Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 7 (26.1.1906)
- Date
- 1906-01-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Olv „Na g" erscheint 2mai wöchentlich und ist daher das billigste jüdische Blatt. Seite 4 voPstanidSmittzliedern tti den Tempel getragen, wo M TkaueMertichteit mit einem von einem ge- Mschten Chor gesungenen Tttvuerchoral begann. Rabbiner De. Drobinsky 'hielt eine groß angelegt«. tief in die Herzen der Zuhörer dringende Red«, in welcher er den Lebensgang 'des Verstorbenen schilderte, seine Bedeutung als Mensch und JÜde in treffender, wahrheitsgetreuer Weise darstellte und seine Verdienst« für feine Kultusgeweinde und das Judentum hervorhob. Sodann hielt jnr. Dir. Lamberg eine Rede im Namen des Vorstandes der KUliusgemeinde. Auch er wüMgte in schönen Sätzen die Verdienste des Verfwrvenen, pries seine Tugenden als Patriarch nniserer Gemeinde und Motz mit dem Versprechen, daß der KUttUsvorstanb stets bemüht sein wird, die Gemeinde im Sinne und Geiste des Verstorbenen zu lenken und iziu leiten. Sodann wurde der Sarg zurück nach ColloNedow und MDök zium jüdischen Friedhöfe nach Friedet geführt. Gemeinde Colloredow und Stadt Mistet ersuchten ausdrücklich, die Fahrt zum Friedhof« Wer diese zwei Orte zu nehmen, wiewohl die Fahrt via Friede! eine kürzere gewesen wäre. Eine un'Werfehbare Menschenmenge bildete den Trauerzug. Meiner Schätzung nach mutzten es an 4060 Personen gewesen sein. Hoch und niedrig, reich und arm, alle Stände dieser drei Orte waren reichlich vertreten. AUf den Straßen, Sie der Zug passierte, brannten die Gaslaternen, schwarz umflort, und die Schüler der Kommunal-, Bürger- und Mittelschulen, der deutschen und flawiischen Natkonalität bildeten mit Aufstellung ihrer Lehrkräfte Spalier. Der Zug fuhr zum Friedhof und als er daselbst ankam, verrichtet; uniser Oberkantor Herr Weiß die üblichen zeremoniellen Gebete. Am offenen Grabe sprach der Obmann Wolf a'us Troppain 'markige, tiefdurchdachte Worte, in denen er den Woihltätigke'itssinn und besonders hervorrageuIdeEigenschasteu betonte. Sdöann sprach der Obmann der Chewra Kadffcha einige 'Worte 'des Dankes. Die Rabbiner der Städte O'kmütz, M.-O'strau, Frebstadt, Skotschau, Magftadt, die Geistlichkeit von Friedek-Mistek, die Herren Bezirkshauptmänner und Vorsteher der Bezirkshanptmannlschv'sten und Bezirksgerichte von Friedek-MIistek, die Gemeindevertretung von Fri-cbek-Mistek und Colloredow, die Vertreter der KUltusgemeinden Bielitz, Freistadt, Skotschau, Olmütz, Mähr.-OstraU, Teschen Und Wagstadt, der Ortsschulrat von Milstek, die Direktion und der Lehrkörper der Schulen des 'k. k. Gymnasiums, von Friedet, die Direktion 'des L 1. Gymnasiums von Miftük, der k. t. B>ei;'iriksfchul>in«fpektor, die Direktoren, und mit der Schuljugend erschienenen Lehrer der Volks- und Bürgerschule von Mistet, die israeliitifche Volksschule in Friede!, die Tlirektoren der Volks- und Bürgerschulen von Friede!, die ’fürsterzbischiöfltajert Beamten, der Verband der österreichischen LWörfabrikanten, die crschien-enen Vereine von Friedek-Mistek und Umgebung, fo die Feuerwehren, Veteranenvererne, Gesan-gsvcreine uißw. Endlich 'Gäste 'von -der weitesten Ferner es waren solche aus Wien, Niedevösterreich, aus Schlesien, Mähren, Galizien, ja sogar aus Böhmen zahlreich, vertreten. Die Brüsseler Konferenz. Die vom ziomstischen! Aktionskomitee emberufene Brüsseler Konferenz wird Montag den 