Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 27 (6.4.1906)
- Date
- 1906-04-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nationalzetkmg Nr. 27 Ueberzeugung stellt, die wiederholt und nachseren Fa«i»iilie iricht mehr ausreichend finden für Sicherung rurserer Existenz. Tie Befreiung vo»»« alledon», »vovon. wir uns nie hatten, befreiten, biirfen, hat uns gleichzeitig zu moralischen und gesellschaftlichen Sklaven der anderen' Völker geinacht. Aus lauter Kultmduselei -halben: »vir unsere eigene, lebensfähige KnlUir geleugnet, indem wir sie getötet haben. Um nicht rückständig zu erscheinen, fiitb wir so rückständig geworden, daß christliche Durch sch nittsgelchrte von unserer Geschichte und unserer Literatur mehr wissen, als mancher „Führer in Israel", und wähvend die einen sich „schämen, sich als Juden zu bekennen", schä-men sich die anderen nicht, in voller Unkenntnis unserem eigenen religiösen Anschauungen, unserer Sprache und rmserer Farrrilientraditiouen zu verharren. Nicht, diese Freiheit ist es, die das Judentum zu retten vermag; diese Freiheit hat den Abbvöckelungsprozeß in unseren R«eihen herbetgeführt, und wird den vollständigen Zerfall unseres nationalen Körpers nur beschleunigen. Auch der „Bösewicht" irr der Hagadah gehört zu diesem Schlange der „Freien", die sich von der Allgemeinheit losgelöst haben, und mit Recht verwundert fragen, wozu lvir uns noch der alten Befreiung emnnern, da wir uns nach dem Alten nicht mehr zurücksehnen. Die Freiheit, die ich meine, besteht tu der Freiheit, sich selbst anzugehören, die Freiheit, seine eigene Geschichte zu leben-, die Freiheit, Jude zu sein, Jude in seiner Religion, in seiner Sprache, in seiner Literatur und in seinem eigenen Lande. Vom zionistischen Landeskomitee. Mittwoch, am 28. März fand in Wien eine Sitzung des erweiterten Landeskomitees statt, an der teilnahmen: der Präsident des Aktionskomitees David W o l f f s o h n aus Köln, vom engeren Aktionskomitee Dr.Alexander Marmorek (Paris), die Mitglieder des großen Aktionskomitees Architekt' Oskar- Mar m o r e k, K r e m e n e t z k y, Dr. K a h », Dr. S ch n i r e r, das Wiener Landeskomitee »nd das innerösterreichische Distriktskomitee, ferner Dozent Dr. Mahler aus Prag und andere. Den Vorsitz führte Dr. S ch a l i t, welcher die Diskussion mit einem ausführliche» Bericht über aktuelle Fragen der inneren Organisation und politischen Betätigung eröffnete. Dem Referate folgte eine mehrstündige Diskussion, welche volle Uebereinstimmung der Versammlung mit den von Dr. Schallt entwickelten Grundsätzen ergab. Der Präsident des Aktionskomitees erklärte, daß die derzeitigen Bestrebungen der österreichischen Zionisten seine Sympatien haben und auf seine Unterstützung rechnen können. Er erblicke in der gegenwärtigen Aktion den Ausdruck kräftiger Energie. Am Schluffe der Diskussion gelangten (bei zwei Stimmenenthaltungen) folgende Resolutionen zur Annahme: 1. DaS Aktionskomitee wird ersucht, gemäß dem Organisationsstatut SchekelblockS für Oesterreich nur an das Landeskomitee abzugeben. 2. Die Vertrauensverfammlung gibt der Ansicht Ausdruck, daß dem Landeskomitee in allen mit der innerösterreichischen Politik zusammenhängenden Fragen jene Autonomie zu wahren sei, welches daS Landeskomitee zur Führung seiner Geschäfte bedarf. Zugleich dankt die Versammlung dem Präsidenten Herrn Wolffsohn für seine Ausführungen, aus denen die volle Uebereinstimmung zwischen ihm und dem Landeskomitee hervorgeht. Arsteitstzermittlung für jüdische Hochschüler. Aufruf! Das gefertigte Komitee hat sich zu dem Zwecke vereinigt, den „Verein für unentgeltliche Arbeitsvermittlung an jüdische Hochschüler" inS Leben zu rufen. Die Absicht d«S Vereines geht