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Nationalzeitung · 1906-03-02 · Heft 17 (2.3.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 17 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Nationalzeitung Sftite 5 Tunis eingereicht itn/b von dein Bericht erstatt-er Chaninet als mit Tatsachen operi-eren-dbezeichn-et worden-. Das Protektorat Frankreichs ist bekanntlich anno 18<S 1 proklainiert ivorven, und eine kleine JndewKolonie, noch unter dein italienischen Regime uu-t-or hem. Na-nien die „vorne sen" organisiert, bildete eine europäische Elite. Da-ge-gen traren die anderen Judennoch im Ghetto-Stil behaudelt. Sie zahltenkeine Abgaben, Untrbcm aber zu unentgeltlichen Diensteitim> öffentlichen Interesse gezwungen. Dieser haben sich die Livornesen aitgenommeit, so daß sie auch gute Schnlbiwnng besitzen! und sogar Ztll Stndieir als Arzt, Ingenieur nsw. i n Frankreich zngelasfen wordensind. Ader die Sittiation der Gesa-intheit ist schlecht. So sind, was Personen,stand, El)-eschlic-ßun>g, Familie, Erbschaft u. a. anbetrifft, unter Ausnahnte- Bestinnnnngen! eines eigenen! Tribunals, sonst aber unterstehensie, mich die Li-vornesen, dem Bey. Sie finden ke-inerlei Stütze m Paris, sie haben keinen Zutritt zu. irgend welcher öffentlichen Funktion-, sie sind in sozialer Hinsicht nicht als gleichberechtigt anerkannt, und auch im Stadtrat haben sie init Mühe einen- Vertreter. Es kann-, so erkennt der Berichterstatter Ehaninet an, eine Bestimmung über diese ungleiche Behändlttn-g nicht ansbleiben, bei denen, die darunter zu leiden herben. Ein-' gebildeter Mann kann» weder seine Frau noch seine Kinder -emanzipieren: lassen, er kann selber keine rrechtsgültig-en! H a udblchzc-sellschasteni gr-ünden oder da-ran teilireh-nren-, alles durch die G-esetzgcbung des Bey. Deshalb fo-ridern! die Livornesen und andere gebildete Juden, daß sieden französischen Gerichten! zngewi-esen werden. Dadurch würde auch das Rabbinats-Gericht ein-gchen, aber die muhammedanisch:en Höfe würdenentfciftet und hunderttausend Leute -erhielten! eine angemessene Nechtsprechnlnig. ' Die Ju-den forld-ern ferner, daß sie sich naturalisieren lassenkönnone In Frankreich ist nun dies selbstverständlich durch das Gesetz Crcmienx, undes. handelt sich darum-, o>b die Ju!d-en- Untertanen der Republik sind oder nicht. Und das wärenach den Ausführuinigen des genannten! Buchessehr nötig, denn sie sindjetzt rechtlos, die mnselmain-scheu Gerichte lassen ihren! Eidnichi zu, und die fran- Zöstscheu Tribunale nicht! einmal d-ie Personen-. Das Zeugnis eines Muselmannes ist ohne w-eiteres geeignet, deü! jüdischeii! Verleiher um sein Geld z-ubringen. -Es liegt -alsoim Interesse der Menschlichkeit unddes- Ansehens! der Republik, daßdiesem! offenen, Univechb ein Endo gemacht wird. Weuu auch di-e Inden nicht das Bürgerrecht erhalten!, sosollten, sie doch, nicht' vor- Unrecht schutzlos sein, sie tragen Lasten, unid Abgaben, Irr größeren Kriltusgemeinden wäre das Fest vielfach auch als Kinderfest begangen; die Kinder zögen mit Fähnchen Tj-eifuimi und erhielten- Geschenbe. Ans Grunddieser