29. Jänner 1900 um 9 Uhr vormittags im Grand-Hotel Mengelle, Nne Royale, eröffnet. Wahrscheinlich wird der Tagung Sonntag abends eine Vorkonferenz vorausgehen. Tie Tageserdnnng für die Brüsseler Konferenz ist in ihren Grundlagen wie folgt f^a,esetzl worden': 1. Berichte und Vorschläge ans Rußland auf Grund von Referaten: a) Die allgennine Lage der russischen Juden, d) die Frage der Gleichbercchirgu-ng der russischen Juden, c) die ökonomische Lage der russischen Indens, d) Ursachen und Folgen der Progroine, e) die Cmiggration. 2. Berichte und Vorschläge aus den Jmmigrationsländern. 3. Vorschläge der bestehenden Organisationen. 4. Schaffung einer gemeinsamen- Hilfsorganisation. Die .Konferenz wird voraussichtlich sehr gut beschickt seiu. Was insbesondere Rußland betrifft, von wo erst jetzt nach Abschluß des Poststreiks die Antworten einlaufen, so werden die größten GemeindM und Organisationen' sich durch hervorragende Delegierte verieten lassen. Auch die Iminigrationslän-der werden repäseniiert fein. Angemeldet sind u. a. Delogierte aus Argentinien, und Neusce-lcmb. Offenes Schreibe« an den verehr! ichen Verstand des Vereines „Ansche Eures" X. Aüs dem Kreise der jüdischen B a um e i - st e r ist die Beschwerde emgielcmfen und wir entnehmen gleichzeitig den dieswöchentlichen Baunachrichten, 'daß Ihr Verein! im Hause X, Favoritenstraße 106, ein B e t h a u s errichtet und mit deni baulichen Ada-ptievungeneinen nichtjiidifchen B a ume i ste r betmut hat. Es ist tatsächlich tief bedauerlich-, daß sich ergebende Arbeiten bei einem ö f f e n 1I i ch e n. Beth a u s l o k a l e, das voir V>eiträgen> und Sammlungen seiner jüdischen! Mitglieder erhalten, von' der israelitisch,e?r Gemeinde zweifelsohne subventioniert wird, n-icht den g e werbetreibenden Glaubensge m offen übertragen werden'. Verfügenwir Ätva über m wenige, äußerst tüchtige jüdischse Architekten und Baumeister? Oder sollen- -dieselben ruhi-g zuwarten, bis eine katholische oder Protestantisch-e Kirche gebaut wird? Wir perhorreszieren bekanntlich jederzeit die Parole „Kaufet nur bei Juden", weil wir solche Ausnahmsverfügungen auch bei unseren Gegnernverurteilen. Allein ein öffentliches jüdisches Be t ha u s muß unter den. obwaltenden trauirigen Verhältnissen Arbeiten für dasselbe GlaubensWnvssen, znführen. Die Leitung eines orthodoxen Temrpels sollte überdies- Verständnis habenfür die Worte des Psalmisten : „Wenn der Herr oder die von, ihm dazu Berufenen das Haus nicht bauen-, bemühen, sich die Erbauer vergeblich." Hochachtungsvoll Die Leitung des Vereines zur Hebung der Gewerbe. Zur Aufklärung. Wien, 19. Jänner 1906. Löbliche Redaktion! Herr Dr. Paul Weisengrün teilte mir gestern mit, daß in der Volksversammlung im Hotel Union Mm 14. d. M. ein Student, über den er nur erfahren konnte, daß er Thorfch heißen solle, die Aeußerung getan babe, ich, ein Führer der Juden, halte meiner Tochter nicht jüdische, sondern arische Lehrer. Obgleich ich mir das Recht der freien Wahl meines und meiner Kinder Verkehrs selbst von fürs Judentum erprobten und verdienstvollen Männern nicht beschränken lassen würde, geschweige denn von einem mir unbekannten und höchst gleichgültigen Herrn Studenten, und obgleich ich, der ich mich fünf volle Jahre von der öffentlichen Leitung jüdischer Angelegenheiten ferngehalten habe, niemals ambitioniert habe, als Führer angesehen zu werden, so erkläre ich, nur um zu beweisen, wie wenig