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Nationalzeitung · 1906-02-09 · Heft 11 (9.2.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 11 (9.2.1906)
Date
1906-02-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Die „Nationalzeitung“ muss in jedem öffentlichen Lokale aufliegen! Seite 4 Schlüsse des „Noklstchildschen Briefes" erschienen, zu öieser Handlungsweise durch die ftÄtdjc Vcrsicheruna verleitet wurden, wie es bei Mr. Schiff der Fall war und die der Premierminister als ..absolut ohne jeden Grund erklärt." So weit Mr. Gremberg im „Jcwish Ebronielc". In dieser Weise leiten unsere plntokratischen Leaders jüdische Angelegenheiten von höchster Wichtigkeit; in dieser Weise dienen sie auch den Interessen ihrer Parteien. Und diese Herren sind es, die, so oft es sich um eine jiidischnationale Dache handelt, uns den Vorwurf machen, wir wollten die Juden nach dem Ghetto zurückführen. Ich schäme mich solcher Führer und ich schäme mich eines solchen Volkes, das solche Führer hat, das es ruhig zu sehen kann, wie mit feinem Schicksal und mit seiner Würde ein Schacher, im besten Fall ein Sport getrieben wird, das nicht nur seiner unwürdig ift als eines der ältesten historischen Völker, sondern das überhaupt eine Schmach der- Menschheit und eine Schmach des Jahrhunderts ist. Wird das jüdische Volk diese Kehiüewirtschatt weiter dulden oder wird es im Gegenteil mutig nuftreten und diesen Versorgern den Gehorsam kündigen? Wollen wir hoffen, daß es im letzteren Sistne handeln wird. Tas jüdische Volk ist kein Sportgegenstand. Hands off. ihr Kehillepolitiker! Kultuslrbcn in einer mährischen Stadt. *) V. (Die humanitäre gemeinnützige Vorschrrßkaffa.) Bis vor zirka 33 Jahren bestand in Nikolsburg eine sogenannte „Militär-Chewra", ein Verein, dem zumeist Arme in bestimmten Zeitabschnirteu bestimmte Beträge arwertrauten, um anläßlich der Wehrpflicht größere Beträge erspart zu haben. Dieser Verein wurde, wie oben betont, vor 33 Jahren ausgelöst und sollte laut Beschluß, der Reservefonds der zlullusgeineindc Mikolsburg mit der Bestimmung übergeben werden, denselben einem Humanitären, gemeinnützigen Zwecke zuzuführen. Die seinerzeitige Kulkusvorstehuug, der als einflußreiches Mitglied unser derzeitiger Kultusvorsteher angehörte, gedachte am besten diesen Intentionen zu entsprechen, wenn sie diesen Fonds einer zu bildenden Bvrschuhkassa zugrunde legte. Es sollte eine Vorschußkassa gebildet werden, welche den Einlegern ihre Ersparnisse bestmöglichst verzinste und Kreöit'bedürftigen gegen mäßige Zinsen Anleihen ermöglichte. Eine wirklich humane sozialpolitische Idee! So ausgeführt.wie beschlossen, hätte diese Institution vorbildlich allen Gemeinden dienen können und wäre gewiß zu einer segensreichen geworden. Man hatte aber bei der Gründung den bösen egoistischen Geist, der schon damals in einigen einflußreichen Mitgliedern steckte und noch heute unser ganzes Kultuslebcn vergiftet, übersehen. Dieser böse Geist veranlaßt vor allem, daß dieses Institut, das Humanitär wirken sollte, sich zu einer währen Melkkuh einzelner und zum Fluche der Kreditbedürftigen entwickelte. *) Sieh^ Nr. 5, 8, 0 und 10 der „Nationalzeitung". den Mundarten und der Lautlehre. — Von seinen zahlreichen Werken seien hier genannt: „Stu-lj critici", „Zigeunerisches", ^Corso dl xlottologia“, ..lacriziom grech*», latine, ebraiche di antichi sepoleri giudaici del Napolitatio*, „Lettere glottologiche“ und ..TI cortice irlaudese fhdl’Arabrosiana“. Sein Buch „Sasrilladim” machte in der romanischen Lautlehre Epoche und hatte ein von ihm zusammen init seinen Schülern herausgegebenes ..Archivio Rlotto o^io-o italia*>o'*‘ zur Folge, das bis jetzt 14 Bände umfaßt und viele wichtige Arbeiten über italienische Mundarten und die keltische Sprache enthält. Es ist erfreulich, daß dieser große Forscher stets seine Anhänglichkeit dem Judentum gewahrt hat. Noch in jungen Jahren schloß er sich S. T. Luzzatto an, für den der junge Gelehrte große Verehrung hegte, der Briefwechsel -wischen beiden legt von diesen: idealen Verhältnis zwischen dem bereits als bewährter Meister berühmten Forscher und dem jungen strebenden Oienossen ehrliches Zeugnis ab. Luzzatto rühmt das umfassende Wissen, den unermüdlichen Fleiß und die große Bescheidenheit des jungen Ascoli, vor allein aber sein warmes Interesse für die Juden und die Wissenschaft des Judentums. Anläßlich der Vermählung Ascolis (Dezember 1851) widmete ihm Luzzatto seine bedeutende Schrift: „Ueber den Ursprung der Kabbala und des Sohar und die Einführung der Vokalzeichen im Hebräischen " Es ist dies ein auf dem Gebiet der Wissenschaf' des Judentums außerordentlich wichtiges Buch, das Luzzatto noch im Jahre 1828, al>o noch bevor Ascoli geboren war, geschrieben hatte, das aber erst iin Jahre 1852 das Licht der Welt erblicken konnte- Ter junge Gelehrte ließ näinlich das Buch, das er als Hochzeitsgescheut bekommen hatte, auf seine Kosten drucken. Auch ein merkwürdiges Schicksal eines wissenschaftlichen Buches. Ueber die Beziehungen AScolis zu Luzzatto und über die Veröffentlichung des genannten Buches besitze ich noch manches handschriftlich, was ich gelegentlich zu veröffentlichen gedenke. 6. („Jsr. Wochenschr.", Berlin.) Nationalzeimng Um schon beizeiten jeden Einblick hinter die Kulissen dieses Institutes zu erschweren, wurde die Verfügung aetroffen, „Mitglieder dürfen nur heimatsberechtigte vlUolsvurger werden." Einen Kanfmann, der daö Prinzip eiusnhrcn würde, nur an Landsleute verlausen und verdienen zu wollen, würde man sür verrückt erklären. Ja, wenn die Leitung gesagt hätte, wir geben zü Selbstkosten an bedürftige heimatsberechtigkc Nikolsburger Anleihen, daö wäre zu versieben gewesen, daö wäre edel und human gewesen. Die Herren hatten aber anderes im Sinne, Sie wollten allein den Nutzen aus dem Vereine ziehen, sie bedienten sich sogar des Vereins, um (welche Schande!) aus den Bedürftigen Niltzen zu ziehen. So kam es, daß der Verein den Kre'ditb-cdürftigcu nur gegen hohe Zinsen (es existierte noch 'kein Wltchergesetz) Gelder gegen gut akzeptierte Wechsel borgte und den Einlegern selbstverständlich hohe Zinsen in Form einer Kapitalisierung ihrer in bestimmten Zeiträumen eingezahlten Beträge brachte. Es kam so weit, daß sich sogar einzelne bei anderen Sparkassen Gelder gegen mäßige Zinsen ausborgten, beim Borschnßstcrein einlegten und ans diese angenehme und leichte Weise sich ein schönes Nebcneinkommen sicherten. O, sie sind sehr fluö,- unsere geborenen Führer. Es kam die Zeit, wo der Zinsfuß in der ganzen Welt immer mehr znrückging. Die Kreditbcdürstigten hatten es nicht mt"hr nötig, bei der Vvrschußkassa sich auönützen zu lassen, andere Institute gaben ihnen gegen mäßige Zinsen Anleihen. Bei der Vorschußkassa stockte der Verkehr, es fanden sich selbstverständlich Einleger in Masse, aber wenig Kreditnehmer. Die Kapitalien und Einlagen der Kassa müßten gegen mäßige Zinsen anderweitig untergebracht werden, die Einleger erhielten. trotzdem ihre hohen Zinsen und singen an, die Zinsen des Reservefonds anszstzehrcii. Doch mit der Zeit nehmen doch auch die ein Ende, die Leitung mußte ein Mittel finden, um ans dieser Schlamastik herausznkommen, und sie beschloß, keine neuen Einleger mehr 