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Nationalzeitung · 1906-03-23 · Heft 23 (23.3.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 23 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nationalzerkmg Nr. 2.i niedriger gelegenen Felder von Hedem h iricht unter Wasser. Die Wintersaaten waren dort scharr seit 2—3 Wochen ausgegangen, was unseren Kolonisten einen Vorsprung vor den benachbartenarabischen Dörfern gewährt, die um diese Zeit noch fast nichts bestellt hatten. Ebenso waren in Burdsch die Wintersaaten schon größtenteils bestellt und auch zum Teil schon aufgegangen. In Sichion-Jacob wurden m der Zeit vom 14. bis 26. Dezember 231,5 Millimeter Regen gemessen lind das Thermometer sank einmal auf — 4° Cel's'tts. Merkwürdig ist es, daß die auf den Plateaus von Sichrem-Jacob angepflanzten Orangenbäunre unter dieser Kälte nicht gelitten hatten. Nur die Ananas verloren, vollständig ihre Blätter. N e u e E i s e n b a h n p r o j e k t e. Den Gegenstand des Tagesgespräches bildet jetzt in Palästina die Frage der Eiscn-bahnT-schen'i.ir— Nabulus^—Jerusalem, die bei A sulch die Haifa-Bahn erreichen soll. Es herrschen über diesen Gegenstand zwei eiügegengesetzte Anschauungen in den interessierten Kreisen. An hoher Stelle soll inan dieser Linie werrig gen.eigt sein. Man befürchtet, daß die moslemische Welt nur mit scheelem Blicke die Verwendung von frommen- Spenden, die zur Erleichterung und Abkürzung des Reiseweges nach' Mekkabestimmt sind, zu einem Unternehmen. seh-en wird, welches zum unmittelbaren- Ergebnis die leichtere Zugänglichkeit der heiligen Stätten für christliche Pilger -haben würde. („Altneuland".) Der neue zionistische Verband „Abodah" („Arbeit") in Rußland veröffentlicht folgendes Programm: 1. Die Grundlage der „Abodah" ist das Baseler Programm. Ihr Zweck ist praktische Palästinaarbeit. 2. Die praktische Arbeit der „Abodah" drückt sich aus inaktiver Hilfe bei allen Arbeiten, welche das Aufleben des jüdischen Volkes in Palästina bezwecken. Die „Abodah" steht in ständiger Fühlung mit allen jüdischen Anstalten in Palästina- und den Go-lusländern, mit dm kulturellen Anstalten- (wie die Lehrerürganisation, die nationale Bibliothek w\v.\, den finanzökonomischen (Anglo-Palästma- Komitee usw.), den kunstgewerblichen (Bezalel usw.). „Abodah" verbreitet unter den jüdischen Massen im Wege von Versammlungen, Vorlesungen, Kursen, Broschüren, Büchern und revseits von dev übrigen Volksmenge zu sehr heraush eben den Namen g e rite g e - währt, frei h neu oft s o g a r zur Pflicht gema ch t halt e n. Daaber ein Hochpveislicher Senat in einem Hochvorehvlichen Bescheid vom 19. d. M. die Angabe meiner Bewegungsgründe als notwendiges Erfordernis zur Gestattung der nachgesuchten. Namensänderung mir aufgelegt hat, so bemühe ich mich, diesem hohen Befehle Folge zu leisten. Ich bin Willens, eine in dem Auslande herauszugebende, vorzüglich staatsrechtlichen und politischen Erörterungen gewidmete Zeitschrift zu unternehmen. Da außer dem Drange, meine Ansichten auszusprechen, auch der Wunsch, mir eine Erwerbsquelle zu eröffnen, mich zu diesem literarischen Unternehmen bestimmt, so darf ich nichts unbeachtet lassen, was hierbei Gedeihliches oder Hinderliches eintreten könnte. Aber ein Umstand letzterer Avt tväre der Name, den ich führe, indem er mein Religionsverhältnis zu unverkennbar bezeichnet und dem Zutrauen des lesenden Publikums in den Weg tritt, das ich gleich zmn voraus in Anspruch nehmen muß, um. den, mit der Herausgabe einer Zeitschrift zu verbindenden ökonomischen Vorteil mir durch die Bildung einer Abonnentenliste sicherzustellen. Es ist nicht durch die Presse alles Wissenswerte über Palästina. „Abodah" wird sich demzufolge auch mit der Herausgabe von Büchern beschäftigen. 