Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 12 (13.2.1906)
- Date
- 1906-02-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nationalzeitung Nr. n Seile 6 «emeinschaft seien, sondern das; sie ein lebendiges Volk seien, wenn auch Gegner behaupten. der Begriff Volk sei nur durch Sprache und den Besitz eines gemeinsamen Territoriums gekennzeichnet. Der Referent bewies den Bankerott der Assimilationspolitik und bekämpfte den Vorwurf, daß die jüdische Jugend reaktionär sei, »veil sic — wie Gegner der nationalen Idee vermeinen — durch das freie Bekennen zum eigenen jüdischen Stamm ein Ghetto errichten, aus km wir nie herausgekommen find und welches dann erst fallen wird, wenn die Juden als gleichwertiges und gleichberechtigtes Volk anerkannt sein werden. Der nächste Redner, Obmann des Landeskomitees Herr Dr. I. Schalit, stürmisch akklamiert, gab einen historischen Ueberblick über den Kampf der jüdischnationalen Studenten, der nunmehr 25 Jahre in Oesterreich währe und in dessen Verlaufe die nationale Idee so tiefe Wurzeln gefaßt habe, daß die Jugend bereit sei für Zion zu leben, aber auch zu sterben. Es fei ein gutes Recht und heilige Pflicht der jüdischeil Studenten, ihr Recht, das ihnen geraubt wurde, zu erringen. Jeder wirklich freisinnig Denkende Müsse dieses Streben der jüdischen Akademiker als ehrlich, offen und mannhaft bezeichnen. ' Wie jedes Recht nur im Kampf erobert werden kann, werden die Studenten nur im Kampfe siegen können. Der Redner beleuchtete die Frage vom politisch praktischen Standpunkt und als er das Vorgehen des Doktor Byk und Konsorten, welche Hausdurchsuchungen bei zionistischen Vereinen und Untersagungen von jüdischen Versammlungen mranlaßlen, in scharfen Worten brandmarkte, kam die lebhafteste Entrüstung der Versammlung über diesen perfiden Verrat am eigenen Volke zum Ausbruch. Dies alles geschieht nur, sagte der Redner, weil man voll der Mächtigkeit unserer Bewegung überrascht war. Der Verlust ihrer Macht steht auf dem Spiel, aber der Zahltag kommt bald, wir werden die Rechnullg bezahlen, wie es sich gebührt. Unsere Verachtung allen jenen, die uns durch Polizeimaßregeln zugrunde richten wollen! Jede Verfolgung macht hart und stark nub an unserem Enthusiasmus und an unserer Kraft werden die Allwürfe abürallen wie Papierpfeile an einem Eisenpanzer. Lebhafter Beifall begleitete die Ausführungell beider Redller. Als ein tschechischjüdischer Studellt — Herr S u s ch i 1; k y — den Versuch machte, den natiollalen Gedanken und die Bestrebungeil der bewußten jüdisch er Strafgesetzbuch eine völlige Freisprechung des Gimml Si raus z nicht z Masse, obgleich es vsfentundig ist, daß ihm ohne Grund eitle Beleidigung »»gefügt wurde, welche ein gebildeter Mens u i ch t u n g e a h ndet lass e n t a n n. Z>nm Schlüsse nach eilt Assimilatiolrsgeschichtchcn. Der auch von Ihnen tvtgesagte Kantor % i <i t i ch ans K i s ch e n e w lebt und hat trotz großer Intrigen iit der Konkurrenz um das Erbe »es bemihmtell Bach man n den Sieg davvngeliragen. Israel T'katsch wurde znm Kantor gewählt unter der Bedingung, daß er sich sobald als Möglich das ungarische Bürgerrecht erwerbe undfeinen Namen mag ya r i sie re. Der Kischenewer Ehasell Reb Fisrvel T'katsch wird also bald Iz so Ta kaes heißen. Sv sieht's bei uns aus! . Jochana«. KatholUch-evangelisch-jüdisch'. Dieser Tage wllrde in Köln a. Nh. in einer Bersannnlung eilt l'igetlartiger Fall gur Sprache gebracht. (Sin Ehepaar, das rtu-5 der Kirche ansgetreten nun-, wünschte, daß seine drei Kinder von der Teilnahnte an dem Vieligioilsnitterricht entbuitden würden, und »vendete sich deshalb in eitler Eingabe m» die .znständigeil Stellen Das Gesuch unirbe jedoch in allen Instanzen abschlägia beschiedeit ltltd die Negiertlng ordriete an, daß die Kinder auf jeden Fall am Religionsunterrichte teilzunehineu Ijättcu Das Ehepaar schickte daratlfhitt das erste Kind in den katholische»,, das zweite in den evangelischen, nnd das dritte i»i den jüdischen Netigionsltnterricht, und teilte