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Nationalzeitung · 1906-02-16 · Heft 13 (16.2.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 13 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Nationolzeitung Seite 3 Untersuchung dieses Falles seitens der galizischen Behörden einleiten zu lassen?" „2. Was gedenken Eure Exzellenz zu tun, damit in Zukunft ein großer Teil der Bevölkerung von solchen ungerechtfertigten Schikanierungen seitens der politischen Behörden verschont bleibe?" Choc Aug. Sehnal I. Getny Dr. Kos Jaworski Dr. Sobotka Bojko Romanczuk E. Breiter Dr. Straucher Kubik Krempa Holansky Fresl Dr. Baxa M. Olszewski Klo sw'. Die Ehrenstellen des Dr. Byk. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrte Redaktion! Mit Bezug auf den Artikel „Galiziana" iu Nr. 12 der „National-Zeitung" vom 13. d. bitten wir zur gefälligen Kenntnis zu nehmen, daß Herr Dr. Emil Byk nicht Vizepräsident der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" ist und auch niemals dem Vorstande dieser Korporation angehört hat. Mit vorzüglicher Hochachtung „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" Der Sekretär: Siegfried Fleischer. Die Inden und die mährische Wahlresorm.*) Zur Erörterung der Trage, welche Stellung «die Juden zur mährischen Wahlresorm einnehmeu sotten, ist es notwendig, die Frage zu lösen, ob dieselben einer der in Mähren seßhaften beiden arischen Stationen angehöre" oder nicht. Die arische»' Zlationen selbst, und zwar iu ttnserenr Belange die deutsche und tschechische, sind wohl darüber im Klaren, daß die Juden weder Deutsche noch Tschechen, sondern eben Juden und nur Juden sind. Die bisherigen jüdischen Führer sind wofentlich ariderer Meinung. Sie halten in Mähre n z. B. die Juden ohne Ausnahme — und auch die, die sich in den tschechi- *) Dieser Artikel ist in der in Ung.-Hradiich erscheinenden „Slvvacke Novinn" am 10. d. :Df. in tschechischer Sprache erschienen. Der Verfasser des Artikels hatte die LiebenAwnrdigkeit, den Artikel für unser Blatt selbst ins Deutsche zu übertragen. ANm. d. Red. schen Kataster eintragen wollen — als Deutsche inosaischer Konfessivn. Die Kleinigkeit, daß sie selbst keine Konfession, also am allerwenigsten die rnosaische haben, stört sie dabei nicht. Daß die Juden, als sie nach der Zerstörung Jevusalems in die europäische Diaspora gingen, eine Nation lvaren, werden vielleicht selbst die Juden nicht bestreiten. Daß sie durch die ganze Zeit der Diaspora und auch noch nach den modernen Ehegesctzgebungen — wenn auch hie und da ein getaufter Jude mit einer getauften Jüdin oder eine getaufte Jüdin mit einem nicht getauften J!nden eine christliche oder eine gemischte Ehe schließen — mit den arischen Völkerschaften kein Konnubium hatten und haben — sagen wir, weil es die arischen Völker nicht 'vollen, denn die entarteten Inden wären längst eitel genug daizu, sich auch in diesem Belange 'herauszubiedern — wird kein ernster Mensch bestreiten können. Da sich also nichts geändert hat, so sind die Inden heute ebenso eine Nation wie sie es vor 2000 Jahren waren. Bon den Inden gilt der Satz, den Tacitns in seiner Germania von den Germanen sagt: Sunt, enim tamquam sinrera atq'ie immixta natio. Es scheint hier bei denen, die noch über diese Frage Zweifel hegen 'vollen, eine große Begriffsverwirrung in bezug ans Staatsangehörigkeit und nationale Gerneinschaft vorzuliegen. Wer von deutschen, französischen, englischen, holländischen, italienischen u'sw. Juden spricht, der rneint Inden, die in diesen Neichen StaatsbÄrgerschast genießen. In Reichen wie Oesterreich, die Schweiz, Nordamerika n. a. mit national gemischter Bevölkerung gibt es wohl österreichische, schweizerische, nordamerikanische, nicht aber deutsche, französische, böhmische, slowenische, kroatische, italienische, mthenische, polnische, englische