Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 28 (13.4.1906)
- Date
- 1906-04-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mtioichkitmz Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Redaktion r IX/1, Wafagasse Äl. Telephon Nr. 147»». Sprechstunden: stn Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nationalzeitung" Wien. JXp. B<i<bWcr4<tt wegen verspäteter oder gar nicht erfolgter Zu» stellnng erbitten wir unS dringend. — Mauurliripte ««»(>«» »letzt rnriieilgeeitM. Postsparlassen-Konto 47037. In dar Monnement kann man täglich eintreten. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. EiWtSmr Mid Lermrgkdrr: Jiiliii Krens?. Inserate übernehmen die firmen: 2. Vannederg, M. vukes Nachfolger, tzaasenstein & Vogler, Rudolf Masse, M. Pozfonyi, a. Schale! in Wien ferner alle Nnnoncen-Expeditionen im Kuslande. Einzel - Nummer in Wien IS Heller. Administration: Telephon SlbonnementS-PreiS r Für Wie« u. Oefterreich- Nugar» f. Frankozustellung: Ganzjährig. . . . K 15t.— talbjährig . ... IC ierteljährig . . .K 8— Für baS gesamte AuSl, b Ganzjährig . . . K 15.18 IX/l, Wafagaste 31. Nr. 14788. Preis der Anzeigen: Die Smal gefpalt. Nonpareille« zeile oder deren Raum 12 b. „Etngefenbet" dle3spaltige Nonpareillezeile 50 Heller. Bet mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgegen genommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgafse 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Ur. 88. Wie«, Freitag dr« 13. April 1906 (18. Uijsaa 8666). VIII. Jahrgang. Der Friede in Ungarn. Die ungarische Krise ist beigelegt, und lauter Jubel durchbraust die Straßen der Städte. Es ist jedermann, der nicht mit Absicht die Tatsachen verdrehen will, klar, daß die Phrase, es gebe jetzt weder Sieger noch Besiegte, eben nur eine leere Phrase ist. Es gibt wohl Sieger und es gibt Besiege, aber man muß nur ehrlich genug sein, sie sehen zu wollen und wer hierzu tatsächlich den ernstell Willen hat, wird auch über die gewählte Form der SBctle^uitg der Krise keiner; Augenblick überrascht fern dürfen. Wenn mar; von all dem lärmhasten Tam- Tam nrit dem die wahren Ursachen der etwas langwierigen Krise übertönt wurden» absieht, und einen nüchternen Blick hinter die Kulissen geworfen hat, so mußte man vom Anfang an die Ueberzeugung haben, daß die größte Partei der Koalition in dieser oppositionelle;; Union llicht gleichzeitig die mächtigste war. Ja, in der; wichtigsten Fragen hatte die Unabhängigkeitspartei, also die eigentliche magyarisch-nationale Partei den geringsten Einfluß. Daher kam es, daß in ben entscheidensten Momenten, da Uneingeweihte an Aufstand dachten und eine Revolution befürchteten, die auch sicher einbetreten wäre, wenn die Achtundvierziger wirklich das Ruder geführt hätten, stets alles ruhig verlief. Die wirkliche Herrschaft in der Koalition hatte eigentlich die antisemitische Volkspartei. Charakteristisch für diese Feuilleton. Ein aittifeS zu« mndernrn Parteiwesen im Judentum. (Bortmig, gchaltsn von Rabbiner Dr. Bernhard Templer.) (Schluß.) Wenden, Ivir uns nwni dev pharisäischen Partei, als die zahlreichere und, stackere, zu. Um uns« über die Vevanilasfung ihrer! Enfftchfung ein klares! Bild verfchaffen gtt kämm;,, müssen wir ein etW lick auf die allgemein poikitifchkultmelle Lage, auf das geiisti-ga Lehen dev Inden zur damaligen Zeit werstm. Seit Antiochuts Epiphanes, also seit vierzig Jahren vor unserem! Zeitabschnitte, lvar das Bestrebon der syrifchieitl! Machthaber! mit alleirr Nachdrucke darauf gerichtet, die Juden, zui gnechifizieren,. Daß sie znr Erlangu'ljg dieses Zieles gar Lein Mittel, und mag es nach so abscheulich gewesen sein, verwarfen, muß Wohl nicht erst auseinander göscht werden». GlaMe doch, der erwähnte Awtiochus, der Wer die zahlreichen Anhängen döv Wölemäer mteo den Juden beunmhigt Präponderanz ist zunächst die Tatsache, daß man alles aufbot, um den Austritt dieser Gruppe aus der Koalition zu verhindern, daß man ihre antisemitischen Umtriebe nicht nur stillschweigend duldete, sondern sie zum Teile auch unterstützte, während man die Gruppe des Baron B a n f f y, der vor dem überwiegenden Einfluß der Volkspartei warnte, ruhig ziehen ließ. Durch den Eintritt des Grafen App o n y i in die Unabhängigkeitspartei wurden die Beziehungen zwischen den Achtundvierzigern und den Antisemiten noch intimer gestaltet und der Einfluß der Letzteren auf das Verhalten der Koalition noch ausschlaggebender. Der Klerikale A p p o n y i wurde sozusagen als der Vertrauensmann Volkspartei in der Unabhängigkeitspartei angesehen. Man erinnert sich noch eines Briefes, den Kossuth an