Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 19 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Nationalzeitung Seite 3 die wirklich haarsträubend siird und von denen es fast unmöglich ist, zu glauben, daß sie jetzt Wirklich in» England vorgekom-men wären- Nichtsdestoweniger - beantragte Sir Evans G o r d o ni, der Vater der Alienbill, diese Woche im Parlament, 'daß dieses Gesetz noch verschärft werde, ttmi die Arbeiterpartei füt sich zu gewinnen, ging sein, Antrag dahin, Air Zeit eines Streiks in einem großen Jndristriozweige sollen alle anslcmdischen! Arbeiter des betreffenden- Faches, die England aufsuchen, ohne weiteres znrückgeschickt werden, damit nicht die Kapitalisten hierzulande billige Arbeitskräfte von Polen, Italien und Spanien beziehen und dadurch den Streik brechen können. Sir Evans G o r d o n war es aber nicht gelungen, die Arbeiterpartei für sich.-zu Hewinnen. Ein Arbeiterführer, Will C r o o k s, riet ihm,' sich wrc die Arbeiter ja nicht zu bekünUnern, sondern es lieber' den trade uniomstischen Abgeordneten zu überlassen, die wohl besser wissen' lverden, die Interessen ihrer Wähler zu schützen, und der Minister -des Innern, Mr. Herbert G l er b ft o n c, ein! Sohn des verstorbenen großen englischen Staatsmannes, erinnerte ihn daran, daß er von nur wenigen Monaten -einein solchen Antrag! opponierte, als er von einem sozialistischen Parlam-entsmitgliede, Mr. K e i r H a r d i e, gestellt wurde. Mr. Chamberlain merkte die urigünstige Stimmung des Hauses und riet Gordon, den- Antrag einstweilen zurückznziehen, welchem! Rate er auch Foilge leistete. Etwa 400 Ar-beiter des Sprengols Tottenham wurden' in den l-etzlen Tagen! aus Kosten Lord Rothschilds nach Kanada. befördert. Die konservative Presse weint sich die Augen aus über das Faktum!, daß gerade 1400 gesunde B r i t e n das Land verlassen mußten, wahrend so viele F r e m d e einzogen, um auch die übrigen Arbeiter zu verdrängen. Nur vergißt diese Presse, daran zu erinnern, daß niemand von den so vielen „echten" Briten, die das Land glücklicherweise noch! besitzt, den armen Auswanderern zu Hilfe kam, sondern es ein „Fremder" war, ein Fvankftrrter Jude, dieser hier so« verhaßte Typus, der ihnen die Möglichkeit! gab, aris ihrem» tiefen- Elend herauszukommen. Lord Rothschild verpflichtete sich, die Arbeitslosen Tottenhams „ohne ltnt e r f cf) t-ed de>v R eXi gi on" zur Emigration zu verhelfen, nur konnten» die Juden von seiner Munifizeng leider fast gar keinen Gebrauch machen, da in diesem Viertel sehr w enig Iit d en, woh.nen. Wäre es nicht besser rmd hrrmaner gewesen, anstakt mit dev bei unserenassimilierten Großjuden so beliebten abgedroschenen! Phrase „ohne Unterschied der Konfession" zu spielen!, 1400 russische präisentierten sich diese OGekte sehr vorteilhaft, sowie sie dem modernen Geschmack Rechnung trugen. 5. Das Atelier für »Wohttnngseinrichtnngen und Dekoration Siegmund Spitz stellte 1 Herren f a n t e u i l mit Gobelinbezng, 1 B ü che r- - rehtisch ans p-olitiertein Spiegeleichenbolz mit Korallenholzieinlagen, 2 Wiener Fante n i l s,. 