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Nationalzeitung · 1906-01-19 · Heft 5 (19.1.1906) · p. Seite 4

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 5 (19.1.1906)
Date
1906-01-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Die „Nationalzeitung“ erscheint 2mai wöchentlich und ist daher das billigste jüdische Blatt. Seite 4 Mtionalzettimg Nr. 5 jedoch ttt der Konsequenz 'dieser Gesichtspunkte, , das Wahlrecht für die 'lauifen'de Wahlperiode allen jenen Personen Au versagen, ivelche eine Unter- Wtzung in barem bezw. eine GratiSleisMng seitens der Kuttnsgemeinde in Anspruch genommen halben. Aus diesem Wege dürste auch mn wirksamsten dem Unfug, der mit der 'Inanspruchnahme von GratiLeistungen getrieben wird, gesteuert werden. Andrerseits steht zu erhoffen, daß die airs der Wahldeterligung dieser Kreise hevvorgohenden Vorsteher, wenn 'sie erst in den Haushalt der Gemeinde Einblick gewonnen haben werden, seDst für die geeignete Heransiehung ihrer Mandatgeber KU den Lasten 'der Gemeinde eintreten werden, was alsdann, ohne aus irgend einer Seite einem Widerstande zu begegnen, vor sich gehen wird. In den Gesichtspunkten dieser Vorschläge scheint es andrerseits begründet, daß diejenigen, welche durch namhafte lausende Steuerleistungen einen großen Teil der effektiven Barerforöernisse der Gemeinde ansbringen, Gelegenheit gewinnen, die finanzielle Gebarung der Gemeinde zu überwachen. Die Einräumung dieses wolhtbegründeten Rechtes darf jedoch keinesfalls dahin führen, den Vertretern dieser Wählergruppe Vorrechte einzuräumen, die sie in die Lage versetzen, in allen im Vorstande obschwebenden Fragen den Ausschlag zu geben, bezw. denselben leichthin majoriisieren zu können. Aus diesem Grunde scheirrt es mir namentlich in Rücksicht auf hie große Zahl der neu hinzutretenden Wahlberechtigten angemessen, die Anzahl der Vorstandsmandate aus 46 zu erhöhen, und zwar dergestalt, daß 40 aus die allgemeine, 8 ans die Kurie der Höchstbesteuerten entfallen, die ihrerseits aus die Ausübung eines Duppelwahlrechtes zu verzichten hätten. Der in Vorschlag gebrachte Vertei'lungslnodus der Mandate war von dein Gesichtspar nAe eingegeben, daß die Bildung einer Majorität im Vorstände auch gegen die Stimmen der Höchstbesteuerten im Prinzip für alle Fälle möglich gemacht werden müsse. — Aus der Verwirklichung dieser Vorschläge ist mit größter Sicherheit die Wiedererweckung des Interesses an den Angelegenheiten der Gemeinde wie des Judentums in allen Schichten, «der jüdischen Bevölkerung oben uich unten zu gewärtigen. Indem ich in eine wohlwollende Prüfung meiner Vorschläge einzutC-eten bitte, zweifle ich nicht, daß dieselbe die Znstnnmung Ihres geschätzten Kollegiums finden werben. Ich bitte daher, 'dieses Schriftstück von sämtlichen Mitgliedern Ihres gesih. Vorstandes unterzeichnen und es alsdann -hem Kultusoorstande vorzulegen und von dem geschehenen Schritte mich gesl. verständigen zu wollen. Hochachtungsvoll S. Mersels, 3. Pez., Radetzkystr. 3. Unsichtbare Prstektia«. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redakteur! Angesichts der großen und vielseitigen Tätigkeit unserer Kultusgemeinde mag es einigermaßen begreiflich erscheinen, wenn minder wichtige Referate zeitweilig zurückgestellt werden. In der Praxis erweist es sich jedoch, daß auch die besten einmal im Archivftaube begrabenen Reformen nur selten wieder hervorgeholt werden. Zu den vielen ungelösten Fragen gehört auch die Rayonnierung der Gemeindefunktionäre bei Trauungen oder Leichenbegängnissen an Stelle des gegenwärtig nur willkürlich festgestellten Turnus, der höchst parteiisch und unzweckmäßig gehandhabt wird. So werden unter systematischer Ausschaltung der vorzüglich qualifizierten Kräfte aus den Bethausvereinen gewöhnlich eine Reihe ohnehin übermäßig beschäftigter Rabbiner und Kantoren aus bloßer Liebedienerei herangezogeu, eventuell noch einige Günstlinge aus entlegenen Bezirken, während der bescheidenere, weniger vordringliche Teil zumeist das leere Nachsehen hat. Für