Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 17 (2.3.1906)
- Date
- 1906-03-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nationalzeitung Nr. 17 Der lit. Gefelligkeitsvereirr jüdischer Mädchen „Moria" veranstaltet Mittwoch den 14. März in den Verbandssälm, 6. Bez., Köuiqseggasse 10, eine Piminrfeier (Maskenredoute). Anfragen sind an die Präsidentin Frl. Ber'.a Hevrman n 8. Bez., Josefftädierftr. 0, zu richten^. „Jüdische Bereinigung" in Wie«. Mittwoch den 7. März findet in Guths Restaurant, präzise 8 Uchr abends, die Dereinsversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die nationale Gleichberechtigung der österreichischen' Juden. Referent: Schriftsteller Dr. Na tan Birnbaum (Mathias Acher). 2. Diskussion. Gäste willkonrmen! Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" veranstaltet Sonntag den 4. März einen literarischen Nachmütag, bei dem der bekannte Schriftsteller Herr H. Jakob Steiner feine neue Dichtung „Der verkaufte Kadifch" (Manuskript) zur Borlesung bringen wird. Beginn präzise halb 1 Uhr nachmittags im Kongreßsaale, 9. Bez., Tür'kenstraße 9. Gäste - herzlich willkominen. Essegg. ^Generalversammlung der jüdischen KuLtusgemeinde.) In der ersten Wühlerklasse wurde die amtliche Kandidatenliste per Aklamation angenommen. Der neuerdings wiedergewählte Kultusvorstand Dr. Hugo Spitzer dankte den Wählern für ihr Vertrauen und versprach auch weiterhin all seine Kräfte dem Judentum zu widmen. Auch der verstorbenen jiidischen Geisteshelden wurde gedacht, besonders Dr. Theodor H e r z l, wo alle Anwesenden (außer Heumer) tief ergriffen in den Ruf „Ehre ihm" eiustimmten. Im Namen der Gemeinde dankte schließlich Herr Redakteur Julius Pfeifer dem verdienstvollen Vorstände für sein mannhaftes Eintreten für Ehre und Recht des Judentums. Während der Wahlen für die zweite und dritte Wählerklasse -kam es zu riesigen Lärmfzenen, mit deren Konstatierung wir uns für diesmal begnügen. Deshalb sah sich der Vorsitzende genötigt, die Wahl auf den 4. März zu vertagen. S. Z. Teplitz-Schönau. Am 25. Februar, abends, verstarb hier plötzlich unser Gesinnungsgenosse Dr. med. Josef Weil. Mitten in Ausübung seines Berufes, vom Lager eines K-ran-ken weg, hat ihn der Tod geholt. Er war eine markante Persönlichkeit, gleich geschätzt und verehrt als Mensch wie als Arzt, gleich geachtet in der-Kultusgemeistde wie in der Stadtgemeinde. Von weit-' her kamen die leidenden Frauen zu ihm, und manches Leben hat er gerettet, lind er war ein guter Jude. Nichts Jüdisches war ihm fremd und als warmer und treuer Freund unserer Leute stand er in unseren Reihen. Der Schmerz in der Bevölkerung ist ein außerordentlicher und tausende Menschen strömten zu seinem Grabe. Wir Zionisten bewahren ihm ein herzliches, freundschaftliches und treues Andenken. Budapest. („Chewra Kadischa".) Das 111. Stiftungsfest der Bester „Chewra Kadischa" hat am 22. Februar im Tempel in der Rombach-utcza stattgefunden. Der festlich beleuchtete Tempel war in allen Räumen mit Andächtigen gefüllt. Von Seite des Heiligen Vereines und der Religionsgemeinde waren anwesend Präsident Jakob Boschan, Vizepräsident Eduard Flerschmann, Anwalt Dr. Franz Mezeri: die Vorstandsmitglieder Jakob Deutsch, I. M. Weiß, Moriz Lindenbaum. Dr. Emil Farkas, Dr. Salowon Eulenberg, Josef Brody, Arnold Kohn, Bcrlhold Herzmann, Jakob Eisler, Alexander Tsuk: Rabbiner Dr. Julius Fischer, Prof. Qberkantor Adolf Lazarus usw. Die Feierlichkeit begann und endete mit den Lobgesängen