gewissenhaft der Anwurf jenes Herrn war. daß ich bis zum Vorjahre nur jüdische Lehrer bestellt hatte, im heurigen Schuljahre, veranlaßt durch einen knapp drei Tage (!) vor Schulbeginn mir mitgeteilien Rücktritt eines jüdischen Lehrers, einen Nichtjuden neben zwei Juden als Lehrer bestellt habe. Ich bitte Sie um Veröffentlichung dieser Zeilen, weil diesem ersten Versuche, das Privatleben fürs Judentum tätiger Männer in die öffentliche Diskussion zu ziehen, sofort entgegengetreten werden soll. Hochachtungsvollst Dr. E. F. W e i s l. Vom Verbände der israelitischen Religionslehrer. Der Verband Her israelitischen Ne-ligioNS. lehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt Mil.-wvch den 27. Tezemher 1005 seinen fünften Verba nbstag (Ge neraloersammln ng) unter dem Vorsitze des Obmannes, Rabbiner Dr. D. F e u ch t w a n g, ab. Nach Eröffnung der Generalversammlung erstattet der Obmann den Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses in der abgelansenen Vere'insperiobe. Hierzu gehört vor allein die Anbahnung der Möglichkeit zur Einführung eines e i» ü c i tlichen Lehrplanes an allen österreichischen Mittelschulen. Mt A'uiflwan'd aller Kräfte wurde v'i'es angestrM. Vom Aus'schnsse des Verbandes wurde für diesen Zweck oiile Vorlage ausgoarbe-itet, die soir-vA derr Lehrplan als auch die Jnstrn-kiion mn'fatzi'e. Die Beratuuu dieser Vorlage r^r. 7 im Ausschuss« war eine seHr sorgMitze. Lüne M diesem Zwecke abgehalten« Eiiguete verlies in St» sriMgetzdcr Wei-se. Das Resultat derselben ist der Bepsa-mlnMtng aus der vor einten Da-gen an alle M-iitzVieider ergangenen 'Zvischrist bekannt. Aus mancher Seite zeigte sich groß« Beden-klichkett. So z. B. wurde geltend genmcht, daß der Durchsü>bruug di« A'utoniomle der Gemeinden und Krimländer im Wege stehe. Die Enguete schloß dauttt, baß ein Komilte« zur neuerlichen Uebevprüfung ein>g«setzt wUrd«, welches jedoch bis jetzt noch n-icht KUsammengetreten ist. Der Ausschuß hatte nämlich ernste rrnd große Arbeiten zu vollbrinigen, es war: di« Ueberre'ich'ung einer Pet-itwn an die hohe U-nterrichtsbehörde. Dieselbe war von 85 Kollegen unterzeichnet und enthielt die wichtigsten Petita und Dssiöeria' betreffs des Reltgions>unterrichtes und der Rechtstellun-g der Lehrer. Alle Herren, denen dliieiPe-tütirouen üiberre-lcht wurden, versprachen eingcheudes Studium der Biittischrist und tunl-ichste Berücksichtitz'ung der vorgedrachten Wünsche, sorve'it dieselben im Wirkungskreise der Unterrichtsverrvaltung liegen und n-icht einen legsslatorischen Mt er'f-ordern. Bor kurzem wurde dieselbe Petttion auch dem g-egeuwärt-ig-e-n Leiter des Unkerrlichtsmiinirsterium Baron B'ienerth sowie dem Präsi-denten des niederösterreichöschen Landesschulrates Herrn k. k. Sektionsches Dr. von Marenlzelle-r überreicht, worüber in di-essm Blatte aNch berichtet wurde. — Was die Schaffung neuer B >ü ch « r betrisst, so war diese bisher leider n'cht möglich, da es auch an den nötigen MÜtteln hierzu mangelte. Doch w-ird sich bald Ge'le-genhtzlt bieten, auch dieser AuMbe näherz-utreten. Wünschenswert — führt der Äio-rsitzende aus — ist der onae Znsam-menischkuß aller Kollegen s-ür die ernste Sache. Die J!dea-le, nach welchen der Lehrer, zunral in der sturmbc-rvegten Gegenwart, streben soll und muß, können eben nur miit vereinten Kräften erveicht werden. Schließlich dankt er den Kollegen km Ausschuß für die wertvolle Mlitarbeitevschast lsowie