Bekmrdnngenerkannte das Gericht gegen- Hirsch aus kostenlose Freisprechung von der aus Begehung eines Roligionsvergchens lautenden- Anklage. Zangwills literarische Tätigkeit. Im Januarhefte des „Oentur^ Magazine" erscheint eine Erzählung von I. Zangwill: „Der jüdische Hamlet". Diese Erzählung bildet einen Teil einer größeren Serie, die unter dem Sammeltitel: „Ghettokomödisn" demnächst erscheinen sollen. Jawohl erscheinen sollen, denn er hat sich seinen Verlegern gegenüber zur Ablieferung der Manuskripte verpflichtet. Wie wir jedoch in einer der jüngsten Nummern der „Tribüne" lesen, ist weder sein Verleger Heinemann, noch sein amerikanischer M a c m i l e a n imstande von Zangwill das Manuskript herauszubekommen. Seitdem Zangwill die Territorialistische Organisation gegründet, hat er noch keine Zeile geschrieben, außer in Angelegenheit der Auch die obenerwähnte Erzählung im „Century Magazine" entstand noch vor Gründung der „Jto". Dasselbe Schicksal traf auch ein längst versprochenes Essaiwerk Zangwills: „JtalienischePhantasie n", wovon ein Teil schon vor zwei Jahren in »Harpers Magazine" erschiene« ist und noch seiner Vollendung harrt. sie sind ruhige Bürger, sie haben! unter der italienischen Herrschaft bessere Behandlung gehabt und sie berufensich lediglich ninr ans das Gesetz vom 29. Februar 1899, welches ihnen die Naturalisation: znsa-gt, wenn sich- Fremde (Von- Konfession- und Nation ist nichts g-esagt) drei Jahre aus französischem Boden ohne Anstoß ansgehalten. Geleg-enhei:, dein Staat zu dienen-, haben! sie nicht, n-nd obgleich sich viele z. B. für den- Militärdienst in der Okknpationstrnppe melbeu. Der Zusammenbruch des russischen Judentums. Bon Lehrer I. I. Braun, Radvinisol bei Kiew. Unsere Gla-nbens-genossen in; Rußland sind unter dem: aus ihueulastenden Drucke zusannnen gebrochen und sie sind nicht inehr in der Lage, allein ohne die Hilfe ihrer glücklichen Glanbensblüder in Westeuropa sich wieder anftnraffen. Dieselben! bewiesenallen, Verfolgungen gegenüber eine erstaunliche Widerstandskraft. Sie haben die Katastrophen von 1881 und 1891 zuerst verschmerzt, haben mitten ineiner schwereii, Verfolgung Zeit und Muße gefunden-, in- Palästinaeinen weitangelegtenn-nd vielve-rsprechenden Kolonisal ionsplan einzu-leiten-. Ja, sie haben es noch vor ganz kurzer' Zeit vermocht, auseigener Kraft it-nb fast ohne jede Hilfe des Auslandes ihre m Südrußla-nd hungernden Brüden zwei Jahre" hindurch so zu unterstützen:, daß sievor dein- Hnngertodei b-e-wah-rt blieben-. Jetzt mehren, sich nun in! dar letzten Zeit die Zeichen, welche" den bevorstehenden Zusammenbruch unserer. tapferen Brüder hier in Rußland verkünden. DieöKon-omische Lage der Indenin Rußland gibt eilt, schauerliches Bi'ld von der verheerenden Wirkung der jüngsten Krawalle. Die Arm,nt hier ist eine schrecken-erregende. Als untrüglicher Maßstab dieser Verarmung dienen d-i-e als- „Moes chitim" bekannten Spenden, welch-e jeder Jude kurz, vor dem! Passahseste zum Ankanse von Weizen, zu- Mazoth beanspruchen! darf. Jetzt schon, noch, vor dem Hamimanseiste, sind tausende Familien