Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 19 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nationalzeitung Nr. 1-> Vorwände ist, uni ihren Judenhaß betätigen zu können. Es ist für uns ungemein wichtig, zu wissen, auf wessen Unterstützung wir bei der nationalen Reorganisation Des Judenurms rechnen können, nicht nur unter den Juden, sondern auch unter den anderen Nationalitäten. Das ist aber auch deshalb wichtig, weil dann die Regierung die Ueberzeugung gewinnen wird, «daß die nationalgesinnten JuDeu in Oesterreich nicht nur deshalb einen wichtigen Fa-klor darstetlen, weit sie eine mächtige, täglich anwachsende Organisation bilden, sondern weil arich Die anderen Nationalitäten in der Förderung der zionistischeir Bestrebungen! einen weiteren Schritt zur friedlichen! Lösung der Judenfrage und zmn allgemeinen notwendigen Frieden im Reiche erblicken. Zur Wahlresorm. (Wichtige Beschlüsse der galizischen Vertranensmänner.) Am 4. März fand irn K r akau eine Versammlung von jüdischen Vertrauensmännern aus den galizischen Städten statt. Den Vorsitz fi'chrie der Obmann der zionistischen Organisation -Dr. Schalit. Die Besprechung galt der Beratung über den vorliegenden' Wablreformenffvnrf der Regierung. Tie Versammlung gab ihrer Meinung Ausdruck, daß die Interessen der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs mrd speziell Galiziens in diesem Entwürfe nicht in entsprechendem Maße berücksichtigt wurden und beauftragte ihre Bevollmächtigten', diesbezüglich alle notwendigen Maßnahmen zu treffen. Die Kdnferenz 'erklärte aber ans das entschiedenste, daß sic als Repräsentanz einer 'demokratischen' Partei die Ankündigung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes aufs freudigste begrüßt und keineswegs gesonnen! ist, -Die Machinationen zu unterstützen, die gegenwärtig gegen das allgemeine' Wahlrecht im Gange sind. Geleitet von der Erwägung, daß Oesterreich als Nationalitätenstaat nur auf dein Prinzip des vollkommenen Selbstbestirnmungsrechtes aller Völker aufgebaut werden soll und als Verfassungsstaat die volle Gleichberechtigung aller Nationen durchzusühren hat, erklärt sich die Versammlung für die nationale Autonomie unter Anerkennung der jüdischen Ncnionalität und beschließt einstimmig, den Kampf um die Erreichung der vollen, staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Gleichberechtigung, mit allem Mitteln aufzunchmen- Die Konferenz erklärt schließlich, in Erfüllung ihrer Postulate die berechtigten Interessen keiner Nation irgendwie beeinträchtigen, zu wollen. Brief aus England. Von Dr. M. Salinfante. In Nr. 11 Ihres Blattes hatte ich die Gelegenheit, Ihre Leser mit dev Entstehungsgeschichte des „Rothschilds ch e n Briefes", die ein sonderbares Licht auf die sauberen Mittclchcn wirft, die unsere Kehillopolitiker in ihrem Werke zum Frommen von Kol-Israel gebrauchen, bekanntzumacheu. Einige Wochen sind bereits vorübergegangen, seitdem.ich den Prolog dieser Komödie oder Tragödie oder beides zusammen schilderte, und es ist hoch interessant, zu erfahren, wie sich indessen diese famose Affäre weiter entwickelt. Die Sache wird immer interessanter und verdient wirklich nicht nur das ungeteilte Interesse des jüdischen Publikums, sondern überhaupt aller, die die Symptome nationaler Degeneration und die Geschichte des Hochverrates bei allen Völkern, studieren. Dös ausevwählte Volk hat, auserwählte Verräter und fördert Degcnerationsblüten au den Tag, zu denen kein Volk der Erde je fähig gewesen, ist. Die Aufforderung, welche Mr. Greenb e r g in der jüdischen und -allgemeinen englischen Presse an Sir Samuel Montag u richtere, sich zu den von ihm gemachten Enthüllungen zu erklären, ob sie wahr feien oder nicht, ließ der letztere u nb e r ü ck s i ch t i g t, obwohl das Publikum gespannt darauf wartete, was er zu diesem so interessanten Kapitel sagen werde. So vergingen zwei Wochen. Da richtete ein anderer bekannter Zionist, Rcchisaniwait B e n t w i ch, an Sir Samuel M o n t a g u ein privates Schreiben, in dem er ihm von seiner Absicht Mitteilung inachte, ihm auf der in wenigen