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Nationalzeitung · 1906-04-13 · Heft 28 (13.4.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 28 (13.4.1906)
Date
1906-04-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzerkmg Nr. 28 Wie es der „Hilfsverein" allezeit erstrebt hat und seinerseits zu betätigen sich genieigt zeigte, das Gelingen! gewährleistet, jedenfalls erleichtert mW -Darumgeboten ist. Wird diese Lehre ans dein Erfolg in Algeeiras gezogen werden, dann ist er schon deshalb zrr begrüßen, arich wenn er wider Erwarten ohne unmittelbare Wirkung Weiften sollte. Russische Juden in Bulgarie«. Der schwere Truck, der auf den Juden Rußlands seit 25 Jahren lastet, hat zahlreiche Glaubensgerrossen namentlich arrs Südrußland nach Bulgarien hinausgedrängt. Sehr viele von ihnen brachteil große Geldmittel mit, die sie tu Grundbesitz anlegten. Jüdischer Fleiß nnd jüdische Umsicht wurden auch da von Erfolg gekrönt und früher brachliegende Landstrecken in Musterwirtschaften umgervandelt, von denen viele auf landwirtschaftlichen Ausstellungen prämiiert wurden. Selbstredend hat der Erfolg der Juden in Bulgarien auch den Neid der berufsmäßigen Patrioten erre-t. Hetzartikel in Zeitungen und judenfeindlick)e Volksdemonstrationen nötigten bald die Regierung. die rllssischerr Juden auf alle mögliche Art und Weise zll drangsalieren. Die Einwanderung voll Juden aus Rußland wurde verboten, die bereits im Lande wohnenden ausgewiesen und die Erwerber von Grund i^rtb Boden konnten auf ihre Ländereien feine Besitztitel erlangen. Gücklicherweise hatten die Juden seinerzeit noch die Vorsicht geübt, nicht etwa aus dem russischen Untertanenverband auszutreteil und sich so der letzten Zuflucht zu berauben. In der Tat hat der russische Vertreter in Sofia wegen der Drallgsalierung der Jilden des öfteren bei der Negierung Borstellullgen erhoben. Auch das russische auswärtige Ministerium hat deswegen einige Noten an die bulgarische Regierung gerichtet. Allein, Bulgarien kümmerte sich um all diese Vorstellungeu und Noten nicht im gerinqstell, da es mit Recht-erwarten durfte, daß Rußland wegen Verfolgung seiner jüdischen Untertanen nicht nachdrücklich Genugtuung verlangen werde. Auch viele österreichische Judeil leben in Bulgarien, wo sie einen beteudenden Handel ausüben. Die bulgarische Regierung behelligt sie aber llicht im geringsten. Sie weiß' sehr wohl, daß Oesterreich mit sich nicht spaßen taffen wird. Nunmehr haben sich auch russische Juden anläßlich der Verhandlungen über einen neuen Handelsvertrag mit Bulgarien durch Vermittlung des Petersburger Rechtsanwalts W o l t k e an die russische Regierung mit der Bitte um energischen Schutz ihrer ill Bulgarien darüber als ganz überflüssig angesehen worden kann. Wir müsse,,' alle ausnahmslos einer Parole folgen, einem Zielpunkte zustreben-, dem, Punkte nämlich, unser,,! Platz in der Welt 3Xt beanspruchen, unser Recht als Volk aner!- kannt zu sehen. Wir dürfen nicht mehr als Anhängsel der Gesellschaft, als Hof- und .Hausjuden betrachtet und 'behandelt werden. Nur durch Einigkeit und Eintracht können wir um sere Rechte nüt Aussicht auf Erfolg geltend machen. Nur dann wird an uns 'das Psalinwort in Erfüllung gehen: Der Stein, den die Bauenden verwarfen, er ist zuin Eckstein, wor< deir. Das walte Gott! Sium (Schlußseicr) bei den Juden. Von D. S. Albachary, Wien. Entschwuniden', längst entWvunden sind die Zeiten der schönen Gettoscste, nichts als trockene Schilderungen des einzigen Lichtpunktes in der finsteren Ghettonacht sind uns geblieben. Wie trösteUd für. die ans tausend Wunden, bluteudeNi Seelen der so sehr Gedsmütigten waren doch all diese Feierlichkeiten und wie erhebend zugleich! Wenn man die Gcnesa der alten zerrissenen Bücher der Talumd-Thora-Schnle in einer dichte zum Friedhof