Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 23 (23.3.1906)
- Date
- 1906-03-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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deite 2 Nationalzeitung Nt*. 2 i sammlungen dartun, daß wir mit den Ergebnissen der Vorlagen, und noch weniger 'mit denjenigeu der Debatte unzufrieden und nicht gewillt sind, auch diesmal leer auszugehen. Unser Schweigen könnte allerorten mißdeutet werden. Jüdische Politik in Odersurt. O d e r f w i* t, 14. März 1906. Sollte man es wirklich für möglich halten-? In einer deutscl-en Stadt mit beut s ch c n Juden eine jüdisch e W ä h l e r versa nt m I it iT g! Wie konnte das nur kommen? Bei den letzten Gemcindowahten saßen noch Tschechen im Gemein deausschnsse, die zu eliminieren das einzige Bestreben der Deutschen war. An der Spitze der letzteren aber stand ein äußerst kluger Mann-. — Herr Oberingcneur Petrich —der gleich darauf kam, wie man ohne weiteres Herr über die Tschechen werden könnte. Wozu sind denn die Juden da? Die kauft man sich durch einige Mandätchen und dann wählet: sic, wie inan es will. In einer späteren Ausschußsitzung gelang es denn auch den Deutschen, mit Hilfe der Juden 62 Ehrenbürger, natürlich Deutschnationale — ausgenommen sechs Korirjuden —. zu ernennen. Jetzt waren die Deutschen die Herren. Und wie man sie fragte, wen sie denn jetzt von den sechs jüdischen GemeindeaussWssenzum Gemeinderate wählen würden, da konnten sie schon siegesgewiß antworten: nur wen wir wollen' Ja, Herr' Oberingeineur Petrich ging sogar so weit, zu sagen,.daß es ihm leid täte, die Juden überhaupt herangezogen zu* haben, da sie ja doch auch ohne diese ihren Zweck erreicht haben würden und.jetzt Leute, die ihnen unsynipathisch wären, ja die sie sogar anekeln,.. in .den Gememderat . wählen mußtcnr. Heute . sind. die. Deutschen, die Regierungspartei .in ' der. Gentleinderaisstübe. Was. ist natürlicher, cils daß sie die Juden! nicht mehr brauchen.' . Ein. schweres Bäugen befällt die sechs jüdischen.Gemeindeausschüsse: sie -fürchten, .nicht' wi-edergewählt zu.werden — für sie wahrhaftig das fürchterlichste. .. Was bleibt ihnen da anders übrig, als eine jüdische Wählerbeirsammlimg -emzübeküffen, tzie . drei Vertrauensmänner aus ihrer Mitte wählen soll, um Mit der RegierüNgsparter am Ratz hausttsche in Unterhandlungen zu treten. Wer seien wir gerecht: , nicht alle denken so; einigen war es denn doch um jüdische Interessen zu tun. Diese jüdische Wählerversammlstng vom 14. ds. hatte einen eigentümlichen Charakter. Das alte Bild deutscher Juden, die durch irgend in der Höhle vermuteten Göttern das Blut' der Opfertiere habe zuführen sollen'. . In großer Zahl sind bei allen- Äusgrabungen Zftniul'ette, Ringe und heilige Steine gesunden worden-, wie -das Alte Testament sie erwähnt.-.* Zahlreich sind auch nicht* bloß aus vorisraelitischcr, sondern auch aus späterer Zeit die babylonischen, ägyptischen und kanaanitischcn Götterbilder, unter denen die unbekleidete Astarte überwiegt, während auf einer auf einem Fabeltiere reitenden männlichen Figur bloß gemutmaßt werden kann, daß sie Baal vorstellen soll. Religionsgeschichtlich am wichtigsten ist ein vom Sellin aus Violen Bruchstücken zusammengesetzter israelitischer Räucheraltar, dessen Skulpturen, darunter der Cherubim mit Menfchenköpfen rmd Löwen! ei'botn, manche biblische Ausdrücke veranschaulichen. Die Deutschen haben aus kanaanitischer iritb die Engländer auch in selteneren Fälletr arcs israelitischer: Zeit viele Anzeichen von Kmeropfern und von den in der Bibel erwähnten Banopsern vorgefnnden. Um einen Altar henmr, fand Sellin die Neste von etlva 40 Kindern, die anscheinend in Ton trüge gesteckt und durch cmffgeschüttete Erde erstickt worden sind. Die Art, wie menschliche Körper unter den Toren oder Ecksteinm neuer Bauteneingcmaudrt tvorden sind, läßt kamn daran ztveifeln, daß es sich hiev nicht mn Beerdigungen, solidem unr Opfer eine Gefahr in ihren, deutschen Interessen bedroht, mit sich selbst noch nicht , einig sind, ob sie ans eimnal radikale, Juden, werden oder denn doch jüdische Deutsche bleiben sollen. Zwei oder drei Rednerstehen aus und bitten die Versammelten, doch endlich jüdisches Gefühl für jüdische, ausschließlich jüdische Interessen zu bezeugen-, mn einig, mächtig als vollgültiger Faktor in die Wahlen -einziehen zn können. Aber den Juden* deutscher Nation ist dies zu radikal. Herr: Kommissär Förster bekundet sich als den d e u t f cf) c st e tu der deutschen Juden und tollt einerseits vollständige Einigkeit der Juden, andrerseits aber Anlehnung au die Teutschfortschrittliche Partei, von der er selbst vor kaum 20 Mitruten behauptete, daß sie es nur dem- Namen nach, in Wirklichkeit aber deutschniational, ja antisemitisch sei. Herr Baumeister Sonnenschein betont, daß die Juden von* Oderfurt 36.000 Kronen direkte Steuern — also die Ausschreibung eines gangeu- Wahlkörpers — zahlen und es somit nur gerecht sei, Mandate zu verlangen, Mandate, die mau. sich, nicht durch die „Macher" ansdrängen läßt, die man im Gegenteil selbst bestimmt. Er steht" übrigens, wie auch Herr ^traßmanu, auf dem rein jüdischnationalen Standpriürkte, und beide Herren appellieren an! das jüdische Gefühl der Versammelten. Zum Schlüsse wurden benar auch endlich, dit Herren, Dr. Spitzer, Baumeister Sonnenschein und Kausmatin- Witter in, die Deputation gewählt. Für uns Jüdischnationale von- Ode-rfurt war diese Versammlung nicht ohne jeden! Belang. Denn, der Verlauf .derselben war mit ein Beweis dafür, daß die. Juden* des Ostrau-Kawiner Revicres doch langsam, das gärende Agens der nationalen, unserer nationalen Bewegung in. sich aufnchmeu! . — ck— gut Jnterpekalio» über den Füll Hilsner. Rechtsan-walt '.D-r. Arthur Nützbaum ip .Pexl'im* hat .an den, Präsidenicn /des Abgeordnetenhauses, Grasen Vetter, fol-gepbe Znschiriift gerichtet: ... '. Euer ^zellenz! . .... . Hochgeehrter Herr. Prch'ideut! Am 9. März dieses Jaihres haben die Llbge? .ordneten Professor Sturm und* Genossen ebne Interpellation bm Abgeordnetenhause eingebrächt, in der eine ganzem Reihe' von. tatsächlich .u>nrbchtbgen und grob belei-digeriÄe-n- Behauptungen über mäbn Buch. „Der Polnaer Ritualmordprozeß" enthalten ist. Bor allem wird mein Buch als ,>au!f erwiesenen Fälschungen und Entstellungen beruhend" bezeichj handelt. Mevkivürdtg ist'* bei denInschriften die Wicderkehv asts dev Bibel bekannter Namen. Dev MgländeviMaraUWt' entdeckte aus zahlreichen Kru-g'hcMelii! vier als Stempel dieu-ende Nanren, die aus dem Geschlechtsvegistevn in .den Büchern, dev Chvonika bekattnt sind. In. Gezer fand man zwei ans dein siebenten* Jahrhundert stammende Toutaseln, die in. babylonischer Keilschrift echt jüdische Nameir, wie Nathannennen.. In ktlltnreller Hinsicht scheuten vonalters her nicht bloß ägyptische -und babylonische, sondern auch, mykaüsche Einflüsse wirksam gewesen zu sein. Erinnert doch manches Kleingerät aus Gezer, Tamtach, Megiddo ganz imiib gar an die in Trojä, Mykenae, Tiryns gentiachten Funde. Die Frage m.-ach der anthropologischen Stellung der Jtideuim. System der Menschenrasseir ist bis jetzt irur teilweise gelöst. Was dieses Probletu besonders interessant »nacht, ist, daß die Judet», obgleich zu den. Scmiteu gezählt, dennoch nicht den eigentlichensemitischen. Typtts haben. Dabei handel't es sich, wi-e S. Weißenberg in der Zeitschrift für Demogrg.pl)ie und Statistik der Jndet» (1906, Nr. 5) ausfi'lhrk, hauptsächlich mn die Form des K'apses, die, bei dei», Senriten lang, bei den Jtcketr kterz ist. Obgleich die Juden ein Koniglomerat vou michveren- Typen, darstellen*, so scheu »vir doch einen hervortreten, der die übrigen üehe»-rscht »mid der net. DLe Interpellanten sprechen diese un-gehett-orliche Verdächtlgli'ug aus, ohne dafür auch mn die Spur e'rnsr tatsächlichen Urtterlage zu haben. Mir haben die amtlichen* stett-ographischon Hauptverhandlttngsprotvkölle, die Aüssagett atls der Bar- UNter'suchuug, die Au'tlage'schrijfien, die ärztlichen und chent'i scheu Gutachten, die Ha>ussttchuugspro-tokvlle