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Nationalzeitung · 1906-04-13 · Heft 28 (13.4.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 28 (13.4.1906)
Date
1906-04-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Graf Albert A p p o »t i) i als Kultusminister cttt. Nun kommt noch Jnstizminister Geza Polonpi, dessen politische Unstätigkeit und klerikale Gesinnung viel zu bekannt sind, als daß man von ihm besondere Rücksichtnahme ans die Juden erwarten könnte. Der Witz der Wiener Christlichsozialen, daß Polo n y i Jude oder Judenstämmling sei, ist zu drollig, als daß man ihn ernst nehmen könnte. Diesen judenseindlichen Elementen ( im ungarischer: Ministerium steht mm zunächst der KabinettSches Dr. Weke rle, dann der Minister des Inner»: Gras Julius And raff t) und Handelsminister Franz Kossuth gegenüber. Gewiß haben diese drei Politiker Traditione»:, die eine offenkundige Juden- , Kindlichkeit ausschließe»: sollten; rvemr man '^ber bedenkt, daß der Ministerpräsident geiuuibcne Marschroute hat, daß er auf Grund eines Kompromisses mit der Volkspartei die Regierung übernehmen mußte, und daß er dementsprechend dieser antisemitischen Partei auch bereits seine Aufwartung machte, wenn :nan ferner in Betracht zieht, daß Kossuth »rie der eigentliche Führer war und überhaupt ein kränklicher, leicht beeinflußbarer Mensch ist, und wen:: man schließlich weiß, daß Graf Julius A n d r a s s y wohl feine antisemitischen Exzesse dulden würde, aber andrerseits vom Haus aus nicht so demokratisch gesinnt ist, " daß er sich der armen Juden ivegen zu sehr exponieren möchte, so wird man zur Einsicht gelange»: müssen, daß die Juden unter dieser Negieru»:g nichts Gutes z»r errvarter: habe»:. Wir würden u»:s sicherlich nicht grärnen darüber, daß die reiche»: Jude»: rüchl massenhaft rrobilitiert oder Auszeichnungen erhalte»: werden. Diese Jude»: waren töricht genug, die Volkspartei in ihren angeblich nationalen Bestrebungen zu u»:terstütze»:, mögen sie rrun Zusehen, wie sie jetzt dafür belohnt werde»:. Aber wir de»:ken an die tauseirde vo»r kleinen Existenzen, an die viele»: jüdischen Beamte»: und Lehrer, denen es seitder Negierung Szells scho»: schlecht genug ging, für diese ar»ne»:, unschuldigen, irregeführter: kleiner: Leute dürften jetzt böse Tage Hereinbrecher:, und das ist das Traurigste an dern „Frieden mit Ungar,:". Deutsche und Juden in der Bukowina. Ueber die maßlose» Forderungen, welche die Bukowirraer T-eut-schen bei der Wahlveforn: stellen, wird der ,>Buk. Post" von beachte »lsnierker jüdischer Seite geschrieben: Nationalzeitnng .. —-i-- Die iForder'nngell, welche die Deutsche» bei der Ääßlreform ausstelle», gehe»»! ins Maßlose. Sie liaben cs sich in den Kopf gesetzt, mv\ Kosten der änderet: Völker Maltdate zu erobern und kein Mittel ist ihnen zu schlecht, nrn ihr Ziel zu verfolgen. Die Uimnst-ichtiakeik wird zur Parole. Trotzdem die Deutscher, taugst darüber einig sind, daß die Jude:» zuistneir nicht gehöveit, lassen sie es sich nicht nehmen, eine halbe Million Juden zn Wahszrveckeu als Deutsche zu proklamiere»: nnd die gewalti-ge Sletterleistung dieser Jüden ans ihr Konto zu setzen; die