trug, um sie dort zu begraben,, wie eindrucksvoll da alle Schüler in Reih und Glied mit Kerzenin den, .Händen, wohnenden Untertanen jüdischen Glaubens gewandt. Unter Hinweis ans die Behandlung ihrer österreichischen und englischen Glaubensgenossen hielten die Petenten in ihrer Eingabe der Regierung vor, daß solche Begrenzungen und Bedrückungen ihrer Untertaneu doch eigentlich eine Schande für einen großen Staat sind. Der Erfolg dieser Bittschrift war überraschend. Am 2. Februar erhielt Rechtsanwalt Woltke vom ersten Departement des Ministeriums des Aeußern ein Schreiben, in dem es unter anderem heißt: Die kaiserliche Regierung hat anläßlich des am 25. Jänner 1906 perfekt gewordenen Handelsvertrages mit Bulgarien die Interessen der russischen Untertanen jüdischen Glaubens berücksichtigt und Garantie dafür erlangt, daß alle russische Staatsangehörige ohne Unterschied der Konfession die gleiche- Behandlung wie alle anderen Fremden genieße,: sollen. Laut Artikel 2 des Vertrages haben russische Untertanen das Recht, Eigentum aller Art in Bulgarien zu erwerben und zu besitzen, insofern die Gesetze des Landes es nur gestatten. Für alle Fälle dürfen fremde Untertanen wegen ihres Glaubens keine andere Behandlung erfahren. . Wir wollen abwarten, ob die russische Regierung auf der Ausführung der Bestimmungen des Handelsvertrages auch wirklich bestehen wird. Die Aionisten Deutschlands an das deutsche Kaiserpaar. Das Zentralkomitee der zionistischen Vereinigung für Deutschland hat dem Kaiserpaar bei dessen Silberhochzeit nachfolgende Adresse überreicht: Salomo führte die Tochter Pharaos aus der Davidstadt in ihren Palast, den er ihr erbaut hatte. Die Schiffe des Königs brachten Gold und Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen. Salomo war größer als alle Könige der Welt an Reichtum und Weisheit. Könige I. Kap. IX. v. 24, Kap. X. v. 22—23. Motto: „Schäften und Wasser fehlen diesem Lande/' Worte Kaiser Wilhelms im Zeltlager zu Jerusalem. 2. November 1898. Das Volk der Juden, durch ein unerforschliches Schicksal über die Welt zerstreut, vielfach durch innere und äußere Not bedrängt hofft, einst wieder in gesicherten Frieden auf eigener Scholle zu sitzen. Diese Hoffnung hält Hunderttausende in ihrem Vertrauen auf die Zukunft in ihrem Glauben aufrecht. Wie das Wasser aus der Wüste eine blühende Oase schafft, wie der Schatten hoher Bäume dem begleitet von der g,ernten Gemeinde, andächtig über die Straßen schritten! Wie war doch interessant der „Bmutfchäbbes", Mer Saftbat vor der Hochzeit, an, welchem, eine Sängorschar den' Bräutigam vorn- .Hause abholte, um ihn unter Saug 'und Klang, verfolgt von, den, ,„ew gierigen Blicken der aus den Fenstern guck^m den schwarzäugigen Jungfrauen, in, die Synagoge zu. geleiten! Jene Festlichkeiten anläßlich der Berithluiilah nn Ternpel und zu Hauise! Oder die Barmizwos! Wo Haberr wir honte jene beseligende SchabbMtimmung irr der Chewrai und die Jours' bei 'bem einzelnen Familien zu Mozoschabbes! Tempi passati. Alles vorbei! Auch, das festliche Begehen des Lagbooimr, das in,, Beth Hamldrasch, wo unter großem Pomp das Recht des Lampen? anzüudens veräußert wurde, feitien. Anfang nahm, um draußen im Freien Fortsetzung zu sinder,'. Wie ging's da lustig zu! Wie freuten sich die Kleinen beim strammen A,marschieren der von ihrem Lehrer geführten Schüler, did ei,,' rniit bunten Bändern, geschmücktes Lamm initbrachten, das bet mm mitten im Felde geschlachtet und als leckerer Braten verzehrt Würbe! Und welches Treiben erst zu- Purim! Selbst beim Aermsteu das Bild vergnügtester Stimmung! — — — Und wie all die erwähnten Feste und Feiern' ihre gewisse, Moral haben., so finden, ,vir diese auch 'fteim. Sinn,! zu Eros Peffach', das ein Fest ausschließlich für dir Erstgeborenen. ist. So oft der Gesetzeslehrer eine