Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 27 (6.4.1906)
- Date
- 1906-04-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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MmcheilNz Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigrntnmer nnd Herausgeörr: Jako- Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: I. Vanneberg, M. vukes Nachfolger, yaafenstein Sc Vogler, Rudolf Masse, M. pozfonqi, R. Schalek in Wien ferner all« Knnoncen-Lxpeditionen im Ruslande. Einzel-Nummer in Wien IS Heller. Beriebleitzstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgegengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergaffe 7. »--« Redaktion: IX/1, Wasagastv 31. Telephon Nr. 14788. Lprechstunden: An Wochentagen von 10 bi» 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nallonalzeitrrng" Wien. IX[1. H<s<l)WCr4<n wegen verspäteter oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir un» dringend. — Mauurlirlpte werOeu nicht raröctlge-ttii». Postsparlassen-Konto 47037. 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Dieser llmltand war ja auchdie Hauptursache desendgültigen' Z-u-fa-mma'N'br-ttck-es des jüdischen! Reiches. Und - da drängt! sich einem! mumMirlich die Frage auf: Fehlt deinjüdischen! Volke, der jüdischen Nation« in seiner Gesamtheit tatsästlichl die Eignung, innerlich und äußerlich frei zu w e r d e n> n-nd frei zu b l e i b e n't Kein objektiv urteilender Mensch wird diese Frage rniMveg wrnfiiven können. Nicht nn.r deshalb nicht, weil die Geschichte dou Freiheitskämpfe vor Errichtung des Reiches rmd seit Beginn' der DiaWraungezählte jüdische Freiheitskämpfer und Freiheitsfän-ger anfzählt, scndern, auch deshalb nicht, weit lvir, get-ade zufolge unserer ewigen! KnechtfclM, zufolge unserer NnmiterbrocheNen Mhängigkeit von fremden Völkern die geborenen! Freiheitskämpfer, die von. instinktiver Sehnsucht nach Freiheit getriebenen! FrciilioitMealisten sind, llnd »vir sind die selbstloseston, Freiheits- Feuiürton. An antikes weiten stück zum modernen Parteiwesen im Judentum. ZVortrag, gehalten von- Rabbiner Dr. Bernhard Templer.) Meine verehrten Damen rmd Herren! Es ist eine! schlvierige Aufgabe, bei einem geschichtlichen! Zei-tab schnitte, der voir Jahrtanisenden! sich abgespielt hat und deiv erschöpfend literarischbearbeitet lvnrde, treue Seiten abzir- Mwiünen. Ich lvill dies dennoch, ohne an>- maßend- 3.it, sein,, mit ni-eintn. schwächen Kräften versuchen!. Ehe ich jedoch zu dem, mir vorgezeichleten Stoffe schreite, will ich mir gestatten', einen talnindischen, Sah als Motto- Vvrauszuschickeir. Einen' durch, die Geschichte beglaubigten Gedan-keir drücken! nämlich unsere Weifen ans, iven-n! sie als Ursache des Verfalles und der Auflösung. des zlveiten jüdischen, Reiches, der Zerftörnng Jernsaleilts, der Einäscherung des Tempels, der Sklaverei! unseres Volkes „Sinns Ehinoln." gegenseitigen lniberechtigten Idealisten, die für die Freiheit an sich kämpfen zu jeder Zeit und allerorten, traun nnd wo sie gefährdet erscheint. Und anch ans einem, anderen, Grunde. Weil die politische nnb soziale Freiheit stets und überall uns Judenzu allererst geraubt und am spätesten! gewährt wurde. Und trotz dieser praktischen. Bi ld-ungs schule für die Erkämpfnng der Freiheit vermochten wir im Verlaufe der vielen Jahrhunderte es nicht soweit zu. bringen, dasjenige, was zu erringen lvir fast jeder heute besteh-enden- Nation verhalfen: die Freiheit und Selbständigkeit uns selbst zu erringen. Die Ursache dieser die Existenz nuferes Volkes gefährdenden, nnd die U nmöglichkeit einer selbstä ndigeii- Entwicktung in immer, lveitere Ferne nickenden, Tatsachen liegt meines Erachtens hauptsächlichdarin., daß lvir den Begriff der Freiheit stets falsch ersaht haben. Zuvörderst haben lvir die Interessen! der Gesamtheit mit den unsrigen verwechselt und zweilenshndbuwir uns immer 'von, d e m zubefreien, und unabhängig zu machen! gesucht, lvomit lvir national verknüpft sind, Wovon! wir uns selbst abhängig m,achen müßten, memr lvir die Befre-inungj der GefauA heit, des ganzen Volkes ernstlich' anstre-benwollen. Wir haden uns vonden Fesseln unserer R e l i g i o u befreit, ohne .daranzu. denken, daß lvir damit iricht nur ein Strick