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Nationalzeitung · 1906-02-23 · Heft 15 (23.2.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 15 (23.2.1906)
Date
1906-02-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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i\r. 15 Nationolzeitung Seite ö erlM, umib monatlich du-rchfchvittlich 300 Kroncu1 betragen, .^oft in seinem eigenen Geschäfte verwendet, so daß die armen Mädchen mitunter mehrere Wochen lang auf ihre sauer verdienten Groschen warten müssen, bis Herr Kor n Geld flüssig hat. Wir sind naiürlich nicht in der Lage, diese Auswürfe gegen eine Vertrauensperson des „Galizischen Hilfsvercincs" auf ihre Nichtigkeit zu prüfen. Wir bringen sie hiermit der VereinSllitnng zur Kenntnis, und zweifeln nicht daran, daß sie die Angelegenheit genau untersuchen, und nötigenfalls' die arman> Gorlizer Frauen und Mädchen von einer „Vertrauensperson" befreien wird, die die humane Absicht des „Hilfsvereines", Hilfe zu leisten, in so schnöder Weise illusorisch macht. Aus Teplitz. Am 17. d. M. feierte der Teplitzer Mädchenklub, welcher unausgesetzt für den Nativnaliicmds arbeitet, das Fest seines z'weifährigen Bestandes. Seine ganze Tätigkeit mar durch -die stille, bescheidene Inszenierung dieses glänzend verlaufenen Festes gekennzeichnet. Nicht anfdrmglicheNDttbskribiercn, Annoncieren oder Plakatieren, nur ^ie Mitteilung an die Mitglieder, an die nächsten A-igehörigen brachte einen wvhlgestillten Saul mir gediegenem Publikum, das nur aus Interesse für die gute Sache herangezogen wurde. Die Unterhaltung, die nur von den Klubmitgliedern — meistens 1 ^jährige Diädchen — geboten wurde, war über alle Erwartung gelungen und es wurde als besonderes Verdienst der Präsidentin Frau Professor Dr. Kurrein anerkannt, daß sie mit großem Geschick und Verständnis für jede Individualität die ihren Fähigkeiten angepatz^e Nolle fand und mit den Mädchen alles einstudterte nnd leitete. Eröffnet wurde das Fest mit Haydns Kinde rsinfo nie n. Der Prolog wurde von Frl. Karola L ö w r reizend gesprvchen. Die Niusik, vor: allen musikalischen Mitgliedern ausge'führt, erfreute durch präzise und geschmackvolle Aufführung. Ein Vortrag des Frl. A b e l e s, getragen von echt jüdischem Geist und tiefer Empfindung, bewegte mächtig alle Zuhörer. Frl. Heda Stern brachte in zwei herrlichen Liedern ihre schöne frische Stimme vorteilhaft zur Geltung und erntete reichen Beifall. Ein kleiner Schwank kain für die nicht musikalischen Mitglieder an die Reihe und nnterstlitzt von dem gelungenen Spiel des Herrn L ö w y und des Herrn K a r p e l e s trug nicht wenig zur Heiterkeit des Abends bei. Die Damen Frl. Kusiner, Löwi, Hirsch, Getreuer, Abeles M, und Abeles A. spielten ihre Rollen mit Verve und Geschick. Nun kam ein lieber Gast, Fräulein Fleischer, die sich stets ohne viele Bitten und Künstlerfaxen in den Dienst des Mädchenkkubs stellte, und führte mit herrlich geschulter Stimme zwei schöne Lieder künstlerisch vollendet aus, welche ihr so viele Hervorrufe brachten, daß sie sich zu einer gelungenen Zugabe entschloß. Würdig reihte sich daran ein Vortrag des Frl. Aronheim, der das ganze Pn-blikum begeisterte und infolgedessen durch eine