3. Tie „Abodah" unterhält ein Jnformationsbu'reau, welches jedermann, über Palästina Auskünfte erteilt. Ebenso wird „Abodah" eine Bibliothek der Palästinaliteratur errichten- und erhalten. 4. Mitglied der „Abodah" kann jeder Zionist, welcher Fraktion imnrer er auch angehört, werden. Abänderung des englischen Fremdengesetzes. Aus London wird uns unterm 13. d.Mberichtet : Die Regierung hat, wie Herbert Glädst o n e gestern im Unterhause mitteilte, Anordnungen getroffen, durch welche die Handhabung des Fremdengesetzes sehr gemildert werden soll. Rach der Ansicht des eigentlichen Urhebers des Gesetzes, Sir W. Evans G o r d o n sind diese neuen Anordnungen derart, daß das Fremdengesetz selbst dadurch ganz außer Kraft kommt und eine unnütze Farce und Geldverschwendung wird. Er hat vielleicht nicht Unrecht, denn die Wirksamkeit dieses Gesetzes war bisher schon zweifelhaft genug. Nach den neuen Anordnungen sollen nur solche Schiffe als Einwandererschiffe gelten, welche mindestens zwanzig (bisher zwölf) Zwischendeckspassagiere an Bord baden. Die Schiffskapitäne und die Einwanderer selbst brauchen also künftig nur dafür zu sorgen, daß nicht mehr als zwanzig Einwanderer an Bord sind, und sie werden von keiner Kommission behelligt. Außerdem werden seit gestern bei allen Sitzungen von Einwanderungskommiffionen Vertreter der Presse zugelaffen, es spielen sich also alle Verhandlungen öffentlich ab, und überdies hat Herbert Gladstone den Kommissionen in einem Zirkulare Mitteilen lassen, daß das Parlament nie daran gedacht habe, bei Anwendung des Gesetzes Härte obwalten zu lassen. Ferner sind Zettel gedruckt worden, auf denen in verschiedenen Sprachen mitgeteilt ist, daß der Einwanderer das Recht hat, gegen die Entscheidungen der Kommission zu appellieren; ein solcher Zettel wird jedem zurückgewiesepen Einwanderer in die Hand gegeben. Besondere Rücksicht soll mit solchen geübt werden, die, wie das Zirkular schonend sagt, „aus unruhigen Gegenden des Kontinents" kommen, d. h. aus Rußland. Ihnen soll, wenn sie, ohne es beweisen zu können, behaupten, dit. Opfer politischer oder religiöser Verfolgung etwa, als traue manmeinen Glaubensgenossen! nicht zu, inder Literatur'! etwas Würdiges, zu leisten, aber inan glaubt und wohl nicht ganz, mit Vorurteil cmnehmen zu müssen, daß ihre Ansichten über politische Dinge dem Geiste und den, Forderungen der Zeit nicht, entsprechen können. Ich darf von der Großmut eines Hochpreislichen- Senats vertrauensvoll erwarten, daß Hochderselbe nicht unbeachtet lasseit werde, wie -eng der Wirkungskreis ist, der mir noch übrig blieb, um meine Jugendbildung zum bürgerlichen Leben zubenützen, die ineiner Zeit, die von der jetzigen verschieden war, ihre unabänderliche Richtung genommen! hat und nur darum die Beseitigung wenigstens (!) eines Hindernisses nicht versagen werde. In dieser Erlvartung ivage ich mein untertänigstes Gesuch zu. erneuern Meinen Namen Ludwig Bavuch in Ludwig Börner um ändern? zu dürfen,. Eines! Hollipreislicheil Senats U nt-ertä ni gstg ehvrsaius t er Dr. Bairuch. Frankfurt, den 21. März 1818! Das zweite Gesuch wurde am 28. März im engeren- Rate vorgelegt und dein