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Nationalzeitung · 1906-02-13 · Heft 12 (13.2.1906) · p. Seite 2

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 12 (13.2.1906)
Date
1906-02-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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?unioji.;l5oi;nnp - Ui jNr. 12 t/> o ro 3 v» t/> CD CD © cd: CO jüdischnationaün Ci-gairifation föimtc vs einerseits gelingen, eigene, zuverlässige unD überzeugungstreue jüdische Eiern eure ins Parlament zu wählen invD überall dort, iu> JuDeu in einer cmsehniickM Minorilät sind, mir solchen christlichen Kandidaten Wre Lrinnne abzugeben, die nn: allen Garamieu Dafür bürgen, das; sie auch jüdsche Interessen vertreten lverden. an dererseit-S rvürde sie in allen inneren Ungelegen-, hciten des Indenrums, also in rvirrschastiiche'. und kultureller Hinsicht ein .iiegulalor des stn bischen Lebens werden. Vor allein inüstw^ es seine Hnug lauf gäbe sein, Die unjüDisch-en Elemente aus der Killtnsgeineinde zu verdräuaeu j und eine aus Dein Pnuzipe des FonickrineS beruhende Wadlrerornr in KultusgeiueiuDeu Durchzuführen. T S f a r K e s; l e r. Zu Len Handeiskammerwahlen in Mähren. Die Ergänzungswahlen in die Brünner und Olinützer Handels- und Gewerbekanrnrer. welche am 17. Februar beginnen, stellen die jüdischen Kammerwühler vor eine wichtige politische Entscheidung. Bereits bei den 'letzten Kainmerwählen, bei denerr die Ternscheu in beiden Kammern den Wahlkörper des Kleinhandels an die Tschechen abgeben mutzten, haben die Irr den vieler Städte und Bezirke entweder Wahlenthaltung geübt, oder sie haben ihre Stimmzettel den tschechischen Wahlagenten riberge-bene Was damals ohne liefere politische Einsicht, nur unter dem Drucke der Boykotidrohung geschah, wird diesmal an vielen Orten ans einer bewuß- Len nationalen Ueberzeugung heraris rmd dank der vorgeschrittenerr jüdischnatioualcn- Erziehungsarbeit erfolgen. Die Inden von Gaya haben vor aller Welt mit der deutschjüdischen Wahttradition gebrochen und werden trotz dem Gezeter der Brünn er deutsche n Presse dem Gebote politischer Vernunft und wirtschaftlicher Selbsterhaltung folgen. Wie Krziwaczek. den Gschaftelhnber der Brunner Wahlmacher den jüdischen Advokaten Dr. K r z i n a c z e k, den Gschaftelhuber der Brunner Judenliberalen. nach Gaya entsandt, damit er für die deutsche Sache noch "rette, was zu retten ist. Er ist unverrichteter Tinge heimgefahren. Aber nicht nur in Gaya, auch in den meisten anderen tschechischen Städten werden die Juden ins deutsche Garn schwer gelockt werden können. Gerade die jüdischen Wähler des vierten Wahlkörpers, der wohl als fester tschechischer Besitzstand betrachtet werden darf, sind als Kleinkaufleute dem Boykott am meisten ausgesetzl unD in Den kleinen Prownzstädten und Dorferir eingekeilt in die tschechium lbiasse. Es wäre Heller Wahnsinn, wollten |n Den Lockrufen streberischer Deu.schsreunDllcher Wahl macher folgem Der „Tagesbote" kennt übrigens Oie Stimmung unter den jüdischen Provinzioählern und nachDem er vor einigen ragen schon den Juden Gayos vergebens ins Gelvryen geredet ha., jauunert er in lemenr letzten Wahlart il'A in stchmcrglicher Resignation: „Wenn die tsct^chischen. Drohungen und Einschüehle>riugsversuck)e da und dort wirklich einen. Erfolg haben sollten, was glücklicherweise mir selten der Fall ist, was ist Daum der tschechischen Sackte gedient:' Tie arineu Juden, die man ins Bockshorn gejagt hat, werden die. Ehre der tschechischen Ration wahrhaftig nicht retten." Die Sorge um die „armen" Jrrden ist ja rührend, aber daß dann und wann die „Einschüchterungsoersuche" gelingen, ist erfretrlich, weil Damit Der jüDischen Sache gedient ist. Für die mährischen Jrrden ist leider noch vielfach wirtschaftliche Bedrückung durch die Majorität und Boykottfurcht ein sehr wirksames politisches Erziohmugsmittel. .... Tie Wahlaufrufe der Tschechen sind deutlich genug an die Adresse der jüdischen Kammerwähler gerichtet. Palackys „Svuj k svemu" ist ucuürlich die Parole im Wahlkampfe. Ter Aufruf an die Wähler des Olmützer. ^lammecbezivkcs enthält den Schlußsatz: „Wer: mit uns geht, rvir sind für ihn; wer gegen uns, wir gegen ihn!" Den besten Kommentar hierzu geben die