usrv. Inden. Um noch den Schwindel mit dein Mangel der Sprache abzntnn — ich! wiederhole gegen Inden, denn die Arier sind ehrlich genug, uns für Juden zu halten — wird bemerkt, daß z. B. die Franzosen auch keine Sprache haben: sie sprechen römisch und sind Gallier, daß z. B. die Rumänen ebenso keine Sprache haben: sie sprechen nämlich römisch 'und sind Daskoslanven, daß z. B. die Schotten auch keine Sprache haben: sie sprechen englisch und sind Schotten, und daß endlich z. B. die Inden eine Sprache haben, die lebendig ist, eine Literatur haben, wie vielleicht wenige andere Sprachen, nnd die die aus der Art geschlagenen Inden eben nicht lernen wollen, ein Punkt, in dem sie unter öen Zigeunern stehen, mit denen sie auch sonst gerne in Verbindung gebracht werden. Diese hingeworseuen Sätze solle" nur beweisen, daß die Zeit, in der man sich durch die jüdische „Wacht am Rhein" und anderen verschiedenen nationalen Gesängen hat beirren lassen, für den denkenden Menschen eine überwundene ist. Es bleibt also nichts anderes übrig, als — und nnil kommen wir zni» Gegenstände unserer Erörterung — das Verhalten der Inden vom jüdischen Standpunkte äus zu beleuchten. 'Anlaß zur Besprechung der Frage der Inden nnd der mährischen Wahlresorm bietet mir eine jlingst in den tschechischen nnd deutschen Zeitungen lancierte Mitteilung, 'wonach über Anfrage der Hradischer Knltnsgemeindevcrtretung der Ung.-Hraüischer Gemeindeansschnß beschlossen habe, den Inden den Rat zu erteilen, sie mögen sich in den tschechischen Kataster eintragen lassen. Welche Vorteile für die Ung.-Hradischer Einwohnerschaft öder für einen Teil der tschechischen Bevölkerung 'Mährens eine derlei Eintragung nach sich zöge, das zn erörtern, mag mir erspart werden. Ich habe ja die Absicht, das Verhalten der Inden vom jüdischen Standpunkt aus zu besprechen. >Nnr eines ivill ich bemerken: Wenn die Gödinger Juden sich den dortigen „Deutschen" ebenso anbiedern werden, wie die Hradischer Inden den hiesigen Tschechen, dann haben die Tschechen bei diesem Geschäfte nichts geiovnnen, sondern geradezu verloren. Ter Standpunkt des Inden als eines, der einer der höchstzivilisierteu, ältesten, arn meisten gedrückten Nationen angehört, muß im allgemeinen der sein, daß er feine Sympathien dem Gedeihen, Emporstreben itnö Aufblühen der kleineren Nationen znwendet, weil es ja im Wesen der großen Nationen gelegen ist, in ihrem großen Magen kleinere Nationen zu assimiliere", d. h. zu verspeisen. Wenn also nicht die gegen die Hradischer Tschechen ohnmächtigen Hradischer Inden, sondern sagen wir die gesamte österreichische, wenigstens oder doch zum allerwenigsten die gesamte mährische (also auch von Göüing, Lundenbnrg, Leipnik und anderen „deutschen" Städten) Judenschaft vorn jüdischen Standpunkt ans einfür allemal beschließen würde, sämtliche kulturelle Bestrebungen der kleineren Nationen i'nt wohlverstandenen eigenen Interesse zn fördern, dann ließe ich mir ein solches Bild gefallen. Wenn aber in den tschechische" Gegenden die dritthalb Inden sich in den tschechischen Kataster eintragen ließen, damit bei den anläßlich der Wahlen notwendig zu Tage tretenden politischen und wirtschaftliche" Schattierungen innerhalb der tschechischen Nation selbst die Juden bei der rechten Hand von der einen Partei, bei der linken Hand von der anderen Partei, und bei den korrespondierenden Füßen von zwei anderen Parteien rechts und links hin- und hevgezogen wereö Manii. Wehe mir! Sechzig Jahre war ich alt, als mein. Vater starb, Gott lasse ihn selig rühm; 64 Jahre bin ich heute. Ein armer Mann, ein alter Mann, ein einsamer Mann. Mein einziger Sohn, mein Erbe, erschlagen im .Kampfe mit den Slawen, verfluchtihr Name! Mein Weib, meine herrliche Ehaknn Ruth schon lange tot. Meine Ruth, die mir mein