des Kantors Israel Tkacs, Rabbiner Moses Feldmann hielt eine weihevolle Rede, in der er die weittragende Bedeutung der umfassenden Wohltätigkeit der „Chewra Kadischa" schilderte und Gottes Segen auf die Leiter und Mitglieder dieses humanitären Vereins erflehte. Von der Czernowitzer Universität. Tie Fregnenz im Wintersemester 1905/06 weist aus: Theologen 94, und zwar ordentliche Hörer 84, außerordentliche Hörer 10; Juristen 875, und zwar ordentliche Hörer 340, außerordentliche Hörer 82, Hospitantinnen 8 Damen; Philosophen 22-9, und zwar ordentliche Hörer 140 (darunter 4 Damen), außerordentliche Hörer 64 (darunter 88 Damen), Pharmazeuten 16, Hospitanten 9. Ter Heimat nach gehörten nach der Bukowina 588, weiters nach Galizien 118, Niederösterreich 6, Oberösterreich 2, Böhmen 8, Mähren 8, Schlesien 2, Ungarn und Siebenbürgen 26, Bosnien 2, Rumänien 9, Großbritannien 1, Frankreich 1, Türkei 1, Bulgarien 8, zusammen 698. Der Muttersprache nach waren: deutsch 872, rumänisch 178, ruth-enisch 90, polnisch 25, tschechisch 4, serbisch 7, russisch 18, armenisch 8, bulgarisch 4, englisch 1, französisch 1, zusammen 698. Ter Religion nach waren: gr.-or. 229, arm.-or. 4, rvm.-kath. 92, gr.-kath. 48, arm.- kath. 8, ev. A.-K. 29, ev. H.-K. 1, mosaisch 287, zusammen 668. — Auch diese Zahlen beweisen, daß es die Inden sind, welche den deutschen Charakter unserer Universität geben. Bon 372 sind nicht weniger als 287 Juden, demnach nur 2 7 Prozent christliche Deutsche. Das mögen sich gewisse Ultradeutsche merken — aber auch, daß an der deutschen Hochschule die christlich-deutsche Frequentanten kaum!2 Prozent der Hauptsrequenz 'der Czernowitzer ui.ua matsr ausmachen. Eine hebräische Bibliothek. Aus Hamburg wird uns berichtet: Die L-ovysche Samminng bebräifcher Handschriften und alter Drucke ist ftir die hiesige S t a d t b i b l i o t h e k erworben worden. Die bisher in der Stadtbibliothek befindlichen hebräischen Handschriften und Texte entstammen zum größten Teile der Bibliothek des Conrad v. Ufsenbach in Frankfurt a. M. und danach dem Nachlaß des Pastors Unser in Herrenlauschutz. Sie wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erworben. Seither ist bis in die jüngste Zeit wenig Beträchtliches hinzu ge ko mmen. Die wertvollen Hamburger Sammlungen David -Oppenheimer und H. I. Michael wanderten, die eine 1829, die andere 1847, nach England. Die jetzt durch das Zusammenwirken des Staates, einer Stiftung und eines Maecens erworbene Sammlung enthalt 168 Handschriften und eine sehr große Zahl erster und seltener Drucke. Darunter befinden sich wertvolle Bib-elmannfk, ipte und Bibekkommentare, z. B. der Pentateuch-Kommentar Salowon Iizchakis von 1270. Die liturgischen Manuskripte enthalten die seltensten Riten, die teilweise nie gedruckt wurden: einzelne sind mit Miniaturen geschm'üctt. Die Proben, die wir in den alten Pergamenten sahen, entbehren nicht des künstlerischen Reizes. Die halachischen Werke der Sammlung sollen nach sachverständigem Urteil eine Fundgrube guter Lesarten bieten. Auch Schriften zur Kabbala, Mystik, Sprachsünde, Poesie, Medizin, Mathematik und Astronomie befinden sich in der Lomischen Sammlung irr reicher Zahl. Christlicher Jubilar einer Synagoge. Vorige Woche wurden es 25 Jahre, daß Prof. Schweida als Organist bei der Pester israelitischen Kultusgemeiude engagiert wurde. Schweida wurde im Jahre 1832 geboren lind war ein Schüler Franz Lißts. Er stammt aus Wien und erwarb sich in Budapest vermöge seiner