Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 29 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2429839-2429840-2429869--205-2430280- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nationalzeitung Eigenart neigen. Wie dein auch sei, was in öer Türkei durch die großen Nesvrmgesetze möglich war, den Hattischerif von Gülhane von 1836, der allen Untertanen ohne Rücksicht aus Religion, 'Schach des Lebens, der Ehre und des Vermögens verhieß, und das Hnttihnnmynm non 1856, daß die bürgerliche (V-leichstellu.ng aller Untertanen ohne Unterschied der Religion verbürgte, muß auch für Marokko sich schließlich erreichen^ lassen. s,-Franks. Zig.") Der U. O. B. B. und Witte. Der Präsident des Exekutivkomitees des „Unabhängigen Ordens Bnai Briß", Adolf Krauß irr Chicago, hat an den Grafen Witte folgende Eingabe gerichtet: Gw. Exzellenz! Sie werderr sich sicher unseres Interviews in Portsmonth erinnern, dem auch die Herren Schiss, Strauß, Seligwlann, Levisohn und andere beiwohnten, und als drei von -uns in der Eich von Mw Zlor'k Ihnen glückliche Heimbehr rvlinschterr, hatten Sie die Güte, uns anfzu fordern- Ihnen. in einiger Zeit -über das Thema unserer damaligen Unterredung zu' schreiben. Und so erlaube ich miir herrte, vorr der mir so gütig M'ivährten Erlaubnis Gebrauch zu nracherr. Es ist zwecklos, bei den Einzelheiten der schrecklichen Judenmässakers in Rußland länger zu verweilen, denndiese Einzelheiten sind Ihnen ja besser bekannt als mir. Ew. Exzellerrz werden sich wohl d'aran er'vntrerrr, daß ich damals die Meinung äußerte, daß wenn diejenigen, die so mutwillig die Juden Verfolgt, bei den Mordtaten geholfen oder 51t diesen sogar auf- 'gereizt haben, schuell rrnd gerecht bestraft worden wären, dies eine solche Warnung für die anderen gewesen wäre und eine so deutliche Stellung der Regierung zur« Sache, daß sie wohl hingereicht hätte, der Wiederholung solcher Schrecken im vollen Mäße vorznhengen. Daß wir aber von keinen strengen. Mäbnahmen zur Bestrafung dieser Verbrechen gelesen häben, mag wohl darin seinen Grrmd haben, daß vielleicht die Regierung die Pflicht außer acht gelassen, hat, die Bewegung im 'Keime zu ersticken, oder dar irr, daß die Presse nnr unlzulängkiche Informationen Mer die dlngelegenheit erhalten konnte. Aber was auch die Ursache sein mag, die Tatsache hat eine allgemeine Besorgnis irr nuferem Lande hevvorgeru'sen, daß die Massakers gegen die Indien' irr Rußland sich wiederholen körruten, und es herrscht überwiegend die Ansicht, daß das Leben der Inden in diesem großen Reiche keine Sicherheit biete. Als das Resultat dieser itnmer mehr sich verbreitenden ArrfchaülUtlg, daß Leben und Eigentum! der Inden schutzlos seien tu dorn Lande, wo ihre Ahnen seit Generationen gelebt haben nnd in dem Gw. Exzellenz Premier- Min-ister sind, wurde eine w'ichtige Maßregel ernstlich in Erwägung gezogen: ob inan es mit dein Gesetz vereinbaren könne, die Inden ganz, oder soweit es ausfirhrbar ist, aus Rußland wegzubringen rrnd sie in Länder iiberznführen, wo ihnen die Möglichkeit geboten ist, eines natürlichen Todcs zu sterben. Wenn die Pläne einer solchen Bewegung sich in Taten umsetzen werden, wird die Gesellschaft, deren Präsident ich bin, sehr aktive>r Anteil daran nehmen. Ueber die ungeheure Tragrreite dieses Schrittes sind wir uns ganiz klar, und er wird natürlich unsere letzte Zuflucht sein. Ich nehme mir deshalb die Freiheit, mich an Tie. nur die Informationen zn 'wenden, von Welchen unsere Aktion abhängerr wird, wenn es Ew. Exzellenz richtig erscheint, daß uns' solche gegeben werden, und zwar sind es die folgenden: Ist jetzt, wo es scheint, daß die Regierung den Frieden im Lande hergestellt hat, diese auch in der Lage', das Leben und Eigentum der Inden so zn schlitzen, wie das der Christen, rmd jette Branchen zu bestrafen, die ihre Pflicht verMsüumt haben, indenr sie es unterlassen haben- Maßregeln zum Schütz der Inden zn ergreifen und künftige