Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 28 (13.4.1906)
- Date
- 1906-04-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 28 Natioiialzcitrmg Seile 8 Aber für ite-feit Fall für sich zwei äflawöttk Klt rekl-amleven ttniö den JuL-cu ulu. eines &u kvnO-d^eren, heißt die Tatsachen' ans den- Kopf stellen. Politik und Zionismus in Deutschland. In der zionistischen Ortsgruppe hielt Herr Fritz Sondheimer über obige Frage einen interessanten Vortrag, bem wir folgendeentnehmen : Für sich selbst zu sorgen nnd di« eigene Politik selbst zu machen, begann der geschätzte Redner, muß endlich das jüdische Volk nach all den bitteren Erfahrungen, die es gemacht hat, zu lernen beginnen. Dajüdische Volk hat, fuhr der Herr Referent fort, verlernt, auf eigenen Füßen zu stehen, und während alle anderen Nationen und Natiönchen selbst ihre Geschäfte verrichten, zieht eS die jüdische Nation vor, sich auf andere zu verlassen. WaS Wunder, daß ein Volk, welche» auf morsche« Krücke« herumläuft, ab und zu stolpert und hinfällt . . . Und wie soll nnn jüdische Politik getrieben werden, bilden wir doch einmal kleine Minoritäten innerhalb der Völker? Und doch, meint Redner, ist eS, wenn planmäßig vorgegangen wird, zu bewerkstelligen; in erster Linie kommen Rußland und Oesterreich in betracht, wo die Juden in geschlossenen Massen leben und in manche» Plätzen sogar die Majorität der Bevölkerung ausmachen. Würden die Juden Rußlands geschloffen bei den jetzige» Wahlen zu, ruffischen Duma Vorgehen, so könnten sie eine beträchtliche Schar von Abgeordneten in die Duma hineindelegieren. Leider gibt es dort wie hier kurzsichtige Juden, die die Politik der andern machen und selbst sich verleugnen. So tritt der Bund für den Boykott der Duma ein nnd sucht gewaltsam die ander-denkenden am Wählen zu verhindern. Dasselbe Bild ist auch in Oesterreich wahrzunehme«. Mit Ausnahme de» Herrn Doktor Strauche», der durch sein energisches, echt jüdisches Vorgehen im österreichischen Reichsrat fich ei« eherne» Denkmal i« dem Herzen aller Nationaljude» gesetzt hat, treten auch dort die jüdischen ReichSrat-abgeordneten niemals für ihr Judentum ein, sie überlasse« cs lieber Bielolahwek, Schneider und Konsorten die Judeufrage aufzurollen. Ja einer unserer StammeSgeuossen und Vorstandsmitglied der Lemberger Gemeinde, Herr Dr. B Y ck, hat den traurigen Mut besessen, die jüdisch-nationale Bewegung bei dem österreichischen Ministerium als ftaat»fei«dlich und staattgefährlich zu denunzieren und es bedurfte de» Dazwischentreten» des zionistischen Führers Dr. Schallt, um ein Verbot gegen zionistische Vereine zu verhindern. Durch das neue Wahlgesetz wird es wohl möglich sein, dort einige Juden in den Reichsrat zu entsenden, die dort al» Jude» für jüdische Dinge eintreten. Ganz anders wie die Di«ge in Oesterreich und Rußland liegen die Verhältnisse in Deutschland. Hier machen die Juden noch nicht ein Prozent der Bevölkerung ans und es wäre daher Selbstüberschätzung, wenn sich unsere Rassegenossin in Deutschland als politische Partei organisieren wollte». Sie sind angewiesen, bei den politischen