Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 27 (6.4.1906)
- Date
- 1906-04-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seit.!:! 1 titsscs (trügen dlnketl nemmuueu Ijabc, foiuio auch krniluf, öaü bet Verbreiter ii'itb der Fabrikant der Tnlpenewbleine gleichfalls der jiddischen. Koitfeffitm attioeijörcii, I iisctgedessen -bittet die Eingabe, die Leitung deS Tnspen-gartens nröge die habgetränkten Ausbrüche deS offiziellen Organs der Volkspartei, welche dariir kn l»ti nieren, das; das T-ulpenemblem das Emblem des angrersenden An'tisom-ittsmns sei, auf das bestimmteste desavouieren." Bald fant auch die beruhigende Antworl aus diesen Alarmrnf. Graf Julius A n d r a s s t) lieft durch die si orrespondenz ,-Pvlitikai Ertesibö" folgende Erklärung veröffentlichen: „Wenn die Tulpe ein antisemitisches Emblem wäre, oder neun ihr die -Interpretation anhafteit würde, welche „Alkotmany" der Tulpe gibt, so würde ich dieses Emblem »iemals auf.aestecht haben. Wir trollen die Natron nicht trennen, sondern rn oiu Lager bringen, und die Tttlpe beöeuij., daß derjenige, der sie anssteckt, sich als trc-nen Ungar bekennt. Bon Antisemit Sinitts kann sticht die Rede sein n-nd unter den Organisatoren der Bdiregitug ist es uientattdeur eingefallen und konnte es iricht einfallen, dag seiuand der Tuitpe eine so irrige und falsche Interpretation geben ivird." Die übrigen Koalitiottsführer lmben sich bis lnute ttoch nicht geäuüct«.. Ztrm. 'Schlüsse für heute sei noch der j-trvse erwähnt, die 'im Präsidiunt der hiesige-u Knltnsgetueiude ausgebrochen ist. Hofrat Sieg-nmn-d K o li ne r, der langjährige Präsident der hiesigen Kultnsgeut-einde hoi mit Rücksicht aus seinen Gesuu-dheirstziustand in einem ans Slbbazia gesandten 'Schreibeit seine Demission arvge meldet. T-er Vorstand der 'Gemeinde -entsantt.e eine aus dom Vizepräsidenten Hofrat D r. Philipp W'<e i n rn a n n, Herrenhausmitglied D ireltor Siegmttnd Sl o r ttf e 7 d, Leo Bannt garten n. m. a. bestehende TePtttatirn nach dlbbazia, den demissionierteir Pläsidenten zu ersttchen, das Präsidi-trtn tveiter zu behalten. Trotzdem die Deputation Gerrit Hofrat Kvhner die Versicherunggab, daß der Vorstand derer sei, Um itt seinen Präsidialagendett tnöglichst zu entlasten, beharrte der Präsidetit ans seiner Demission. Nun sind die leitenden Kreise der hiesigem- K-ttttttsgemernde benrüht, Hofrat Direktor Siegmnnd Kornfeld, der auch setzt Mitglied des Ktl'ltus'vorftaudes ist, als Präsidenten der K'nlUtsgemeinde zu geivtttNen. I v ch a n a n. Was bezweckt die Jüdische Toynbee-Halle? ldlns denr soeben erschienenen Jahresberichte der Wiener Tonnbee-Halle.j iWie in jeder Großstadt leben auch in Wien tausend-e von Ni en-scheu, welche, von früh bis spät hau. arbeitend, doch nicht itnsta-ude sind, nre.hr zu erwerben, als gerade zur Fristung der nackten Existenz hin reicht. Uttd doch wohnt in erneut grobtmdenen Gefahren bezüglich körperlicher und geistiger (hcsunderballtmp in höherem Grade atis als andere Rassen- 2k verfallen peifügen Erkrankungen vier- bis sechsmal häufiger als der Durchschnitt der Knlluruativiien, in deren Milte sie leben. Unter den, .Krankheits