nuferesnationalen! Wesens aufgeben, sondern, indem lvir dies tun, auch gleichzeitig ein gestehen', daß lvir Haß, d-ie inneuen Zerivü-üsnifse liud- Zerklüft-uNu gen, die Pat-tei'enzersplittertln'genan führen. Und nicht minder du-ich die Tatsache erhärtet ist ihr Nachsatz, daß diese tran'ri-gen Zustände bei uns noch vovherrsch,enid! sind'. Dies des Näheren, zu beweisen, und auseinanderzusetzen, soll unsere heutige Aufgabe seiir. Meine verehrten Tanren! rnrd Herren! Vorüber lvareu -dir heldeinnütigen, inder Geschichte fast vereinzelt dastehenden, Makkabäerkämpfe. Der letzte der fünf Söhne Ntathatias, Simon, der nach drin ans dem, Schlachtfelde erfolgten Rllchmestode seiner Brüder sichineiner Bolksversainmllüiig in, Jerusalem' mit dein, bezeichneteir Wort eingeführt hat: „Fern sei es von mir, mein Leben zu, fchonru in jeder Zeit der Gefahr; denn ich bin iricht besser als meine Brüder, sondern! ich tvill eächeu mein Volk und die Heiligtümer »mb unsere Frauen und Kinder, lveil alle Völker sich zusanunengetan, um uns ansznrotten-." Simon lvar in den- Erdenschoß, indem Gdbirgsstädtchen Btodeim, neben seinem Vater lind seinen Brüdern, gebettet. Die Kriege, die sie für die Freiheit ihres Glaubens, fi'lu die Unabhän-glgkeit ihres Landes geführt hatten', lvurden» 31t ihren. Gunsten entschieden, sie lvareil v-vni. Erfolge, mit de-ln Siegeslorbevrkranze gekrönt. Johannes, der mit der Last unsever religiösen Vorschriften beladen, den Komps um unsere Sondevexistenz nicht ltlit Erfolg zu, Ende führen! können-. Es lvürde hier z-n weit führen, diesen' Gedanken bis in seine äußersten, Konsequenzen weitem zuverfolgen... DH führe nur ein Beispiel an: Wenn die Jrreligiösität in. rmsc-ren, Rechen auch lveiterhin so erschreckende! Fo-rtschritte machen lvird, lvi-e diesjetzt in, riationalen, und nichtnatio-na-le-11 G'esellschaftskreifen, beobachtet iverden kann, so lvird, um in. Oesterreich zu bl-eibeu, ins einem gewissen Zeitraum auch jeitict: Reservefonds an jüdisch-religiösem und jüdischnatchnaleiit Geiste, der tin,seren Osten noch beherrfcht, aufg-ezeyrt sein. Weder unser modernes Schrifttilm, vovansgesetzt, daß .ein solches einstlich gepflegt wird, lvird ein jüdisches Leben vorfinden, das sich von, demjenigeiii iin'serer! Umg-ebn-irg auch ini: geriUgstc-N! unterscheidet, noch hätte eine jüdische Politik eine Berechtigun-g, lveil ja in, diesem Falle eine Gesetzgiehu-itg kaum denkbar wäre, deren- Vorschriften nicht von jed cm Jrrden ohne Opfer fein'er Ueborzengung erfüllt werden könnten. Wir haben uns von den T r adi t i o n eu u il s e -r e s F a m i l i e n l e b e n, s befreit, uns vermmgt mit den, übrigen Völikern-, und dadurch selbst bekundet, daß lvir unser Blut nicht reinei,halten.' und in unsere Familie einen, nuijüdifchen, Geist lMtragen wollen, weil lvir ans die dtiraft n-nserer. Traditionnicht inehr 'bauen', von der- Reinheit rmlseves Blutes nichts mehr erhoffen, und den, jüdischen! Geist in unnach dem, Tode seines Vaters Simon, die Zügel der Rll'giern-ng ergriff und von, 136 bis 106 vor der gelvö-hnlicheir Jeitrechnun-g regierte, hatte sich schon, zu Lebzeiten' des Vaters seine Sporen! verdient und auf -dein, Schlachtfeldie gegen densyrischen' Feldherrn, KelidebänS, den Hyrkanier,' den E-h-rennanren- Hyrkan erworben. Im altjndische'n Schrifttum' wirder genwi'lng-tich „Jochanmi! der Hohepriester" genannt. Während seiner Negiernn!g trat eine kaum mehr vom Volke geträumte Blütezeit für das Jndeickn-m ein«. Johaunes war svivohl nach außeir als nach innen besonders heilsam tätig. Durch seine anßergelvöhnliche Tapferkeit und sein-en, stau-ndnslverten! Heldennrut gelang es ihm, die Grenzen Judäas nach Süden mrd N'orden! zu. erlveitern-, sodaß unter seiner Herrschaft das Land eine Ansdehnnng lvie zrir Zeit Davids gelvann-. Bei der llnterlverfnng der Feiirde lvar er von, einenr solchieir Glaribenseifev beseelt, daß er die besiegten. Heiden, so die Jdlnnäer, zlvang, das Jlidentumanzliuehirren. Eine Bülßregel, die allerdings nicht die Zustmrilrnng, geschiveige denn, die Allsterkennung der Schristgelchrten' fand. Eine Religion, die jeden' blinden Glaubenperh0>rresziert, die als obersten und leitenden, Grrlrrdsatz die innere Die nächste Nummer erscheint Freitag den 13. April.