ustv. Vorgelegen, alles in tvo-rtgetretter Usbersetzung und (bis auf ganz uu'tveseutüiche Ausnahmen) vollstäüd-ig, nicht etwa -exzerpiert. Die Äerankwortlichkett fiir die Vollständigkeit des Atten- Materials und die Trette der Ilebersetzuug trägt der Bertc^idiger Hilsuers. Herr Hof- und Gerichtsadvokat dir. Aureduicek (vergleiche „Neue Freie Presse" vom 16. März dieses Jahres). Da ich itt meinem Buch überall die Quellen angegeben habe, * so bedarf es nur einer Vergleichung, um zu erkennen, däß ich mich strong an die Qttellen gehaltett hübe. Die Jnterpellattten haben eine solche -Vergleichung offenbar überhaupt nicht vorgonvmmert. Ja, sie kettnen dett Ir»halt meines Buches nicht ein-ntal, denn sie wersttt mir die VerschwAgung vott Umiständen vor, die ich berichtet habe, und schreiben mir Behauptungen. zn, die niemals von mir' aulfgestollt mordeit sind. Sv findet sich die von dett Interpellanten vermißte Erwähnung des angeblichen Bestechungsversuches an dem Zeu>gen Pefak atls «Seite 63 und 64 meines Buches, die ,>Be!stchtlguug der corpora delicti durch unberufene Personen" (Fall Bulova) auf Seite 15 ff. ' DÄß* h.en Prozeßakten von unbernfener Soite Zlktc-n behufs Beeittfütssung der tschechi'sch-medizliNischen Focknltät beigelegt sein sollen-, habe ich gleichfalls rticht verschtbiegen, sonderrt auf Sötte 65 und 66 erörtert. Ob schließlich, wie die Interpellanten behaupteu, ein „Rabbi Bloch" (?) den Geschwovonert Broschüren itbersartdi hat, weiß* ich Nicht, jedenfalls erwähne ich auf Seite 59, daß die Geschivörenen von uuberufener Seite mit ZÄturrgÄbMch-. ten und Broischüreu überschüttet wörden seieu. Einige andere von. den Interpellanten. Mstgeteilterr Tatsachen habe ich deshalb mW berücksichtigt, weil, sie der.Wahrheit nicht, entsprechen. .Daß z. B. -die „J'trdenpresse .alle*, wgend wie für, *H.lls°- ue-r .Künftigen - Nachpichbeu habe veröffeMichen dürfen, .oHne.koMs-zKert zu werden",^witzh durch die S., 61/63 meines Buches angeführten Katsachen widerlegt. D-te sogengninte „Mi-lli-onlenfammWnN"- die. von . der, Lesterreichifch--'israe!kttrfchDn MMon durch das. in ber Jttterpellatjon erwähnte''-PprG- 'lchriciben.ein-gÄeitet worden sein. soll,. berit!ht..Mf Erfindung, .was Äe Jniterpellanten..wissen,.nm^tchr. Dias ,-DeMsche VolkWast", dem ihpe.BchauMuus entstammt, ist . von. der ^ttnifcon" .wtqdev-M' äirff Grund des 8 19 «des Preßgesetzes. gezwungen^ vm? den, die betreffende Nachricht . .zuLückzu'nehmrm Uebrig-ens ist. mir die Unvichtigbüst.. hex...*lvtztevch seiperzedt von. der Union mtf «Anifrage alusdrüHich, bestätigt worben. " ... , .... ’ die ganze ostenropäische Judenschast M fhw im gesäuMü anthropologisch mehr oder weniger einheitliche Masse erscheinen . läßt. Dieser Typus läßt sich nun folgendermaßen beschreiben: Die sübrnssischen Inden, sowie die'wsteüropäischeit überhayupi, sind, nach bcm. ulstn' ihnen vorherrschenden Typus beurteilt, Wwi mitllerer Größe mid 'brünettem FarbentypiN; das Gesicht ist von ovaler, nach unten zu* sich etwas verjüngenden Form. Sie Habens eiüe gerade flache Stirn,' relativ häufig vorstehenpo Wangenbeine und gerade Kiefer. . Die Richtntrg des Auges ist eine wag*:echte; die Nase.Ist oben schtnäler als »mten, im ganzen etwas groß und zietttlich prottiinent; ihre Form ist'.übovtviegend gerade. Die Lippen! sind regelmäßig; der Mund v-erhältnismäßig breit, die Ohre»» tnitt-elgroß. Dieser Typtts ist in seinen Hcrtrpttttotkmv'len., den- Köpf- * und Gesichtsfornsttl imch, Non dem* der lvahren Semiten, dev Araber, grimdverschteden. - Schon früh erkannte matt, das; unter den Jtlden diese beiden oben) beschriebenen Typen verbreitet sind. Der ursprüngliche, echte, semitische Typtts lvtrd durch die mimerisch viel geringere Gruppe der südetlvapäischen ntrd asmkan!»schen Jtideu-, der Sephardim, ve-ttrestn, tvähreu«d der zlvette, unechte, stark vermischte durch die ganze osteuropäische Jtideu schafft w präsentiert wird. Bon Ltlschatf betrachtet als Wasehbarl Aaiaardlch*! Guruohlosl gSBSg, Reform-Schwcissblätler