Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 29 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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.Seite 2 das erst heute bekannt'? Wozu war es dauu notwendig, daß Vertreter des Zionismus, so auch der Obmann des mährisch-schlesischen Distriktes, in unseren: Blatte den Sekretär der „Union" für sein Vorgehen angrifseu, der doch, wie es sich hcrausstellt, im Sinne des ziomstischeu Delegierten tätig war?! . .. Diese Dinge gehören jedoch in ein anderes Kapitel, sie finb bedeutungsvolle und bedenkliche Zeichen! Mögen die kompetenten zionistischen Kreise zusehen, wie sie unter solchen Umständen den tuuereu Zerfall hintanhalten! Es wäre im Interesse der guter: Sache sehr zu wünschen, daß dies gelinge! Wir mußten auf diese Symptome Hinweisen, weil ein ehrliches Wort heute mehr denn je vonnöten ist. . . . Das wichtigste jedoch bleibt, daß in Brünn eine Versannnlung von Juden verschiedener Parteirichtung sich zu einheitlichen: Vorgehen .geeinigt hatten, und das nrußte auch fonftatiert werden. Christen und Juden in Marokko. Bon Dr. Alfred Klee-Berlin. Tie Konftr-enz von Algeciras rft zu Ende. Dmtk der Haltung D<utschtanbs ist der Duniisierunig Marokkos ein Riegel vorgeschoben worden, und die Vorteile der wirtschaftlichen Erschließung des Landes werden allen Mächten zugute kommen. So bedeutet die Konferenz ein gutes Stück Kulturarbeit. Und Kulturarbeit ist auch in der letzten Nachmittagssitzung geleistet worden, in der die Frage des tziefängniswesens und der Sklaverei, der Sicherung der Schiffahrt durch Leuchtfeuer und der Bau einer Nordwestbahn, die in: Anschluß an das europäische Bahnnetz die Entfernung zwischen Europa und Südamerika erheblich kürzen würde, z ur Sprache kamen. Ein stimm ig hat sich auch die Konferenz in dieser Sitzung auf den Antrag des anierika ui scheu Delegierten dahin ausgesprochen, dast die Lage der Juden in Marokko fortdauernd verbessert :verden müsse. Herr White wies namentlich daraus hin, daß nicht etwa von der einigermaßen erträglichen Lage in den Knsteustädten anif eine gleich glückliche Lage im Innern des Landes geschlossen werden dürfe. .Herr non Radom itz und der Marchese Visconti-Velvosta befürworteten den Antrag warm, und der .Herzog non Almodovar fügte hinzu, daß sämtliche Delegierte der Mächte sich anMössen und daß Lern Land glücklicher wäre, als Spanien, sich diejssm edlen Gefühle religiöser Duld-mig antzüschließen, weil so viele Juden in Marokko mit Spanien durch die Bande der Abstammung und durch die Gemeinsamkeit der Sprache in Verbindung ständen. In allen Zonen doch Gepräg' aus Steilte, In Färb und Bildung bleibt rnem Antlitz gleich,' So Heiß ist Südens Brand nicht, daß er's bräune. So kalt kein Norden, daß er's tünche bleich! < Die Christen sahn's, da macht es ihnen dünken, Es sei wohl eiserffest auch unser Leib, Daß nnser Blut ihr Schwert sie ließen trinken, Uns niebe Molchen Greis und Kind und Weib! Die Christen saht:'s, und unseres Leibes Glieder Hielt da wohl auch für feuerfest ihr Wialhn, Daß sie ur:s Haus und Hütten brcuntte:: nieder Und unter uns den Holzstoß schürten au! 7 7 7 ‘ ' im Ke« Norker Ghetto. Der Jude des Nelv Uvrker East Ei:d ist, was seine religiöse Richtung betrifft, im allgemeinen orthodox. Diesen: konservativen Slairdpunkt entspricht auch ein anderer Charakterzug dieser Inden, daß sie nämlich in Handel lind Wandel gerne alte Bahnen gehen, ans der jeder nur einen solchen Erwerbszlveig ergreift, in welchem er mit seiner eigenen Kraft möglichst anskonunen kann. Die Heranziehung fremden Kapitals zur Vergrößertmg seiner Handelsbeziehungen ist dem New Uorker Ghettojnden im großen Ganzen frenrd. Er Waschbar! - Nationalzeilnng Dir Lage der stkichtmohammedaner, d. h. in erster Linie der Juden, da die Anzahl der Christen, die nickst Angehörige eines europäischen Staates sind, gering ist, ist im allgemeinen trostlos. Es mag zugegeben werden, daß der Sultan und der Mag-lizen von den besten Absichten beseelt und durchaus gewillt sind, Toleranz