Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 25 (30.3.1906)
- Date
- 1906-03-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nationalzeitung Nr. 25 soll Me Auswanderung nicht fördern, im Gegenteil, Me diejenigen vor der Auswanderung warnen, die sich nicht absolut hierfür eignen. Narr denjenigen sollen die Informationell dienen, die vermöge 'ihres Berufes unid ihrer Intelligenz als Landwirtci, Handwerker, aualisizierke Arbeiter nfm. sich »für diese Länder eignen und von denen anznnehmen ist, daß sie in ihrem Bestiimnirngslande sich leicht eilte Existenz lverden gründen: kömren. Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Zu diesem tzjegenstande geht rrns folgender A n f r u f zu: Am 18. ds. Mts. ist das -Gesetz Liber ,/G e s c l b schäften nt it besch ränkter Haftung" erschienelr, von dem eine segensreiche Einwirkung auf die Entwicklung von Handel, Gewerbe miß Industrie zu erwarten ist. Die Gesellschaften können zu jedem gesetzlich zulässigen Zwecke errichtet werden Und ivenn das Anlagekapital eine Million Kronen nicht übersteigt, bedürfen sie keiner staatlichen GenehuÄgMtg und nncherkiegen in solchen Fällen nicht der für Altieugesellschäften vorgeschr'iebeneu Besteuerung, fvndern der allgemeinen Erwerbstener. Ue'berdies sind mehr Abzngsposten zugclassen als bis nun -und unterliegt das kleinerträgnis einer niedrigeren Erwerbsteuer. Im. Dientschen Reiche, wo die Verhältnisse wesentlich besser liegen als bei uns, wurde bereits in den 80er Jahren die Nvckvendigkeit der Gefellfchaften mit beschränkter Haftung erkannt und in dem kurzen Zeiträume, seit dem Jahre 1002, in dem das Gesetz in Dervtschland erlassen wurde, haben dis Gesellschaften mit beschränkter Haftung dort einen ganz enormen Aufschwung genommen. In DeiOsch-land bestehen ungefähr 8000 Gesellschaften, in Preußen allein bestanden im Jänner 1908 5515 lvesellschaften niut einem Gesamtkapital von rnnd eineinhalb Milliarden Mark. Diese Gesellschaften bieten den Vorteil, daß die persönliche Haftung nur auf die Stammeinlage beschränkt, .die Steuerzahlung, die Regie- und die Produktionskosten wesentlich vermindert werden, eine Verminderung der Inanspruchnahme von Kredit und hiermit eine Ersparnis an Kapitalszinsen erfolgt, und durch .Verbindung zersplitterter Ar'beits- und Kapitals kräfte sine produktivere Tätigkeit erzielt wird. Als Tätigkeitsgebiet würde sich hauptsächlich empfohlen, Vorbeugung von Insolvenzen, Gewährung von Rechtsschutz, Förderung des Exportes und Ausnützung des Erfindungsfchutzcs. Dienstag Len 4. April l. I., 7 Uhr abends, findet im Saale des Hotel G nth, 2. Bez., Stefaniestraße 14, eine Vorbesprechung wegen Grllnorivisterte Frau Bihciri," weil der Zustand meines Rtannes ein. Hinaus schieben nicht erlaubt." „Ich machte der Frau," erzäblte lljiKiii lmserem Nebakteur lveitor, „keine, weiteren' Borstettlmgeu nnd begab mich in Den- Hof, um bas Eintreffen des Geistlichen und Zomberis abzw warteu. .Bulb erschienen sie auch. Ich teilte Zombori mit, Val. "rau Bihari mich ersticht hat, bei dem Akte der Taufe als Zeuge zu fungieren. Wir gingen mm zum Krankenzimmer, vor dessen Türe bat jedoch der Geistliche, der Lipotoaroser K'aplou .Rudolf Otvorko, wir möchten ihn allein zum Kranken eiutreteir lassen; wenu er uns benötigen wirb, werbe er uns schon rufen. Ich und Zombori begaben uns nun in den Hof hinab, uni zn warten. Nach einer kurzen Weile kam jedoch der Kaplan, und sagte, bas; er uns nicht weiter benötige, da er die Taufe bereits vollzogen hat. Doch bat er uns, wir möchten uns zu Bihari begeben, um ans seinem Munde zu erfahren, das; er zum Christentum übergetreten sei, damit wir bann den Taufschein als Zengen unterschreiben können. Wir wollten uns dieser Weisung entsprechend zll Bihari begeben, allein seine Gattin lies; uns nicht emtreten, damit der Kranke nicht aufgeregt werde. Ich und Zonrbori verabredeten min, baß wir am nächsten Tage lMittwoch) Bihari auf- ' suchen lverden. Als,wir. jedoch gestern