Parteien, denen sie sich ihrer politischen Ueberzeugung nach anschließen, für die Gleichberechtigung de» Judentums mit den anderen Koufesiione» zu wirken. Bekanntlich haben sich die deutsche» Juden in ihrer großen Mehrzahl den radikal liberalen Parteien angefchlossen, aber auch diese Parteien sind nicht frei von Antisemitismus. Ein Führer der Freisinnige», der vor kurzem verstorben ist, bedauerte es sehr, daß seine Partei den Antisemitismus nicht «itgemacht habe; aber zu seinem Bedauern könnten es die Freisinnige« nicht, denn ihr Geld stamme fast ausschließlich — von Juden. Nicht e i n Jude, der noch Interesse an seinem alten Glauben nimmt, ist Mitglied der ersten deutschen Volksvertretung, der von den Juden Stadthagen redigierte sozialistische , Vorwärts" wetteifert in antisemitischen Bemerkungen mit der Staatsbürgerzeitung. Besser vert.eten sind die Juden in dem preußischen Abgeordnetenhause, wo die Freisinnigen ihnen nach langen Kämpfen einige Sitze .gnädigst* überlassen haben und wo namentlich der Abgeordnete C a s s e l mit großem Geschick das jüdische Interesse vertritt. Aber im allgemeinen hahen in Preußen- Deutschland die Juden noch nicht gelernt, für ihre berechtigten Forderungen der tatsächlichen (nicht papierenen) Gleichberechtigung auch selbst energisch einzutreten, sie überlassen die Vertretung Nichtjuden, deren Worten selbstverständlich, auch wenn sie noch so gut gemeint sind, nicht die Bedeutung beigemessen wird, als wenn Juden für ihr Judentum eintreten. Daher ist eS Pflicht aller sich für die deutsche Politik interessierenden Juden, in ihren Parteien, und wenn sie von diesen in die Parlamente entsandt werden, mit allem Nachdruck die Schäden unserer Staatsverwaltung, soweit sie Juden angehen, aufzudecken und deren Abstellung zu verlangen. Die Marokko-Konferenz für die Juden. Dio Algeciras^Kd-n-ferenz hui' ihr schwieriges Werk mit cimmn Akt! echter Himmmtät , gekrönt, der, wie zuversichtlich gehofft werden darf, unifeirai: Stani-m-esbrndevu in- Marokko eine Mi'l-dernngihresharten- Loses bringen wird: Der Delegierte der. Bereinigten Staaten', Mr. White, gab am! Schlüsse der B-evatuiHieii, Dm Wunsche Ausdruck, „das; Seinie' Schvrifische Majestät die notwendigen, Maßnahmen jlwffeu möge, um. die Lage der Israeliten, fortdauernd zu verbessern, und $um, nicht nur derjenigen-, die in den Hafenstädten ansässig sind, sondern auchderer, die int Innern, -des! Landes wohnen-". Ter Vorsitzende der Konferenz, Herzog! von- Al'nuodovar, brachte zur Kenntnis, daü „sämtliche Del-egi-eite der Mächte sich diesem Wunsche anschli-cß-en", und fügte hinzu, daß „kein Land glücklicher fei -als Spanien, sich diesem Gefühle religiöser. Duldung anzw schließeu, weit! so viele Israeliten! in- Marokko durch die' Bande der Abstammung! imiDi durch die ©cm-cinfiiinifcil) der Sprache mit Span im in Verbindung stäudeu". Diese einmütige Stelllmg-na-hmie des- A-eropags -der Mächte Herbe igeführt zu- Habens, ist das Verdienst der Leiter des „Hilfsve reines dar Deutschen Juden-". Als die Berufung dar Konferenz feststand, wendeten« sie sich, an den