Massakers zu verhindern'? Ich wüßte nicht, bei der Frage, die ich mir zu stellen erlanbtc, irgend etwas Beleidigendes gegen Gw. Exzellenz getan zu haben.,- denn es ist doch selbstverständlich, daß es in den Intentionen jeder Regierung liegt, alle ihre Bürger zu schützen. Meine Entschuldigung für diese Altsrage ist die Tatsache, daß die Jnderrnlafsakers irr Ihrem Lande stattgesnildeir haben und jetzt Berichte in die hiesigen Zeitungen kommendaß man den 'Ausbruch der größten Massakers, die je die Welt gesehen hat, für die bevorstehende Osterzeit erwarte, und daß -allgemein die Meinung verbreitet ist, daß die Regierung nicht in der Lage sei, ihren kräftigen Arm o'itim Schutze der Juden zu erheben, daß also die J'nden in Rußland dem Verderben preisgegeben seien. Ich habe die Ehre in Hochachtung zw verbleiben Adolf Kraus, Präfident des Exekutivkomitees des U. O. Bnai Brüh. Ans dieses Schreiben ist nach folgernde nichtssagerrde telegraphische Antrvvrt ein>svgawgen>: „Ich bin sicher, daß Sie nicht bezweifelt Haben, daß ich Gewalttaten «licht billigen' kann, gleichviel gegerr wen diese gerichtet sirrd. Die beklage nswerteu Ereignisse, welche stattgesunden haben, waren 'das Resultat der Unruhen. Sie können überzeugt sein, daß die Regierung alle möglichen Maßnahmen ergreifen' wird, um. allen GransanEeiten gegen friedliche Brirger, ohne Riicksicht darauf, rvelcher Nationalität sie angehören, vorzrlbeugen. Graf Witte." Delegiertenversammlung der Kultus- und politischen Isrartttengemeiriüen Mährens. Am 15. ds. fand im Ditznngssaale der Brün'ner israelitlschen Knltnsgemeinöe eine Delegierte n v e r s a nr m l u n g der Krlltusrrrrd politischen Israelitengemeittden Mährens behrrfs Stellungnahme zur neuen Landtagswahl- 0 r d n n tt g statt. Als Delegierte nahmen teil die Herren: Dr. Hiervnynnls F-ialla Oku ltns gemeinde Brünn), Bürgermeister Karl Müller sKmltusgemeinde und politische EZemeinde Gaya), Jacques Rtay-er <K'.-G. Prvßnitz), Bürgermeisler Dr. Gustav Zweig (P. G. Prvßnitz), Dr. Ludwig Körner (K.-iG. Güding), Tr. -Hermann Hanr.lich und Heinrich Wachsnrann' lK.-G. Damboritz), B. L. Teltscher IK.-G. und P. G. Nikolsbnrg), Richard Löw lK.-G. Neu-Rausnitz), M'oriz M. Schnabl lK.-G. ll. P. G. Pohrlitz), Prof. Dr. D. Schmidt l'K'.-G. n. P. G. Leipnik), Mikhelln Oesterreicher i'.ek.-G. Jglan), Heinrich Berisch (K.-G. Anspitz), I. G. Müller hst.-G. Gr.-Mejseritsch), Hermann Steiner iK.-G. Znaim), Max Hickl lK.-.G. Jam'- liitz) und P. G. Cchaffa), Blirgermeister .Heinrich Flesch und Dr. Berg lK.-G. u. P. G. Anfterkch), Philipp Ornstein iK'.-G. n. P. G. TrebÜfch), Josef Hauser und Sa komm» Kbnig lK.-G. u. P. G. Mißlitz), Bernhard Körner lK.-G. rr. P. >G. Prera-n), Enrannel L'öwenthal (K.M. Teltsch), Signriund Schaüz lK.-G. LomNiitz). ZustinlNrüngsschreiben warerr ein'gelangt vorr den Kultusgelneirrderr: Wall-Meseritsch- Zwütau, Kostel, Bisenz, M.-Anssee, Kanitz, U.-Hradrsch n. Bivsko!witz. — Wegen Verhinderung hatten sich entschuldigt die Hevrerr: Stein lZwittau), Jacob Stern lMähr.-Anssee), J-riedlünder (Mährisch- Ostran), Beer lHollescharr), Rabb. Dr. H. Flesch lKanitz), Carl Schön lWa'll-Meseritsch), SigMnnid Fürst Mrist.-Hradifch)., Sigmund Hosmanin lWifchan) und Dr. Sigmund' Weiß lBoskowitz). Znur Vorsitzenden der Bersaurmlung wurde Herr Dr. Hieronymns Fialla gewählt, welcher die Erschienenen in Vertretung der Br'nnner K'nltusgemeinde Herzlichst begriißte. Das Referat erstattet« der Sekretär .der „Oesterreichisch-israelüischen Union", .Herr Siegfried Fleischer, welcher an die im Dezember v. I. irr Wien> stattgefundene BertrauensmäNnerversamnttung airknüpfcnd, folgende Anträ.ge zur Di Mission' stellte: Die TeletNertenversammlung beschließt: „In jenen- Wahlbezirken, inl welchen« die -Inden eine verschwindende Minderheit bilden, wird cs jeder einzelnen Ge-meiride iilberlassen, sich irr den Kataster jener Nationalität einzutragen, z,n welcher die betreffende Ge- Tage von einigen