Zugabe ergänzt wurde. Nun tarn die Piece de resistance, eine komische Gesangsszene „Die Nachbarinnen" von Frl. Hedwig Müller und Fritzi Landesman» vorgetragen. DerMfekt war ein endloser Jubel. Ten Schluß bildete ein lustiger Einakter, „Der Markttag zu Klatschenbausen", von den Damen Frl. Flüsser, Abeles, Weingarten, Freund, Abeles M., Getreuer, Simon und Weigner ausgeführt. Da war alles so lebenstreu, so frisch, so heiter wiedergegeben, daß nur eine Stimme im Saale herrschte, es sei schwer zu bestimmen, wer nnd was am besten gefallen hat. Trotz des kleinen Entrees imö der nicht wenigen Auslagen wird ein. namhafter Ueberschntz für den Nationalfonds bleiben. Zum Schluß wurde die Präsidentin Frau Professor Dr. Kurrein gerufen. Sie dankte in schlichten, einfachen Worten den Güsten für ihr zahlreiches Erscheinen und bat, bei ferneren Veranstaltungen in gleicher Weise dem Klub die Sympathien zn bezeigen und schloß mit dem Wunsche, in den jeder mit Herz und Hand einstimmte: DerNationalfonds wachse und gedeihe nnd führe zu dem ersehnten glücklichen Ziel, nach Zion! Der Abend kann in jeder Beziehung als gelungen bezeichnet werden. Aus Kroatien. Hier stehen, die Lanütagswahlen vor der .Tür. Alle Pakteten ent fallen eine sieberhaste Tätigkeit, um ja michr Mandate für den Landtag zuerhaschen. Bekanntlich ist jetzt n u r ein j ü d i s ch e r A bg e o r d ir e t e r i m kroatis ch e n L a n d t a g, Mitglied der Reg'ierungspackei, Dr. Ludwig S ch w a i tz. Diesmal sind die Aussichten günstiger. Der allgemein geschätzte Gemeinderat und Advokat Dr. Hugo Spitzer (Zionist) wird nach einer Meldung des „Agramer Tagblatt" in Valpovo (Slawonien) als Kandidat der Nationalpartei austreten und ist seine Wahl gesichert. In Essegg selbst dürfte eszu einem heftigen Wahlkampfe kommen, da dein Juden, Bankier Oskar Weißmayer, Kandidat der Nauonalpartei, ein ebenbürtiger Gegner in dem, Kandidaten der vereinigten, Opposition, Protonotar H o rv a t, gegenüberstehen wird. Beide Kandidaten erfreuen sich trotz ihrer jüdischen Gesinnung allgemein,er Belieb'! heit und stehen! an Patriotismus nickt nur keinem, jüdischen Assimilanten, sondern auch keinem arischen Patrioten nach. Dr. Hugo Spitzer gibt hipr ein „Essegger Wochenblatt" („Osjecki tjednik") heraus. Unerklärlich, ist es, warum Dr. Spitzer „zidovi" („Juden") schreibt, und nicht „Zidovi", trotzdem Völkernamen mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben werden. Sonst schreibt die ganze kroatische Presse „Zidovi", wodurch sie unsere jüdische Nationalität anerkennt. Ueberhaupt gebührt der kroatischen Presse Dank für die Verbreitung des Zionismus in Kroatien- Slawonien. Besonders zionistenfrenndlich^ ist das Organ der vereinigten slawonisch!en> Opposition „Narodna Obrana" („Volksweht") in Essegg undi das nnMMgige freisinirige Tagblatl „Novi List" in Fiume. Das ist besonders hervorzu heben, weil Die meisten jüdischen Wähler gewöhnlich für die Regienm-gspartei stimmen. Die persönliche Ueberzerigung eines jeden einzelnen Mannes wird respektiert. Seitdem unsere „Israeliten" Inden sind, genießen sie viel mehr Achtung. Herr Suvplent Heu m e r in Esse g g, über dessen Helden taten in diesem Blatte bereits berichte! wurde, hat