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Nationalzeitung · 1906-03-23 · Heft 23 (23.3.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 23 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes Mtimlzeitmz Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentümer und Herausgeber: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen dle firmen: 2. Vannel-erg, M. Lukes Nachfolger, Haasenstei« & Vogler, Rudolf Masse, Ul. pozsonyi, fl. Schale! in Wien, ferner alle flnnvncen-Lxpedilionen im fluslande. Einzel - Nummer in Wien LS Heller. Lerschleißstelle» unseres Blnttes, iii welchen auch Abonnements entqegengenonnnen lverden: Hernlanll Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II/3, «Älefaniestraße 12; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Kr-aktivn: IX/1, Wasflgsge 31. Telephon Nr. 14723. Lprechstunden i An Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nattonalzeitnng" Wien, IX|t. Beschwerden wegen verspäte,er oder gar nicht erfolgter Z»- stelluns, erbitten wir uns dringend. — Mamislirlpte werden nieh» rurSedgesleiil. Postsporkasten-Koittv 47037. In das Abonnement kann man täglich eiittre.cn. 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Abgesehen von der Rede des Dr. Byk, hat in dieser Wahlrechlsdebatte bereits jeder gesprochen, von dem man eine Stellungnahme zur Frage der Vertretung der Juden im künftigen Hause eine Meinungsäußerung hätte erwarten können. Wenn wir nun die vorläufige Bilanz aus dieser süd uns zieyen, so ergibt sich für uns das traurige Ergebnis, daß außer unserem wackeren Vertreter, Doktor S t r a u ch e r, im ganzen Hause, sei es unter den jüdischen Abgeordneten, sei es unter den Vertretern der anderen Nationalitäten und politischen Parteien, sich kein einziger gefunden hat, der sich der Mühe unterzogen hätte, unseren Forderungen, den Forderungen von 800.000 Staatsbürgern näherzutreten und sich mit ihnen ernst und würdevoll zu beschäftigen. Die Reden der zwei nichtjüdischen Vertreter der Bukowina kommen hier nicht in Betracht, benu sie sprachen mehr für sich, mehr zur Erhaltung ihres Mandates, als im Interesse einer Vertretung der Juden, und was die Ausführungen des antisemitischen Abgeordneten Dr. L e m i s ch betrifft, stehen wir wohl nicht auf dem Standpunkte, daß eine Wahrheit aufhöre Wahrheit zu sein, wenn sie ein Lügner ausspricht, aber die Art wie dieses Mitglied der Deutschen Volkspartei mit unseren heiligsten Gefühlen sein freches Spiel trieb, wirkte so widerwärtig, daß es einfach Selbstbetrug und Betrug der Massen bedeuten würde, wollten wir diese Sympathiekundgebung alseinen Gewinn für unsere Sache hirlstellen. Sehen wir also auch von diesen Aeußerungen ab, so stehen wir vcw der niederschlagenden Tatsache, daß wir im jetzigen Abgeordnetenhaus!) es noch nicht einmal so weit gebracht haben, daß unsere Wünsche zum Gegenstände ernster, der Wichtigkeit der Angelegenheit angemessener Beratungen gemacht werden. Eine schroffe Z.^öckweisuug, .eine sachliche Bekämpfung — und wären die angeführten Gründe noch so wenig stichhältig gewesen — hätte uns nicht so geschmerzt, wie dieses verächtliche Uebergehen zur Tagesordnung über eine, den größten, jedenfalls wichtigsten Teil der jüdischen Bevölkerung des Reiches. Und es hat den Anschein, als hätten alle Redner, unter denen auch solche sich befanden, die zu Beginn der Agitation sich als die Freunde unserer Bewegung ausgaben, die uns das Versprechen gaben, im Abgeordnetenhause für die Sache des selbstbewußten Judentums einzntreten, unter dem Drucke einer gemeinsamen Parole die ganze Frage totgeschwiegen. Wie anders könnte man es erklären, daß die klaren und dennoch mäßigen Wünsche der Judenschaft, die Dr. Strauch er in seiner glänzenden Rede dem hohen Hause kundgab, von keiner einzigen Seite, auch nicht von Seite des der Ruthenen. einer Beachtung gewürdigt wurden?! Wie anders ist es weiters zu erklären, daß von Seite der Regierung nicht einmal der Versuch gemacht wurde, die Juden des Reiches darüber zu beruhigen, daß sie aus dem künftigen parlamentarischen Leben Oesterreichs nicht cmsgeschaltet werden sollen, daß wenigstens dafür Sorge getragen werden soll, daß in jenen Bezirken, wo die Juden kraft ihres numerischen Uebergewichtes ein Mandat zu erringen Gelegenheit haben würden, diese Möglichkeit nicht durch Duldung der bekannten galizischen Wahlmachinationen zunichte gemacht werden soll?! Diese