Mannheim
Compact Memory

Nationalzeitung · 1906-04-20 · Heft 29 (20.4.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 29 (20.4.1906)
Date
1906-04-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2429839-2429840-2429869--203-2430278
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Dolfes, MtmchtitW Grscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentümer mb Kerausgedrr: Jakob Kransr. Inserate Lbernelinien die firmen: I. Vanneberg, IN. vukes Nachfolger, ksaafenftein L- Vogler, Rudolf Masse, M. pozsonyi, kl. Schale! in Wien ferner alle klnnoncen.Lxpeditionen im Lluslande. Ginzet - Nummer irr Mier» LS Heller. Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgegengenonnneit werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile II; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wien, l. Jakobergasse 7. Kr. 29. Wien, Freitag den 29. April 1906 (25, Missa« 5666). VIIL Jahrgang. Krdslrkivn: IX/l, Wnsagaffr 31. Telephon Nr. 147»». Sprechstunden r A» Wochentagen von 1V bi? 12 Uhr vorn:. Postadresse: „Natioualzeitnng" Wien, IXjl. Sttklnveraen wegen versblitc:cr oder anr nicht erfoloter Zustellung erbitten wir »ns dringend. — Msnuistrwle tverOen nied» LurSciigcneilt. Postsparkassen-Konto 47037. In das Abonnement fcmn inan täglich ein er >n en. »-ä Udittintstrarron: Telephon Abonncments-PreiS: Für Wien u. Oesterreich- Ungarn s. Frankozustellung: Ganzjährig. . . . K 1 Satbjährig . . . . K 6.— ierteljädrig . . . K 3.— Für das gesamte A«Sl i d Ganzjährig . . . L 18.1» IX/l, Wsfagslle 31. Nr. 14723. Preis der Anzeigen: Diesmal gespalt.Nonpareillezeile oder deren Raum 12 d. „Eingesendet" die Zspaltige Noupareillezeile SO Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Die Brunner Beschlüsse. «I. Kr. Am Ostersonntag fand in Brünn eilte Delegierten Versammlung der m ä h r i s ch e u Jude n statt, über dereu Verlauf wir auf Grund eines vom Sekretariate der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" ausgegebenen Communiques an anderer Stelle berichten. Wichtig an dieser Versammlung, an welcher mährische Juden aller politischen Richtungen teilgenommen haben, ist nicht so sehr der Inhalt der Beschlüsse, als vielmehr die Tatsache, daß die Beschlüsse, trotz der parteipolitischen Divergenz der einzelnen Teilnehmer einhellig gefaßt wurden, und sich somit eine Plattform ergeben hat, auf welcher alle mährischen Juden, unbeschadet ihrer persönlichen Anschauungen geschlossen werden vorgehen können. Diese Tatsache ist, wie gesagt, das erfreuliche Resultat dieser Versammlung, weil die exzeptionelle Stellung, welche das Land Mähren in bezug auf die Wahlreform, wie auch bezüglich der Verteilung und des Einflusses der Juden im westlichen Teile des Reiches eiunimmt, erheischt auch ein exzeptionelles, von der allgemeinen Schablone abweichendes, von Parteifesseln freies Vorgehen der Juden in diesem Lande. Das wesentliche, das praktische der zum Beschlüsse erhobenen Resolution entspricht nicht unserer programnmtischen Anschauung; wir hätten es zweifellos lieber gesehen, wenn Feuilleton. Fünf Ostern. Bon Anastasius Grün. (Anton Alexander Gras von Auersperg, der unter dein. Dichteruamen Anastasius Grün alle Zeit sein „roserxsarben Panier" als Frelheitssünger hoclMch allen, wurde am« 11. April 1806 in Laibach geboren. Mit Juden, namentlich mit L. A. Frankl, verband ihn innige Freundschaft. In seinem Zyklus „Fünf Ostern" entrollt er uns packende Bilder vom ,/Inden schmerz". Mieder ist es Ostern. Won der Burg Zion weht der Halbmond. Im Schatte» der Janebintber rrcht eiib müder Mandersmann, ein Sohn Israels:) Er ist ein Udrnlein jener Hand voll Samen, Die einst der Sturm von diesem Boden hob Und In die Länder säte aller Namens Und weit hinaus tu alle Winde stob! Gin lJude ist's, ein Ast vom« Munderstamme, Gefällt, zerschurettert 'längst, doch nicht verdorrt! DeS Markes Ueru oersengt von MitzeMmune, Des Wipfels Zweige grünend fort und fort. die mährischen Juden der Tendenz Ausdruck gegeben hätten, daß sie' nicht die Absicht haben, sich in die Angelegenheiten der übrigen Nationen zu mengen. Diese Tendenz hätte jetzt, nachdem die "Juden als selbstständiger Faktor sowohl bei der Katastrierung der Nationalitäten, als auch bei der Wahlbezirkseinteilung übergangen wurden, unseres Erachtens dadurch am wirkungsvollsten zum Ausdrucke gebracht werden können, wenn die Brünner Delegiertenversammlung sozusagen eine p a s s i v e R e s i st e n z sowohl bei der Eintragung in den Kataster als auch bei der Wahl selbst beschlossen hätte. Für einen solchen