großen musikalischen Bildung bald einen guten Namen. Von 1868 bis 1882 war er Chvrdirigent des Ofener Gesangvereins und Direktor der Ofener Musikakademie. Auch als Komponist tat er sich hervor. Die isr, Gemeinde hat Schweida anläßlich seines Jubiläums eine Gehaltserhöhung votiert; seine Kollegen überraschten ihn mit einer silbernen Lyra und die Beamten der Zentralkan-zlei der Kultnsgeweinde mit einem künstlerisch ausgestatteten Pokal. Ungarischer Landesrabbinerverein. In Ausführung eines im Vorjahre vom Transdanubischen Nabbinerverein gefaßten Beschlusses, einen Landes-Rabbinerverein zu gründen, wurden seinerzeit die bezüglichen Statuten dem Ministerium des Innern unterbreitet. Da die Statuten vorige Woche mit der Weisilng zurückgelangt waren,.an ihnen Modifikationen vorzunehmen, fand in Budapest in dieser Angelegenheit eine Versammln na statt, an'welcher teilnahmen die Rabbiner und Neligioltslehrer: Dr. Julius Fischer, Dr. Simon Hevefi, Dr. Arnold Kiss, Dr. Samuel Krauß, Dr. Isidor Engels'mann, Dr. Hermann Frisch, Dr. Moriz Blau, Dr. Ludwig Schreiber (Budapest), Dr. Samuel Klein (Becskerek), Dr. Kecskemeti (Nagyvarad), Dr. Adler (Hatvan), Dr. Kohn (Monor), Dr. Szid-on (Bersecz), Do. Mandl (Szigetvar), Dr. Sreinhech fSzekessehervar), Dr. Singer (Temesvar) und Dr. Neumann (Nagykanizsa). Nach einer eingehenden Debatte wurden die Modifizierungen vorgenom-men und schon in nächster Zeit werden die neuen Statuten an das Ministerium des Innern znriickgeleitet werden. Volkswirtschaftliches. K. k. priv. allstem, österr. Boden-Kreditanstalt. Zufolge Beschlusses dev außerordontlicheu Geuemlveisammluug vom' 6. Februar d. I. räumt die österr. BodemKrMt,anstatt den- Jwhaberu ihrer bestehenden Akilen-Intennischeine das B e z u g s r e ch t aus die neu zun Ausgabe gelan-genden, 30.000 Aktien! mit Dividniden- Berechtigung ab 1. Jänner 1906 zum Preise von' K 1000 pro Aktie zuzüglich 4 Prozent Zinsen ab 1. Jänner 1906 bis zum Zahlungstage in der Weise ein, daß auf je vier Interimscheine eine neue Aktie entfällt. Behufs Geltendmachung des Bezugsrechtes siu-d die Jmerimschoine im der Zeit v o m 27. F -e b u u a r b i s i rn k I. 12. Mär z b. I. bei sonstigem Verluste des Bezugsvechtes bei der Kassa, der österr. Boden-Kreditanstalt iu Wien, 1. Bez., Teinfaltstraße 8, zur Abstempelung einzureichen, und hierbei der Betrag vorn K 300 samt 4 Prozent Zinsen ab 1. Jänner 1906 zu erlegen'. Ge-geu Entrichtung des Restbetrages per K 700 pro Aktie samt 4 Prozent Zinsen vom- 1. Jänner d. I. werden! in der Zeit vom 26. April bis spätestens 30. Juni d. I. bei sonstigem! Verluste des V-ezugsrechtes und der erPen, Einzahlung die neuem Aktien, ausgefolgt. Zufolge weiterem Beschlusses der außerordentlicheu-Generalversammlung werden durch Uebertrag vorn K 12,000.000 von dem außerordentlichem Reservefonds B aus den, Aktion- Kap italkonto die bestehendem Aktien-Jntonimscheine liberierr und gegen mit K 300 voll eingezahlte definitive Aktien vom 16. Mai d. I. angefangen bei der Kassa 'der österr. Boden- Kreditanstalt umgetauscht. Die Dividende des Jahres 1906 wird nur gegen den an den definitiven Akti-m, haftenden Coupon ausbezahlt. Nähere Mitteilungen enthalten die ausführlichen' Kundmachungen, welche bei der österr. Boden-Kreditanstalt kostenlos erhältlich sind. Wien, Februar 1906. Eingesendet. um Heinrich Neugebauer cj—vormals Molnär jpap* Optiker -WS Wien, I. Schottengasse 8, Eckhaus Scbottenrlng. 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