nachdung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung statt, zu der ernstliche Interessenten, sich recht zählreich einznsinden, eingeläden werden. Besondere Einladungen werden, nicht versendet. Dr. S i g in tt n d Z i n s, Hof- >u. Gerichtsadvokat. Galizischcr HUfsticreiil. Am. 28. März d. I., 10 «Uhr vormittags, fand in den Räumlichkeiten des Isr. Hnmaiiitätsoereines „Wien" B'nai B'ritl), 9. Bez., Un-iversitütsstraße 4, die diesjährige ordentliche Gener'äkversammluNg des Hilfsvereines für die n>vt leidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt. Ten Vorsitz führte der Vizepräsident des Vereines, Herr Gottlieb Lederer. Von der Ver-- einsleitnng waren anwesend die Herren-: Dr. Emil Byk, Reichsrats>a>bgeo>rdnete-r (Lemberg): Pros. Dr. S. Ehrmann lWien): Max Frank (Wien): Dr. Edmund Kohn (Wien): Dr. Edmund Kornfeld (Wien),' Kaiscrl. Rat Paul Lomderger (Wien): Dr. Wilhelm- Pappenhelm lWienj; Banrat Wilhelm Sliassm) (Wien): sttichard- Teweles (Wien); Hugo Tngcndhat lWien). Der Vorfitzeirde 'begrüßte würmstens die Herren k. k. Banrat Theodor Ritter von Goldschmidt, :)kvichsratsabgeordneten Tr. Emil Byk und Lyzealdirektor Alois Schwarz als Vertreter der israelitischen Knltusgemeiüden in Wien, Lemberg und M äh ich ch- O st rau, die Herren Prof. Dr. Josef Polka k und Dr. Isidor Samuely als Vertreter der B'nai B'rith-VereiNignngen „Wien" und „Eintracht" in Wien, die Herren Dr. Leopold Kahn, Johann Kremenezky und Oskar Marinorek als Vertreter des zionistischen Aktionskomitees in Wien, die Herren Dr. Arnold Ascher nnd Theodor Cohn als Vertreter der Baron Hirschstiftnng, den .Herrn Dr. Richard Reis als Vertreter des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen -Israeliten in Wien, dann die Mitglieder -des Anfsichtsrates, die Herren Tr. Wilhelm Knöpfmacher, Julius Grirnichslädien, Ferdinand Löwy, das Mitglied des Schiedsgerichtes, Herrn Rotar Dr. Inlins Bermann, ferner die Herren Josef Frendenberg, Dr. ^Albert K4th, Prof. Dr. Josef Pvllak, Gustav St'iafsny, Tr. Bela Taussig, Hermann Schreiber, Jagnes -u arpeles, Int-ins Gra'nichstädtcn., Siegfried Lemborger, iJakvb 2. Straßberg, sämtlich ans Wien, Hugo Abeles (Brünn), Dr. Hermann Baneth (Gablonz), Dr. -Emil Byk iLeniberg), Direktor Alois Tchwarz lMährifch- Ostran), Dr. Moriz Körbel iReufandez), BMor Knlka (Trvppau) als Vertreter der Ortsgruppen Wien, Brünn, Gablonz, Lemberg, Linz, Mähvisch- Ostrau, Siensandez und Trvppau: ferner als Vertreter der jüdischen Wvchenl'lätter, Herrn Dr. Josef Bloch und Dr. M. Löwy, endlich die sonst noch erschienenen Gäste miß teilte mit, daß Begrnßungsnnd Entschnldignngsschreiheil einlaiigteii: Von , der Großloge für Teiltschland tt. O. B. B. in Bers lin, vom Hilfskomtitee für die ti-vt'leidendon ostmitkags im Spitvle erschienen, uerivehrte uns feilte Gattin abermals bei, Zutritt. Dies ist die Ralle, tvelche ich und Zombori indieser 2che gespielt haben. Beiuerkeu mus; ich »och, das; die Tpitalsleitnug in dieser Sache ganz korrekt vo'rgegaiMn ist und der Vornahme der Taufe keine Schwierigk-eiteuin den Weg gelegt hat." Ter jüdische Maler Alexander B i h a r i ist gestern im Spitale des „Roten Kreuzes" als „Katholik" gestorben. Er lvit-d mit allen Zeremoniell Der katholischen Kirche zur elvigeu Ruhe bestattet lverden. Frau. Bihari lvird sich über den Verlust ihres Mannes tröskeu-, sie hat ihrer Kirche eilte Seele „im Fluge zmu Himmel" eiu'gebracht. Wenn es einem Juden eiufalleir würde, seine ihm standesamtlich angetrante Katholikin im Kraukeuhatlse eines christlichen- Ordeirs aus ihrem ^t-er'bebette zmn J-udeutume bekehren zn lvotten, so würde ihnr einsolcher Versuch übel bekommen. Aber die jüdische SPitalsverlvalttmg hak „korrekt" gehau-delk imd der Stacitsairlv-alt fand -keinen Grund, einztlschreiten. Wir sind im Gotus .... I o ch a n a n. europäischen Inden in Jranksn-rk a. M., von der Je'wif-H Colon'izatiion Associokion ln Pakts, von der Israelitischen Allianz zu Wien, von Baron Albert von Nvthfchlld in Wien, dann von Mrkg-lledern der