heute nur ein Beispiel aus dein Kantorat: An einem der letzten Sonntage konnte ich die Wahrnehmung machen, daß bei 14 Leichenbegängnissen die Aufteilung derart vorgeiwimnen wurde, daß alle möglichen Zelebritäten der Gesangskunst (?) amtierten, während der mir nur Par renommee bekannte Kantor Don Fuchs, dessen überaus würdige und sympathische Vortragskunst allseitig belobt tvird, das Vergnügen der vollen Sonntagsruhe haben durste. Etz hat sich ein förmlicher Ring gebildet, der sorgfältig darüber wacht, daß niemand den Kreis dieser Professionals störe, imb wehe dem Eindringling, der etiva gleiches Recht hcansprilchen wollte. Da das Friedhofsamt, wie sich jüngst Herr Oberfinanzrat Dr. Rappaport treffend ausdrückte, endlich gereinigt wurde und der gegenwärtige Amtsleiter F. tatsächlich ernstes Streben mit vollster Objektivität verbindet, so müssen wahrscheinlich noch auf anderer Seite gewisse Unterströmungen dahin wirken, das ersessene Monopol überall ansrechtzuhalten. Ob diese Zeilen was nützen werden? Eine Gemeinde, die ihren Konservatismus darin erblickt, daß man 47 Jahre den „Lecho Daudi" nur nach einer und derselben Melodie, aber mit verschlechtertem Rhythmus singt, kann schwer regeneriert werden. Hochachtend Baum. W i e n, 12. Jänner 1906. jAnmerkung der Redaktion: Herr Baum berührt hier eine der nnunHosten Stellen am Körper unseres Kultuswesens. Wir stimmen mit feinen Ausführungen nicht nur wegen des Falles an sich.überein, sondern auch deshalb, weil wir der Ansicht sind, daß diese Vorgänge nach Korruption riechen und ihren korrumpierenden Einfluß auch auf die anderen Zweige der Verwaliilng cmsznnben drohen, falls nicht bald Wandel gegeschaffeu wird.) Die Erfolge unserer Bewegung. Die moralischen Erfolge unserer Wahlrechtsbewegung können heute nicht einmal von beit eingefleischten Gegnern jeder nationaljüdischen Politik mehr in Zweifel gezogen werden. Aber es tauchen immer mehr Zeichen dafür aus, daß unsere mit so viel Energie eingesetzte Bewegung zum Schutze der jüdischen Minorität bei Durchführung der Wahlrechtsreform auch manche nicht zu unterschätzende praktische Erfolge aufzuweisen hat. Besonders charakteristisch ist in diesem Belange das Interview, welches der Abgeordnete Dr. Byk, bezüglich der anfangs dieses Monates stattgefundenen Wiener Konferenzen der Polen mit der Regierung im antisemitischen „Slowo Polskie" veröffentlicht hat. Dr. Byk Erklärte, der Hinwegfall der Handelskammerfurie in Verbindung mit der Möglichkeit, daß' 'Stadt und" Land nicht gesondert und daß die Städte Krakau und Lemberg nicht in Wahlbezirke geteilt werden, bedeutet tatsächlich e i ne große G e - fahr für dje jüdischen Mandate. Rach den Wiener Konferenzen könne voll dieser Gefahr keine Rede mehr sein. Ich kann, sagte Dr. Byk, wegen des vertraulichen Charakters der Konferenzen keine näheren Mitteilungen machen, dach so viel darf ich wohl sagen, daß ich alle meine Mühe und Sorgfalt darangeseht habe, um eine Anzahl jüdischer Mandate nach dein Besitzstände zu Beginn der vorletzten und her gegenwärtigen Session ausrechtzuhalten. Ich habe viel Eilig egenkommen gefunden und kann meine feste Ueherzengung dahin aussprecherr, d a ß m i t der neuenWahlr e s o r m w e ni g st e n sfünf bis sechs W a h l b e z i r k e m i t j ü d i s ch e r M e h rh e i t g e s ch a f f e n werden. So weit hätten Wir also schan Herrn B y k, den übrigens seine eigenen Wähler in einer scharfen Protestresolution darüber belehrt habeil, daß sie seine bisherige Haltung mißbilligen. Die Tatsachen und unser Festhalten an unseren Forderungen werden ihn und feine westlichen Gesinnungsgenossen weiterdrängen, entweder vorwärts in der Richtung einer ehrlichen jüdischem Politik, oder seitwärts in jene Position, wo die führenden jüdischen Politiker heute weder gesucht noch gefunden werden. Kultusleben in einer mährischen Stadt. Wie leider in vielen israelitischen Kultusgelneinden, hatte es auch in der Judengemeinde Nikolsburg eine kleine Anzahl der jüdischeil Größen verstanden, die gesainte Macht ail