rirsachen spielen geschlechtliche Atisschiveifnngen und Lcbensnvt eine besonders grosse, Alkoho lismns eine geringe bJtoUc. Minderiverkigkeil 11.110 Perversion findet sich häufig in der Jugend, ja, bereits.Kinder leiden oft an hochgtadiger Nenrastbenie. Letztere ist iiberchnipt unser den Inden. sehr verbreitet, insbesondere beim männlichen Geschlecht, während das weil) liche mehr zur Hysterie neigt. Dugchschnililich erkranken die Männer mit 07, die grauen mit Ulr Iahten, während das Durchschnittsalter psychischer Erkrankung sonst IN Jahre ist! Epilepsie ist selten. Dagegen niinmk die Paralyse einen höheren Prozeussatz eilt als bei der anderen Bevölkerung l etwa 21 Von Himdert sämtlicher jüdischer Anstaitsarifnahmen, gegen 10 bis l:l von Hnnvert der andere»'». Merk würdigerweise stellen die Frauen das grohere KtEnkheitskonlingent. Nach den llnterstichttngen von A. 'lüloz ist and) zur Verrücktheit i Paranoia» eine erhöhte N'eign,rg vorhanden, was um so bemetkeilStverter ist. als diese Affektion allermeist auf dogeuerativer Grundlage enmeht. Nalionalzdtllng Xr. 27 fteit Brmcheile Meter Mvfs-e fcev brennende Wunsch, I Nach der Tecpause folgt der «zivette Toll des ihr ohnehinnteift mir geringes Wissen zu vor- Menbs, welcher zumeist zu einer Vorlesung aus ntehren, ihren Ve-g riffskreis ztl eritveitetn. Mer! Mvr»kü» jüdischer Antoren, aberMch a-uS Werken öiküfe Aer nisten find ansgeischältet von den höchsten - niclEüdiischer Schriftsteller benützt wird. Mitikwoch Gütern der Menschheit, sie körnten auch »tritt durch beit eugslett Spalt einen Blick tun aus ihrem'Dumikcil in die sonnige Welt der Künste nn-d Wiissenschasten, irentt sich ihnen nicht tiilfreiche Hände entgegenstrecken. Es war also ein sehr verdienst'volles Dttiv'Prof. Dr. Leon Kelltters und seiner Jreiinde. als sie vor fünf Jahren daran ginget,, nach englischem Vorbild tut-d trnker Lldoptiernng des Naittens Arnold Toynbees, welcher als erster rnlEngland solche Bildungs-J-reitische errichtete, eine jüdische -Totinbechalle itt Wien zu gründen. Was eine Toynbeehalle bedenket und ansrrebt, was namentlich eine von jüdischem Geiste geleitete Toytibcehalle oder beyser noch, -was mehrere solcher Toynbeehallen im atttisentitisrhen Wien bedenten und leisten können, brauche man ivvtzl des we!iter-eit m'chli anshnftihreit,' diese segensreiche Jntstik-ntion hat sich i'o sehr in das Bew-lttztsesn der Wiener jüdischen Vevölke'nung eingekebt, daß jedermann iveist, wrrnnt es sich handelt, trenn man von der Toyn/ bceHalle spricht, lieber ihre derzeitige Einrichtnug und ihre Veranstaltungen seien nur noch einige Details hier angeführt. Die Toynbeehalle in der Brigittenau, Oi'hma-rgaffe 46, -besticht ans einem Parterresaäl mit eiin-vm Jassttngsranm für etiva 27i0--W0 Personetr, welcher nttt seltenen Ans nahmen auch allabendlich voll in Anispruri) genommen wird, einer Küche imtd einem lleineit llrebettgrilasse für die Tozetttett >und Gäste. Im Saale steht ein -Podium mit ein-ent Kiabüer und einem Tische für den Vortragenden. A'biends nnt 7 llf;r wird die int -Winter behaglich erwärmte und belenchteie -.Halle geöffnet nitd es iv'trd ürn