Telltschen paradieren ans diese W'ei'ie mit einer eminente» Vevölkerungszahl und Steuerleisiu-n'g der Jüdeu. Zinn 'Danke dafür Helsen die Deutschen die Juden pv-liti-sch kalt stellen. Während 8,5 Millionen Deutsche 205 Piandate erhalten uud damit »roch nicht zufrisden lind, erhalten 1,25 Milliviielt Juden etwa (> Mandate, eine verhaltrrislnäßig verschwindende Anzahl. Es bskormnen die Inden kann: ein Viertel dessen, was ihnen an den Deutschen gemessen, nur vermöge ihrer Bebolterungszahl gebührt, schon gar nicht der übrige»: Faktoren, ihrer allen lni'verlvüstlich-c» .Kultur, ihrer großen Steuevkra-st und überragenden Stenerlcistmig zu gedenken. 'Die Entrechtung des «jüdischer: Volkes steht «einzig da. Trotzdem leisteten sich die „Nachrichten" den Arrssprach, daß die De nt sch er: vor: de»» Inden entrechtet werden; eine A-üsurdität, die i he res gleichen sucht. Nur die Inden haben alle»,. Grund, über die Znrücksetznrrg und Verdränguu-g dnrch die Deutschen zn klage»:. Denn »nie im Gleiche, so ver- ,folgen die D/entschen auch hierzulande die gleiche Politik, sich mit Hi'lse der Inden einen Besitzstand zu schaffen, all's deren Kosten Ntaiidate zu ergatterr: und die Inden selbst hiervon anSzuschließen. Die Dentschel: klagen über 'Entrechtung seitens der Inden, trotzdem sie ntit Hilfe der Inden, vier Landtagslnaudate haben, während diese nur über drei Mandate verfügen; sie klage»: über Entrechtung durch die Indem trotzdem sie hier 19 -Gememderatssitze aussnllen nnd die Biz-edürgerri! eist erstelle einnehlnen; sie klage:: über Entrechtung, trotzdem sie in der Handelskanrnrer, an der sie mit einem geringen Bruchteile beteil^t sind, das Präsidium haben und die Beamtenschaft stellen, sie 'klagen über Entrechtung der J!nden, trotzdeü: sie die.größtenteils mit jüdischer» G-elde unterhaltene Sparkasse ganz in ihrer Macht und nahe'zn judenrein erhalten haben. Zimt uud Schn'k-e sind von ihnen besetzt und de»: Juden so gut wie verschlossen. -Mt Mühe dringt ab und zu, wem: die Erregung der Juden ihren Gipfelpunkt erreicht oder der Krawall schorr lvsgegangen ist, ein Jude -mit Hilfe grvßmüchtiger Protektion ins Amt ein, wo er allerlei Zurücksetzungen und Prateri-eriingei: über «sich ergehen lassen -mutz. In Schulsachen si»:d die Teutscheuso gnädig, die J'uden als Dentsche zählen <>n lassen. Kommt es aber zur Besetzung Nr. 2ri einer Lehrer stelle, sei es an einer Mittel- oder Volksschule, so wird ihnen, ein dröhnendes Halt! enkgegengerlifeu. Tief an den: Gem-ük eines jeden. Juden frißt die Tatsache, daß »vider Mecht und -Gesetz durch die deutsche Akacht in der Sadagoraer V-vttschule ein arischer Oberlehrer an ge stellt ist, trotzdem die jüdischen Schüler dieser Altstalt in der Majorität sind. Dies werden die Inden den Deuüschen — sie fümiieit dessen geioiß sein — niemals vergessen. Dieser stall allein ist typisch für die Behandlnug der Juden dßrch die Dentscheti; er ist aber auch gleichzeitig ein. Memento für die «Jude»:. Die Inden werden daher der»- Deutschen nicht ans den Lein: gehen. Ans der ttubescheideuheit Wiedmanns — der statt darüiber sroh zn sein, daß er mit Hilfe der Inden das Landtagsmaudat erhielt-nnd neben ihn: noch 0 »mit Hilst jüdischer Stilnmen gewählte dentsche Laudtagsabgeordnete sitzen — das L ander.