dünnen Gasflänunchen! dürftig beleuchtet wird. Die Bedienung besorgen sechs bis Zivölf Angestellte, meist bärtige Leute, mit dem Sanuntkäppchen auf dem dkopfe, von denen jeder in allen Fächern der hebräischen Literatur atisgezeichnet Bescheid weiß, und die sich mit den Kättfern fein: oft in einen lebhaften Disput über religiöse, Philosophische oder literarhistorische Fragen einlassen. Zioischen den Angestellten und ihrem Chef herrscht jener bei Inden so oft bewunderte Patriarchalisch-kollegiale Ton, mrd es ist mir selbst einmal Passiert, daß ich mit dem Besitzer eines solchen Bücherladens wegen einer neuen Erscheinung auf dem Büchermärkte einen kritischen Disput begann, als fast alle Angestellten, angeregt von der Frage, um die es sich handelte, ihre Besästlftigung und ihre Kunden im Stiche ließen und sich an unserer Diskussion beteiligten. Die typischen Gestalten dieser „Mocher S'forim", wie die jüdischen Buchhändler hebräisch genannt werden, haben schon manchen Journalisten herangezogen, und oft kann man in hiesigen nichtjüdischen Blättern interessante Interviews mit dem einen oder andern dieser Buchhändler lesen. Der Vertreter des „Outlook" machte sich vor einigen Tagen das Vergnügen, einen solchen Bücherladen in der Canal-Street aufznsuchen. Er lourde von dem Inhaber, einer, leider immer mehr verschwindenden, echt biblischen Gestalt empfangen. Schlank, etwas schwächlich gebaut, nüt schwarzen, lebhaften Aligen, schwarzeln, leicht gekräuselten! Haar und einem schwarzen, schon etwas meliertem Bart. Wäre er an Stelle seines abgetragenen, schlvarzen Gehrockes in einen rot- und weißgestreiften Mantel gehüllt, man lvürde ihn für eine jener biblischen Gestalten gehalten haben, die seine alten Bücher oder eines der Schaufenster seiites Ladens schntücken. Der Jotirnalist frng nun dett Bttchhändler ttach den: jetzigen Stande der jüdischen Literattir und neuesten Erscheinungen auf diesent Gebiete. Zu seinem größten Erstalinen wurde ihm ein in jüdischer Sprache abgefaßter Katalog mit inehr als tauseitd Nummern vorgelegt. Auf die Frage, lver. ivohl jetzt der populärste jüdische Schriftsteller, sei, antwortete der Buchhändler: „S.J. Abralnowitz, bekannt unter dem Schriftstellernamen „Mendele Mocher S'forim", ivird am meisten gelesen." „Wir haben hier in New Uork ebenfalls eine Anzahl jüdischer Schriftsteller von allgeineiner Bedeutung. Da haben wir Morris R 0 s e it f e l d, den Dichter, die Drantadichter Jakob G 0 r d i n unb David Pinski, ferner den Novellisten Abrahani C a h a it und den Volksdichter Elhakum Z u n s e r. Mr. C a h a n gehört abernur insofern ztl den jüdischen Schriftstellern, als er selbst Jude ist und auch über Juden schreibt, aber sein Vorivurf ist stets englisch." „In all diesen jüdischen Buchhandlmtgeit sind ausschließlich jüdische unb hebräische Bücher zu habeit, aber lticht nur Originalwerke. Sie finden da hebräische ttnd jüdische Uebersetzungen der besten Erzeugnisse aller Literaturen. Bei mir z. B. können Sie jüdische Uebersetzungen der Werke Shakespeares, Goethes, Schillers, Heines, Tolstojs, Gorkhs, Voltaires, Viktor Hugos, Dantes, Swinbnrnes, Shelleys und anderer großer Dichter der verschiedensten Literaturen haben." Diese Mitteilungen klingen dein Uneingeweihten um so merkwürdiger, als es ihm bekannt ist, daß die jüdische Sprache oder „Jndendeutsch" noch vor dreißig Jahren selbst von denen, die sie beherrschten, geradezu verachtet wurde, und daß sogar die wenigen Publizisten, die sich dazumal des jüdischen bedienten, gewissermaßen zur eigenen Entschuldigung betonten, daß die niedere Klasse des jüdischen Volkes nur vermittelst dieses „Jargons" zur Kultur herangezogen werden könnte. Heute ist die jüdische Sprache eine anerkannte Volkssprache. New Uork, 6. April 1900. A. Grüner. KREBS-APOTHEKE 5. niTTELBflCH Wahr-Ptllen. Wien, I., Hoher Merkt Nr. 8 •‘"/Ä.ÄS""'1"" (Paiuia sine) iw Ztutruw der Stadt. + Eine Rolle, eDthnJtec 8 Schachteln, 2 Kronen.