Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 22 (20.3.1906)
- Date
- 1906-03-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nationalzeitung Nr. 22 lichen und politischen Kampf gegen die Juden? Auch ich habe keine andere Bildung als die deutsche, ich spreche Feilte andere Sprache wie die deutsche. Warum bin ich minderwertig? (Abgeordneter Dr. Lemisch: Nein!) Sie stoßen uns aber aus Ihrer Mitte! (Abgeordneter Dr. Lemisch: Sie sagen ja selbst, daß Sie ein Jude sind und Fein Deutscher!) Nun, Sie und Ihre Gesinnungsgenossen mögen ja mich und meine Volksgenossen nicht als Deutschen! Und wenn beispielsweise Herr Dr. Ofner tausendmal sagt, er ist ein Deutscher, anerkennen Sie ihn als Deutschen? Abgeordneter Dr. Lemisch: Nein!) (Also das sagen Sie selbst, Sie geben also meine Behauptungen zu! Warum soll ich mich und warum sollen sich meine übrigen Volksgenossen zu Ihnen stopfen? (Heiterkeit.) Wir ziehen die Konsequenzen! Und trotzdem bleiben wir Freunde des deutschen Volkes, weil wir Anhänger der gigantischen deutschen Kultur sind. Wir wollen als Volk treue Freunde des deutschen Volkes und der anderen Völker sein, wenn und insoweit sie auch unsere Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit anerkennen! Zu den indirekten Steuern in der Bukowina pro 10,380.480 Kronen tragen die Juden nichts weniger als ein Drittel bei, .also mehr als drei Millionen. Es ist daher wohl gerechtfertigt, wenn die Judenschaft beansprucht, daß ihr die bisherigen zwei Mandate im Lande unverkürzt erhalten bleiben; wir wünschen aber sichere zwei Mandate und zu diesem Zwecke die Kreierung eines eigenen (zwölften) Wahlbezirkes, und zwar bestehend aus Storozynetz mit 7182 Einwohnern, Wiznitz mit 4653, Bojan mit 7018 und Sadagora mit 4614 Einwohnern, sonach zusammen mit 23.467 Einwohnern oder etwa noch unter Hinzuschtagung von Kotzman mit 5007 und Czudyn mit 2594 Einwohnern, so daß der Wahlbezirk 23.467 oder 31.068 Einwohner mit 280.000-Kronen oder zirka 360.000 Kronen direkter Steuern zählen würde! Ich bin so gerecht, ebenso zu fordern, daß auch den Deutschen ihr Besitzstand im Lande gewahrt und den Deutschen das bisher von ihnen innegehabte Mandat nicht genommen, ja ihnen — wenn nicht auf Kosten der Juden — selbst ein viertes Mandat konzediert wird. Und ich werde der erste sein, der den Kollegen Dr. Skedl in dem Verlangen unterstützen wird, daß den Deutschen eine ihnen gebührende Vertretung in der Bukowina gesetzlich sichergestellt werde. (Zwischenrufe.) Er wird es verlangen; er wird schon sprechen, er ist ja vorgemerkt, und sind Sie überzeugt, daß ich das im Einvernehmen mit ihm gesagt habe. Ich glaube nicht ein Optimist zu sein, aber ich darf, weil es notorische Tatsache ist, doch auf die Stärke, auf die Intensität der jüdischnationalen Bewegung Hinweisen, welche sich in der letzten Zeit kundgegeben hat, obschon diese Bewegung mit dem Uebelwollen, ja der Feindschaft und der Verfolgung der galizischen politischen und autonomen Behörden, wie auch des Polenklubs zu kämpfen hat. — Den eklatantesten Beweis liefert Ihnen der Umstand, daß am 7. Jänner d. I. in der Bukowina und in Galizien mehr als 400 imposante jüdische Wahlrechtsversammlungen stattgefunden haben, von Tausenden und Abertausenden besucht und diese haben die Wünsche und Forderungen der jüdischen Bevölkerung in an die Minister gerichteten Resolutionen, Petitionen, Memoranden, Telegramme u. dgl. zum Ausdrucke gebracht. Auch der Judenschaft muß das gleiche Recht zuteil werden. Die Bewegung der Judenschaft ist eine loyale und streng österreichische, die Judenschaft prunkt nicht mit ihrem Oesterreichertum, weil es Byzantinismus wäre, wenn man mit etwas Selbstverständlichem paradieren würde. Die Staatstreue der Juden ist geradezu sprichwörtlich. Es ist auch jeder Staatsbürger kraft seines