Winterhalbjahr, d. i. von, November bts März, vor allein ein für eine Sit-unde berechn-eter popn-lär .wisfenschafllücher Vortrag gehalten -aus G-ebieten der (Keschichte, der tllatnnwisseisschaften, der Hygiene, Mtvdi>zin> Jnrisprodenz, Philosophie, Literatur u!fw. Wir h-atleik mährend des letzten -Wntbe'r'ha'lbja'lires 1 JXM/OTv mu solcher Vortragsabende. Die Verträge werden selbstreden-d nichit honoriert. Die gespannte?lnsmierksamkeit des dlnditorinms, dessen getegettA'iche Fragen -nn-o Einnr-jirse, die rege Beiieitignng an ei-ngeleitoten Dist-ussionen nsw. zeigen, wie inn-ig der Konkabi zivischen den Vvrtragenderl - nnd ihrer Hörerschaft ist, lvie sich das Ohr der letztereit inn'erhalb der fünf Jahre des -Bestehens des Institutes an die Sprache der Ge-bildeteit gewöhnt bat und -welchem Verständnisse und Interesse die Themen begegnetr. üiegen 8 Mir tritt eine Panse ein, ivelche -d>e»r nng!cz-n?n iigenen llnterhaltimg des ^lnditoriu-ms geividmce ist nüd während welcher opserwiillige Fra neu und Mädchen, von denen viele srri) z-nm Dienste nach eigener mühevoller Tagesarbe-it einstellen. den B-os.uchern- Tee und Eabes offevieren. Für die Mehrzahl natürlich n>nr a'ls Eranickniig und Anregung gedacht, ist leider das Gebotene fürcin-e bedauernsw-erte Minorität eine sehr willtommene Mahlzeit. nnd Son-litag folgt der Panse ein sogenanndes Hatbkonzert, d. h. ein den lmlben Abend dauerndes Konzert. Der -Freitag ist denr Vibel-Vortra» ^serviert nnd jeden 'Samstag sindet -ri'mden ganzen Men-d anssüllend-eS Kvittzert stach. Wir Meten im Winie-r-'Semesler nitgesähr 25 solcher Ae-ra'ti,- staltnngeü, arr -welchen unsere Gäste mit den Merken berühmter alter und -m-oderner. .Konrponi'stjc>n> beka-nnt gemacht -werden. >Das S-ontttterhalbfahr, das sind die ivionate April bis Anglist, ist den n-netitgeltllicheit Leyrkitrsen geivlidmel. Es wu-rdie -Unterricht crteW: zrvei-mal «wöchentlich iir englisrirer Sprache an ca. 2-". -Lchüleriiine'li, ztveimal rvöchentli-ch Französisch, ebenfalls an ca. 20 Schülerüiinen,-viermal wörisenitlrch 'Stenographie — itt zwei Abtciiilnngen. —> am Schüler. Die Erfolge waren nach Versicherung der hochhe'chigen, setbstloseit Lehrkräste säst dn-rriitvi.igs vortrc'ssliri).!Der dlnsgestallnng dieser Lehrknrse soll 'in 'Zn-kiM'ft e-iu besonderes Augenmerk gc'widrnet werden. Wir beabsichtigen, n-ichi! n-ur neue, ersprMi,- lirfj scheinende L-chr-knrse, 'wie solche für Bnchjhaltung, Maschiinschreiben zu kreieren, sonder» vor allein die Lehrzeit auchans -das Wtnterse.mester auszndehnen, und somit eilt werteres Lehrziel anzn'streben, dessen .Endzweck eine w'-esenttiche -Förderung der Erlvcrbssäl-igkeit der Schüler bede.ntie.it soll. 'Alle diese genamrien Veranstaltiingerl beanspruchen aber einen größeren. An-fwan-d- -von Gebdtn-itte-lii, als sie b iS her der- Toynbeehalle zur Verfüg-nng gestellt »iverdett. Der gefertigte Vorstand erlaubt sich daher an alle Glanbeitsgenossen, denen die Hebung des ethifcheit Niveaus, die Förderttng der Erziehu-ng, Bildung und ErwerbssähigMt am Herzen, liegt nnd sich in Betätigil'llg e'chiter Mstnsch-enliebe an einem segensreichen svOalen Werke beieiltgett wellen, die Mbe