Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 15 (23.2.1906)
- Date
- 1906-02-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die „Nationalzeitung“ ist das beste und billigste Insertionsblatt. — Verlangen Sie unseren Spezialtarif! Seite 2 Nr. 15 Nationalzeitung richtig verstehen, er das schönste und wertvollste Zeichen der Anerkennung seiner bisherigen Tätigkeit darin erblicken würde, daß die gesamte Judenheit Oesterreichs die Situation erfasse und sich emporschwinge zu jener politischen Höhe, auf welcher ein nationalbewußtes Volk stets stehen muß, wenn es nicht einzelnen Geschäftspolitikern ausgeliefert sein will. Ei« Dankschrei-e« -er Ruthenev an eine« jüdischen Bürgermeister. In der vorigen! .Nummer berichteten wir über den Verlauf der großen ruthenischeu Baneruversammlung in Zawolvw in Angelegenheit Ddn D-ahlmsorm. In Dem Berichte wurde auch -erwähnt, daß der Dortige jüdische Bürgermeister Moses Sonnens ch e i n zum Vorsitzenden Dieser Versammlung erwählt wurde. Nun versende! das rutheuische Komitee folgendes offenes TUnkschrciben an Herrn Moses Sonnenschein, um dessen Veröffentlichung wir ersucht werden: „Im Namen des Versaminlungslörn'itees von Zawolow drücken wir unserem Bürgermeister, Herrn Moses S o n n e n s ch e i n unfern Tank ans, der unter großen! Schwürt gkeiten die Abhaltung eines rutheni schon Meetings durchsetzte. Die Versammlung fand am 4.Fobruar 1906 unter freiem Himmel statt. An der Versammlung, nahmen 6000 Lauern teil. Der BürgermeisterHerr M. S o n n e n s ch e i n wurde einstimmig zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt. Hierauf eröffneie dev Vorsitzende die Versammlung in ruthenischer Sprache. In seiner Rede bewies unser Bürgermeister, daß er mit den Ruthonen fühlt und rhw Wünsche versteht. Die ganze Versammlung spricht hierfür dem Bürgermeister auf diesem Wege ihren Tank ans, und versichert ihn ihres besonderen.Vertrauens. Im Namen des Verfammlungskomitees: Nikolai Goich. Ambros Murowsky. Kultnsleben i« einer mährischen Stadt. iS. Nr. 5, 8, 9, 10. 11 u. 18 der Nat.-Zta.) Das neueste von unserem Zar. Wir haben in einer Reihe von Artikeln das selbstherrliche Vorgehen des Kultusvorstehers von Nikolsburg eingehend beleuchtet. Ein Stückchen, das sich selber dieser Tage leistete, ist auch erzählenswert. Eines der Ausschußmitglieder (eilt Ersatzmann), das sich nicht zum Mameluken des Knliusvvrstehers hcrabwürdigen ließ und dem Kultusvorsteher schon öfter das Sündenregister als solcher vorhielt, ha! sich wie selbstverständlich die Ungnade Desselben zugezogon, Dieses Mitglied sollte unschädlich gemacht werden. Wie nun dieses am besten zuwege bringen? Man versuchte es, im guten uitiD bösen einen Einfluß auf Dieses Mitglied auszuübcn, aber cs nützte kein Schmeicheln und kciu Drohen, und es ist doch so unangenehm, die leidige Wahrheit bei jederGelegenheit hören zu müssen, wenn man bis jetzt ungestört, umschmeichelt von seinen! Mameluken seinen selbstherrlichen Gelüsten fröhnen konnte. Da kain wahrscheinlich jemand auf das einfache Mittel, die Opposition sich vom Leibe zu halten, , man ladet einfach die Opposition zu keiner Ausschnßsitzung mehr ein und der Friede ist gerettet. Das Statut schreib! freilich vor, daß, falls eine Sitzung nicht beschlußfähig ist, eine zweite mit Zuziehung aller Ersatzmänner anzuordneii ist, aber wer künrmert sich bei uns um. Statuten. Und so geschah es: Widerspenstige Mitglieder werden einfach zu den Sitzungen nicht mehr zugezogcn, das Volk hat das Maul zu halten und damil basta. Wahrlich ein gutes Rezept für die Vorsitzenden! in den diversen Körperschaften. Welch herrliches