Eides, kraft seiner Staatszugelasehbor 1 jtfavserdictii! Garuchlos! Hörigkeit zur Treue und Rechtschaffenheit dem Landesherr» und dem Staate, in welchem er seine Existenz hat, verpflichtet. Wir Juden wissen auch, daß wir dem gegenwärtig regierenden Kaiser unvergänglichen Dank schulden. In unseren jüdisch-nationalen Reihen stehen die große Mehrheit der jüdischen Intelligenz der jüdischen akademischen Jugend, der Geschäfts- und Gewerbsleute und ein großer Teil der Arbeiter. Die Juden wollen fürderhin durch selbstständige jüdische Abgeordnete vertreten sein, damit diese die ihnen anvertrauten Interessen ihrer Volks- und Glaubensgenossen frei und unabhängig vertreten können" und dadurch die Kraft bewinnen für dieselben einzustehen. Die Juden wollen durch Männer vertreten sein, die sich offen und mannhaft als Juden bekennen und für ihre bedrängten Konnationalen mit männlichem Freimute vor aller Welt eintreten. Bei dem Mißbrauche der parlamentarischen Tribüne, bei den oft unwürdigen Exzessen, wie sie leider in Oesterreich Unsitte geworden sind, will die Judenschaft von Abgeordneten vertreten sein, die mit Mut und Unerschrockenheit auftreten können. Das können aber jüdische Abgeordnete nur dann tun, wenn sie von jüdischen Wählermassen entsendet sind und völlige Unabhängigkeit besitzen. Gestatten Sie, daß ich Ihnen zum Schlüsse noch sage: Wir Juden wollen nichts anders, als was alle übrigen Völker Oesterreichs zu fordern berechtigt sind: Anerkennung unseres Volksftammes und eine parlamentarische Repräsentanz, die unserer Zahl entspricht. Das jüdische Volk in Oesterreich hält treu und unerschütterlich an fein Vaterland, es ist kaiser-, es ist staatstreu, ohne damit zu prunken. Oesterreich soll ein Hort sein für alle Völker, welche das Zepter der Habsburger eint, und in ausgleichender Gerechtigkeit alle Völker mit gleicher Liebe umschließen! Und darum bitte ich auch für mein Volk um diese ausgleichende Gerechtigkeit! (Beifall). Politische Wochenschau. „Neue Freie Presse", „Nettes Wiener Tagblatt", tutti quanti, «ttterschlagen. Auch! andere .Nationen haben von ihren Feinden zu leiden, sich ihrer, Feinde zu erwehren. Die Juden'. haben auch besonders« von ihren sogenannten Freunden, ihren Beschützern zu leiden. Die Juden müssen sich z. B. nicht etwa bloß gegendie Antisemiten! Schneid e r und Konsorten zur Wehr setzen, sondernz. B. auch gegen den! Lemberger Kultusvorstand Byk und Konsorten. * Und denunziert Schneider die Inden des Nitualmovoes, denunziert B y k die zionistischen Juden politischer Umtriebe. Und bringt das „T e u t s ch e Volk s blatt" und Konsorten« im Parlament gegen die Judeir gesprochene Gemeinheit mit gesperrten Lettern, unterschlägt die sogenannte „judenliberale" „N c iv c F r c i c P r c j) c", „N c it e * W i e n e r T a g - blatt" und Konsorteu jedes Wort, das grischeMänner zum Lobe des j ü 'D i s ch e » Nationalgedaukens, in Anerkennung der jüdischen Station sprechen. Ein B y k tut jenes, weil er um sein Mandat zittert, wenn es in den jüdischen Köpsen Tag werden sollte, und das „Weltblatt" „N c u c F r c i c P r c s s e" tut dieses, denn es zittert uni seine jüdischen Abonnenten, die das Blatt an jenem Tage mit Verachtung von sich werfen werden, an dem sie erkennen, daß sie irregeleitet, au Dem Schüren des Volks- Haders der Tschechen und Deutschen sich mitschuldig gemacht haben, zum Schaden der Völker und zum eigenen Verderben-. Dr. L e in i s ch, Mitglied der Deutschen Volkspartei, hat am 13. März 1 OCH» im österreichischen Parlament anläßlich der Wahlrechtsreformdebatte eine NeDe gehalten. Hierbei beschäftigte er sich vom Standpunkte des A n t is e m i t e n mit der Wahlrechtsvoriage, stlbstvcrständlich nicht zugunsten der Juden. Aber als anständiger Mensch, dem. der Speichel im Munde Zusammenläuft vor Ekel wen er sieht, lvie