Msfechte (Traktat) beendete, äußerte er seine Freude ermatteten Wanderer Rast gewährt, so ist die Hoffnung für ein bekümmertes Volk Labsal und Stärkung, ein Kaiserwort, gleich dem Schutze, den der ragende Wald dem wegelnüden Pilger gewährt. Desseu gedenken wir deutsche Zionisten, da wir als Zeichen treuer Anhänglichkeit an unser Kaiserhaus und zur ewigen Erinnerung an die silberne Hochzeit des deutschen Kaiserpaares zwei Olivenhaine auf dem Boden Palästinas pflanzen, welche künftigeren Generationen Wasserquellen und Schatten spenden sollen. In untertänigster Ehrfurcht Das Zentralkomitee der zionistischen Vereinigung für Deutschland: Dr. Adler. Dr. Bodenheimer. Eine Arbeiterbewegung zugunsten des Sabbats in New York. Im Osten von, New spült sich gogeirwärtig ein im höchsten Maße interessanter Kampf ab. Seit kurzem ist dort ci»c Bewegung im Gange, die auf die strenge Beobachtung des Sabbats in, ftcw jüdischen Geschäften, hillstreb-t. An, der Spitze dieser Bewegung, die mit jeder Woche ami Ausdehnniug gclwin'nt, steht die „Sabbath Cooperative Mociation" und der Verband der jüdischen: Handluns'gehilfon. Tvr Ka,mpf richtet sich gegen, die Ladcnbesitzcr des Ostens, die-sich weigern, ihre Läden an,' Samstag zu, schließen,. Die Handlun!gsgehi!kfen, die ftishrv wie Sklaven sieben Tage in 'der Woche arbeiteten, ohne eine Zeit für Ruhe und Muße, geschweige demr für geistige Sammlung zu haben, verlangen einen Feievtalg, nnpdi,e geisetzeOreuen iülreise, vor allem die „Sabbathi Cooperative Association", ergreifen: die Gelegenheit, d>en> Handlung^ gehilsen in ihrem Verlangen „ach einen,' Ruhotage zu Hilfe zukommen, sodaß man n„it vereinteni Kräften aus das gomeinsanie Ziel him - a.,bellet. Besond>ers bemerkenswert ist es, daß hier zum ersten Male die Rabbiner in enge Fi'lhlung mit einer Gewerkschaft trete,,!. Es ist zn hoffen, daß sie diese Beziehungen benützen, um auch in anderen! Angelegenheiten einen günstigen Einfluß auf die Arbeiterbe-- völkerung auszuü'ben. Die Misrachivoreine haben sich dom Kampfe ftir den Sabbat angeschlossen und eine Krinfevenz der jüdischen Organisationen einberusen,, in der über die weitere Förderung -der Bewegung beraten, werden soll. darüber, daß ihn Gott diesen Augenblick erleben ließ, dadurch, daß er ein Fest — Simn --- 'veranstaltete, dem durch geistvolle Roden cime besondere Weihe verliehen wurde. Sium zu Eres Peffach wurde auch zum: Anlaß benützt, die B'chorim von,, vovge,schrieben,an Fasten, zu befreien'. Weshallb aber» fasten, diese zu: Eres Peffach? Die Erstgebornen aller Bölkov, auch die -des jüdische,,! Volkes, hatteir bei! -ihreu Volksgenossen' eine Sonderstellung innici, die ihnen besondere Rechiie ein>räuu,te, a,bev auch besondeve Pflichte,,! azfferlegtc,. Während der kanaanitische wie inanch aniderer heiblllsche Kultus grausam geNilig gelvesen fft, die Erstgeborene a!ls Opfer für die Götzen zu fordern-, -wc»v es bei den alten Aegypber.ni Vorschrift, die Erstgeborene,,! — Menschen sowohl wie Tieren, — besondere Ehrung zuteil werden, zu lassen. So imurden den'» arch die Erstgebovenen> der Aegypter als Offiziere in die Avuwe <'i „gereiht. Doch diese Uwxm gestützt aus ihr Privitcgiuün, aichevordeuttich an»naßenid nnd tvillkürlich. Nun geschah, es, daß zur Zeit der zehn, Plagen, nun Vorabende 'des Auszuges dev Israelit!e>„, eine Militä'N'evo-lte.ansbrach, und die Verschwörer beschlossen, säniitliche Offiziere nioderzunia-chen. Auch -das Volk wn,rde von,. so,zia«l!lst.ischon Unvstu'rgfanatismns ergrUffen und in seiueinbliirdrbüt'enden! Z-orire vernichtete es alles, dein bis dahin mit -ehrsu.rchtsvoller Scheu: begegnet wurde. Weil aber die Juden, ebenfalls mitt-enim Befreiungskämpfe stauchen,, „„achten sieihre Wohnnngcndurch das Symbol der Freiheit,

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