sich noch immer nicht erholt. Sein Zustand ist: höchstgradi-gc .Nervosität. Es steht das schlimmste zu befürchten. Deshalb darf man es ihm nicht verargen,, wenn er manchmal etwas unverantwortliches tut. Wer famt, es ihm übel nehmen, daß er schon 5 Wochen nicht znm Slu-denien-Gottesdienst kommt. Bei dieser Kälte! Der Mensch wird sich doch nicht für 100 Kronen ruinieren. Das erste ist Gesundheit. Ta unsere Synagoge nicht geheizt wird' und' Lehrer Heumner fite die Gesundheit seiner Schüler besorgt war, sagte er ihnen, als sie schon vollzählig im DompÄ versammelt waren, sie mögen nach Hause gehen. Es war wirklich nicht schön, daß sich viele Mittelschüler diesem Befehl widersetzlen, und — blieben. Ja, als Heumer mit seinen Getreuen. abzog, wurde er noch mit Entrüstungsrufen überschüttet. Ist es nicht geradezu schrecklich, so verkannt zn werden? Unsere Mittelschüler haben gezeigt, daß sie keinen Heumer zum Aufseher brauchen. Den ersten Samslag konnte der Gottesdienst in Anwesenheit von hundert bewußten Mittelschülern, abgehalten werden in größter Ordnung, zum ersten Male o h n e — H et u, m> e r. S. Z. Czernowitzer Brief. lTie jüdischen Intellektuellen. — Ei« jüdisches Nationalhans. — Russische Pogromflüchtlinge. — Ein jüdischnationaler Frauennnd Mädchenoerein. — Die Poale-Zionisten.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie wundern sich darüder, daß ich Io lange Zeit hindurch nichts berichtet habe. Das Stillschweigen war nicht unbegründet. Es schien mir angemessener, über so manches in der letzten Zeit Vvrgefallene den Mantel der Nächstenliebe zu breiten und der hiesigen Lokalpresse, die auch in jüdischen Fragen manchmal Bescheid weiß, es zu überlassen, die schmutzige Wäsche der Parteien allein auszuLochen. Hierbei kam es auch, daß unsere jüdischen Intellektuellen, von denen in diesen Blättern, dem seinerzeitigen ,^üd. Volksblatt" so oft die Rede war, gelegentlich der jüdischen Wahlrechtsböwegung um die wohlverdiente Abfertigung kämen. Man mutzte sich einfach schämen, diese Herren, die übrigens an Stammtischen zumeist ihre Weisheit auskramten, zu widerlegen. Denn die Angriffe dieser jüdischen Intellektuellen, ihre Argumente gegen die jüdische Autonomie, jüdische Wah Kurien, us-w., waren Zuckerbüötchen gegen die „Ansichten", die einzelne, angeblich Jüdischnationale. „treue Söhne ihres Volkes", hier in dem alten, wurde noch ein blaues- Felo angebracht, in dem ein goldenes Mogeu, David glänzte. Im, übrigen kam er sich wie ein Held vor, von dem, jeder sprach und der konsequent genug gewesen, um, große Opfer zu bringen. Er war sehr zufrieden mit sich selbst und stolz auf seine königliche Herkunft. .Nur der Gedanke an, jenen Verlobnngsabend halte noch in einer einen, bitteren' Beigeschmack für ihn. Selbst seine Aufgeblähitheit ließ ihn nicht ganz verkennen, welche, Nolle er an jenem Abend dein schlauen alten Herrn gegenüber gespielt hatte. „Es war doch eine, ganz gemeine Ueberrumplung," sagte ec eimnial zu ihm, halb im Spaß, halb böse. Jetzt war, er wenigstens klug genug, ante Miene zum bösen, Spiel zu, machen. t Am Hochzeitsmorgen nahm, Joseph Abschied vom Himerstübchen, in, der Kerepesi-ut, in der er so lange mit seinem, Großvater gehaust. Der