einen Wahlpräsidenten richtete, in dem er sich dagegen verwahrte, daß der von ihm vorgeschlagene Kandidat ein Jude sei oder von Juden abstamme. Die antisemitische Volkspartei war es auch, die während der ganzen Aeit gegen die Juden hetzte, weil sie angeblich die Regierung unterstützten, und sie war es auch, die durch ihre Organe die Tulpenhetze für ihre Zwecke ausnützte, indem sie die Tulpen zum antisemitischen Abzeichen machte, das nicht bei Juden gekauft werden dürfe. Die Volkspartei war es auch, deren Einfluß beim Abschluß des Friedens maßgebend war, und diesem Einflüsse ist nicht nur die Zusammentotoi*, durch dia Annahme dev griechischen Sitbm und Gebräuche, des griechischen, Götterglaubens ein Aufgehen dev jüdischen Nation, in! der. griechischen herbeizufühven, nnd so die Judcnfrage ein für allemal aus dev Welt zu schaffen. Wiewohl sich nun Aintiochus in Bezug auf dis Glaubens und GefetzesAieue dev Juden arg getäuscht hat, so wcvü doch sein Bemühen nicht ganz fruchtlos. Abgesehen von dein schornlosen, Verhalten der jüdischen Griechlinge unter Anfühmg 'der Hohepriester Jason, Menelaus und Alkimos, war das Judentum von griechi'- schenr Geiste und griechischer Lebensanschauunig zerfetzt. In ihm;, Verträgen, bedien,teil, sie sich dev seleucidischeu Aeva. Ihre Personennamen waren größtenteils griechisch, ja inanchev Syn^ hedrialprcistdvni führte einer; griechischen nvon, so Antigvnos. EuitlchNte doch selbst dev glaulbenseifnM Hyckau aus dem griechischen Sprachschätze die Bezeichnnrlg für die von chm gebildete höchste Behörde: Synhedvion. Die griechische Sprache wurde an allen Ecken und Enden Jerusalems gehegt und gepflegt. Was nun« Wunder, wenn ein derart aufgioiM-lter Boden, zugleich den Nährstoff für di« entgegonigefchiiü Richtmig geliefert hat. Evzeugt doch sät jeher jeder Druck einen Geger^ druck, und trägt doch jode starke Volksströmnng denKeün devGegnrstvönnmg in sich. So entstand stellung des Kabinetts, sondern auch die Schwenkung zu verdanken, die Ministerpräsident Dr. W e k e r l e in der Richtung der Volkspartei machen mußte. So ist dem: die Volkspartei auch schließlich Siegerin geblieben in diesem mit jesuitischer Schlauheit angelegten Kriege. Man braucht die Persönlichkeiten, die jetzt das Kabinett bilden, nur der Reihe nach zu nehmen, um zu sehen, was der „Liberalismus" und besonders die Juden in Ungarn in den ilächsten Jahren zu erwarten haben. Da ist zunächst der parteimäßige Antisemit und Präsident der antisemitischen Volkspartei, Graf Aladar Z i ch y, der den für ^ungarische Verhältnisse besonders wichtigen Posten eines! Ministers a latere ein» nimmt. Mai; kennt die Strömung in gewissen Hofkreisen den Juden gegenüber, die nun erst recht durch die Parteistellung des Grafen Zichy gefördert werden wird. Dann kommt der Ackerbauminister Dr.IgnazDar anyi, dessen judenfeindliches Verhalten während seiner wiederholten Ministerschaft zur Genüge bekannt ist, und seinerzeit durch die Entsendung des Ministerialrates Eg an in die von Juden dichtbewohnten oberüngarischen Komitate fast eine Judenhetze heraufbeschworen hat. Seine Rede gegen die jüdischen Grundbesitzer ist noch in frischer Erinnerung. Einer; wichtigen Posten nimmt der Klerikale, und sicherlich nicht judenfreundliche ein« chauvmisiifch jüdiMnaüonale Partei, dis der Phaivisäev. Ihr leitender Grundgedauks war», daß das Judentum ein! m sich geschlossenes Volk bilden, nmß, daher ihr eigentlicher Name „PerufchiM," „Abgesonderte". Das Judentum, dies war ihre innerste, feste Ueberzeugung, kann Leben- und Gedeihen als solches nur haben», wenn, es sich vollständig und gänzlich lossagt vom griechischen! Einfluß. Die Wiedergeburt seiner materiellen, insbesondew seiner geistigen Kräfte, die Festigung dev Einheit umÖ Größe -des Reiches, hänge von dev Vertiefung in sich selbst ab. Das zu erreichen war schlecht hin ihr Ziel, ein» Ziel, das mit allen erlaubte Mitteln Wfttebt werden, müsse. Es tvar also durchjatls nicht! ein Ausfluß dev Bildungsfeindlichkeit, wenn sie sich gegen die Erlernung der griechischen Sprache^ erklärt haben. Ebensowenig wie dies der Fall bei einer tschechische Gemeinde ist, die sich entschieden gegen die Errichtung einer deutschen Schule in ihrer MM ausspvicht, und es als einennationalen Vervat ansicht, tvonn jönwnd sein Kind t»in eine deutsche Schule WÄ. Dieser streng jüdisch-uatimmle Standpunkt, diese Abgeschiedenheit vo,r der Außontvelt, wie sie von den» Pharisäern gelehrt, fand einen eifrigen Vertreter in dev Person des Stifters dev christlichen Religion. Ja, in puncto Chcm- »»- Die nächste Nummer erscheint Freitag den 20. April. -«■