Männer einer alten Kullmimt-ioii sich vor jüngeren Knltumationen krümmen und kriechen, und dabei UnfricDe und Unheil in die Reihen dieser umschmeichelten Völker bringen, hat fast wörtlich Dasjenige gesagt, Ivos ivir Jüdischnati analen immer sagen., und den A s s i m i l a t i o n« s j u d e tt, die so e h r! o s ui n d n. i e d e r t r ä ch t i g «siniD, ihr Volkst«um zu verle -u g ne n und ihre Mütter des E h e b r u ch«e s zu beschuldigen, indom sie sich für Tschechen, Polen- oder Dcutsckw ausgeben, in ihr feiges Antlitz schleudern, daß es nämlich eine Schmach ist, sich des Judentums zu entäußern, gegen «Das entliehene oder gestohlene Mäntelchen des tschechischen, polnischen oderdeutschen Nationalismus, «welche Maskerade nun den Spott und Hohn« aller ehrlich Denkenden erweckenmuß. Dr. Lemisch sagte: „Wen n i ch e i it: I u d c w ä r e, iv ü r D e iii ch m i ch s ch ä m e n, iv c n n> m a n m i ch e i n «e n D e u t s ch e n oder T s ch c ch e it rr, c n n en w ü r d e. D e r I u d e k a n n nie Deutschen o d e -r T s ch e ch e iv c rd e n. E r k a w n s i ch h ö ch st e n s d e r Bildung des e i u c n o d v r ct tti b c r e u. Volke s a it s ch m i e g e n, u in e n i - weder i h m z u d i e n c n o d -e r iic s i ch dienstba r zu in a che ir" («d. i. um «entiv^der ein« S f I a v c werden- oder ein Ausbeute v). Diesen Lapidarsatz der ganzen Rede d<s Dr. L e m i s ch, den die übrige Publizistik mit gesperrtem Drucke brockte, hat das„Judci'.- blatt" „Neue Freie Presse" und das airtt femitelnde „Demokratenblatt" des konfessionslosen Judeir Singer, schlankweg it n terschlage n. Doch diese Unterschlagung geschieht mit System. Während jedes Gschnas kränzchen eines natürlich heute fast absschließlich ans Juden bestehenden! F r -e i m a it r c r- Verei n c s, jode Nachtwächtersckläger^i hi P' t ö i c ode,-r P «o st c I b e r g, jede noch so blöde Neklamieäußerrmg einer fogenam!teu> Künstlerin breitest berichtet wird, werden I u d >o n k o n: g r esse in Blaset, I u d -e nt a g e in BeAin usiv. verschwiegen-, uirterschlagen. Doch richtig«! Diese Blätter a la „Neue Freie Presse" haben« ja auch Den Schöner e r so gründlich „totgesHviegea", daß er so groß wu«rde, «daß er die ganze liberale Partei zu erschlagen sich anschicken konnte. Diese Blätter werden auch den „Jüdischen .Nationalismus" so lange totschweigen-, bis er. [id] wird anschicken können, das ganze feige Assimi lantentum totzuschlagen. —s— Kultusleven in einer «Syrischen Stadt. lSichc Nr. 5, 8, 9, 10, 11, 15, 16 u. 19 der Ein Wort in eigener Sache. >D-er Ausschuß der «KiUkusgemeinde Nckvls- Vurg -hat -es für gut befunden, dem KulltuAvvrste-ber das Vertrauen auszudrückeu und durch die Presse zu verö«ffentlichen, wie bereits der Nattonalzeitmcg berichtet m-ovden ist. Der Verfasser der in der Presse vcröffenttichteu Vertrauenskundgebuntz bat sich aber erlaubt, in seiirem Kvnrmeutar zu dieser Bertraneuskunidge'butt'g Perfouen, welche ihr ganzes Selbst denr Dienste der AllgenwinHeit, d«er Armen der Unterdrückten zur Ger«fü«gnng stetlteu, als „bloße S t r e b e r" hüizu-stellen. -Obivohl es „d t e s e r" Bien'sch nicht verdieut, daß man sich ü-ber -seine Ausdrücke entrüstet, wollen wir doch der Welt das Urteil «überlassen, in welcher Partei „die Streber" sich ein>gen'iste't haben, ob in „unserer", die wir selbstlos entgegen unserem „persöirlichen Interesse für die Unterdrückten' einstan'den- und eiirstehen, öder in „jener" Partei, deren NUtgl'ieder sich -heute ransen und stre>ite«n und morgen nach dem bekannten Sprichworte: „P a ck s ch lägt s i ch, Pack verträgt sich" brüderliche Uüssc tan-schen, »vo ferner so manche nach vorhergegangenem Kampfe irgeiib einen .ü-iwchen als Schweiggeld erhielte!». Wir sollen die „Streber" sein, die wir ohne irgend pollsnr ecbte Refortn-SclwMfätter len!