Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 11 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die „Nationalzeitung“ erscheint 2mal wöchentlich und ist daher das billigste jüdische Blatt. Seite L Natiorialzeitung »\r. 1 Dieses Gemeindehaus soll in der Zeit der nationalen Wiedergeburt unsere- Volkes ein wahrhaft jüdisch eS NationalhauS. eine Pflegestätte jüdischer Kultur, jüdischer Wissenschaft und Kunst, eine Sammelstätte, woselbst sich danationale, kulturelle und gesellige Leben der jüdischen Bevökkerung konzentrieren soll, werden. Die jüdische Tradition verlangt stürmisch nach einer jüdischen Volkslesehalle und Volksb ibliothek _ und diese sollen in unserem Gemeindehuuse ihr Heim finden. Gleichwie in der Schule unserer großen Vorfahren sollen wir in dem jüdischen Gemeindehaus unser Herz bilden und unsere Kraft schöpfe«. Und wie jenc.'Schulen einen Kahol geschaffen haben, der alle Krisen des Judentumüberwunden hat, so soll uns da- Gemeindehaus helfen, eine Generation heranzubilden, welche dem jüdischen Namen Ehre machen soll. Das Gemeindehausoll echt jüdische Gesinnung pflegen, den reinen jüdischen Geist Hochhalten und wahre jüdische Gesittung verbreiten. DaS jüdische Gemeindehaus soll dar Bindemittel sein, welches alle unsere Gemeindegenossen zusammenhält; e3 soll das Zentrum sein, woselbst wir uns vereinigen sollen; es soll aber auch den Mittelpunkt bilden, von dem aus wir daganze Leben und Wirken der Juden der Bukowina überwachen, leiten, unsere Zusammengehörigkeit und engeren Zusammenschluß bekunden; eS soll der Hebel sein, mit Hilfe dessen wir alles Morsche niederreißen und unS eine neue, eine bessere Zukunft schaffen. In Freud und Leid soll es unS verein igrn, nichts Jüdischesoll ihm fremd sein.' DaS Gemeindehaus sott ein würdiges Symbol jüdischer Gesittung, ein weithin sichtbares Wahrzeichen jüdischer Kraft, ein glänzendes Denkmal jüdischer Größe seiu und künftigen Geschlechtern von der Fürsorge der Vorfahren Zeugnis geben. An euch Juden ist eS daher, ein solches Werk zu vollführen; die jüdische Tradition gebietet euch, ein solches wahrhaft jüdisches Haus zu erbauen! Steuert dazu nach Kräften bei! Durch jeden Beitrag werdet ihr einen Baustein zu diesem großen und schönen Werke legen; jede Gabe wird tausendfach Früchte zeitigen, zur Hebung unseres Volkes, zur Verschönerung eurer Gegenwart und zur Sicherung eurer Zukunft beitragen! Cze r n ow itz, im Jänner 1906. Der Kultusrat der israelitischen Kultusgemeinde Czernowitz. Der Bizepräses: Der Präses: Sam. Luttinger. Dr. Straucher. Unsere westlichen Juden» haben für s o l ch c „Gründungen" weder Geld noch Verständnis. Sie tragen lieber ihr Geld zum Baufonds für eine deutsche Lesehalle oder ins Kasino und andere wiederum für ein „Narodup dum". Was schiert cs diese Kasinoten oder Tumisten, daß in diesen Volk.häusern ungeschminkter, krasser Antisemitismus getrieben, das Judentmn verhöhnt, an seinen» Ruine gearbeitet wird, und die Jüdischen Spender selbst „a la canaillc" behandelt werdend I. Kr. Politiker über die natiouale Autonomie der Juden. Eine Anzahl hervorragender Politiker aller Patlenichtungcn hat sich aus verschiedentlichen Anlassen über die Bestrebungen der national gesinnten Juden wahrend der jüngsten Monate geäußcr:. Wir geben irr folgendem diese auch für uns »licht unwichtigen Kundgebungen, soweit sic uns zugänglich waren und authentisch sind, wieder. Herr Reichsrats- und Landtagsabgoordnetcv Tr. Eile n y schnob uns auf unsere diesbezügliche Anfrage folgende Antwort (der Brief ist tschechisch abgefaßt): Brünn, 26. Jänner 1908. Geehrter Herr Redakteur'. Ich habe aü vielen Orten von der Forderung nach einer jüdiichnationalcn Autonomie erfahren, aber ich sehe, daß dieser Plan keinen Beifall findet. Tie Juben Mährens halten »veiter mit den Deutschen und ihnen ist es zuzuschrcibcn, daß die einviertcl