Rieichs-kanzler Fürsten Bülow in-it der Bitte, bei einem etwaigen- Eingreifen, zugunsten der maro-kkaniischen- Christenauchunsere Glanbensgeiwssenzu» berücksichtigen-. .Nachdem diese Bitte in wohlivo-ll-endster Weise anfgenom-men worden war, regte der „Hilfsvereini" die jüdischen' Organisationenaußerhalb Deutschlands zuden gleichen- Vorstellungen beiihren, eigenen! Negierungen. au. Das ist mit Erfolg in; Oesterreich-Ungarn, England, Spanien, den Vereinigten- -Staatennnd Italiengeschehen; irt letzterem Lande hatte die Missionauf Ersuchen des „Hilfsv-erei-ues" Harr Dr. Alfred Klee- Berlin übernommen, d-er dckboi von. den Herren Oberiabbi-ner Dr. Margulies-Fl-o-renz und Rechtsanwalt Felic-e Rav-en'na-Ferrara lvirksam nnterstützt ivnrde. Einige Schwierigkeiteu bot die Frage, vonwelcher Seite auf der K'on-- ferenz die Initiative ansgcheu solle, da bei dem? Widerstreit dar politischen. Interessen' die Vertreter der zunächst beteiligten. Mächte Bedenken, hegten-, dieses rein, humanitäre Unternehmen; zu, diskred-itieren! oder zu gefä-hrdou. Es war deshalb -ein glücklicher Ausweg, dass der amerikanische Delegierte dasiir auserseheu wurde. T-em Ersuchen des „Hilfsveremes" mit bewährter Energie entsprechend-, ist Herr Jako-b H. Schiff-New Uork beim! Piräsidenlen Roosevelt dahinvorstellig geworden-, und letztierer hat in -liebenswürdigstiem Entgegmkonun-en dem Mr. White diesbezügliche Inst ruktion-en zugeh-en! lassen. Dank diesem Zusammenwirken ist ein voller Erfolg erzielt worden-, der die Bedenkenjener Kleinmütigen-, welche von- -dem- „anssichtslosen- Schritte" abraten. zu sollenglaubten, als ebenso n-ngerechtfertigt erwi-eseuhat, wie die Ansicht! der Besserwisser', das; der Schritt überflüssig sei. Und zw gleich ist -ei-N! Weiteres dadurch d-argetau lvorden., uänt'lich, das; ein, solches Zusammenwirken-, Phari-säeruvorfol-gteu sie assimilatot-ische Ten»- deirzen. 'Sie wollten! nach Müglich-keit in ihrem Auftretenu-nd G-eh-a-ben den Griechen-, mit -denen sie in, häufige und nähere Berüh,ruug kam-eu', ähneln. Um ihre intensive- Beschäftigung mii d-er gr iechischen Kunst und- Literatur, bei gleichzeitiger Bernachlässiigung des Bibelstudiums, ztlentschuldi-gc-ir, stellten, sie den Grundsatz cuiif: das; -das Wort d-er. Schrift keine wie immer geartete Deutung ri-nd Anslegun'g zulasse. Es nm-ß starr lind lumMudevl-ich an, dein. Wortlaute des Gesetzes festgehalten werden; selbst das Gebot: „Auge um Auge" muß buchstäblich angewendet tverden. Eineiw gehend-es Ges-chesstndinm. ist somit nicht nnr nicht lvbens-lv-ert, sondern, unstatthaft. Ihre Genußsucht und besondere Lebensfreude rechtfertigten! sie lviederum mit dem Hinlveis, daß mit dem diesseitigen Lebenjede Fortdauer der Seele anfhöw. Nun, begreife!,!! wir auch, lvar-u'm Hyrkan infolge einer ih-m> seitens eines Pharisäers zngefügten persönlichen. Belei'digun-g der pharisäischen! Partei, der cu bis dahin angehört hat, den!Rücken gekehrt und zu derGege-npartei ri-berg-etreteu -ist. Der allgemein! angefiih-rte Grund, daß Hyrkan über die Pharisäer erzürnt ivar, weil sie den- Veleum-der nicht m-it Todesstrafe, sondern