dahin, den jüdischen Hochschülern Gelegenheit zum Erwerbe durch Stundengeben, Verwendung als Stenographen rc. zu verschaffen und auf diese Weise den armen Studierenden die Gelegenheit zu biete», aus eigener Kraft ihre Existenz sicherzustellen. Die konstituierende Versammlnng des Vereines findet am 12. A p r i l d. I., 7 Uhr abends, im Lokale der ,O esterreichi« schen Israelitischen Union" IX., Universitätsstraße 8 statt und erlaube»! wir uns, Sie zu derselben hiermit ergebenst einzuladen. > Bei dem regen Interesse, welches Euer Wohlgeboren den Bestrebnngen des Judentums und der studierenden jüdischen Jugend entgegenbringen, hoffen wir mit dem Ersuchen keine Fehlbitte zu tun, daß Sie unserer Einladung zuverlässig Folge leisten. Für das vorbereitende Komitee: Dr. Krenberger Doz. Dr. Grünfeld XIH., Auhofstraße 222. 1., Schottenring 2, Der Jahresbeitrag beträgt blos K 3.— und sind eventuelle Anmeldungen und Geldsendungen an die Adresse IX., Universitätsstraße 8 zu richten. Tulpengärtnerinnen. (Ein Appell an die jüdischen Frauen.) „0um maiorum irnagines intuemur, vehementissime nobis anirnus ad virtutem accenditur“. So sollte es sein. Uiib der vorwärtsstrebende Mensch, dem leider das Glück nicht zuteil »vard, in der Reihe seiner Vorfahren auch solche zu finden, deren Daten nachahmens- »vert sind, muß sich sagen: Versteht man unter „maiorum“ nur Ahnen? „Maiorum“ kann ja auch „der Größeren" heißen, gleichviel »velche Fesseln ihnen die Natur nach der Geburt unnvarf. Und ein Volk, dessen Ahnen die Begründer der Religionen fast aller zivilisierten Volksstämme waren, ein Volk, dessen Ahnen im grauen Nebel, »vo alles noch im tiefen Schlafe lag, der Menschheit — um mit Herder zu reden — ein erhabenes Geschenk »nachten, ein Volk, dessen Ahnen so große Heldenmütigkeit an den Tag legte»», »vie raum die einer anderen Natio»», dessen Ahnen lieber aus den» Scheiterhaufen verbran»»ter», als ar» de»» Gr»»ndfestei» seiner Gesetze zu rütteln, als ihrer Natio»» de»» Nücke»» zu kehre»», »»rußte uud sollte auf dem vorgezeichneten Pfade »vandel»», »näßte »»nd sollte sich als »vürdiger Nachkomme dieser Heroen zeige»», und zun» Teile wenigstens ihre Beispiele iiachahmen. Leider zeige»» uns die Betrachtur»gen der Dinge beso»»ders in der letzten Zeit, daß da8 »»icht immer der Fall ist. Gerade ein Volk »vie das besagte, schläft den Schlaf des Ungerechten u»»d keine Musik, weder die fröhliche, noch die traurige vermag eS a»»s dem todesähulichei» Schlafe z»» wecken, während eine Natior», die a»» ihre Urväter »»icht erinnert »verden »nöchte, Taten vollbringt, die einer anderen als M»»ster voranlmchten n»öge»». Ei»»er meiner Fre»»»»de in B»»dapeft ließ mir vor einigen Tage»» einen vo»» i»eu»»zig (»nar» höre »n»d staune.!) ungarischen Damen Unterzeichneten Aufruf zum Beitritt eines stillen Bur»des, genannt „Tulpengarten", übermitteln. Die Zwecke dieses Bundes sind: Die Demonstration, Stellungnahme für alle nationalen Ideen, Bewegungen und Bestrebungen, die nationaleix Gefühle in der Familie, auf dem Gebiete des Erziehungswesens zu fördern und kei»»erlei antinationalen Richtungen in der Gesellschaft z»»r Geltung kommen zu lassen und schließlich die ungarische Industrie zu fördern. Jedem, der in die gegei»»värtigen Drückllch ihren Bekenner»» ciiifdjävft: „Erkenne den Ewigen, .deine»»- Gott, urnd diene ihm," eine solche Religion »»ruß jede »vie iminer i]o artete Proselylemnachere» verabscheuen und als verdamm enswert erklären. Wem»! je eine Religion, so ist es die jüdische, »velche die »vahre unb aufrichtige Toleranz predigt »»nd gebietet. Ihre Duldsamkeit gegen- Fremde un-b- Andersgläubigen äußert sich mdjit nur im bei»» schönem biblischen Satze: „Eine Lehre und ein