1 reizenden Sessel im Bie-dermeierstil ans Eben- HM, nrit Metalleinlagen, weiters 1 modernen Speisezimmervorhang aus. In seiner Erklärung zu dieser sehr gelungeneuExp-osition bekannte sich Herr Spitz als entschiedener Anhänger der Moderne und wies dies auch au seinen Arbeiten nach. 6. Die bekannte Geschäftsbüchersabrik A. Grüns selb & Co. brachte eine Kollektion Geschäftsbücher, die in einem Gewerbebetriebe unbedingt vorhanden sein sollen. Aus den einfachsten Michern konnte man sehen, mit welcher Sorgfalt in -dieser Fabrik gearbeitet wird und so ist es begreiflich, daß die Erzeugnisse dieser Firma großen Ansehens in Wien und der Provinz sich erfreuen. 7. Einige Garderobe stücke für Herren aus dem Atelier der Firma S. Mosko-wih, Tailleur, fanden allseitigen Beifall. 8. Kunst und Möbeltischler Friedrich We l d? -le r stellte ein Zimmerbnfset ans Nutzholz ans. Der Marmor bildet eine Spezialität. Der Unter-. teil ist viertürig, in Kupfer getrieben, Beschläge Messing und patiniert. Die Füllungen find eingelassen, alles daran sehr sauber ansgearbeitet. b. Herr Anstreichermeister Hermann Bitzstellte einige Hvlzimitationen ans, die den Beifall ' der Versammlung fanden. Juden aus der Tiefe ihrer Hülle zu reihen und nach Kanada zu, schicken, damit sie dort frei aufatmem und ein sicheres Leben führen können? Wenn es in England Arbeitslose gibt, so gibt es dort eine reiche Regierung und reiche Ehristen, die für sie sorgen können und werden, aber wer wird für die armen Brüder sorgen, die sich aus der Lebensgefahr in ihrem „Vaterlan-de" reiten, um überall die Tore fest ver- 'riegelt zu finden? Unsere Massen möchten so gerne auswandern, so daß manche sogar bereits so weit gingen, daß sie Gewaltmittel im hiesigen- „Jowi-sh Board of Guardians" gebrauchten (waswir natürlich unter allen Umständen verdammen!); aber warum diese ins- Gefängnis schicken nnd andere, die es weniger brauchen, ohne weiteres zu unterstützen, um ein oenig philanthropisch protzen zrikönnen? Unsere Großjndm scheinen aber von der Emigrakion der jüdischen Massen nur gerne,zuspreche n, besonders wenn es sich darum» handelt, dem Zionismus oben dem Territorialismus einen Hieb zu versetzen; i hr o Mitte 1 bieten s i e aber d e n j e n t g e n a n, die na ch - h e r i n K a n» a d a e i n -e A l i e n bi l l e i nf ü h r e n w e rd-en, um die „nicht wünschenswerten" Elemente fern-zuhalten». C a r m e n> S i l va, die Tichte»rinauf dein Throne, hat im» letzten Hefte des „Cen-rury Magazine" einen Artikel veröffentlicht, den sie- „TheIe w s i n R o um» a n i et" betitelt. Außer beim Titel wird in» dem» Artikel bet' Name „Jude" so wenig erwähnt, wie in der Megillath Esth-ev der Name des Allerhöchsten. Die rumänische Königin (im Ariikel hat sie aufgehört, die Carmen Silv-a, zu sein, bie wir so ehrend kennen-) schildert die Armut ihres Landes un d ve r t -e i d i g t> d ieBe h a ndl u n g, d t e R u m ä nn -e n» s e i n e n Jude n a n g e d e i h» e n 1 aßt! Das- Landist so arm-, daßesunmöglich nach „Fremde" (wie politisch!!) ernähren und gut behandeln könnte. Das ist das- Alpha und Omega ihres gelungenen diplomatischen! Erstlinges. Auch sie! Zionismus und Territorialismus. Samstag den- 3. März hielt Herr Dr. M- T. Schnirer im zionistischen Fmuienverein, 9. Boz., Tüvkenstraße 9, einen höchst interessanten Vortrag über das- Thema: „Z i o n i sm u s. u n d Territo» ri