zu üben, und vom Standpunkt der moreitänischen Zentralregierung «värc die wohl apvkryplie Aeußerung nicht ungerechtfertigt, die der marokkanische Delegierte Dorre s aus der Koiiserenz bei der J-udendebakke getan haben soll: „S o behau de ln lvir die Juden nicht, wie die Russen cs tun." Aber Marokko ist groß und der Maghzcu ist moit; die Lage der südischen Bevölkerung somit abhängig von der größeren oder kleine reu Einsicht der Provinz- und LotalbeHörden lind der mehr oder weniger grosten Habgier der iniiergeordueteu Beamten. Es komlneu Beschränkungen in Wohnung und Kleidung vor, in Handel und Wandel, besondere Leistungen au Geld, Zwang zu widerwärtigen und degradierenden Arbeiten, zu denen der Mohammedaner sich nicht hergeben will, Beschränkungen vor Gericht, in der Berufswahl, erniedrigende Behandlung bei der Bezahlung von Steuern und Aehnliches. Ter Grad der Mißhandlung und Mißachtung ist in den einzelnen Laitdesteilen recht verschieden. stieben dem Wohlwollen des Gvuverueinrs spielt nalürlich die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes und der Einfluß des Europäertll'ms, der sich namentlich in derr Küsteustädteu geltend macht, eine Rolle: von völliger Rechtsgleichheit kau::- uirgeud gesprochen werden. Wie eine bllltige Jrouie mutete cs daher jeden Kenner der Verhältnisse au, als vor einigen Wochen ein Brief des Oberrabbiuers von Tanger, Bengiv, au den Sekretär -der amerikanischen Delegation bekannt -lvurde, ii: dein es hieß, daß schon seit der Regierung des vorigen Sultans die Juden keii:en Grund zu einer Klage hätten, und daß sie in jeder Beziehung gerecht und freundlich behandelt würden. Bon welcher Seite mag wohl dieser arme Mann, der den Unterschied zwischen der Lage.tu den Küste ifftädten und dem Landes: iinern genan keimen mutz, zu einer solche» Erklärung gepreßt worden sein? Einen Fingerzeig gibt vielleicht der Umstand, daß einer dyr. angeseheifften Männer der Gemeinde von Tang-öt der Korrespondent des Pariser „Temps" ist. Es ist das Verdienst des Hilfsvereines der deutschen Inden ltnd seines Präsidenten Dr. Paul Nathan, bei Gelegenheit der Konferenz die A:ffmerksamckeik der Mächte aus das Schicksal deck marotka Nische ii J-i:dei: gelcirkt zu habe::. 'Dier Hilfsive-rein wandte sich zunächst an dein deutschen Reichskanzler, der in wohlwolle über Weise seiner Sympathie mit dem Bestreben, die Lage der Nichtino'hanimedaner ft: Marokko zu verbessern, Ausdruck gab, und die deutschen Delegierten anivies, wo immer aus der Konferenz sich eine Gelegenheit reüssiert aus eigener Kraft, oder er geht unter zufolge der Unzulänglichkeit seiner eigenen Kraft. Auf einem einzigen Gebiete zeigt sich eine Ausnahme von dieser Regel, und das ist der Buchhandel. Dieses ziemlich lukrative Geschäft wird nicht von Einzelnen, sondern von einer, infolge Vereinigung des Kapitals entstandenen Gesellschaft beherrscht. Diese Gesellschaft nennt sich „National Hebrew Publication Society" und versorgt im Wege ihrer ungefähr fi'llffzig größeren und kleineren Bnchergeschäfte die ganze New Uorker Ostseite mit lithurgischen Büchern, sowie mit Büchern alls der hebräischen und jüdischen Literatur. Die meisten dieser Bücherladen befinden sich auf der sogenannten „Unteren Ostseite". Trotzde:n diese B::chhandlungen, wie man hier sogt, eine auf der anderen liegt, tmd trotzdem es ein offenes Geheimnis bildet, daß sie allesamt der großen Trustgesellschaft angehören, u:acht jede von ihnen ein glänzendes Geschäft. Die Umgebung des „Bücherwinkels" besteht wohl zumeist aus arrnen Leuten, aber sie sind doch nicht so arn:, daß sie nicht einige Groschen für ein gutes Buch erübrigen könnten. Diese Inden habet: wohl eine instinktive Abneigung gegen jeden Trust, aber sie überwinden auch diese Abneiglmg, ivenn es gilt, ihren Hunger nach einer fluten Lektüre zu stillen. - Nr. 2'J zeigen würde, in diesem Sinne zu wirken. Der Hilfsverein trat sodann weiter an die großen jüdischen Hilfsorganisationen außerhalb Dentschlands heran niit der Bitte, im gleichen Sinne sich an