Leben würden bei Anwendung dieses Rezeptes unsere Minister im Parlamente führen. Welch' idyllische Ruhe würde allerorts herrschen. Leider, leider wachsen aber die Bäume nicht in den Himmel und so behagt es unserem Kultusvorsteher nicht mehr so wie früher auf seinem kurul i scheu! Stuhle. Es geht halt doch nicht mehr so wie früher. Das Volk lern: denken', und das ist nicht gut, die Kanaille will nicht mehr so unbedingt gehorchen. Unser Kultusvorstcher erwägt seinen Rücktritt. Man spricht allerorts davon. Die einen meinen, es ist nichts ernstes daran, die anderen äußern Hogar. infolange die Kultusgemeinde nicht ganz im Sande steckt, so lange noch irgend welche Fonds vorhanden sind, welche man zu den Kultusausgaben heranziebeil kann, insolange gibt es keinen Rücktritt, die dritten, die Speichellecker, scherwenzeln und schmeicheln um den Kultusvorstcher und Oitteiv: Lieber Herr, nur jetzt verlassen Sie rms nicht, was sollen wir arme Hascherln ohne Sie beginnen; wir haben doch immer unbedingt gehorcht und versprechen auch weiter recht( folgsam zu bleiben!. Wir aber sagen : Gott sei Dank, daß uns endlich einmal die Erlösung winkt. S. K. Mißbrauch mit dem Gelbe des »Gattzischen Hilssberei«es"? Der „Hilfsverein für die notleidenden Juden in Galizion!", dessen Sitz in Wien ist, hat durch Schaffung von Arbeitsrmd Erwerbsgelegenheit schonviele arme jüdische Familien in Galizien vor der bittersten Not gerettet. Besonders wichtig erscheint die segensreiche Tätigkeit des Hilfsvereines, wenn mau bedenkt, daß die verschiedenen Zlveige d"r Heinrarbeit, welche er in Dorr von Iudon Diä>t bewohnten Slädten eingeführt hat, hauptsächlich den jüdischen arnwn Mädchen' anständigen Erwerb sichern, rmd diese den, Verlockmrgen des Lasters am meisten ausgesetzten Geschöpfe zu nützlicher Beschäftigung heranziehen.. So hat der Galizifche Hilfsverein vor einigen! Jahren auch in Görlitz einen- Kurs für Maschinenstrickerei und Stickerei eingesührt. Die Wiener Zentrale sendet vorn Zeit zu Zeit das nötige Arbeitsmaterial nach Görlitz, woselbst eine Veckranenspcrson die Arbeit an die Schützlinge verteilt. Am Ende einer jeden Woche wird die fertige Arbeit in die Zentrale nach Wien geschickt, die dann die entsprechenden Löhne durch die Vertraueitspersoil an die einzelnen Arbeiterinnen zur Verteilung gelangen läßt. Auf diese Weise gelangten ungefähr sechzig arme jüdische Mädchen in Görlitz zu verhältnismäßig einträglicher Beschäftigung. Es scheint jedoch,— wenn Die Mitteilungen eines Gorlitzer Berichtes an den Krakauer „Jud" den- Tatsachen entspricht — daß der „Hilfsverein" inbezug auf seine Gorlizer Vertrauensperson einen Mißgriff gemacht hat. Nach diesem Berichte gilt der reiche Gorlizer Kaufmann H. K o r n als die Bertranensperson der Wiener Zentrale des Hilfsv-ereiires. Herr K o r n soll nun sowohl bei der Verteilung des Arbeitsmaterials als auch bei der Geldmanipulationnicht ganz korrekt Vorgehen. Es wird ihm u. a. vorgoworfen, daß er bei Verteilung der Arbeit seine eigene Tochter, die ebenfalls zu den« Arbciterinmin! des Hilfsvereines gehört, zmn Nachteile der übrigen, wirklich bedürftigen Mädchen, bevorzuge. Ferner soll Herr K o r n, dieser Mitteilung zufolge bei Auszahlung ihrer Wochenlöhne 6—8, bei Dorfmädchen sogar 1 Iprozentlge Abzüge machen, abgesehen davon, daß diese eigentümliche Vertraueluisperson das für die Arbeit vorgestreckte Material denannen Mädchen bedeutend teurer berechnet, als es seitens des Hilfsvereinesin Rechnung gebrächt wird. Es soll auch häufig vorgekolmnen sein, daß Herr K o r n die Arbeitslöhne, die er aus Wien zur Auszahlung an die Heimarbeilerinueu Immer