Erscheinungen find sehr betrübend, aber sie dürfen uns nicht entmutigen, oder gar Niederdrücken. Sie beweisen nur, daß wir die Arbeit nicht einstellen dürfen, daß dle Volkamaffen wieder aufgerüttelt werden müssen. Das Schicksal der Wahlreformvorlage ist noch lange nicht besiegelt. Wenn wir auch der Ansicht sind, daß die Vorlage im großen ganzen Gesetz wird, so wird sie im Wahlreformausschuße auch sehr wichtige Detailänderungen erfahren. Wenn wir in diesem Ausschüsse keinen Vertreter sitzen haben, so kann es leicht geschehen, daß das wenige, das noch zu holen ist, uns durch die Praktiken der Polen auch entriffen wird. Wir müssen durch Maffenver- Feuilleton. Zur israelitischen Geschichte. Der Boden, des heiligen Landes liefert der historischen Wissenschaft immer Zahlreichere Aufschlüsse. Der bekannte Wiener Palästinaforscher Pros. Dr. Sellin hak sich seit 1902 als Ausgrabungsgebiet die Allgiddoebeue Midlich von Jerusalem, ausgewählt, und zwar, speziell dasan der alben Kamwalwustmste von Babylon nach Aegypten gelegene Taauach. Der delitsche Palästinaverein folgte Sellins Beispiel, indem er seit dem, Frühjahre 1003 durch Dr. Schjumacher Ausgrabungen' aus dein. Boden der alten Festung Megiddo veranstalten, liest. Aus den erwähnten Ebenen ragen bis zur Höhe von 20 oder 30 Meter grüne Anhöhen empor, die sowohl änßovlich als auch bei der Durchfoi'- schrmg in ihrer irnnerieii Schichtung durchaus dem berühmten, Hügel von HiffaiOk (Tiroja) ähneln. Es sind das die Uebmrefto der Men Lanaanitischen und israelitischen Städte, deren »heutige Rainen bisweilen noch an die altbiblisch«» ariKingen. In Taanach fand Sellin, laut einem Bedichte dev „Köln. Zig.", übeveinaudov fiititf Burgen,, nämlich zwei kanaanitische, eine ftühism,elitische, eine spätisraelitische und eine arabische. Von den, ausschließlich! aus Lehm erbauten und durchweg sehr kleinen Pirivathäuseru ist bl!ost der Fußboden erhalten, auf dem. aber gelegentlich! sehr interessante Dinge gefunden wurden. Kauaanitische und israelü tische Bauwerte kömreu sowohl nach dev Berschicdcuheit der Bauart als nachden allent>- hälbün, gcffnndenen) Gefäßfcherbon scharf von, einander geschieden werden. Die kauaanitischeu Vorgänger der Israeliten verwandten, als Baumaterial polygonale, also nicht viereckig bohaüeue Steine, die in der Weise «ta'geufö'rMD gelegt wurden,, daß die höheren' Schichten gegenüber kin unteren nach innen Zurücktraten. Die Israelitenhaben ihre Steinblöcke viereckig behauen, aber bloß mii den Rändern,, nicht 'dagegen', wenigstens nichlt nach außen' hm, in der Mitte. Tie seit der Zeit des Herodrs sich findenden römischen, Nachahmungen dieser Baw art sind von, den, ültisraelitischen Bauten leicht zu unterscheiden'. Much! die kanaanitischen. und israelitischen, Scherben sind nach Material, Form. und Schmuck stark verschieden. Dick Kluge der Kanaaniter verlaufen sich unten in eine Spitze, so daß sie nicht ohne lveiteres auf den Boden gestellt worden, konnten', Icke ähnliclM in derselben, Gegend noch heute bisweilen vovkommt. Hinsichtlich der geschichtlichen' Ergebnisse haben sich mm die anfänglichen grössten. Erwartungen! nicht erfüllt. Inschriften Davids' oder Salomons sind, nicht gefunden worden,. Aber man muß berücksichtigen, daß außer der berühmten, Inschrift d'es Königs Mesa von Moab und außer der 1880 von Baurat Schick im Siloahkanal gefundenen Inschrift bis vor kurzem kein Denkmal in, althebräischen Lettern vorhanden war. Aber die Deutschen fanden 1904 in Megiddo ein kleines Jaspis-Spiegel, das über einem babylonischen'Löwen die althebräische Inschrift trägt: „Gehörig Schima, dem Diener Jerobcams". Es kann sich! Wohl bloß um einen, Beamten des' israelitischen Königs Jerobeam II. handeln? der von 785—742 v. Ehr. regiert hat. Sellin, war es beschieden, ans den, Trümmern! von, Tanaach, 12 mit Keilinschriften bedeckte Tontafoln, darunter 6 oder 7 wohlerhaltene, herauszüholen. Es sind Verzeichnisse wahrscheinlich militärischen Inhalts und in babylonischer Sprache abgefaßte Briefe an den kanaauitischm Priestorfürsten' von, Tanaach, darunter einer von, 'roligionsgeschichtliche!v Äedentnng, der seinem Wortlaute nach im Alten Testament stehen könnte. Eine Opferstätte in Taanach zeigte eine zu 'einer Höhle verlaufende Rinne, von. der Sellin annimmt, 'daß sie den »•- Die nächste Nummer erscheint Dienstag den 27. März.

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