Vereinskeikmig, desdliissichksrates, Schiedsgerichtes und von einzelnen Delegierten Wiener Ortsgruppen: auch entschuldigt er die Abwesenheit des Vereinsprästdeuten, Herrn- Signuuid Mayer, und des zweiten Vizepräsidenten, Herrn Adolf Pick, die beide zum .Kuraufenthalte a'uswärts iveilen. Hierauf wurde in die Tagesordn'img eingegangen nnd vorn Sekretär des Vereines, Herrn Dr. Wilhelm Löwy, über die Tätigkeit des Vereines während des Jahres 1905 folgender Bericht erstattet: Ueber n-nsere im Jahre 1905 entwickelte Dätigkeit, die stainLengemäß daraus gerichtet ist, die Materielle Lage der Inden nt Galizien zu verbessern und auf diese Weife deren Kültn-rntveckiv zu heben, erlauben mit uns folgenden Bericht zn erstatten. H aa r'netzetei. In AnSsührnng des von -unserem dl'ns'schufse iin- Vorjahre gefaßten Besch'l-nsses, künftighin neuerdings w: einer Reihe von Orten Galiziens den Unterricht in der Haarnetze'rei neu oder wieder erteilen zn >lasse:n, haben wir mit einem Unternehmer, der an n>ns mit dem Anerbieten herangetretett war, in Westgaliziendie Haarnetzerei ein'z-uführen, ein Uebereinkoiümen getroffen, worin wir uns verpflichten, die Kosten für die Besoldung und die Fährfpesen der Lehrerin-nien und, wo es nötig ist, auch für das Unterrichts'lokal und dessen Eiirrichtung bis zu einem beftiniiMten Höchstbetrage für jeden Ort zu tragen. Ter Unternehmer übernahm dagegendie VerpftichtUiNg, die Arbeiterinnen ständig zn beschäftigen und ihnen vertragsNiäßig gebunldene Mindestlöhne zu zählen. In Airsführung dieses Hebe rein kommens wurde bereits an einigen Orten Westgaliziens der Unterricht in der Haarnetzerei erteilt. Hilifichtlich des Standes dieser Industrie in jenen Orten, wo sie infolge unsrer fri'rhern Tätigkeit Wurzel gefaßt hatte, können mir in diesem Jahve zissern-mäßige tikachrichten nicht gehen, -dazn deren Erforschung eine 9,'e'ise durch das Haarnetzgebiek 'Gali.ck-ens notig ist, die nicht jährlich gemacht rverden kann. Wir wissen aber, daß an vielen Orten gearbeitet wird und daß die Ansfuhr an Haarnetzen ans Oesterreich bede-utend ist und nv.ch immer steigt. K l e i d e r k v n fe k t i o n. Ter Vertrag, den wir zu Ende des Jahres 1904 n»it einem galizische-n Unternehmen ahschlossen und über dessen Inhalt und Ziveck wir in unferem vorjährigen Berichte Auskunft gaben, war mir bis Ei»de Mcki 1905 in Wirksamkeit, da der Unter nehme r nin diese Zeit die Zahlungen ein-stellte. Seine' Versuche, einen ailßergerichkliche'n Ausgleich zu erzielen, scheiterten, rnid es -wurde im Zl-ugnst über sein Vermögen der Konkurs eröffnet. Der Schaden, den wir durch dieses Ereignis erlitten, iv-ar desivegen nicht von großem Belang, weil mir an -deni von rms dem Unternehmer beigestellten Mascht- Huntes Feuilleton. Eine zwölfjährige jüdische Geigerin ans Lemberg erregt jetzt durch ihre Kunst in Dresden großes dlnfseheu. Die kleine- Klinstlerin 1kmt Emmy W v lfSt -h a l und stammt, wie erwähnt, ans Lemberg. Ihr Dresdener Debüt feierte sie vor ei-iAgen Tagen im dortigen M-iüsiksalon bei einer der beliebten Svitutag-Vormittagsaufsührnngen des Professors Bertrand R v t h. Ennimy 'Wvlsstal ist nach Dresde-irer Blätterstimmen wohl kein „Wunderkind", wie Mifcha Elmau, aber nach ein-mütige-m, Urteil der Sachverständigen ein [cijastarkes Talent, dessen sorgsame Weiterbildn-ng sicherlich zu hoher künstlerischer! Reife führen niird. Besonders fiel der große, volle imd tragkräfti-ge To» des Kindes ans, daö in- Dresden seine weitere A-nsbildung erhalten soll. Mischehen litt Deutschen Reiche. Laut dem jüngst erschienenen BierteljahrslKst zier Staiistit des Deutschen- Reiches ivnrden im Jahre 1904 insgesamt -177 822 Ehen geschlossen. Bei' mehr als neun Zehnteln der Eheschließungen waren Mum und Frau der gleichen ))te-ligion, daovn 400t jüdisch. M i s ch ehe u wurden 4:12-02 (9,1 Prozent) eingegangen, davon 41 litt Ehen zwischen Evang-elischen und Katholiken, 872 zwischen E va n° g e l i s ch e n n n d I n d e n und 148 zwischen K at h v l i-k-e n- und I n de n.