den Behörden mit, in idcIcIkt Weise die Anordnung befolgt worden war. Der dlustveg, den das Ehepaar getroffen hatte, hatte proillpt beu geivünschten Erfolg: die Kinder ivltrden von der Teilttahnte an den» Neligionsunterricht entluntden. Studenten zu verhöhnen und sich zlt der gemeinen Aeußerung hinreißcn ließ, daß die hebräische Sprache abstoßend sei, kam es zu einem Tumult, so daß der Redner den Saal verlassen mußte. Die bezüglichen Resolutionen rvurden einstimmig angenommen und beschlossen, die freiheitlichen Politiker im Parlanrent zu bitlen, die Forderung der jüdischen Studenten nach nationaler Anerkennung zu unterstütze». —n—r. Um die Mitte des Monats Dezember 1905 versendete der österreichische Reichsratsabgeordnete für den Wahlbezirk Zloczow-Brody, Präsident der israelitischen KnltuAgem-einde zu Lemberg, Vizepräsident der „Oesterreichischisraelitischen Union" zu Men, Kurator der „Israelitisch-theologischen Lehranstalt" zu Wien ustv. ufw. Dr. EnM Byk Einladungen zu einer streng, vertraulichem Besprechung, deren Gegenstand die von der Regierung geplante Wahlreform bilden, sollte. t Durch eine Indiskretion erfuhren die galizischen Zionisten, von der Konferenz, die, wenn man die Einberufer und Teilnehmer in Betracht zog, von vornherein als ein Attentat auf das wahre Wohl des galizischen, Judentums angesehen werden mußte. Die Zionisten verlangten' Zulassung zur Teilnahme an dieser Konferenz. Die lichtscheuen Veranstalter verweigerten dies und provozierten auf diese Weise jene vollkommen gerechtfertigte Straße:'.- demonstmtion vor denr jüdischen Gemeinde- Hause, die mit Fenstereinschlagen begann und mit einer improvisierten jüdischen Massenversammlung in demvonden, Konferenzteilnehmerni geräumten Saale endete. Die „Notadeln" — so nannten sie sich iu der „Neuen Freien Presse" —= variierten sich bald, erholten sich, bei Tee mit Rum vorn ausgestandenen Schrecken und wollten der Welt lveisrnachen, sie hätten das Allheilmittel für die galizische Judenn'otll gefunden. Zn diesem Zwecke kleideten sie den altbekannten Begriff „Assimilation" in die nicht einmal neue Form einer atem raubenden Resolution . . . An Notabeln gibt es in Galizien — nach jener Konferenz zu urteilen: — kaum mehr als zwanzig, darunter so manche, die sich mir inkognito, d. h. unter ihrem wirklichen.Namen an, dergleichen Veranstaltungen beteiligen können. Besonders diese letzteren! Urnen1 ganz stolz darauf, zu bemerken, daß die Augen ganz Galiziens auf sie gerichtet sind. Und diese Bemerkung mußten sie machen, soferne ihre Augen nicht verschämt äuf den Fußboden und nicht vor legen, auf beii Plafond blickten, sondern auf den Konferenztisch gerichtet waren. Da häuften Diener Telegramm auf Telegramm,, fast alle mit Allongen versehen, um die Menge von Unterschriften' fassen zu können. llnd drinnen stand's in den verschiedensten Variationen zu lesen: „Fort mit den Volksverrätern!" Volksverräter! Das klingt schön! Herostratos hat einst auf ähnliche ungewöhnliche Weise Ruhm verdient, da er es nicht anders turn konnte. So dachten die meiften Konfereuzteilnehmer. Nicht so dachte Dr. Emil Byk. Wie? Er, der Volksvertreter, wird Volksverräter geschimpft? Das kann nur ein1 böser Druckfehler fein. Wollen uns einmal überzeugen, sagte sich Dr. Byk. ll eberzeug ein! Ja, eil, recht nettes Ding. Doch dergleichen Dinge wie Ueberzeugung sind in der Lemberger Kültusstubc ebenso selten als verpönt. In letzter Zeit sogar sehr gefährlich. Da äußerten z. B. die Herren ihre Neberzeugnng dahin, daß die Toynbeehalle keines Saales bedarf, daß sie als freiheitliche Anstalt in . „freier" Luft ihr Werk ver 'richten kann. Und siehe da! Ein freies Lüftchen durchzieht die komfortable Wohnung des Herrn Kultuspräsidenten, nachdem es durch die ihrer Scheiben bewubten Fenster eiirgedruugeii war. Müssen also Nxrrten, bis mal wieder die Reichsmtssession da ist und wir in Wien sind. Dann beginnt das Werk der Rache. Die Rust und Spielverderber sollen es zu spüren bekommen! In Oesterreich besteht ein