mährischen Deutschen aegenüber dreiviertel Tschechen das Uebergewicht im Lande und in einigen Orten hielten, wo sic (die Jud-en) im Gegensatz zu den tschechischen Parteien stehen, avie z. B. Leipnik, Göbing, LuN'öenburg. In den deutsche»» Ortschäftcr» rechnen die Juden nrit den» guten Willen der Tschechen, wenn sie sich überall als Deutsche benehmen. Infolgedessen kann natürlich der Hatz gegen das Judentum 'sich nlcht vermindern, sondern er wächst. Unter b>lche»»Umständen sind1etne Aussichten vorhanden, daß die nationale Auto- »»oinie der Juden an dein Verhalten der Leute gegenüber den Tschechen Mährens etwas ändern wird. Man braucht nicht erst abz-nmarten, wie sich die Juden in der neuen Landtags» wahtordnung' W/ dem nationalen Kataster bei den Landtags-, Gemeindc-lvahlen, bei dem Einschreiben in die Schule tvrdc lex Kvicala) usw. verhalten werden. Ergebenst mit -vorzüglicher Hochachtung Dr. Sileny, Reichsrats- und Landtagsaibgeordneter. Anläßlich der vom Vereine „Fünfhaus" des „Zion" veranst-aitteteni Versammlung schrieb der ebenfalls geladene Reichsralsabgeorbnet0r Dr. Ludwig B 0 gle r an den Vereinspräsideuicn u. a.: Ich kenne in der Politik nur „Wähler", nicht „jüdische Wähler" und „christliche Wühler", und will daher in eine Versammlung eines Zionsvereines, welcher die Juden als besondere, sich von der übrigen Bevölkerung, in der sie leben, absondernde Gruppen mrfidjt, ebensowenig gehen, wie ich eine „antisemitische" (!) besuche. Es ist wohl möglich, daß meine Anschauungen in dieser», Punkte heute als veraltet angesehen werden. Ich bin aber aus einer älteren Schule des politischen Lebens hervorgegangen; zur Zeit, als ich die Universität besuchte, herrschte erfreulicherweise ein anderer Geist uns andere Anschaunugen als heutzutage! Uu) wenn seither auch die Zeiten sich geändert haben, so darf man mir keinen Vorwurf daraus machen, wenn ich mich zu ändern nicht willens bin. Ich kann mir auch gar nicht anmaßen, etwa jene Inden, die ihr Heil in derVerfolg-un-- der sogenannten zionistischen Bcstrebnngen erblicken, zu einer anderen Anschauung bekehren zu wollen, da ich Richtjubc bin und mir deshalb, wenn ich gegen den Zionismus austrete, mit Recht der Vorwurf entgegengesetzt werden könnte, daß ich bei der Bedräng n i s, de r da s Iud en t u m in derheutigen Zeit a u sge se tz t ist, nicht so zu fühlen vermag, wie der Jude fühlt." Re:chsra tsabgeordne ter Wrabetz schrieb aus gleichem Anlässe: „ . . . . Ich kenne auch kein! Inden reckst , sondern nur Staatsbürgerrecht und Menschenrechte. Für die letzteren bin ich jederzeit eingetreten und werde cs auch in Zukunft tun." Reichs ratsa'bgeordncter .N 0 s k e telegia phierte: „Bedauernd muß Teilnahme an heutige» Versammlung ablehnen. Bestrebungen wegen Judenkurie, die den Grundsätzen, die ich seit zwanzig Jahren vertrete, diau»etral entgegengesetzt sind, schlvächen den Ka»npf der Freisinnigen s?) für Gleichberechtigung." Reichs ratsabgovrdncter S-eitz (Sozia! demokrat) beaniworretc seine Einladung: „Der Standpunkt unserer Partei zu der von Ihnen angesetzten Frage ist ja genügend bekannt, sowie die Tatsache, daß auch die uns.- rcr Partei angehörenden Juden sich hierin nickst im mindesten von uns unterscheiden." Unser Korrespondent, Herr I. U. St. Llr thur K ahn, übersendet» uns zu demselben. Thema das Ergebnis einer Unterredung, bk er mit dem j u n g t s ch e ch i s ch e n Reichsrats¬ und La ndtagsabgeordneten Ettviir 5 p i n b =- I e r gehabt hat. Hier der Bericht nuferes- Korrespoudenten: Der Schreiber dieser Zeilen hätte vor einigen Tagen Gelegenheit, den Standpunkt eines hervorragenden Mannes im öffentliche»: Leben der tschechischen Station, des Abgeordneten öpindler, der Frage der jüdischen Nation und der jüdischen Autonomie gegenüber kennen zu lernen. Die Worte, die die Ansicht eines der stärksten tschechische»» Partei angehörenden