Reiellutioneu. welche die Versammlungen der Gelneindevorcktände des Leipniker und Napagcdler. Bezirkes gefaßt haben. In L e i p n. i k laritet der Beschluß: „Bei diesen Kannnerwckhlen wird es sich in Leipnik abermals zeigen, wer ans Seite des tschechischen Volkes ist und wer zu seinen Feinden gehört. Eindringlich machen wir die jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden in Leipnik, lvelche von den Tschechenleben, darauf aufmerksam, daß, wenn sie uns auch diesmal mit ihren Stimmen, in unserem gerechten Kampf um die Gleichberechtigung in der Gewerbekammer in den Rücken falten und sich nicht mindestens der Abstimmung enthalten, wir nnnnchsichtlich mit. ihnen abrechnen werden." Die Resolution der Bürgermeister Des Napagelder Gerichtsbezirkes ist in ähnlichem Sinne gehalten, und fordert außerdem, daß die jüdischen Wähler sich bei den Landtagswahlen' in den tschechischen Wahlkataster eintragen lassen. Ter nationale Ausgleich im Landtag ist ohne, ja teilweise gegen die Juden erfolgt. Tie paar Handelskammermandate, welche der Majorität des Landes ihrer wirtschaftlichen und numerischen Kraft gemäß gewiß gebühren, sind ein Opfer an jüdischen Wirrschaftsintereffen! ebensowenig wert loie der deutsche Besitzstand in Mähren, der sich immer mehr und mehr als künstlich aufrecht erhaltene Fiktion erweist. Die. wirtschaftliche und politische Situation im Lande Mähren drängt die Juden; gebieterisch zur Neutralität im nationalen Kampfe. Das ist die Mindestforderung, die bei den bevorstehenden. Handelskammerwckhlen von allen einsichtsvollen jüdischen: Wählern., denen die Interessen der mährischen Jrrdenschaft nicht gleichgültig sind, befolgt werden muß. Anerkennung der jüdische» Nationalität an den Hochschule» Oesterreichs. Am H. Februar d. I. veranstalteten jüdische Studenten in Wien, Prag, Krakau, Lemberg, Ezcrnmvitz nnd Brünn Versamm- . lungen, welche über die Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Hochschulen Oesterreichs berieten. Es wurde beschlossen, Memoranden den Rektoraten der Hochschulen zu überreichen und gleichlautende Resolutionen dem Ministerpräsidenten Baron Gautsch, und dem Leiter des Unterrichtsministeriums Freiherrn v. B i e n e r t h telegraphisch zugehen zu. lassen. In den Petitionen wird das ebenso gerechte wie dringende Ersuchen gestellt, die Anerkennung der jüdischen Nationalität, in allen Hochschulsragen prinziellen und administrativen Charakters durchzuführen. Die Versammlung der Wiener jüdische» Studenten fand im großen Saale des „Hotel Post" statt und bot durch die starke Beteiligung ein imposantes Bild. Das Referat erstattete Herr ean.I. jur. Fritz Löhner, welcher in gediegener Form und sachlicher Weise die Begründung der gestellten Forderung ausführte. In einer Zeit, wo alle Völker Oesterreichs das Streben haben, ihre nationale Selbständigkeit zu erhalten, darf das Judentum keine MTnahmsstettung einnehmen und muß trachten, auch seine nationale Selbstständigkeit zu erringen, und im Kampf um ihr gutes Recht gehen die jüdischen Studenten mutig und unerschrocken ihrem Volke voran/ Die Anerkennung der jüdischen Nationalität habe nicht nur moralische und politische, sondern vielmehr wirtschaftliche Bedeutung. Es sei ein arger Verstoß der Behörden, führte der Redner aus, wenn sie die Juden zwingen wollten, ihre Individualität aufzugcben und sie zu einem falschen, heuchlerischen Bekenntnis zu verleiten. Der Redner wies nach, das; die Inden nicht bloß eine Retigions- Lrauchte und er machte sich er'bötig, die Maschine billiger, als bedungen war, zu übergeben, indcu; er meinte, dieselbe könne ja auch im nächsten Jahre benützt werden. Neumann blieb jedoch unerbittlich und erklärte, er wolle die Maschine erst im nächsten Jahr übernehmen und bezahlen. Ter Mechaniker führte die Maschine betrübt nach Hause; er beschloß jedoch, an Reumann Rache zü üben. Am letzten Sykvesteräbend war bei Neumanns große Gesellschaft. Es waren dort mehrere .Herren von der Stadtrepräsentanz mit ihren Familien, dann einige elegante junge Leute, unter denen ein Bankbeamter in Reserveoffiziers-Uniform sozusagen als Bräutigam in spe des Hausfräuleins figurierte. Es war gegen 10 Uhr — die heitere Laune der Gesellschaft schien ihrem Höhepunkte nahe