langsamer, zögernder, verwunderter waren die Laute über Josephs Lippen gekommen; immer verdutzter hatte Ludanyi dreingeschaut. Moria hatte nach Dein vierten Buchstaben zu schvcibe'N aufgehört. Ihre Tränen waren plötzlich vqvsiegt. Und jetzt, nachdem Joseph stammelnd den letzten Buchstaben ausgesprochen, herrschte Grabesstille iiit Zimmer. Wie dämlich sah man sich gegenfertig an, der einzige Mensch, der seine Fassung behalten hatte, war der Großvater. _ „Herr Graf," sagte er schließlich, ,,^ie haben das Recht, das Mögen David, den sechseckigen Stern der jüdischen Chazarenkönige, in Ihrem Wappen zu tragen. Ein sehr alter Adel, Herr Graf — und ein jüdischer! Und Joseph ist gewiß von altem Adel, Herr Graf! Denn jeder Jude stanunt von Abraham, und Abraham ist von Gott selbst geadelt! Also, wo wäre die Mesalliance, Herr Graf?!" Dann, einer plötzlichen Eingebung folgend, sagte er: „Na also, Hab' ich nicht, recht, Herr- Graf? — Küß! euch doch, Kinder!" Die „Kinder" ließen sich das nicht zweimal sagen, sondern stürzten! aufeinander zu. sich seng in die Arme schlichend. „Da soll doch gleich ein, Himmeldonner Wetter —" Der Großvater trat dem Grafen ernst entgegen. „Warmn, Herr Graf? Gegen- Joseph haben Sie nichts, ich weiß es. Amisemil können Sie doch nicht mehr sein mit einem Mögen David in Ihrem Wappen- Lassen Sie doch die Menschen glücklich werden!" Dabei sah er dom Grafen mit seinen leuchtendenblauen Augen so ins Gesicht, daß deinganz wunderlich zumute wmde. und er sich von dem (Großvater widerstandslos in den, Sessel zurückdrücken ließ. „Das ist ja aber rein zum toll werden," murmelte Ludanyi, mit der Hand nach der Stirne greifend. „Und das Wappen vererbt sich auf den Schwiegersohn. Ein Adel von kaiserlich byzantinischer, königlich chaz arischer Abstammung, ist der nicht alt genug? Und wie werden Sw beneidet werden um den Stern," murmelte der Alte, dietveil die „Kinder" sich seeleu vergnügt herzten und küßten und gar nicht begreifen konnten, wie alles gekommen war. „Unsinn," murmelte indessen Ludanyi, „was mir daran liegt! Aber sehen Sie die Johren, Großvater! Nun ist ja doch alles vorbei. Jetzt haben sie sich ja schon«!" Einige Tage später erhielt der Vorsitzende des Antisemitischen! Vereines zu, Budapest eine Zuschrift, die ihm dm Atem benahm. Graf Ludanyi teilte darin den, Austritt aus der Partei mit und zwar, well er als echter Patriot nicht anders handeln könne. Während feiner magyarischen Forschungen habe er gefunden, daß es gerade jüdische Feldherren' waren, die Edelsten unter den Magyaren, die das Volk zum Aufblühen und Gedeihen! gebracht haben-. Er selbst sei ein Nachkomme eines solchen Mannes, der die Tochter eines jüdischen Königs zur. Frau gehabt habe. Alles dies sei dokumentarisch erwiesen, und unter den Umstäuden könne er vielleicht! die Nachkormneu seiner eigenen Vorfahrenbekämpfen. Dies liege ihm fern. Er habe auch in letzter Zeit zum ersten- Male „wirkliche Juden" wirklich kennen gelernt und dabei sei ihm die Erkenntnis gekommen, „wie fad diese würze Mode sei", zugleich wie nngerechi rmd schädlich. Deshalb beabsichtige er, sie von Tag an nicht zu bekämpfen usw- Der Uebertritt der einzigen Tochter des einstigen Anbi[cmitenhäuptilings Ludauyi zum Judentum und ihre sich daran knüpfende Heirat mit einem armicn jüdischen Philologen erregte ungeheures Aufsehen! in Budapest. Man mrmkelt-o allerlei von Betrug und Vorspiegelung falscher Tatsachen rmd jesuitischen Judenkniffen, aber niemand wagte ein Wort in Gegenwart der beteiligten Personen. Ludanyi ließ sein Wappen mnändern; oben über ViiohbarI •■••erdicht | 0«r««hloa I Reform-$cb weissblätter