Vorschlag, der merkwürdigerweise von keiner Seite, auch von zionistischer nicht, gestellt wurde, wäre jede H infolge der vielen Versäumnisse, welche dw zionistische Partei auf dem Gebiete der politischen Erziehung gerade in Mährensich hat zuschulden kommen lassen, sicherlich keine Majorität, geschweige denn eine Einmütigkeit zu erzielen gewesen. Heute aber, wo wir Juden von allen Seiten angefeindet und unterdrückt werden, heute, da wir noch vor dem großen Unbekannten, der Wahlreform mit allen ihren im Hintergründe lauernden Gefahren für die jüdische Minorität stehen, ist jede Aeußerung der Einigkeit in jüdischen Reihen von eminenter Wichtigkeit und mit Freuden zu begrüßen. Die Brünner Debatte brachte auch manche Aeußerungen an den Tag, die für die Beurteilung der Situation nicht unwichtig sind. Zunächst müssen wir die Panschal- Itnö1 wie ums Haupt beim Lanbesweh'n Ihm schwanken Bald Sonnenlichter, bald die Schatten dicht, So gantelu drin die Bilder und Gedanken Bald mitternächtig schwarz, bald sonnenlicht: „Die Lerche steuert pilgernd in den Lüften Dem Lenze nach und seiner Blüteuspur; Der Hirte wandert von enthalmten Triften Zn frischem Weideplatz auf reicher Flur. Nicht, gleich der Lerche, folg' ich Frühliunsspureu! Und doch wie sie, so ivandr' ich fort u*tii> fort! 'Nicht, gleich dem Hirtelt, such' ich schön'ro Fluren, Und doch, wie er, bin ich bald hier, bald dort! Der Hirsch, den ihr mit Hunden ließet hetzen, Der rennt durch Büsch' und Felder fort und fort; Er rennt noch immer fort in scheuem Sätzen, Wenn Treibers Hand und Nute längst verdorrt! Ich säe nicht, ich pflüge keinen Boden, Mich schwckt kein Hagel, denn ich ernte nicht. Doch beut mir jedes Land von seilreu Broten, lind llreiuem! Durste nie der Ouell gebricht! Des Nordens Eiche und des Südens Palme Hat um das Haupt schon Schatten mir gestreut; Der Wüste Sand, der Alpen dllft'ge Halme, Sie halten mir des Schlnmlrrers Bett bereit. verläumdung des Gödinger Delegierten Doktor Körner „die jüdisch-nationale Bewegung sei durch unreife Elemente stark diskreditiert worden" aufs energischeste zurückzuweisen, und unserer Verwunderung Ausdruck geben, daß von den anwesenden Zionisten, wenigstens laut dem Bericht, sich kein einziger gefunden hat, der die Zurückweisung sofort besorgt hätte. So groß hätte das Opfer, welches die. Zionisten bringen mußten, nicht sein sollen. Die „unreifen Elemente", auf welche Doktor Körner auspielt, mögen vielleicht in jugendlichen! Uebereifer mitunter zu weit gegangen sein, dafür trifft nicht sie, sondern ihre Lehrmeister die Schuld, aber ihr Eifer ist echt, er ist vielleicht das Positivste, das Sicherste, das wir haben, er ist dasjenige, was wir für die Zukunft'brauchen, auf daß-wir bei späteren Beratungen jüdischer Delegierter nicht mehr ausschließlich auf Delegierte von der Couleur des Herrn Dr. Körner — seine persönliche Ehrenhaftigkeit und politische Ueberzeugungstreue in allen Ehren — angewiesen seien. Als eine etwas eigenartige, nennen wir es „politische Pikcmterie", muß die überraschende Mitteilung des zionistischen Vertreters Dr. Zweig (Proßnitz) anmuten, daß der seinerzeitige Wiener Beschluß der Vertrauensmänner der „Union", der im zionistischen Lager so viel peinliches Aufsehen hervorgerufen, und eine unerquickliche Debatte heraufbeschworen hat, von ihm, dem Zionisten Dr. Zwei g, ausgegangen sei. Warum wird Ich wohn' in engen Gassen, dunklen Schlüsten, Wohin der Ehrist nns ans den Stödten stieß; Er ahnt es nicht, wie selbst in Drachenkküsten Des Weibes Knß, des Kindes Lächeln süß! Ich lerne keine von den Sprachen allen, 'Nur meine trag ich durch die ganze Welt; Natur der Stare ist's, die Sprache lallen DeS Peinigers, der sie gefangen hält. Mir blüht kein Vaterland! Die Brüder ringen Durchs Leben sich, zerstreut, im Wand'rerkleid! Und doch sind wir ein Volk: In Eins verschlingen Gemeinsam Elend uns, gemeinsam Leid! Bom Maune, der nicht sterben kann, die Sage Lallt manch ein Christen Und, vom Ahasver. Es wallt vorbei der Völker Sarkophage, Mein Volk, unsterblich, tränenlos, wie er! Nicht weiß ich's, dämmern uns des Fluchs Gerichte, Strahlt Segen uns ans der Geschicke Buch? Aus unserer Töchter schönem Angesichte Les' ich sogar den leisen Hauch von Fluch! Pflanzt irr den Süden ein Reis von Nordens Tannen, Wenn's nicht verdorrt, sprießt's doppelt grün ungroß; Wollt in den Nord ihr Südens Lorbeer bannen; Erfriert er nicht, verkrüppelt doch sein SproH. Die nächste Nummer erscheint Dienstag de« 24. April.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.