- aussch-ustur-audat den: jüdischen Abgeordneten Dr. Str-aincher strittig »nachte, nnd ans ferner lebhafte»: Agitation den jüdischen Bürgermeister unmäglich zn machen, läßt sich die ganze gegen, die J-ndeir gerichtete aggreissive Politik der Dentsche»: ern:essen, die mit den» Erreichten nie ge»:ll.g haben. WaS ist nach dieser Politik der Denitscheir selbstverständlicher, als daß sie die Städtekürie Snezaira-Serety-Nadautz lieber zerstören '»vollen, als dieses Aiaudat eventuell den Juden zu überlasse»». Die Deutschen »volle»: i,: ihrer Ntaßlosigkeit die J-uden auch hier entrechten und -wollen nvit Augenoerdvehen! der Oesfentlichkeit vornrachen, daß sie von. den Jtiden entrechtet rverden. Nein-, die -Inden -sind entrechtet und schleuderr: diesen- Vorwurf den Deutschen zurück. Es ist -vor: seiten der Deu-tsrhei: ein- -Frevel, a:r diese Stäüteknrie H'artd atczulege:: so lange rrrcht der: Inden z»rvei Marrdat-o gesichert sind. Bei der kargen Vertretung, '»velche den J>nde»l- -z-llgdmiesell wurde u-»kd init der sie sich absol-ut ntch zn friede »r gebetr können nnd werden, ist es ein Verbrechen, ihnen die Möglichkeit zur Erlangung dieses Maiidates '»vegznnehmen. Die Ä-»l'den 'wei-s-ei: hier nahezn die doppelte Bevölkernngszahl der Deutschen aus, sie Haber» eine altehvivürdig-c Kn-ltur, sie ^bilden eine»» großen Teil der eigentliche:» Intelligenz dieses Landes, si»:d keine Analphabeten, sondern beherrsche»: zumeist neben der jüdischen, heb-rälsche»: n-tch aram-äisthen- Sprache -a-nch eine Landessprache, sind das eig-eiittiche ha-n-dels- -u-n-d gelporbetreibende Element nnd übertrefser:- die Steuevleistung der Dentschen nin eir: V'ielfach«es. Ans diese»: -Grü-n>- deni, sv-rvte lschorr um den Besitzstand zit behatteri-, haben die- Jruidendln'fpruch ans m-i::d-ä»ter:s z-wei gesicherte M-äudate nnd dies auch da::»:?:venr: die Negierung de:: Indenn-nd Den-tscher:- nur drei Mandate zntveist vinisinms wetteiferte er mit den sonst ihm verhaßten Pharisäernniw hat sie bei weiten» überbüten. .Nach dem Evangelin'in Ncatthäi schärfte Jesusfeilten; Jüngern, rnden: ca sic aus.sa.ndte, um d-ie Kranken Zu heile»:, mit1 Nachdruck ein: „Gehet nicht a-us bei» Heide»: Straße, und ziehet nicht in Var Sa»n-a>ritec Städte, sondern gehet hin zubei: vcrloro»:-en' Schafen a-ns dem Hanfe Israel." An.« einer andere»» Stelle heißt es daselbst: „Als Jesus -cinft in der Gegend von. Tyrus und Sidonein'herwa-ndelte, kan: ein kaimäisches Weib und flehte ihn an, daß er sich ihrer erbarnwu »nöge, da ihre Tochter von: Teufel übel geplagt ivird. Jesus aber würdigte sie keiner Antwort. Und als das Weib sich vor ihin nicderlvars, sprach er: Es ist nicht fein, daß »na-n der: Kindern das Brot n-chme, und es vor die Hunde werfe." Ich glaube nicht erst betonen zu »lüiffcMi, daß, wenn irgend ein» Pharisäer je, gewagt hätte, du ein solchen Ausspruch zu tun-, wir alle noch heute darunter leide»»- müßte»:. Um das Volk von, der griechischen, Literatur nnd Wissenschaft abzulenten, um es in sein iw neres und religiöses Leben zu. ver-fchanze»:, nrutzten