zu kommen — da hörte man plötzlich aus dem Bvrzitnmer die rauhen Stimmen mehrerer Arbeiter, welche, wie es schien, einen schweren Gegenstand in die Wohnung schleppten. Einige Minuten später öffnete sich die Türe und die erstaunte Gesellschaft erblickte die im Arbeitsanzug befindliche Gestalt des Mechanikers. „Herr von Neumann," lief; sich dieser vernehmen, „ich Hab >Ztmen zum neuen Jahr, wie Sic's verlangt haben, die Mazzoömaschine gebracht. Morgen können'L schon ansangen zll backen." Bleich vor Wut stürzte sich der „entlarvte" Hausherr aus den Eindriugliug, versetzte ihm mehrere Schläge ins Gesicht und warf einen schweren Stuhl auf die ominöse Maschine, die unter der Wucht des Anpralls zerbrach. Tie tragikomische Sylvestergeschichte beschäftigt nunmehr sowohl das Kriminalals auch das Zrvilgericht, da der Mechaniker durch seinen Advokaten Dr. Leo Fried erstens die Anzeige wegen tätlicher Elnenbeleidignng erstatten ließ und außerdem Neumann aus Bezahlung der Maschine klagte. Vor dem Strafbezivl'sgericht fand vor einigen Tagen die Tagsahrt statt. Neumann bat nicht nur um seinen Freispruch, da er in gerechter Aufwallung gehandelt hatte, sondern er erhob auch gegen den Mechaniker die Gegenklage wegen Hausfriedensbruch. Ter Richter wies jedoch die Gegenklage ab, da der Mechaniker die Wohnung Neumanns nicht unrechtmäßig betreten hatte und verurteilte den letzteren wegen Ehrenbeleidiguna zu einer Geldstrafe von 50 K und zur Bezahlung der Advokaten kosten. Tie Tagfahrt im Zivilprozeß findet erst im nächsten Monate statt. In dieselbe Kategorie gehört auch eine andere Gerichtsverhandlung, die am 8. ö. vor einem hiesig gen Bezirksgericht siattfand. Ter Gerichtsverhandlung liegt folgender Tatbestand zugrunde: 'Am 2. v. M. speiste der Börsesensal Simvn Krausz im Hotel Continental zu Mittag. Da bemerkte er, wie ein fremder Herr mit seinem — des Krausz — Paletot am Arme im Saale herumspaziert. Er nahm von vornherein einen Irrtum an, weshalb er den elegant gekleideten Fremden höflich ansprach: — Sie scheinen sich geirrt zu haben, der Nock gehört mir! Ter unbekannte Herr wurde schon durch die Vermutung, daß er sich geirrt haben konnte, erregt. Wütend schrie er den Börsesensal an: . ■ — Ich werde mich doch nicht in einem Winter rock irren, Sie Esel! Wald mußte er jedoch einsehen, das; der Rock, den er am Arme hielt, nicht der seinige war. Anstatt sich zu entschuldigen, wurde er noch wütender und rief dem Krausz zu: — Sie dummer Jude! — Kaum hatte er die Beleidigung ausgestoßen, stellte er sich auch in aller Form vor: — Georg Pi ck, Grundbesitzer. Krausz brach die unangenehme Ausein-, andersetzung ab, indem er sich nn den Hotelier mit dem Ersuchen wendete, den beleidigenden Gast z« entfernen. Tieö geschah auch. Beim Ausgange trafen die beiden wieder zu sammen. Als Pick wieder provozierend dem Krausz zu ries: „Ich habe Sie beleidigt, nun können Sie sich Genugtuung verschaffen," da versetzte ihn; jener eine Blau!schelle, wobei der Zwicker des Pick zerbrach. Die Glaösplitter brachten dem Geohrfeigten einige leichte Verletzungen bei. Bor den; Richter, dem diese Angelegenheit' Zuge teilt wurde, benahm sich Herr Pick auch sehr herausfordernd. Im übrigen gab er die beleidigenden Worte: „Dummer Jude!" zu. — Sie haben diesen Ausdruck auch wiederholt? — frug der Richter. Kläger: Nein, ich habe ihn nicht wiederholt, denn ich bemerkte, das; in; Speisesaal lauter I n de n saßen. Richter: Sie befürchteten also eine Christenvcrfvlgllng! lHeiterkeit im Auditorium.) Kläger: Davor hatte ich keine Augst, den« wir C h r i st e n sind gottlob d v ch noch i « der M a j o r; t ä t. (Sckiallende Heiterkeit.) Nun trat der Geklagte Simon Krausz Hervor und konstatierte, daß Herr Georg Pick vor einen; Monate noch der — M i;; o r i t ä t s k» n - fessio n äuge hörte. lAnhaltende Heiterkeit.) Das Urteil lautete ans eine Gesanüstrafe von zehn Kronen gegen Simon Krausz und zufolge eiugebrachter Gegenklage auf s n n s z i» Kronen gegen de;; auf sein Christenlum stolze« Pick. In der Urteilsbegründung hebt der Nichtek besonders hervor, daß er eö bedaure, daß da- Waschbar! Waaaerd Ich«! G»ruohlos! . Pollenz echte Refornt-$chwel$$blmter 4111

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