Tagen stattfindenden .monatlichen Sitzung des „Board of Deputies", der offiziellen und repräsentativen' Vereinigung der englischen Juden, einige Fragen bezüglich der Greenbergschen Enthüllungen voiznlcgen. Darauf erhielt Mr. Beniwich die sehr interessante und charakteristische Antwort des Sekretärs Sir Samuel Moniagus, daß der geehrte Herr Barow sich weigere, E r - klär u n gen z u gebe \v z u e i n et konfibentiellen M i t teil u n g, die einem: F r e u n b c g e nt a ch t w u r d e. Als Sir Samuel Montagu zu der erwähnten Sitzung erschienen war, bat Mr. Beniwich den Vorsitzenden, auch einer der acht Unterzeichneten des berüchtigten Rothschildbriefes, um die Erlaubnis, Sir Samudl seine Fragen vorzulegen. Der Vorsitzende wollte es unter keinen Umständen gestatten, Mr. Beniwich behaarte a'ber darauf. Da erhob sich Sir Samuel Montagu und gab folgende Erklärung: Mr. Beniwich hat mir bereits geschrieben, worauf I ich ihm geantwortet habe. Da ich weder vor ihm noch vor irgend einem anderen Herrn Angst habe, kam ich hierher, um: zu hören, was er noch zu sagen hätte. Ich finde aber, haß er nur feine schriftliche Frage wiederholen möchte, worauf ich ihm natürlich auch meine schriftliche Antwort würde wiederholen müssen!. Als er damit zu Ende war, verließ er den, Saal. Diese Woche erschien in dev Presse ein Briefchen von Claude Montefiore und N. S. Josephs, zwei geistigen Führern, der englischen! Judenheit, die ebenfalls auf dein Rot hschi löschen Brief, unterzeichnet waren, in welchem sie aussagen, daß die in der Depesche an Jakob Schiff in New Uork gemachte MiiteilmiH Sir Samuel Montagus auf Wahrheit beruhe, d. h. d a ß d i e B e k ä m p f n n g d e s Zionis m n s u N! d T e v riko r i a l i s - m u s wirklich „a u f d a s V e r l a n g e n der libe r a l >e n R e g i e r u n g" g e - s ch e h e n s e i. Die Leser werden sich erinnern, Daß dev Premierminister dieses Gerücht durch seinen Sekretär als e ineL ü g e erklären ließ. Die Frage ist mm, wer der Lügner sei, der M i - n i st e r p r ä s i d e u t oder der Kehill e- Politiker von P a r k L a n e? Wie Sie sehen, wird die Sache immer interessanter. Tie Aussage der Herren Moutefiore und Josephs ist durchaus nidjit als der Prolog dieser Tragikomödie zu betrachten. Anstaff sich zu klären wird die Handlung immer trüber und verwickelter. Diese kühne Aussage der genannten Herren st e m p e l t ja den Premier zu einem L ü g n e r. Mr. G r e e n b e r $ wird ihn zweifellos darauf aufmerksam machen. Es kommen noch sehr inteiressante Sachen ans Tageslicht. Wollen wir nur ein wenig Geduld haben. Wie Sie sehen-, hat> jedes Land sei ne „Marke". Sie in- Oesterreich Haben Dr. Emil B y k, wir in: England besitzen Sir Samuel M o n t a g u. Es darf aber nicht wundecnehmen, wenn diese Ma-Jofiß^Juden mit der» heiligsten Interessen unseres Volkes so skrupellos hemmwirtschaften. Sicht doch das' Volk passiv' zu und beweist mit keinem Worte seine« Unwillen, seine Empörung,. Und die Mauschels aller Länder kennen galt diese Eigenschaft ihrer „Glaübensgeuossen" und erlarrben! sich' alles rnögliche. Ich fürchte, die Worte des großen hebräischen Dichters Juda Lob Gordon. dürften nicht unwahr sein: fiyDK-oinininjxdj? *6 (Kein Volk sind wir, keine Gemeinde, sondern eine Herde.) Den Grausamkeiten der I m m i g r a - t i o n s b e a mi te n ivuvde noch immer feil* kräftiges Halt geboten. Die liberale Presse bringt noch immer tia-gaus, tagein. Fälle vor. und damit steht er auf dem Standpunkte des Kösener S. C., der die 'Israeliten von dem Eintritt in die Korps ausschließt. Der Kaiser unterhält sich eingehend und liebenswürdig mit Herrn Dr. Löwe-Stölping-Huldschirrsky, aber er ist gleichzeitig der oberste Kriegsherr, der noch niemals einem 'Israeliten gestattet hat, aktiver Offizier zu werden. Für das Judentum im allgemeinen sind glso diese Ehrungen einzelner ziemlich bedeutungslos, und die laue Art, mit der erst neulich -der Jüstizminister die Affäre des Vereines christlicher Referendare im Parlament behandelte, ist ein beredtes Zeugnis dafür, daß zunächst alles Leim alten bleiben wird. . Es