'inszzinehmen. Im sonstigen blieb alles beim Alken, der Verein versuchte es nicht einmal, seine hohen.VevwältnngSspcscn einznschränken, man denke doch, bei einem Mitgliederstande von sage 15 Personen (diese wählen den siebengliedrigen absoluten Ausschuß!) dieselben Verwattnngsspesen wie ein Verein mit vielen Hunderten Mitgliedern. Die Vereinsleitung war auch sonst noch hoch z>u Roß, sie pochte auf ihre Statuten, hier hat niemand etwas drcinzureden, wir lassen uns keine Ratschläge geben und nehmen keine Vorwürfe an. Gemach meine Herren. Tie Gewalt der Aufklärung, die Macht der Presse, hat schon manche halsstarrigen Kövse gebeugt und Sie wird auch des Zarismus unserer geborenen Führer Herr 'werden. Tas Geld der Militär-nbewra ist nicht dem Verein anvertraut morden, damit einige Geldsäckc ihre Kapitalien gut verzinsen, im übrigen sind Personen, welche im Msentlichen Leben m, der Spitze sielen, in allen ihren Handlungen dem öffentlichen Urteil unterworfen, und wie dieses öffentliche Urteil lauten wird, wenn man der Scffentlichteit mitteilt, daß heute der Verein einen Nsscv.vesonds von 52.000 Kronen hat, während das Kapital, das die Militär-Ehewra dem Verein übergeben, allein zumindest 150.000 Kronen (inklusive Zinsen und Zinseszinfen) betragen sollte, werdet ihr noch am eigenen Leibe spüren. Tas Stammlapital wurde dem Verein stbergeben unter der Bedingung, daß der seinerzeitige Reservefonds nach einer eventuellen Auflösung des Vorschußvereines der Kultusgeweinde zn'.'.rsall-eii hat. Der jetzige Dbiuann, Herr Karl G l o g a u e r, bemüht sich, den noch vorhandenen Rcfervefonds für eine geineinn'ützigL Anstalt zu retten, und möchte den Reservefonds im Einvernehmen mit der Kultusgemeinde dem zu gründenden Armen- und Krankenhaus zufüliren. W'ir fordern den Aus-schuß des VersorguvgSvereins, insbesondere den KuItuS'vorsleher Herrn Philipp K o h n, der seit Jahrzehnten der Leitung der Kassa angehört, und der sich selbst schon viele Zehn laufen de von Kronen von der Kassa gut verzinsen ließ, anfS energischeste auf, ihren Widerstand gegen den Antrag ihres Obmannes, der vielleicht der uneigennützigste von allen war und ist, anfzugeben und zu trachten, daß dieses notwendige Institut, das Armen- und Krankenhaus bild ins Leben gerufen werde. In einer vor kurzem unter dem Vorsitz eines der Herren Knltnsbeiräte abgehaltenen Versammlung wurde uns mit der Schließung der Versammlung gedroht, falls wir den Vorschnstverein in die Debatte ziehen sollten, die Herren waren der Meinung, die Besprechung dieser Angelegenheit" passe nicht in den Nahmen der Besprechung von Kultnsangelegenheiten. Wir gewöhnliche M>enscheittin'der, die nicht mit de mBersiande eines Knltusbcirates auögestattet sind lwem der liebe Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch bekanntlich den dazu notwendigen Verstand), fanden nichts Gefährliches für die Kultus gemeinde in der Erörterung dieser Angelegenheit, unangenehm und folgenreich wäre eö eventuell sür den Kultus- Vorsteher gewesen, und vorläufig ist der KultuSvvrstcher und die KuttuSgemeinde noch ganz was anderes. <Ein zivcttcr Artikel in dieser Angelegenheit folgt.) S. K. Ni-, u Konstituierende Versammlung „Zionistischer Zeutralverein" Wien. CSiivem: läng st empfundenen' Bedürfnis deS zionistischen' Partcilebens in Wien hat das innaröstcrreichische Tistriktskomitco durch die Gründung Des „Zionistischen' Zm-iw-lvereiires" abgehotsen. Wiederholt wurde von vielen Seiten: auf die Nachteile den Zersplitterung der Bürgervereine hingewicsen, da die Einz-elvereiiiii' nur aus einenbesch>ränkt-cir Kreis von Mitgliedern angewiesen waren