfsgebühr) sind! schriftlich an Herrn Karl P l o w i tz, > 9. Bez., Müllnergasse 23, oder telephonisch an! Nr. 9790 (Herrn Spitzer) zu richten. ' Wien. (Allgemeines Wahlrecht in der Kultusgemeinde.) Samstag den 21. April, 8 Uhr abends, findet im Restaurant G u t h, 2. Vez., Stefaniestraße 14, eine öffentliche; Versammlung statt. Tagesordnung: „Das allgemeine Wahlrecht und die K u l t u s st u b e." Referent: Herr Max M a r k u s. Gäste willkommen! Einberufcr: Dr. Isidor M a r g u l i e s. I. G e w i t s ch.! Wien. i Verlobung.) Fräulein Elsa Deutsch in Wien, Schwester des gewesene;; Präsidenten der jüdisch-akademischen Verbindung „Kadimah", Herr N. Deutsch, verlobte sich mit Herrn Arnold P r a g a n, Gesellschafter der Firma Alois Progan u. Bruder in Wien. Herzlichste Gratulation! Wien. (Hebräischer Vortrag.) Sainstag den 21. ds., um 8 Uhr abends, findet in; Kom greßbureau, 9. Bez., Türkcnstraße 9, ein hebräischer Vortrag des Herrn B. R u b i n st e i n über --m r:r-- jnit daransckiließender Diskussion in hebräischer Sprache statt. Gäste willkommen. Wien. (Privatschule für Religionsunterricht des Vereines „Adas; Israel".) Die Prü fung an unserer Anstalt findet Sonntag den Jerusalems für sich beanspruchte, wurde stark verfochteu. Auch "das Judentum jener Zeit hat, wie einst die Priester, die religiösen Ideale gekannt, aber diese Ideale mit seiner ualioualen Existenz bezahlen, das wollte das Judentum nicht. Rom war kosmopolitisch, Israel national. Das Christentum war römisch geworden und wollte die ganze Welt uiterirativualisiereii. Jeder anderen Nation würde dieses Nativnalitälseinpsinden als eine Großtat ungerechnet werden; die. Juden aber werden darüber verspottet. Eine Nationalität fragt m ihrem Lebeusw'llen nud ihrer Lebenskraft nicht nach der Welrgeschichte, sondern sie existiert so lange, wie sie ans eigener Kraft existieren kann. Huntes Feuilleton. Eine Synagoge zur Strafe geschloffen. Die Synagoge in K a l i s ch ist polizeilich geschlossen worden und soll zur Andacht erst freigegeben iverden, wenn die Genreinde eine Strafe von 3000 Mark zahlt. Anlaß zu dieser Maßnahme sott eine sozialistische Ansprache gewesen sein, die ein junger Mann ohne Erlaubnis des Vorstandes zu halten begonnen hatte. Eduard Bloch in Cincinnati gestorben. Aus Nelv Uork konnnt uns die Nachricht zu, daß Eduard B l o ch, der Seniorchef des größten indischen Verlagshauses in Amerika, am 22. März, im Alter von 77 Jahren in Cincinnati gestorben ist. Bloch lvurde in Grafen-