gemeldet, diediese Unterstützung in Anspruch n-eh-me-lt! müssen. Der Priozentfatz der der Unterstützung bedürftigen Ju-denist im Königreich Polen, wo die Inden auch! ' auf dem platten Lande wohnen und Grundbesitz sowohl pachtenwie kaufen dürfen-, weit gertnger, als im Ausiedlungsrayon, wo unsere un-glücklichen Gla-ubeinsbrüdi-r in ihrer Fmitzügs'gkeit viollständi-g gehemimit und durch das Zufam'menpfeichen ineine Anzahl Städte in ihrem Erwerb vollständig lahmgelegt werden. Dieser entsetzlichen Armutgegenüber haben.unsere tapferen! ru-fsischen Brüder in -echter Bruderliebe -eilt! efftmmkiches Hilfswerk organisiert, das ihnen die Bowlindernng aller edeldenkendenNtenschen eintrageu lnillß. Im g-enanitten Anfiedlnngsrayon, gibt es lveit über- 20 000 Wohltätigkeilsvereill-e, vo-lti denen allerdings nur 66 vo-ltden, Behörden bestätigt sind. Trotz dieser, beispiellosen: -Wohltätigkeit ist die Armnt in steter' Zn-lla-hni-e begri-fsen- und sie lvird lvohl nichtMher w-ieder abltehnt-en, als bis die Betmruhigung dev Gentiiier ini der Versenkuli>g Veffchlvinden werde. Scholem-Alejchem in Wien. Die „Jüdischen- Abende", Vo-rträge aus. der Literaturder ostjüdischeil, Sprache" fü-h'ren sich Heuer mit einer Darbietung ersten Rangeseitt-. S o ir n-1 ag d e u 4. M ä r z d. I. wird im B a l l s a a 1 -e R o! na. ch e >r, 1. Bez., Schelliltggasse, dev berü-h-iitte jüdische Dichter S ch o - l e m - A l -e j ch: e m. (S. RabiNolviz), ans Külv -eigene huniortsti-sche Skizzellverlesen-. Jtt -der Erwariung, -daß -die seltene Gelegenheit, den! heuvo'vra-gendeil! Kenner des Lelbons tmd der Seele dev Qestlichen zuhöreit, gerne benützt^ lvovdensind, laden wir zuin- Besteche dieser Borlestln>g ein« und hoffen ans zahlreiches Cafcheiileli. Begiiln präzise 9 Uhr abelrds- Das Komitee. Das RelNerträgttis fließt ei nein tvohltätigetr Zlvecke ztk. Preise dev Mätze: K 10, 6, 4, 3, 2, 1 lind 0.60. Vermischte Nachrichten. Wien. (Trauerfeicr.) Sonntag den 4. März, abends 6 Uhr, findet in der Vereinssynagoge des Bcthansvereines „Ehewra Beth-Hatfilah", 9. Bez., Er-ünetorgassc 13, eine Tralleran-dacht für die tm abgelail-fellen Jahve verstorbenen' Vereinsltt-itg-licder Max F l e i s che r, t k. Bau rat, Albert Pa n 1, Verth old S ch w i tz er, Dr. I. E. T r e ll - l i ch, Jakob S ch i l l e r, Ignatz P i ck, Dr. August T h a l b e r g, Em'anuel G r ü n f e l d und Frau Fanlti K a il n statt. Wien. (Rücktritt.) Wie rvir seinerzeit mitteilten, ist der Schauspieler Otto Oriente r in Znaim ans dem Juden tu rn ausgetreten. Laut dem uns vorgelegteu Bescheide Nr. 837 des Gemeindcrates Znaim ist nun genannter Otto O ri enter wieder znm Jndentnme zurückgetreten. Wien. (Zionistischer Franenverein.) Samstag den 3. d. Mts., 8 Uhr abends, findet im Kongretzbureau, 9. Bez., Dürkenstr. 