Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 22 (20.3.1906)
- Date
- 1906-03-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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RitmcheitMg Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Redaktion: JX/l, WasaMstr 31. Telephon Nr. 14923. Eprechstimden: An Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nationalzettnng" Wien, IX| (. Betet werden wegen verspäle-er ober gar nicht erfoloter Zustellung rrbittm wir UNS drinaend. — ntanntkrlpte werden «lebt znrSckaettem. I Postsparlaflen-Kvnto 47037. In das Abonnement kann man täglich eintreicn. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentümer und Kerausgetrrr: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: 3. Danneberg. ITT. Dilles Nachsolger, paasenstein & Vogler, Rudolf Moste, M. pozsonyi, ft. Schale! in lvien, ferner alle Annoncen.Expeditionen im Auslände. Einzel - Nummer in Wien 15 Heller. r--.-. Administration: Telephon Abomiements-PretS: Für Wien n. Oesterreich- Ungarn s. Franlozustellung: Ganzjährig. . . . K 18. ~ Halbjährig . . . . K « - Viorteljährig . . .K S- Für das gesamte Ausl, d Ganzjährig . . . K 15.18 »_;_ IX/i, Wafagaste 81. Nr. 1478». PreiS der Anzeigen: Die Smal gespült. Nonpareillezeile oder deren Raum 12 h. „Etngesendet" die Sspaltige Nonpareillezeile 50 Heller. Bei mehrmalige» Aufträgen entsprechender Rabatt. Verschleipsicllni imseres Blnuer?, in welchen cmch Abonncnn'i.ts entaeqcngenommen werden: Hermann Goldschniidt, Wien, I. Wüllzeile 11; Verlag „Zion" Wien, 11/3, Etesaniestrasze 12; Robert Weis;, Wien, I. Jakobergasse 7. Kr. 22. Wik«, Dienstag den 80. War; 1906 (83. Adar S6S6). VIII. Jahrgang. Eine Rede Dr. Stranchers. (Schluß.) Dafür habt ihr Wahlbezirke in Galizien mit IfcO.OüO—280.000 Einwohnern, während im Westen solche mit 14.000, 18.000 und 23.000 Einwohnern gebildet iverden. Die Slowenen erhalten bei einer Gesamtbevölkerung von 1,192 780 23 Mandate; cs entfällt daher ein Mandat auf 51.860 Einwohner; die Italiener bei einer Gesamtbevölkerung von 727.102 16 Mandate; es entfällt daher ein Mandat auf 45.444 Einwohner; die Serbokroaten bei einer Gesamtbevölkerung von 711.380 13 Mandate; es entfallt daher ein Mandat auf 54.720 Einwohner; die Rumänen bei einer Gesamtbevölkerung 230.963 4 Mandate; es entfällt daher ein Mandat auf 57.740 Einwohller; die Juden aber bei enter Gesamtbevölkerung von 1,225.000 sollen bloß 6—7 Mandate erhalten, so daß eilt Mattdat erst auf 204.000 oder allenfalls auf 175.000 Einwohner entfallen wird! Ungerechter ist wohl selten ein Volk behaitdelt, eine Wahlreform geschaffen worden! Sie schafft kein gleiches Wahlrecht, sie ist tticht auf dem Prinzipe der Gleichheit ausgebaut! Seine Exzellenz der Miltister des Jnrtern sagte: „Die Gerechtigkeit hat sich noch stets bewährt als die stärkste Klammer eines Reiches, als die festeste Grundlage seiner Macht." Aber wird diese Gerechtigkeit geübt? Aster diese Berechltung hinkt — sie ist tticht vollständig und auch nicht richtig — allerdings nur richtig, insoweit sie die Juden betrifft. Gestatten Sie mir, daß ich mir Ihre besondere Aufmerksamkeit für folgende Ausführungen erbitte. Bei der