a lismu s", übet welchen uns folgender Bericht zngoht: Den. Kern seine-r geistreichen undmeisterhaft^ vorgetragenen Rede, die man eine programmatische nennen könnte, faßte, der Redner in dem Satze zusammen: „B e s s e r e i n Z i o» n i s m u s o h n e Z> i o n>, a l s e i n Z i o n o hn e Z i onismus." Dr. Schnirer drückte im» Laufe seines Vortrages' und auch in» seiner nach der Debatte erfolgken Replik seine tiefinnere Ueberznlgunkg ans, daß ein An-fblühen» und- Gedeihen des ZionisiMls mi-r 'bmm nwglich sei, wenndas Baseler' Progra-inm, das» nach seiner. Meinung zrr eng und zuengherzig sei, e r w e i t e r t wird. ( Der Redner wies fern»er darauf hin, daß die Partei der Ngandisten» ari»f dem. letzten Kongresse von der zionistischen! Minorität mit ungesetzlichen Mitteln niedergedrückt rmd niedergedonnert worden sei. Er sagte ferner: Es geimge nicht, eine gefchlich gesicherte Heimstätte für die Juden anzustreben, denn dassei nach lange nicht das Ziel des Zionismrls. Das Ziel des Zionismus» aber sei ,,-d i e W i e d e rgeb u xt des jüd i s ch e n Volke s". Feruer meiirte er, luan könnte ein» überzeugter Zionist sein rmd dennoch mit den Territorialisten» Hand in! Hand gehen, rmd nur so sei ein- Erfolg möglich. Herr Dr. M a r g u lies als erster Opponent' nahm eifrig Stellung gegen, die Bohariptungen, des Dr. S-chnirer, es sei auf bem Kongresse nicht immer mit rechuu Dirrgen! zugegangeir. Hierauf nahmen noch am der Debatte Herr Dr. Leopold K a h n, Herr G e w i t s ch und eiir. anwesender emigrierter -russischer Golda-rbeit-er teil- Herr Dr. K a h n wies dararvf hin, 'daß auch der Anfirhrer dev Territorialisten, Israel Z a u g w i l l und auch Dr. M a n d e l st a in m Alte Zionisten seien rrnd daß beide auf dem letzten Brüsseler Korrv gresso in bereitwilliger- Weise zugrmsten> des Nationalsondsihr Sch-erflein, beigestenert halten. T»or russische Arbeiter, welcher irn Jargon sprach und deshalb leider nicht von allen Anwesenden verstanden lvurde, sagte in seiner schlichten» Weise, was jetzt vor allem» den Ju-deni nottrst, rind m erster Linie handle es sich doch nur um! die russischen, so schwer betroffenen Juden-; das feien» A u sw a n de - r u n g s b u r e a u s. Die Jride»n hätten jetzt nicht Zeit, auf Zion zu warten, sie müßlerr so rasch alsmöglich aus Rußland auswandern, wohin es auch sei, wenn sie nn»rirgendwo Arbeit und Verdienst fänden. Dasn i ch t s e h r z a h l r e i ch. erschienene Publikum akklamierte. lebhaft den Vortrag des Herrn Dr. Schnirer undfolgte auch Mit reger Teilnahme der- Debatte. Einweihung der Zeremonienhalle in Baden. Sonntag öen 4. März 1906 (7. Aöar), bem Sterbetage M-oies, fand unter lebhafter Beteiligun«g der Mitglieder der Kultusgemeinde Bnden die feierliche Schlutzsteinlegung in der neuerbaüten Zieremontenilialle des dortigen Gemeindefriedhofes statt. Um 4 Uhr n'achm-lttags versammelten sich die Gemeindemitglieder a'm »Friedho-fe, rvoseWst durch den Oberkantor Seifert die Gebete für die im Vorfahre Verstorbenen verrichtet und das El m-olch rachamini rezitiert -wurde. Nunm-chr begaben sich die Versammelten in den neuen Zeremonien.saal zur Vornahme der Schlußsteinleg-ung. Hier Hiett zuerst Baurat S t i a s s n y folgende Ansprache an