ist außerordentlich amüsant, zu beobachten, wie dieser jüdischen Hofgemein'öe, die sich in den Dienst der kaiserlichen Kunftideale stellt, eine jüdische Fronde gegenübcrsteht. Das ist das mosaische Fähnlein, -das sich um den Klupp her Sezession gruppiert und neuerdings wieder für seine Zwecke die Manen Heinrich Heines mobilisiert hat. Diese Clique gibt die künstlerische Parole aus für all die Weiblein, hie im Berliner Westen an Halbbildung und Hysterie kranken — aber um den interkonfesstonellen Charakter zu wahren, prunkt sie mit den beiden literarischen Ghvengojim: Gerhärt Hanptmann und Richard Dehmel. Jede neue Ehrung von James Simon oder Geheiurrat Koppel Mrt ihr frische Anhänger zu. Denn der Wann aus der Viktoriastraße kann es auf den Tod nicht leiden, -lvenn der Nachbar aus der Tiergartenstraße mehvWrungen empfängt als er selber. Darum gibt es ganz kluge Leute, die es mit keiner Kartet verderben wollen, und sie spenden bereitwillig für das Kaiser Friedrich^Wnsenm und für Herrn Reinhard. Dieser lustige K-rieg wird wahrscheinlich so lange -währen, bis einst der deutschen Kunst der neue Messias ersteht, der wieder den rechten Weg weist und das große.Pub-likum^ aus feiner Lethargie aufrüttelt. Denn die Sezessionsclique, deren Obmänner sich durch einen direkten Draht mit der Unsterblichkeit verbunden 'wähnen, verfügt -doch nur über einen schwachen Heerbaum, der einen ganz geringen Bruchteil -des Volkes darstellt, und erst dann dürfte es sich zeigen, öb der sich so absurd geberdende Most unserer Zeit doch noch einen Wiein geben wird. Aiisstellmig im Verein zur Hebmg der Gewerbe. Am Ga ms tag -den 24. Februar Hielt der Verein eine Plenarpersammlun-g, vep bunden mit einer improvisierten A u s st e l l u n g ab. Der Saal war dicht gefüllt und alle Zuhörer waren sichtlich ob des Gesehenen und Gehörten voll des Lobes- Ueber die Ausstellung selbst folgt ein ausführlicher Bericht. Der Präsident B r o d eröffnete die Versammlung, die einzelnen Vereinsmitglieder sprachen zu ihren Objekten und sodann hielt Schriftsteller JaequeS I a e g e r einen glänzenden Vortrag „Üeber die geschäftlichen Verhältnisse in Amerika", der allgemeinen Beisafl fand. Ausstellung. i. Spielwarellfabri-kant Franz Frankl brachte ein« reiche Kollektion Wiener Spielzeug zur Ausstellung, welche er seinen für die diesjährige 'Leipziger Ostermesse bestimmten neuesten Mustern entnahun 'Mit berechtigter patriotischer Befr'ieöigung erfüllte uns der Nachweis in dem instruktivenVor-- tvage dieses Ausstellers, der auch Mitglied der Ausstellungskommifsion ist, daß Wien mit seinen durchwegs besseren, geradezu erstklassigen Spielwaren in bezug auf Geschmack und gediegener AusfÜhrllng Hervorragendes leistet und daß Wiener Spielwaren mit Vorliebe im Ausland« verlangt und g-ekarr.ft werden. Frankl hat sich 'durch seine 35jährige Tätigkeit auf dem Gebiete der Spielwarenindustrie und deren -Erportbeförderung Hohe Verdienste erworben und kann sich der Verein zur Hebung der Gowerbe nur freuen, einen, solchen wichtigen Mifh<- rater für gewerbliche Angelogenheiten in seinem Vorstarlde zu haben. 2. Die Firma B. B u ch Wald & C o. stellte sehr nett ausgeführte Gegenstände in Leder- Gakanterie und Bronze aus. 3. Die Firma Emauel Löwy, Uhrenerzenger, repräsentierte sich in einer überraschend glänzenden 'Weise. Nebst einer reichen Anzahl selbstverferttgter Pendeluhren mit reinem, kräjttgen Turmglockenton, rnodern stilgerechten Gehäusen, Standuhren aus Metall und Glas, war eine Uhr bis über 1 Meter Höhe ausgestellt, die nach Mitteilung seitens des Demvustrievenden in -dieser Ausführung und Größe das einzige t» Wien vorhandene Spezialstück ist. Auch die T a s ch e n u H r e u des Ausstellers sollen sich rvegen ihres exgkten -Ganges allgemeiner Belie'htheit erfxenen-. Die Firma besteht seit 26 Jahren. 4. Die bekannte Firma Michael Winkjlex und Sohn brachte eine Sammlung moderner Stockwerkstas«ln, Brie f e i n w st p f t, Tttrnummern usw. zur Ausstellung, und tp* üfMOHMrl Vfiaordlobi I 0«rueblosl Pollenz echte Reform-Sch weissblätter sind dielietten! lietierall eritl