Bürgermeister zur Untersuchung und ziun Bericht zu sein, die Rechtswohltat des Zweifels zugute kommen, d. h. es soll ihnen dies auch ohne Beweis geglaubt werden, und sie sollen als politische Flüchtlinge in England ihr Asyl finden. Hiernach kann also künftig kein Einwanderer aus Rußland mehr abgewiesen werden. Kranke sollen dann nicht abgewiesen werden, wenn die Rücksendung ihre Gesundheit gefährden könnte. Alle diese neuen Bestimmungen werden dahin wirken, daß die Schifffahrtsgesellschaften nun den nach England Auswandernden keine großen Schwierigkeiten mehr machen werden, denn die Gefahr der Zurückbeförderung ist jetzt verschwindend klein. Gleich nachdem Herbert Gladstone im Unterhause diese Mitteilungen gemacht hatte, verlangte Sir W. Evans Gordon sofortige Anberaumung einer besonderen Debatte darüber. Der Sprecher entschied aber, daß eine sofortige Debatte nicht nötig sei. da bei der Budgetberatung in den nächsten Tagen schon sich dazu Gelegenheit bieten werde. Zionismus und gesetzestreues Judentum. Mit Aus nah nt e des engeren Oesterreich beschäftigt die Frage, welche Stellung die gesetzestreuen- Juden, dem- Zionismus gegenüber einzunehmeu haben, die in Betracht kommenden Faktoren! aller a-mb-eueu Länder in, sehr eim gehen-d-er Weise. Bekanntlich war die ablehnende Haltung der orthodoxen. Juden Ungarns mit ein Grund, daß der Zionismus in Ungarn nicht so stark Boden fassen konnte, wie es im, Inten esse der zionistischen Propaganda erwünscht gewesen wäue. Es ist daher von Interesse, zu erfahren, welchen StandpuiMdie im „Misrachi" vereinigten gesetzestrenen Zionisten im gegenwärtigen Stadinnr der Bewegung einn-ehmen. Aufklärung hierüber erhalten wir durch einen Vortrag, den -eirtic führende Persönlichkeit der reichsdeutschen, Misrachigruppe, Herr Dv. L. Fr a nck- Altona, am 4. ds. in Hamburg hielt. Der Referent führte etwa folgendes aus: Der Zionismus hat nach dem. siebenten Kongreß ein, anderes Gepräge erhalten, als ihn: vorher eigen war. Früher hatte er trotz der Fassung des Baseler Programmes, das mix von- Palästina sprach, vorwiegend den Charakter einer Notstandsakti-on, verbunden mit einigen ungeklärten. Begriffen von der Regeneration des jüdischen Volkes. Dies war zunächst latent, das Vorhandensein aber erklärte die Annahme des- Ugandaprojektes seitens Hevzls und des sechsten Kongresses. Durch den Beschluß d-essiebenten Kongresses ist der Beübergeben. Dieser ließ in. den Kirchenbüchern Nachforschungen anstellen, ob der Namen „Börner" von- Frankfurter Bürgern.' bereits getragen, würde, und erfuhr, daß der Name viermal vorkäme. Daraufhin wurde von! dem Bürgermeister beautragt und demgemäß vom Rate beschlossen!, daß unter deu vorwaltlicheu Umständen der Name „Börner" nicht gestattet, „Herrn Dr. Barnch aber überlassen werden könnte, einen Namenzu wählen, welcher dahier nicht üblich sei". Börner schrieb nun den folgendenentscheidenden, Brief: Hochpreislicher Senat! Um dem mir erteilten hohen Befehle geziemend nachzukommen, habe ich Erkundigungen eingezogen, ob noch keiner der hiesigen Einwohner den Namen Börne führe und da dieses den anliegenden Amtsbescheinigungen gemäß der Fall ist, so bitte ich ergebenst, Mir hüchgeneigtest zu gestatten, daß ich den- Namen Ludwig Börne annchmerr dürfe. Eines Hochpveislichen Senats Ui itertäui gs tgeh o ifa-i nstev Dr. Barnch Nunmehr wurde am 11. April 1818 die Aenderung des Namens gestartet undvon der

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