Reckst soll für euch sein und für den Fremdling, der sich bei euch au'fhält," sondern. sie verkündet a»»ch den »»»oder»» flimgeitbe»» Gedamkem: Jeder kam» »rach sei»»er -eigenen Fasson' selig »verden, inbem unsere Weisen den Satz ausspvacheu: „Die fro»nmen.Nickstjuden haben; Anteil an dem Jenseits." Die ersprießliche Wirksamkeit Johannes erstreckte sich aber nicht bloß »»ach der Außenseite, auf die Erwerbung von Ländereien, sondern er widmete gleichzeitig seine Sorgfalt de»» innere»» Angelegenhcitem zu, und diese führte ihn zu Leistlingen, die ihn »»nd sei»» Reich überda»»orten. Joha'ii'mcs erkannte mit richtigen» Blick, daß die Grmidbcdingnng der Wohlfahrt eines Staates feine Rechtspflege und Rechtssicherheit ist. Er richtete daher zunächst sein Augenmerk darauf, daß in allen größeren Städte»» geeignete Gerichtshöfe gebildet »verdensolle»». Scharfsehend, erkannte er aber auch, daß die WaschbarI Wasserdicht! Ooruehto«! Zufriedenheit, Die Glückseligkeit eines Volkes, eines jeden Menschei»-, nur beiwahrer Religiösität denkbar ist, daß ohne Gott feine Sittlichkeit, keine Glückseligkeit. Dev diese»» feine»» Gerichtshöfen' zWewiescne Mrlkungs'kreis bestand demgemäß nickst bloß in der sorgfältigen Wartung -beu Rechtspflege und Rechtsprechung, sonder»»' ihre Bestimmung war. zugleich-, den jüdische»» Geist, den religiösen Gedanke»» zu pflegen und »veiler zu entwickeln«; für die religiöse Belehrung des Volkes Sorge zu tragen-. Nach den» Vorbilde der von Esra ins Lebe»» gei-ufenien Körperschaft dev Ausche ken-eseth hagdolah, der Mat»»»er dev großen Versammlung, die ihre»» Begrü»»der hundert Jahre überlebt hat, errichtete er in« Je»iusalem den -hohe»» Rat. das Synhedviou, beslehei»d aus eiulindsi-ebziig Mäunevi». Derhohe Rai war jedoch mit kbeitknb größeren Vollmachten ausgestattet als sei»», Vorbild. Während die Ansche keueseth hagdolah n'iir die letzten Entscheidungen in* religiöse»»' Fragen zu fälle»»! halte - -- sie stellte also die oberste sy»»agogale Behörde dar — ,erstreckten! sich die Machtdefuguisse »inseres Syuhedrions auch auf die Ge>- richts'barkeit; so -durfte ohne s»pilhedrialei». Urte ilssp euch niiemaub hii»ge»!iclstet »verden. Dev hohe Rat bildete somit die- -oberste Behörde in religiöser und jndizieller Beziehung. Die Behauptung Gvätz', daß das Shnhcdrion »m-t dev peinliche»»! Gerichtsbarkeit »»«ickstsz»» schaffen hatte, entspricht also nickst den- Tatsache'»». Daß unter solchen' günstigen; Verhältnisse»», mit der hergestellten Ruhe »md Sicherheit, der Wohlstand des Volkes rasch« zugemomnm'i» hat, bedarf woh>l nickst« erst ei »»er besonderen Hervovh-ebnn'g. Die alten« Zeiten, »vo jeder Israelit unter feine'»»»' Weinstock und nn-ter seine»»» Feigen«ba'U«in »mau-fgeschreckt ruhte, schi«e»»en »vieder a»»^z»ihueche»i. Alleindie Hyrkaniische Peri-ode ist »»»it ei nein« Meteo r z»» vergleichen , -das in« einer stockfinsteren Nachtplötzlich aufflackert, um bald darauf zu verlösche»». Ist doch die« Wirkling einer solchenaugenblicklichen Beleuchtiing des Firmamentes« nn«r die, dn»ch dei» Gegensatz die Fi»»steri»is z-u'm vollei» Belvußt'soin! -der Seh«aiiden zu briligel». Vor H»M»Ndie fovtivährem den Kämpfe der Jude»»! mm; ihre Unabhängigkeit, für die N-eli'giol»sfre'iheit, »»ach ih»»»- der B>egiln» des« Verfalles des Reiches, der uNn»»-terbrocho»»- an. U»»'sdehli!»»»»g geuxnm, bis JenvsalÄn »nieder i>i»! TrümlnvM! lag. Zlvischen« -diesen beiden! Perioden liegt die des Hyrkan wie eine Oase in der Wüste. Was Nmv mm die eigentliche »vahre Ursache dieser so plötzliche»» »mgü-nstigen. We»»d»n»g? Was führte diesen' nngtückfelige»»«, fo> rapiden Umsckstmi'lig herbei? Wo lag der letzte Gr»r«»»!d pollenr eckte Keform “$cbwci$$b!ätter IleMI erum