Vater gesucht ans dem- Volke der Ungarn, um uns zu verschwägern mit diesem jungen, starken Volk in Pannonien. Damals hieß sie Mara nnd glaubte, kannte nicht den großen Galt, llnd mein Vater führte mich zn ihr auf großer Reise, und als sie mich gesehen, da sagte sie: „Wo du hingehst, mein- Herr und Gebieter, da gehe auch ich!" Und kannte doch gar nicht das herrliche Weib Ruth. Und wogen, dieses Nusspruches nannten lvir sie Ruth nnd sie bekannte den einzig wahren Glauben nnd wurde Ehaknn'. Aber die llngarn haben viel zn kämpfen gegen eigene Feinde nnd kön'uen uns nicht helfen. Und so sehe ich denn nuferen Untergang vor Augen, denn ohne Nachkommen, ohne Hilfe, unsere Heere, geschlagen — so müssen lvir untergehen! Vielleicht ist's gut so! Ich bin ein alter Mann, ein gebrochener Greis, und so ist's Gottes Wille? Wer weiß, warnmi? Mit Gott solüt du nicht richten-? Gam su> letowo! Aber sterben wollen lvir, wie das Heldenvolk, das wir waren, bis ans den lohten Mann mit dem Schema Israel ans den Lippen! Kein Ehazar soll unseren Untergangüberleben! Das schwöre ich! Fällt erst Betendscher, fällt auch jedermann darin, van mir, dem CHakan, bis ans den geringsten Diener; jede Mutter und jedes Kind! lind alle sollen schreien: Schema Israel! Tiefe Schrift aber, die erzählt van der Tücke der Feinde, vom Blühen meines Landes; und von seinem Untergänge) will ich "'.einer! Tochter senden, ans daß es weiter vererb: wird von Geschlecht zu Geschlecht. Arme Tochter, arme Deborah! Deinen alten Vater wirst du nie Wiedersehen'! Wohl dir, daß dn ein Heim gesunden hast bei dem so tapferen Volke der Ungarn in Pannonien. Wohl dir, daß du zugleich put deiner Mutter nnd durch sie so viele ans dem Stamme der Ungarn erkannten den wahren Gort nnd ihm huldigten, nnd unter diesen der Vater deines Mannes. Ein gar tapferer Feldherr ist dein Mann, treu seinem König nnd ein guter Jehudi. Gar einträchtig leben Jude, Christ, Muselmann und Heide beieinander in Pannonien, llnd dafür danke ich dir, o Gott. Und über alles lveitere sage ich nur: „Dein Wille, o Gott, geschehe! Omen!" Und nun, heute, im zehnten Mona: des Jahres 1034 christlicher Rechnung, schließe ich, Chakan David Jbn« Salomon, wahrscheinlich der letzte König der letzten Chazarrn. die Schrift in eine sielberne Truhe, um sie zu übersenden znni elvigen Andenken meiner geliebten Tochter Deborah, die Gott segnen, möge und ihren- Nachwuchs, Omen! — dem Weibe des tapferen Ungarnseldherrn! —" „Hurra, das letzte Wort," rief Joseph im Eifer, „schreib', Marie — Pardon!" unterbrach er sich. Doch der ali-a Lndanhi war ansgefahren, als hätte ihn eine Natter gebissen. „Mein Herr! Was erlauben Sie sich! Mißbrauchen Sie so die Gastfreundschaft, die ich Ihnen nnd Ihrem alten Großvater geboten?" Auch Joseph hatte sich erhoben. „Pardon," sagte er noch einmal. „Es entschlüpfte mir nur im Eifer. Ich habe mich ja auch gleich enischnldigt. Wir sind in den Monaten, die lvir zusammen vevbmcht, so vertrant geworden —" „Das ist gar keine Entschuldigung," fiel ihm der Alte ins Wort. „Gelviß, wir und vertrant geworden, mehr, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Fast bereue ich cs jetzt! Was haben lvir davon? Eine sehr schöne, historische Erzählung, gelviß, die aber mir nnseren> Forderlingen gar nichts zn tun hat- Dafür aber eine Vertraulichkeit Ihrerseits meiner Tochter gegenüber, die einfach unmöglich —" (Schluß folgt.) KKCBWOTnCKC 5. jniTTELBflCM Wien, I, Hoher Markt Nr. 8 ♦ (Palais Sina) im Zentrum der Stadt. + valsam Diener beatbekannte und in allen Familien eingetührte Balsam — ein unentbebrlicbes Hauemittel — wird nach wie vor nach den bewährten Vorschriften erzeugt. Preis 1 Fläschchen 20 Heller. Die „Nationalzeitung“ erscheint wöchentlich 2mal und kestet vi 17

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