Alte wollte dort lveiter bleiben- ,da hals kein Zureden. „Wo anders könnte ich gar nicht lernen," - sagte er. Noch einen langen Blick warf Joseph umher, als wolle er sich Bild ins Gedächtnis! einprägen. Dann bat er den, Großvater tun : seinen Segen. Schließlich wendete er sich zum! Gehen., schon halte er die Türe halb geöffnet, s da drehte er sichnoch einmal herum. „Noch eine letzte Frage, Großvätercheu," sagte e,r. „Nu, mein Sohn?" „Aber nicht bös werden!" „Ist das nieine Art, mein Sohn,?" „Gewiß nich-t. Verzeih, Großvater. Ich wollte dichnur fragen, ob — ob — das — das gefundene Manuskript auch, — ob es echt ist?" Der Alte lächelte milde. „Die Frage habe ich erwartet, mein Kind. Doch sag, Hab' ich Wort gehalten,? Hab' ich dich glücklich gemacht mit Gottes Hilfe? Bist du glücklich! heute? „So glücklich, wie nur ein Mensch sein kann, Großvater." „Dann bleib' weiter so und frag' keine! Fragen. Jeworechecho adonaj wejischmerecho!" I Und sanft drängte er feinen! Enkel zur Tür ' hinaus und schloß sie hinter ihm. Dann, ging er an seinen, Tisch zurück und setzte sich. Einen Augenblick schweiße sein Blick zum Fenster hinaus, auf den öden, finsteren Hof, in den nie ein Sonnenstrahl hineinfiel. Leicht seufzte er a-uf. Dann beugte er sich über seinen Folianten und lernte Weiler. . En de. Der Jude in Heine. Es Hat mir Vergnügen' bereitet, die Feftartikel der deutschen Blätter zn Ehren Heines von einem bestimmten -Gesichtspunkte ans zu studieren. „Wie finden sich die FestartMer mit Heine, dem Juden, ab?" Diese Frage schwebte mir wr„ wennich diese dlb'handlnngen öurchlas. Da fiel mir zunächst eines auf: Je jüdischer das betreffende Wlatt war, d. h. je mehr es zur Kategorie der sogenannten „Judenb-lütter" zählte, desto ängstlicher drückte es sich um den Juden in Heine herum, desto mehr versuchte es, fein Deutschtum zu retten. Hier einige recht interessante Proben: Unter dem Titel „Heines Tragik" schreibt Dr. H. F r i e d e m a n n - Berlin im Feuilleton der „Franks. Ztg.": „Nicht zwei Weltanschauungen ringen in Heine,' sondern fein lebensbejahender Glaube gräbt die Wurzeln seiner Persönlichkeit ab. 'Daß er das weitz und empfindet, trennt thn tiefer von dem ^hellenischen" Menschen seiner Sehnsucht, als jede Kluft der Kulturverschiedenheit. Alle kokette Absichtlichkeit seiner feinen Morbidezza täuscht nicht über das letztgültig Lebensschivache seiner Komplexion. Physische Eigenschaften des kränklichen, früh von nervösen Kopfschmerzen heimgesnchten Mannes drücken sich in geistigen Wertungen aus. Er, der hellenische Gesundheit preist, hatzt die „pöbelhaft rotbäckige" 9robnstheit mit dem instinktiven Hasse des Kulturleidenden. Sein Geist, der in Zukunstsblldern von letzten Harmonien träumt, funkelt nur auf den Bruchflüchen des Empfindens. Er ist mit Gemüt und Nerven Jude, Ehrist und Romantiker,' moderner Skeptiker mit dem Ver- KKEBSflPOTtlCKC 5. niTTeLMCH valsam. i o Hausmittel — wird nach wia vor nach den bew&brfen Wien, I , noner m&rkt Nr. O Vorschriften erzeugt. ♦ (Palais Sina) im Zentrum dor Stadt. ♦ Preis 1 Fläschchen 20 Heil r. Die „Nationalzeitung“ erscheint wöchentlich 2mal und kostet vierteljährig K 3.

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