Zuweistntg der Mandate an die einzelnen Völkerschaften sittd die 1,224.711 Judett tticht ausgeschiedett worden. Sie sind mitgezählt ttach ihrer Umgangssprache zu den einzelnen Völkerit und Nationalitäten, denn entscheidend für das nationale Kriterium ist ja bei uns bekanntlich die Umgattgssprache. Nun bekeitneit sich von beit Juden 660.000 zur politischen, 450.000 zur deutschen (Abgeordneter Bkeznovsk^: Das sind die böhmischeit Judett!). Die zählet: nur 94.000, költtteit also tticht 450.000 seit: (Heiterkeit), zirka 50.000 bekennen sich zur ruthenischen, ebensoviele zur tschechischen und etwa 5000 zttr italienischen Umgangssprache. Es kommett sottach von ben 4,252.483 Polen 660,000 Judett in Abzug, so daß etwa ttur 3,650.000 Polett verbleiben; ebettso kommen vott ben 9,171.614 Deutschen etwa 450,000 Juden in Abzug, so daß nur etwa 8,720.000 Deutsche verbleiben ttsw. Oder l aber, das detttsche wie das politische Volk entsettden nach Verhältnis der auf die Judett entfallenden Bevölkeruttgszahl auch die beügliche Zahl von jüdischen Abgeordneten, onach die Polett und die Deutschett je zehtt jüdische. Abgeordnete, da auf Grund der offiziellen Volkszählung und des „Anhanges" zur Wahlreformvorlage bei den Deutschett mit eitter Gesamtbevölkertutg von 9,171.614 und eitter Zuweisung vott 205 Mandaten, ent Mandat auf 44.700 Einwohner, bei den Polen mit eitter Gesamtbevöllerung von 4,252.483 und Zuweisung vott 64 Mandaten, ein Mattdat auf 66.445 Einwohner "entfällt! Das wäre Gerechtigkeit! Es geht aber nicht an, meine Herren, bei der Zählung der Bevölkerung zum Zwecke der Erlangung politischer Mandate einen andern, den jüdischen .Volksstamm, zuzuzählett, -- bei der Zuweisung der Mandate selbst aber diese Bevölkerung völlig zu ignorierett, ihr die gebührenden Mandate zu versagen — und nicht nur das, sondern auch jederzeit zu beschimpfett, mit Spott und Hohn zu behandeln, zu verfolgen, einett politischen und wirtschaftlichen Vernichtungskrieg gegen sie zu führet:, und weshalb? Weil sie ihre Reihen füllen, ihre Reihen stärken uttd ihtten zu Mandaten verhelfen. Meine Herren.! Meine Ausführungen haben keine Spitze gegen irgend ein Volk, ich habe wahre Tatsachen ungeschminkt geschildert und ans Grund offizieller Ziffern! diese Aussühtungen vor gebracht; int Gegenteile, ich wünsche, daß alle Völkerschaften und Nationalitäten, deren ich Erwähnung getan habe, diese meine Ausführungen beherzigen und wohlwollend berücksichtigen! mögen. Denn für uns Juden erhebt sich keine Stimme. Im ganzen österreichischen! Parlamente, wo die Redner aller Parteien neun Recht und Gerechtigkeit überfließen, in den Forderimgen für ihr Volk, Moral und Religion, göttliches und menschliches Recht anuusen, bei den Judett, verstümmelt alle Zungen, kein Fürsprecher — da hört göttliches und menschliches Recht, Gerechtigkeit und Billigkeit aus. (Abgeordneter B re i t e r: Mit Ausnahme von mir!) Ich bitte, ich will gern, zugeben, daß Lie, geehrter Herr Kollege, gerecht sittd mtd eine sehr vorteilhafte Ausnahme bilden. (Abgeordneter B k e z n o v s k y: Er ist kein Antisemit!) Ich rede nicht gerne, vom Antisemitismus, ich will nicht den Teufel an die Wand