Vereinsgesetz, das auch Zionisten die Gründung von Vereinen ermöglicht. Die auf diese Weise gegründeten Vereine haben es mm gewagt, am 25. Dezember 1906 an Dr. Dyk Eutrüstungstelegramme zn schicken. Der Kronjurist des Polenklubs Dr. Byk hat es bald herausgefunden, daß die Vereine ans diese Weise ihren statutarischen Wirkungskreis überschritten haben. Als unpolitische Veieine dürfen sie keine Politik treiben und Politik ist es, wenn sie Telegramme senden — an wen? Etwa an den Statthalter Grafen Votocki oder an Baron- Gautsch? Nein, an Dr. Emil Byk. Denn Byk ist bekanntlich — Politiker. Ergo ist ein Telegramm an die Privatadresse des Dr. Byk gerichtet, ein politischer Schnitt. Tut ihn ein unpolitischer Verein, so wird er anfaelöst. Ta ihn« 'fast sämtliche zionistische Vereine getan haben, so werden sie alle aufgelöst und das straff gespannte zionistische Vereins netz zur Einfcmgung von dergleichen politischen Heringen, wie Dr. Byk einer ist, geht — in Fransen. Gut ausgeheckter Plan. Irr Zloczow erscheinen Kommissäre, Wachleute und Gerneindediener in den1 Lokalen der Vereine „Ohel Len". „Ahawas Zion" und „Poalei Zion". Alles wird gründlich durchsticht und durchstöbert. sämtliche Schriftstücke und Bücher konfisziert. Das Vereinslokal „Poalet Zion" wird behördlich versiegelt. Die Bibliothek des Vereines „Ohel Lea" wird versiegelt, bald aber wieder freigegeben. Die Sammlung von Geldern! siir bcir Nationalfonds wird verboten. Tie Bezirkskommissäre Przybyslalvski ini:t> Stanislawski walten streng ihres Amtes. Vizebürgermeister Dr. Josef Gold (ein Byk-Pfotenleckcr) birst schier vor Freude. Nach der Makkabäerfeier brachten ihm die Zloezower Juden ein Ständchen, das ei.nicr Katzenmusik verflucht ähnlich sah. Jetzt Haben sie es. „Ich", so mag sich vielleicht Herr! Dr. Gold vor seinem „goldenen" Schwiegerpapa brüsten, „ich habe es getan; die Zionsnester werden ausgehoben! Nrrisch!" So mancher Spießer glaubt daran und — die Legende von der Allmacht des „Goldes" und seiner „hohen" Beziehungen (in Zloczow ist die Bezirkshauptmannschaft das Höchste) ist da. Wir wollendaran nicht glauben.. Sonst müssen' wir eine Schlußfolgerring ziehen, die recht unangenehm wäre — nnd zwar nicht für uns.... Irr Krakau worden die Obmänner von sechs zionistischen Vereinen zur Polizei vorgeladen. Man zeigt ihnen, die Telegramme, die Herr Dr. Byk erhalten . . . Man fordert die Vorlage der Protokollbücher, trotzdem nirgends, zumindest aber nicht im Bereinsgesetze, die Führung von dergleichen Büchern vorgeschrieben1 ift. Der Obmann der „Osrei Zion" erklärt, kein. Protokollbuch zn führen. Ein Polizoikommissär begibt sich ins Vereinslokal und durchsticht cs — erfolglos. Das Protokollbuch des östereichischen Handelsgehtlfeu-- und Arbeiterverbandes „Poalei Zion", der seinen Sitz in Krakau hat, lvird seit einigen Tagen, von der Polizei Zurückgehalten1 Polizeidirektor Dr. Flatau hat gar feine Eile. Ilm so weniger seine Untergebenen. Jeden Tag regnet es frische Vorladungen an Vereinsfunktionäre. Jeden Tag?! Einem Hochschüler wurde die Vorladungum U U h r n a ch l s zugestellt'. Wahrscheinlich wegen Kollisionsgefahr. Illoch lvahr-- scheinlicher aber wegen Saum- oder einer anderen Seligkeit des betreffenden P'olizeiorganes. Und dabei lvird die ganze Affäre in Geheimnis gehüllt. „Hat Ihnen Dr. Byk die Telegramuvo zur Verfügung gestellt?" fragte ein Rechtsanwalt den aintshairdelndeir Ober konnnissär. „Wir haben mit Dr. Byk nichts! gemein!" erwidert der Befragte. „Dafür aber er mit euch," denkt der Anwalt irnd ist durch! Paragraph 11 des Oest. Str.-G. gedeckt. KREB5-dP07HEKE C IV» IfY BI B/iru Rrtlfom m--""- »■••»»••kai nt« und iu uiIbii Funiili» «Jr« I I I I | CL t? rl ll vUlfUlll* oinifiuhrlrt Haiti.uu — ein iineiithelirii<-bon UfiAn I UaUah Mm o Huusiuittel — wird uaclt wie vor nacU den bewSUrte* Wien, I, Hoher Merkt Nr. O Vor-ieürifleu er-oo^«. ♦ (PaiaU Sina) im Zentrum der Stadt. ♦ Preis 1 Fläschchen 20 Heller. Die „Nationalzeitung“ muss in jedem öffentlichen Lokale aufliegen!