ihre eigenen Regierungen zn wenden. Dies geschah in Wien und London und Dank dem Wirken tdes unerniiidlichen, ivarinlierzigen Menschenfreundes Jakob H. Schiff in den Vereinigten Staaten. I:: Italicn gibt es bei der geringen Anzahl der dort lebenden Inden -keine eigene - Hilfsorganisation. Als ich in Ron: um eine Unterstützung der Sache üachsnrhte, wurde sie von dem damaligen Mmisterpräsidenten F-ortis, „da es sich um eine Frage der Humanität und der Zivilisation handle, die die ganze Menschheit angelien müsse", gern zngefagt und der Marchese Biscoiiti^Beilvsta mit entsprechenden ätzeisnngen versehen. Die spanische Regiernng wntde durch den Senator Pnlido informiert, der bei seiner Begeisterung für die Repartriiernng der spantolischen Inden mit Freude die Anregung des Hilfst Vereines ansgriff: mit ivelch -erfreulichen: Erfolge zeigt die Rede des Herzogs von Almodovar ans der Konferenz. Säur in Paris ist nichts geschehen. Ans welchem Grunde, ist nicht recht festznstellen. Möglich, daß die französische Regierung ursprünglich die internationale Behandlung neuer, nicht ftn Koiffereuzprograinm enthaltener F-ragen und somit die Mvglichteit einer lveiteren Einengung der sranzösischen Einstußsphäre zu vermeiden wünschte, und daß bk' in Paris zentrMsterte „Allianee israslite Universelle" diesen Wunsch respektierte, in der Ueberzenglnig, dast Niarokko im wesentlichen -französische Domäne sei und bleiben werde. Dlast diese Auffassung irrig ist, hat der Verlauf -der Konferenz ergeben-, dast aber französische Vorherrschaft im Lande und Gleichberechtigung der Juden durchaus nicht Hand in Hand zu gehen brauchen, beweist die traurige Lage der jüdischen Bevölkerung in Tunis. Möge der eiiiistinftnige Appell der Mächte an die scherifische Regierung nicht nngehört verhallen. Eine Regelung der Lage der Si'ichtnrohammedarver liegt vor allonr auch irn Interesse der miarokkanischen Regiernng selbst. Erwleist sie sich nicht stark geniug, Exzessen des Pöbels ::nd Amts Überschreitungen der Lokalbehötdeu erfolgreich -entgegenz-utreten, so werden die europäischen Mächte rum des Friedens -und des wirtschaftlichen Il:ffschw:mgeS willen, der die Ordnung in: Innern zur Voraussetzung hat, eingreisen müssen. DaS zu erstrebende Endziel bleibt natürlich die völlige gesetzliche Gleichstellüing. Miau hat wohl ans den Gegsnlsatz hiugemieseu zwischen der Rechtslage der türkische n Juden und >den Berhälftmsien in Marokko. Möglich, dast die Lösung sich in der Lage der Marokkanischen Aiohammedaner als rvestlichen Vorposten des Islam finden läßt. Völker aus Grenzposten werden meist zu ganz besonders scharfer Hervvrkehrung ihrer nationalen und religiösen Die vier größten Bücherladen befinden sich längs der Canal Street. Von anßen hat es den Anschein, als ob cs lauter Niederlagen von Ritualien und rclegiösen Gebrauchsgegenständen wären. Die Schaufenster sind mit gold- und silberbordierten Gebetmänteli:, gestickten „Tallisbenicln", Thoraulänteichen, Menorahs usiv. angefüllt. Blos ein reiches AssoAimeift von hebräischen und jüdischeil Gebetbücher!: deuten darauf hin, daß mair es mit einen: Büchergeschäfte z:: tun habe. Diese äußere Einrichtung ist auch ein Zug des Konservatismus unserer östlichen Inden. Bis vor ungefähr dreißig Jahren gab es hier feine eigentliche jüdische Literatur. Mit Ausnahme einiger Gelehrten, die das Hebräische beherrschten, läse:: die Jlldci: inir ihre Gebetbücher und andere jüdisch geschriebenen Erbanungsbücher. Aus diesem Grunde ivar der jüdische Buchhandel eigeirtlich n:ehr eine rituelle Einrichtung und beschränkte sich auch zinneist auf den Verschleiß von ritnellei: Gebrauchsartikeln. Heute hi::- gegen befinden sich diese Ritualien ivohl im Schaufenster, lvährend das eigelüliche Gcschäftslager fast ausschließlich weltliche Literatur enthält. Das Geschäftslokal eures jüdischen Buchhändlers auf der Ostseite ist in der Regel ein langer, schmaler, auf beiden Seiten mit Büchern angehäufter Raum, der amh anr »las! Pollenz echte Reform-$cb weissblätter II eil 46999954