Abgeordneten aiksdvücken, »KTiV-'-Kt» — insbesondere mit Hinsicht auf die tschechisch-jiid». scheu Assi »ui lauten — beachtet zu werden. Frage: Wie verhalten sich Herr Ne ich sratsabgeordneter zur Frage der jüdische-.» Nationalität'? f[arte sich nicht für. besiegt, aber — - er konnte nichts antworten. Ter Wahrheit die Ehre, er schämte sich. Beim Verabschieden machleit, sich Josef und Maria ein Zeichen, das ein Rcndezoous außerhalb des Hauses für den folgenden Tag bedeutete. Sie trafen sich denn: auch in einer Konditorei außerhalb der Stadt und begrüßten sich, wie nur zwei Liebende sich begrüßen költuen. „Weiß vein Großvater?" fragte sie. „Alles." „Und „Vertrau auf Gott," sagte er mir immer. „Doch scheint er so sicgesgcwiß. daß ich nicht weiß, was ich mir denken soll." „Ra. weißt du," meinte Maria, „mit meinem Vater geht auch eine Veränderung vor. Ich beobachte ihn ja unausgesetzt. Von euch spricht er nr»r mit Hochachtung und von den Juden überhaupt — na, wenigstens schimvft er nicht mehr auf sie, und das will viel heißen. Gestern hat er den „Aniit'lub" auch nicht besucht. obwohl es doch Vereinsabcnd war. Es scheint mir, lach' mich nicht aus, Joe guter — aber wirklich, ich glaube — er schämt sich. Und dann ärgert er sich wieder darüber, daß er. sich schäutt. Ich kann gar nicht aus ibm klug werden. Aber eine Veränderung seiner Anschailungen gef}t vor sich, das steht fest." WMchbar I Wasferd ich: I Geruchlos 1 „Gott gebe, zu u»»seren Gunsten," erwiöertc Josef innig. „Aber, getiebw Maria, sag', was machten »vir nun? Heute Abend Dürften wir das Ende Der Geschichte sehen. So noch länger im Hau.se bleiben und dich kaum» keimen dürfen, das hatte ich nicht nnhr ans. Und doch -■ - »ras tun?" "Was sag: dein -- was sagt unter Großvater? Ich habe großes Vertrauen zu ihm." „Gott, Mädel, geliebtes, wenn ich dich jetzt so küssen könnte!" Und Josef biß seine Zähne zum'munn. um feine Leidenschaft zu bcmeistern. Und Maria lächelte selig. „Also, was sagt er?" fragte sie noch ein» mal. „Geduld, Geduld, Geduld!" erwiderte Joseph. „Abe> wo hernehmen?!" „Folge ihm," mahnte Maria ernst. Rock lange saßen die Liebenden beifamtnen. Sie kamen schließlich überein, wenigstens noch einen Monat zu warten. Hatte der Großvater bis dahin noch nicht geholfen, dann wollten sie vor Ludanyi 'hintreten und alles bekennen. Und solltet» alle Stränge reißen, dam» gab es für sie mu; noch eins: Durchbceimen! Das war beschlossene Sache. „Aber," meinte Maria noch beim Scheiden, „paß auf, der Großvater erceicht's. Du weißt nicht, wie. und ich auch nicht. Aber eine Frau, die liebt, ahnt gewöhnlich richtig, wenn's sich umihre Liebe haudelt. Und ich ahne, er setzt es durch." _ „Aus deinem Mund in Gottes Ohr," betete Joseph andächtig, wAchc-n- Ausspruch Mario emzüuend fand. „Typifih jüdisch," m,einte Joseph. „Und wunderschön," erwiderte Maria. Rach einer langen Unterhaltung mit dem Großvater, in deren Verlauf Joseph ihn» sein' ganzes Herz ausschüttete und auch von dem ge faßten Entschlüsse Mitteilung machte, stieget», beide zur Bibliothek hinunter. Der Großvater blickte sehr einft drein, so daß. es selbst Ludamfi auffiel, der mit Maria bereits aus seine Gäste wartete. .Rach einigen Worten ging es an die Arbeit. Man vereiirbarte,- vor Schluß nid)t aufzuhören -- zumal die Buchstaben schon sämtlich aneinandergereiht waren-.~ und wenn cs darüber Morgen werden sollte. Joseph warf sei »tont Lieb noch einen; innigen Blick zu, dann begann er mit vor Erregung zit lern der Stimme zu diktieren : „Es dämmerte der Morgen. Ehakait Bulan hatte sich noch nicht erhoben: von. seinem. Lager, als fein1 bester Feldherr Moses Jbu Mllffta eintrat indas Schlafgemach dos Königs. Erstau'lrt sah' dieser ihn« an. „Welche lvichtige Nachricht führt dich Mt mir noch vor dem Morgeugebet, Fre»mb Jan Mufsta?" fragte er. pollenr eckte Reform -Sch weissbläfier