mit G-eißelhiebe'ni ri!ud- Gefän-gnis belegt hatten,, ist unstichh-ältig. Forderte doch Hyrkan selbst nur die Bestrafung nach der Strenge des Gesetzes, rur-dnun nm-ßt-e er doch wohl gelvusst haben, das; das mosaische Gesetz keine besondere Strafefür Majestätsbeleidigung kennt. Allein das Auftreten, -des Pharisäers diente ihm nur als Vorlv-and, den! län-gst gehegten Wunisch sichder frei-ciwn; Rllchtrmg, seinen. engeren Frennden-, anzuschliesten, zu verwirklichen,. Die Behanptung unserer Geschichtsschreiber also-, das; diese-tu E-nt-schlusse ein innorer SeeleiBampf voran gegangenseinmu-site, hält n-icht Stand in.it -den, objektiven Tatsachen-. Um keiner lln-tevlassn-ngssünde mich schnldig zu machen, muss ich erlvähnen', das; es damn'ls noch eine -dritte Richtung imi Jndentumgegeben hat, die. der Esfäer oder Essener. Ta diese jedoch keinen Einislnf; a-uf die politische Bewegn-ng hatte und keine tveiten, Schichtendes Volkes in ihren, Bannkreis zog, gehörtsie nicht inden, R'ahm-eu ri-nserev B-esprechmtg. stNein,e verehrten- Damen, und Herren! Der Flviespa-lt -der Anschan-nngen, der. heiße Kampf der. Meiunngen, der vor Jahrtausenden auf patä st ine ns, schein Boden, mächtig tobte, entbrannte in unseren' Tagen inid in, nn-seren Landenzu lodernldem, Feuer, er entzündete sich zur offenen, Flanune. Wie damals, teitt sich heute Israel inzivei voneinander streng geschiedene Lager. Auf der ei-ne'n> Seite An'hän-ge,r der pharisäischen lleb-e-rliefernngen, ans der anideren Bekenner der saiddnz-äi scheu AuschauiMN!. Drübenstrenges Festhalten, an, dem, jüdische nationalen, Standpnn-kt, an unfc-re-r Sprache nnd Kultur, an. dem, Lande nnfercr Väter. Hübendie Berneimiing jeides Zu-samimenhanges mit d-er. Vergangenheit, der Aüssemchtlass-ung linserer Geschichte nnd Literatur, das Hervo-vtretenselbstischer Ziele und Zivecke, kmg Assimilationsbest-rebn-ngeni auf d-er. ganzen! Linie lvie a-imo daznnra-l. Während, wiederum, analog der Berga ngen-he-it, der gesunde, ideale Sinn nn-ser-es Volkes, nuferer Jugend, sich auch heute inalter Frische bewälp't und betätigt, mit besonderer Liebe nnd Verehrung an allem jüdi-- scheir, audemje-lügen,, lvas mit dem! Herzensblut unserer Väter gerettet lvn.rde., hängen, fiiideir lv-ir die Vertreter ö-es Großkapitals, imf sere jüdischen- (^!ros;eu, u-n-sere Heiligtümer, lmseve Vol ks rech te, um, ein Lin-sen-gc richt, um ein. Viandat ode,r irgend eine persön>liche Ansz-eichining v-e-rschacherir. Würde ich, nicht, alles persöniliche prinzipiell vermeiden, könnte ich eine erkleckliche Zahl von derartigen Fällen aus den jüngsten. Tagenaufü-hwu. Daß diese Zersplitterung unserer geistigeu- .Kröste, diesen Brude-rkampf und Haß, msierem Volke schwere und tiefe Wundenschlagen-, daß daraus mir unsere Feinde beträchtlichen Nrihen ziehen, ist so sel-bstverständlich, daß jedes Wor-t 5. niTTELBflCH Bitterer Magenwein. »HSätSp Ul* _ u«!.«» li. “’d Magoabeacliwerden, der Blutarmut sowie zur Be- WI6n, I , HOner WarKI NP. O »«düng einer aUgemelnen BchwKcBe des Organismu». (Palais Lina) im Zentrum der Stadt. + Preis 8 HvotttU 50 Heller.