sie aber: für ein, an'derrveitliges Gebiet der GeistesbetätiMNig Svrige tragen'. Demnach stellten si-e die Beharchtun-g a.u-f, daß es, nu: Jude zu sein, durchaus nicht genüge, das Wort Gattes nur nach seinen Buchstabe»: zu erfüllen, WiioUar! RiMirdlehU Qtruchlotl daß es vielm-ehr' Pflicht ist, in den, Geist desselben, eiuzudriuA'n, dasselbe zu erläutern-, zu erklären-, es auszudchnei:-. Die Gesetze Mosis müsse»: nach bestimmten, Regel»: gedeutet und bis in ihre Einzelheiten, ersaßt iverdcn. Für den Inden sind nicht bloßdie schri-stlich au-sgezeichn-eten Gebote und Gesetze der Thora bindend und verpskichtend, sondern, anch die Auslegu-ngaui mrd Erklärungen, derselben. Alle Gebote wurden mit ihrenaillgomein-en und besondeau Vorschriften, und Nebeivbestilum-ungen am- Sinaierteitt. Beide, sotvo-hl das »riedergeschriebene Gesetz als die mündlich! von Geschlecht Zu Geschlecht fortgepflauzten Vorschriften, sind von einen»! Hirtengegeben-. Für die genaue und Püniktliche Erfüllung der Gebote Gottes uud für die Eirtsagung der Freuden, d-er Außentvelt stellten si-e die Belohn-u-n-g i-m Jen-seits in sicherer Aussicht, n-nd versuchte,: daher jenes Lebe»: bis ins Klein,sie zu schildern, nnd in den herrlichsten Farben auszu-male»:. Daß man, nach dein Gesagtenden Pharisäern: rm-vecht t-nt, wenn, ma»: sie m B'Mch und Bogen als Scheiichellige vevdamnrt, daßes eine geschichtliche Fälschung ist, wenn, m-au -das Wort „Pharisäer" glaichjbedel»tei:d mit „Heuchler" gebraucht, ist so evident, daß lvir dies nicht erst auseirrandersetzen n:üssen. Diese sich! eingebüch gerte falsche Beurteilung und Beru-rteilung dar Pharisäer rührt vo-m Neuen' Testa m-enit her, und hat! sei»:c! Erklärung darin,, daßdie Pharisäer die ausgesprochensten- und enlschiedenstei: Bekälnpfer jener Richtung Ware»:. In, ihren: 'vichti'gau mskmiktiveni Trieb erkan'nt-e die große Masse d-es Volkes, daß der Güda-nke»:ga»:g der P>harisäe>v eine Lebens-bedin!- giinig desjüdischen Volkes ist, unid schloß sich daher denselben, mit Leib lind Seele an-. Und diesem Umstande habcn- »vir die Erhaltung unseres Volkes in seiner Reinheit und Unverfälschtheit bis auf die Jetztzeit zu verdanken. Wennschon, durch das Ein-dringen der griechi sckeni Kulttcr und Laster in; das »vol'tbcherrschende röm-ische Reich den Verfall desselbe»: herbeigefüh'vt hat, »vie -erst hätte -dies die Vernichtung! -des Judeutunrs belvirkt. Der Partei der Pharisäer stand die nach ihren: Begründ'er oder »:a-ch den: Hohepriesterlichei: Geschlechte des Jadok bonaivn-te P-aat-ci der Saddncäer schroff ge-genübev. Ihre Anhänger setzten, sich zusamn:e»: ans Hoflcnlen, Staatsmännlern,, Feldherren n-nd ans densogenannte»: hüheve»: Gesellschaftsschichte-n-, kurz, aus Mininem, die kraft, ihrer Erziehung, Stellunlg und Reichtums in, regem, Verkehr mit der Außen»velt standen und die Freuden dieses Lebens in« vollen. Züge»: gvn,ießcin> ko unten, so daß diese an: »ueistondurch die An-schau-uivgcn unid Lehren, der Pharisäer' sich boeirgt und geho»nl»:t fühlten. In vollem Gegensätze zn den pollenr eckte Reform -Scbweissblätler .eiMItl 66

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