sich zu reißen unb durch wohldurchdachte Praktiken jede Opposition zu ersticken. Es fanden sich wohl von Zeit zu Zeit Män ner, die dieses Gebaren geißelten und bekämpften, doch das Volk war noch nicht zur Erkenntnis seiner Lage gekommen und diejenigen, die sich oppositionell zeigten, wurdeil entweder weggeekelt oder, wenn sie minder difficil waren, drirch Zuschanzung irgend eines einflußreichen Mandates zum Schweigen gebracht. Die Zustände wurden imnler unerträglicher, die herrschende Partei immer herausfordernder. In Wien fanden sich selbstlose Männer, die mit einem demokratischen, echt jüdischen Programm (Programm der Jüdischen Volks- Partei) in die Oeffentlichkeit traten. Es wurde ferner in Wien eine Zeitschrift („Jüdisches Volksblatt" jetzt „Rationalzeitung") gegründet, welche auf Grund des Programms der Jüdischen Volkspartei Gemeinden mit ähnlichen Zuständen wie in Nikolsburg die Leviten las. Dieses Blatt wurde auch in Nikolsburg bekannt und gelesen mrd die Folge war: langsam erwachte auch hier das Volk aus feinem Schlafe. Erst fing es an zu murren, heimlich, so daß es nur ja nienland hört, dann regte sich die Opposition imnler lauter, die so lange Unterjochten fingen sogar schon cm, die einzelnen Aktionen der Kultusgenleinde zu bekritteln. Die Regiererlden schüttelten ihre „weisen" Häupter und konnten es gar nicht fassen, daß das Volk den Mut habe, seine Rechte zu verlangen.; Im Oktober 1905 kam es zur Explosion, es wurden mittels Flugschriften schwerwiegende „Anfragen" an die Kultusvorstehung gerichtet. Es wurde unter anderem gefragt: „Hält es die Kultusgemeinde für recht, daß die Minderbemittelten alljährlich mit solch hohen Abgaben belastet werden, während die Bemittelten sich immer mehr entlasten? Daß den Minderbemittelten alle Pflichten, den Bemittelten alle Rechte zngemessen werden? Daß das ganze Schalten und Walteil der Herrschenden ein solch volksfeindliches ist?" Stille, unheimliche Ruhe herrschte nach dieser Publikation. Das Volk erschrak selbst davor, daß es jemand wagte, den regierenden Gewaltigen solche Wahrheiten ins Gesicht zu sagen. Wo Nikolsburger Inden zusammen kamen: das Gesprächsthema bildete diese Publikation, die einen stimmten unbedingt zu, die anderen meinten, ein anderer Weg als der öffentliche Ivare der bessere gewesen, aber darin stimmte alles überein, gesund war dieso Lüftung des Schleiers über diese unhaltbaren Verhältnisse. Der Herbst nahte seineln Ende und wie alljährli-b standen die Wahlen der Mitglieder der Komlnission zur Bemessung der Kultus stener per 1906 vor der' Tür. Die Opposition war gerüstet und berief die Kultllsgenlejndemitglioder zu einer Versamm lung ein. Die Einbemfer waren der Meinung, daß man keine Gelegenheit vorübergeben lassen dürfe, über die russischen Judenmgssgkers zu sprechen. Die Tagesordnung der Versammlung wlwde demnach bestimmt: 1. Die Judenverfolgungen in Rußland, 2. interne Kultusangelegenheiten. Einen Tag vor der Versammlung erhielten die Einbernfer hie amtliche Mitteilung des jüdischen Mrgermei sters, daß selber (die Versammlung war in den Sitzungssaal der Gemeinde einberufen) keinen auswärtigen Referenten sprechen lalle Die Einberufer mußten nun telegraphisch dom Referenten zu Punkt 1 ans Wien absagen. Die Versammlung wurde abgehalten und der erste Referent, Herr' S. K r a k a u c r. teilte der Versammlung die Gründe der Ab setzung des ersten Punktes der Tagesordnung mit, im weiteren führte er aus, daß das über mütigo volksfeindliche Gebaren der Kultus vorstehung endlich einmal öffentlich gegeißelt werden müsse, er zeigte, wie die oppositionellen Kultusansschußmitglieder terrorisiert werden. wie sich die Kllltllsvorstehllng über Beschlüsse wähnte den Bau der Fviedhofshalle, der, mit GemeindAermögen geschaltet wird, er er Prämiiert I Wiener Uoht-Ausitellqng 1900. ___ Telephon 12359. K&iseröl'Fabriksniederlage s Geh & Blitz Wltnxxij >»^11 WIIIA DieaMnsn 82 ES Petroleum In Kannen franko Haus nach allen aarn Bezirken, sssss

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