zu richten, durch Jniven-dnilg von MntgliedSbeiträgen, Spenden oder Stifterbeiträgen die fi'nan'zi-elle «Basis der Toynbeehalle festigen nnd sichern?pr helfen. lViciitr-ittsartNieldtingen ivolle man ad ress ie reu an Ernst Götzl, Wien, 9. Be,;., Licchtiriitsteinst raste N8.I Vermischte Nachrichten. Die nächste Nnunner ivird niit Rücksicht auf das Pessachfest Freitag den 18. April erscheinen. Zionistischer K»eu trat verein. Der Vortrag von Dr. Vk a r g n l i e s: „D >c r politische '> i v n i s nt n s a m s i e beut e n K o u g r < ft" findet S a m s t a g den 7. Apllil UM, 8 Uhr abends, im Vereinslokat u. Vez., Türkenstras^e 9 statt. Zutr'l.t für Gch'iini'lingsgeiross-en n-nd eiirg-eiführte Gäste. Im G-cp-enfatze zu ben Juden zeige» die reinen Angehörigen der semitisch-hmnitischen Rasse diese Hobe ärrgn-kheitszister nicht. So die Aegypte, Araber, Abessinier. Statistisches über die Einwandern,»g nach Palästina. Beint „Odessaer Komitee" besteht ein Jnsormatlonsburean, welches allen, die nach Palästina zu emigrieren beabsichtigen, mit Rat zur Seite steht. Unter anderen Begünstigtnigen gelang es diesem Komitee, auch bei den verschiedeneit Schiffsgesellschaften für jüdische Emigranten, deren Reiseziel Jaffa ist, ermäßigte Preise zu erwirken. Das Bureau hält auch alle diejeuigen, die tm Wege und mit Hilfe des Komitees nach Palästina ausivandern, in genauer Evidenz und bleibt mit den Emigranten auch nach deren Ansiedlung in Palästina eilte Zeit lang in Verbindung. Die Zahl derjenigen, die von, 1. Jänner 100r> bis 10. Jänner 0)00 mit Wissen des Odessaer Kolttitees nach^ Palästina ausgeivandert sind, beträgt 1820, und zwar: Jänner 1005 emigrierten 4L, im Febrtrar 41, Ntärz 97, April 27, Mai 68, Juni 00, Juli 87, August 810, September 87, Oktober 88, November 220, Dezetnber 159, Jänner 1900 bis zum >0. des Monats 90. Hierzu ist zu bemerken, daß viele Emigranten, die nach Palästina fahren, ihren Weg nicht über Odessa nehmeit können nnd gezwungen sind, große Unttvege ztt machen; diese sind in der oben angeführten Gesamtzifser nicht enthalten. Die Barsnmme, welche die mit Hilfe des Odessaer Komitees Emigrierten nach Palästina milnahtnett, betrug ztlsalnnlen 260.470 Rubel. Znm 80. Gedcitttage der Einmorhitttg des Wiener SiMtompels. Mw 9. April l. I. uieebeu 80 Jsthre -verflossen sein, seit bas älteste Wije»-er Bethanö — der Stadttem-pel —- eingeiveiht und seiner Besiiminnna über-gieben tvttrde. Zur «Erittniertt-ttg au diesett Ta« erscl-eitck zu «Bc«!itttt des nächsteit -Alonats im Verlage der k. tt. k. HvfbtiriikMüd-ltnt« Wülheliit B r a tt m ü l l e r in Wien eine von Herrn Sigmund Hnsserl, Anhiobeamler der Wietter Israel. KtMtisgetneüirde, nach atchival ischon -Quellen versa stte Entsteh nn-gsge schichte dieses Ba-lles. Atts akiuellen Gründe» rnachou nur tinsere Leser ans die beporstehenbc inter- «essailte Publ'i-iation ansiiterksa-m, die in der Eiitle.itmtg ein-eit Beitrag zu de-tt sozia-lett ttttd politischeil Bekhällil-isscii, niiiterj welchendie Wiener Judenschaft in der geschilderien Periode lebte, enthatten wird. Eine a-nsführliche Vesprettznnig boha'ttetl wir »-ns selbst-trerständlich vor.