9, die Generalversammlung -des zionistischen Frauenverein-es Wieri statt, bei -welcher Herr Dr. M. T. Schnir e r iiber das Thema: „Zionismus und T e r r i t o r i a l i s m n s" sprechen wird. Wien. (Pnrim-sest.) Montag, „Schulschan- Pnrtm", am 12. März l. I., um 7 Uhr: abends, veranstaltet der Bethausverein „Achwah-Weveuth- Freun'dfchafft und Brüderlichkeit im Hotel Pv'lonia, 2. Bezirk, Rotensterngasse 7a, ein- Pnrimfest unter M!it!lv-irkung der beliebten polniisch-jüd-ifchen 'Gefangs-ge-sell-schaft und sonstiger Künstlevkräste. Das Reinerträgn-is flietzt dem Wohltätigkeitsfonds des genannten Vereines zu. Wien. (Generalversammlung.) Samstag -den 3. März, abeltös 7 Uhr, findet im Zerem-oniensaale des Tempels, 9. Bez., Müllnerg. 21, die -ordentliche Gerieralversanlml.ung für das 39. Vereinssahr des israekit. B-ethaus-vereines „Chewra Beth-Hatfilah" statt: Tagesordnung: 1. Rechenscha-ftsberichk. 2. Nen!wahl von drei Mitgliedern in den Vorstand. 3. Neuwahl d-es Ausschusses. 4. Anträge und Interpellationen. Wien. („Chewra Kadisch-a".) Samstag den 3. März abends 7 Uhr, findet im Gemeindebethause. 1. Bez., SeiteUstettengasse, die di-esjäh-rige Tra-uerfeier für die im abgelaufenen Jahre Verstorbenen Mitglieder der „Che-wra K-adischa" statt. Wien. (Jüdische Toynbeehalle, 20. Bez., OH-- rnargasse 46.) W o ch e n p r o g r a m m : Samstag den 3. März: Konzert. Sonntag den 4.: lieber besonderes Ersuchen des Vorstandes: „Tausend urtd eine Nacht". Herr Schriftsteller Adolf Gelber. Montag ö-eti 6.: Bilder aus der Volkswirtischa-st. Herr -Leop-oild Spitzer. Dienstag den 6.: Literarischer Il-bend. Herr Dr. Leo Feld. Mittwoch den 7.: „Ueber erste Hilfe". Herr Dr. Samnely. Dontlerstag den 8.: „Neue Philosophie". Herr Dr. Bernhard Wachstem. Freitag den 9.: Bibelvortrag. -Samstag den 10.: Kon-z-ert. Durchbesondere Umstände veranlaßte dlenderungen Vorbehalten. Begitttt an Wochentagen halb 8 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertag 7 Uhr abends. — Samstag den 24. Februar fand in der Toynbeehalle -wohl einer der geltlngensten -Konzertabende statt. Herr Oberkantor Bela Guttmaun- Hatte nicht nur seine gr-otze Knn-st inden Dienst der guten Sache gestellt, sonderndas Arran-ge'ment des ganzen Abends iibern-oinmren. Er sowohl, als auch -die anderen Mitwirkenden, und z-war die Damen: Frl. Freistädt (Gesang), Frl. Birnbanm (Deklarnati-on) und Frl. Petschen-ig (Klavier) enrteten für die trefflichen Darbietungen stürmischen Beifall urtd mutzten: sich immer wieder zu Zugaben begnemerr. Men. (Bvtl-dernmhl der „Chewra Kadischa".) Die „Chelvra- Kad-ischa" in- Wienveranstaltet nach längerer Panso in 'diescrn! Jahre wieder ein B r u d -o r m-a h X, ivelchies am 18. März -d. I., 6 Uhr a-bends, im Sophiensaale (Restanranit Tonellv) sta-ttfinden lvi'vd. ^nr Teilnahtn-e -an dieser Feier sind gegen Entrichtung von- K 12.— ftir das Men-nmm Mit-glieder „Cchelvra Kadischa" berechtigt. Eineinallen Branche folgend, erfolgt bei diesem Anlässe die Anfnahme nen-er Mitglieder. Amneldri-ngen znm- Beitritte sowie zmi Teilnahme an dein Bru-dermahle sind dem! Bnirean der „Eh-owra Kadischa-", 1. Bez., Seitenstettenaasse 2, schriftlich bekannt zn gebeiii. Die M-itgliedor tverden effuch-t, ih-re Teilnahme an, dem- Brtiidermahle rechtzeitig anztnn-elden. JeJanflerFnarurechfes feinsl'es* aus frischer^^ Kokosnüssen? kVS'-P’E.l-St;

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