die BersamMl-ung: „Gleich einem vorsorglichen Hausvater hat der geehrte Vorstand dieser würdigen Gemeinde \m vorigen Jahre sein Haus bestellt. Es ist der n-im-merrastenden Dätigbeit des allseitig hochverehrten -Präsidenten Herrn Moviz Lettner, eines Musters und Vorbildes eines echt füdischen Gemeindevorstehers,' es ist 'ferner der M'itwirkungües von allen hochgeachteten Seelsorgers dieser Gemeinde, des ehrwürdigen R-ä'bbiners Wilhelm Reich,' es ist endlich der tatkräftigen! Unterstützung! des gesamteu 'Vorstandes, der Gemeinde und der Chewra Kadischa, insbesdndere der -Herren Schneider, Nansnitz und Oedenburg e »r zu verdanken, daß im abgelaufenen Jahre das Gotteshaus, verjüngt und verschönt, zur Freude der Andächtigen wiederhergestellt worden und daß dieses Haus, in welchem wir unseben befinden, d-ie vorletzte R-uhestelle der dahingeschiedenen Waubensbrüder und -Schwestern, neu erstanden ist. Und nun, ba heute der letzte Stein, auf dem heiligen Boden unserer Gottesstadt gebrochen, gleichfain als Eck- und Schl-utzstein dieses H-ause-s dem Gemäuer desselben eingesügt wird, erfülle ich eine Her-zenspflicht, indem ich in meinem und meiner Mitarbeiter -Na-mendein geehrten Vorstände für das Vertrauen danke, das er in -so reichem Maße in uns gesetzt Hat. % Möge dieses Haus, denr Sturm, dem Wetter und allen Unb-Wen der Zeit widerstehend, durch lange, lange Jahre feinem, ernsten Zwecke erhalten bleiben. Mögen alle, die einen teuren Dahingeschiedenen ans seinem letzten -Wege h!ierhevgeleiten, den Trost inden, welchen sie suchen, indem sie mit dem Psalnüistena-usirN-fen': Mimaabim korossicho Adonai! (Aus dem tiefsten Grunde meines Herzens erhebe ich mich zu dir, o Herr!") Möge» der fromme Glauben, daß den- Seeleir der Da»hiNgeschiedenen zuteil wird: Men-nchiv nechano bijesähimo! eljono tachas kaufe haschechino! („Ewige Ruhe am himmlischen Wohnsitz unter »den Fittichen des erhabenen Urhebers aller Dingel") Möge dieser fromme Glaube wie ent wohltuender und heilender Balsam in die Wunden träNifeln, d-ie von- Leid- und Schmerz geschlagen wurden: D e s f' w a l t e -G o t t!" N-nnmehr übergab Banrat Stiaffny das Gebäude dem Vorstände der Kultusgemeinde und der Chewra Kadische, indem er sie um ihren Schutz für dieses Bauwerk bat, worauf Kultusvertreter Herr Moriz Lettner dem Erbauer mit herzlichen, warmen Worten für seine aufop-ferungsu volle -Tätigkeit und für das im ganzen, sowie in allen seinen Teilen vollendeten Knnst'werk dankte, ebenso daiikte er seinem getrenen- Mitarbeiter Herrn Architekten Reiser -für dessenwerktätige Unterst-ütznng. Diese Worte fanden allseitige Zustimmnttg- und nun hielt Rabbfner Wilhelm Reich folgende Weihereöe: „Wir haben soeben einen sehr ernsten Gang znrückgelegt,' wir standen zuerst ans dent alten Gottesacker, von welchem uns die Denksteine einer ganzen- Generation entgegenleuchtetett,' -wir betraten dann den anderen, -irelcher der Kommenden KREBS-APOTHEKE 5. niTTELBflCtl Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 4 (Pulaitj Sina) im Zentrum der Stadt. + Ala Hi.huellwirkende, acluuorzstillende £ini»ibim£, insbHa. ala atiirkeudea Mittel bei überall atreiuendon MuBkelbewegungon, Mlirecheti, Rad- und Bergtouren. Preis pro Flasohe I K 50 h.