den K'Nllusvvr-ständen der vevschisdenen Gewe-inden, insbesondere dem löblichen Wiener Vorstände, ferner der jüdischen Presse. Der Obmann-Stellvertreter Prbf. Dr. Weiß fügt zur Ergänzung des vom Obmann: vovgele-gten Berichtes n-och einige sehr wichtig« Mitteilungen bei. Was 'deir vom Herrn Obmanne gewünschten rnnilgen ZNfammenschlutz aller Kollegen betrilsft, so sei in dieser Hinsicht noch manches zu wünschen. Er wünscht, daß die Berussgenossen von einem Bünde der Freundlschäsi und Kollegialität untschbossen seien. Redner -dankthieMius dem Obmanne, der sich mit einer Hingebung der guten Sache gewidmet, die n-icht mehr überboten werden kann. Auch der Schriftführer Dr. H. Pollak habe mit opferwilliger Hingebung die vielen ihm obliegenden Arbeiten geleistet. Beiden Herren sei der herzlichste Dank ausgesprochen. D!leser Dank wird a-üf Beschluß der Versammlung protokollarisch ausgesprochen. Der Kassier Prof. Dr. G-oldhammer erstattet hierauf den Kasfabericht, nach welchem die Barauslagen sich aus K 509,’5l beliefen und der gegenwärtige Kassastand K 1315,61 beträgt. In Zu'kunst werden ö-ie jährlichen Mttglie'der'bertPäge mittels Posterlag-scheines einkafsiert und nachträglich die MügliedAkarien zuigesendet werden. Oberrabb-iuer Dr. Rosenseld beantragt, daß auch die größeren G-emeinden ersucht werden, den Verband z-u unterstützen. (Angenommen.) Die -von den ReUksoren Na'bbiner Dr. Bauer und Rabbiner Dr. Reiß vorgenoMmene Kassaprüsung ergab die größte Ordnung uttlö- Nichtigkeit der Kassagebarung. Hieraus wird -dem Ausschüsse einstimmig das -Abfolutor-i-um erteilt. Der Schtiffsührer verliest sodann die beiden Dankschreiben der Herren Vizepräsident Dr. Gustav K-ohn und Pros. Dr. Weiß, welche in der vorigen Generalversammlung zu Ehrenmitgliedern -des Verbandes ernannt wurden. Professor Dr. S ch o r r macht die traurige Mitteilung, daß Rabbiner Dr. Spinner aus Lemberg, der einen Vortra-g für die Generaloerifa-mmilun!a an>gesagt hatte, vor einigen Tagen plötzlich ails dem Leben geschieden sei. Die Verfa>>ninlung erbebt sich #um Zeichen der Trauer von den Sitzen. Es nilrHen folgende Herren in derr A>usschuß gewälhlt: 1. Obmann: Rabbiner Dr. Feuchtwang. 2. Schri'slsillirer: Pro>fesfor Dr. H. Pollak. 3. Prof. Dr. Ad. Weiß. 4. Pros. Dr. L. G-o-Wa'm-mer. 6. Prof. M. Kaulitz tMien). 6. Rabbiner und Professor Dr. Vinch (Brüx). 7. Pros. Dr. Grünsel'd (Brünn). 8. Rabbiner Dr. Lazarus (Göding). 9. Nabbiner Dr. Rosemnaim (FlorlidSidorf). Säintliche Herren erklären, die Wahl anznnehlnen. Der Obrn-auu danK für das dem Ausschüsse bewiesene Vertrauen und verspricht, weiter im Interesse des Verbandes zu wirten. Hieraus hält iliabbiner Dr. Mandl ans Neutitschein seineu angektindig-te-n Vortrag: „Das Wesen des Judentums als Lehrgegen stand an den obere-n Klassen der Mittelschule". Der sehr interessante und anregende Vortrag gipfelte in folgender Zirl-saminrensassung: Der Berbandsailsschiltz möge das Wesen des Judentums als Unterrichisgegenstand an den höheren Klassen der Mittelschule irr seiue Bestrebrrirgen rmch Schaff-urrg ei-rres einheitlichen Lehrplanes m'it allfuehmeii. Er «volle aus feiucr Mitte ein .<runr-itee erwählen, dessen A-usgabe es sei, ein Lehrbuch -der systenratischerr jüdischerr Religionsurrd Siiterrlehre zrr verfassen, dessen Grurrdlage das Werk des Oberrabb'irlers Dr. Güdem-arnr „Dias Judentum in seineu Grundzttgen" bilde, rrnd sich zu diesem Zwecke evell- 984639