mlalen. (Abge-, ovdneter B k e z n o v s k y: Er ist schon da! — Heiterkeit.) Mir scheint, Sie sind seine willfährige Stütze. (Heiterkeit.) Eine gerechte Wahlvotlage soll, wie Seine Exzellenz, der Herr Ministerpräsident betonte, eine Photographie aller der nationalen und sozialen Strönunigen eines Landes sein; das ist nun diese Vorlage, insoweit es sich um die Juden handelt, nicht. Uttd sie ist es nicht, weil I erwiesenermaßen die Inden nach der Resornworlage teils gang übergangen sind, und' besten Falles in dem neu zu schaffenden Parlamente nur. in: ganz ungenügender Zahl vertreten sein köitnen. Die Zurücksetzung der. Judett, und die Nichteinführmtg der Pirop-ortionalvertretuttg als eitres Schutzes der: Minoritäten, sowie auch die Wa'hlbezi'rksemteilung, geben heute den Juden nur die Möglichkeit, höchstens ein Drittel der ihnen' 'gebührenden! Maudatszahl zu erreichen. Das ist aber keine Photographie der wirklichen Zusammensetzung der Bevölkerung- — es ist dies, und das muß laut und deutlich gesagt werden — ein unerhält schweres Unrecht und eine krasse Ungerechtigkeit. Speziell itt der Bukowina, wo die Indender Zahl - ttach fast an 100.000 sind, leisten sie in der Stadt Czerncivitz allein, von der direkten! Steuer dieser Stadt pro K 1,261.880 meh>r als drei Viertel, das ist K 900.000 und von der. ganzen, d i rekle n Steuer des Landes pro 1£ 3,432.407 zahlen sie fast die.CSälfte'. (Abgeordneter Dv. L e m i s ch: Da> wird ein. Teil auch arischer Besitz sein!) Was ich sage, ist wahr, das sind offizielle Ziffern'. (Abgeordneter Dr. L e m r s ch: Wo ist das Geld verdient, von. dem die Steuern, gezahlt werden? ) Ich habe nicht die Absicht, Herr Kdllege, mich mit Ihnen über derart wichtige Fragen heute auseinander zu setzen; dies kann aus einen Zwischenruf hin! auch nicht beantwortet werden. Ich weiß wohl, wohin Ihre Frage zielt, aber nehmen Sie die Versicherung entgegen, daß das Besagte ebenso ehrlich verdient ist, wie das vott Angehörigen anderer Völker. Sie ketttten die Judenschaft tticht, Herr Dr. Le misch; Sie sind ent sehr kenntnisreicher, achtbarer Mann, Sie haben es sich aber nicht attgelegen sein laffett, die Judett überhaupt und ucimcutlid), jette des Ostens kennen zu lernett. (Dr. L e m i s ch: Ich werde ttatürlich in die Bukowina fahren!) Die 100.000 Juden können aber doch auch nicht zu Ihnen reisen (Schallettde Heiterkeit); es ist viel leichter, Sie kommen zu uns. Und die Million Juden aus Galizietr werdet: auch nicht zit Jhnett kommen! (Erneuerte Heiterkeit. — Abgeordneter Dr. Lemisch: Ich dattke! Wir habet: in Pörtschach schot: genug!) Ich glaube, Herr Kollege, ich werde Ihnen nicht zu nahe treten, wem: ich sage, daß die Juden vott Ihtten und anbereu höchst undankbar behandelt werdet:. Die Juden haben sich der Deutschett wegen mit vielen anderen Völker:: verfeindet und waren, ja sittd zunt Teile noch heute treue Parteigänger der Deutschen, aber die Deutschen mögen die Juden fürderhin nicht mit Fußtritte:: traktieret:! Behandeln Sie die Juden nicht so wegwerfend, beschimpfen und verhöhtten Sie tttcht die Juden; warum führet: dem: die Deutschen einen Wirtschaftiw* Die nächste Nummer erscheint Freitag den 23. März, -ws