und oft nicht die nötigen Mittel zur Verfügung hatten, um genügend für Agiiation, gesellige Zusammenfünfte, Vorträge nstv. jonftcn zn können. Selten Hatzen: sie sich zu gemeinsamen' großen Aktionen vereinigt, und das getrennte Bor gehen bedeutet eine Vergeudung von- Mitteln und Kräften. Um diesem Fehler, der nur im System' liegt, atzznHelsen, wurde der „Zionffstsche Zentraliverein" geschaffen', dessen erste koustiiuierendc VersalN'mlnng am 30. Jänner ini Hotel „Post" aügehalten wurde. Den, Vorsitz 'der zahlreich besuchten- Versammlung führte Herr T-r. Margnlies. Der Verein tritt mit img'fahr 300 Mitgliedern ins Letzen. Der „Zionistische Zen'tralverein" soll dcn^ Boden sür die Entwicklung einer 'regen Ge selligkeit der zionistischen Kreise bilden. Ter laug gehegte Wunsch nach einem eigen>cn zio nistifchen Klub, nach einer Bibliothek und cinem Lesezimmer' ist durch die Gründung des Zenüralvcreines seiner Verwirklichung nabe, Agitation' und Piopagaiüda für die zionistische Sache werden, in systematischer und ziöltzewußtier Weise betriebenjvcivdon-. Als hauptsächliches Mittel hierfür sind große BortragS zvklen geplant, in denen die hervorragendsten Kräfte der Bewegn-ng, auch jene des Auslandes, über die wichtigsten Themen refeamen werden. Da es sich bmuiiin handelt, dem. Zw nisniri-s in Wien ein würdiges Auftreten für alle' Zu-kunst zn sichern-, ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß der Zen trat verein — mit1 bio Violen! ^snmeldimgen beweisen — sein großzügiges Programm bald in Taten wird nmsetzen können. In deir Anssch'ußdes Vereines wurden gewählt : zum Obmann, Herr Dr. Isidor M a r - g ü l i e s. Obmannstellvoitreter die Herren Biar M a r k u s und Leo V a n y o u n g. Schriftfühirer die Herren Adolf B ö h m und Emil Stein, Kassiere -die Herren Heinrich Ledere r rind Tr. M eise l, Beiräte die Herren Isidor G e w i t) ch, Tr. o t t l i c b, Tr. Paul W e i s e n a eü n und Tr. L i t t« in fl! n nc Ilm die zahlreich gnwesenden Nichtzionisien über den Zionismus *anfzukläven!, hielt Herr Zubrikant B ö h m über die Ziele und Wege des Zionismus einen Vorerag, -dessen gediegene Ausführungen, vonlebhaft em Bei falle b-e gleitet wareu. De'!' Referent wies auf die physische und noch schlimmere moralische Inden not hin, ruelche nur durch eine nationale Großtat, durch die Selbsthilfe zu bekämpfen ist. Die Ursache.' aller No: ist die Heimatlosigkeit, und an dieser Wurzel des Nebels setzt der Zionismus an. Ter Vorbvagonde bekämpfte die Ein wände der Assinstlamen, es gäbe keine jüdische Nation, er zeigte den Zusaimnen'bruch der Assimilatlonspolitik einerseits und die Rettung desarmen' Volkes durch W'ohltäti-gkeitskolonisailon. Es gäbe nur eine Hilfe: die Selbsthilfe. Diese müsse gestützt und organisiert, die Bedingungen! schaffen, unter denen jüdische Intelligenz, Tatkraft, Fleiß und Kapital sich eine Heimat schassen können. Ties will der Zionismus. Mit ivarmen! Worten setzte sich der Referent für die Erlangung Palästinas ein, welchesimmer die Heima-t der jüdischen Herzen war. Er besprach die Fruchtbarkeit und Aufnahmefähigkeit des Landes, die Pei'spektiven, die sich eröffnen, und bekämpfte den Territorialisiims undden Wahn, die Zionisten wollteir, daß alle Jnden> nach Palästina gehen sollen. Herr Böhm lvies aus die geshaffene zionistische Organisation- und ihren Wwt als einzige Organisation der Inden hin, die als solche überall führend anftritt, wo jüdische Interessen auf dein Spiele stehen: Brüsseler Konferenz und die nationale Autonomie der Juden. Ter Vortragende besprach die Zio-

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