Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 5 (19.1.1906)
- Date
- 1906-01-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 5 Nationalzeitung Seile 5 wähnte den Bau der Friedhofshalle, der mit 13.000 Kronen präliminiert, zum Schlüsse 28.000 Kronen kostete rc. Kultusbeirat Herr M. Dr. S. Fehl suchte nun in längerer Diebe das Vorgehen der Vorstehung zu verteidigen, wurde aber von dem folgenden Redner, Advokaturskonzipientcn Herrn Gustav 51 o h n, unter stürmischem Beifalle der Versammlung glänzend abgeführt. Die herrschende Partei, ihr Spiel in Gefahr sehend, inszenierte nun einen derartigen .Krawall, daß die Versammlung aufgelöst und der Saal polizeilich geränmt werden mußte. Unter hundertstimmigen „Pfui"-Nufen über das Vorgehen dieser Versammlungsstörer leerte . sich langsam der Saal. Kurz darauf wurde eine zweite Versammlung abgehalten, wozu die herrschende Partei, mn die Wahrheit zu unterdrücken, besondere Vorkehrungen getroffen hatte. Schon der erste Redner der Opposition, der mit den Judenverfolgungen begann, wurde reichlich mit lärmenden krawallmäßigen Zurufen bedacht und mußte der Referent, Herr Advokaturskonzipient Gustav 5t o h u, seine Ausführungen abbrechen. Der folgende Redner, Kultusbeirat Herr B. L. T elt sche r, versuchte die gesamten Beschuldigungen gegen die Kultusvorstehung als unrichtig hinznstellen. Herr S. Krakau er, der dann das Wort ergriff, erklärte, daß er seine Behauptungen bis auf biejenigert „der Geschenke auf Kosten von Gemeindegeldern", die er erst genau untersuchen müsse, aufrecht erhalte; er betonte weiter, daß diese unvernünftige Verwaltung des Gelneindeverinögens nicht nur dieses schwer schädigten, sondern auch den Reservefonds des Vorschußvereines (eines Vereines, der vor der Auflösung steht und dessen Reservefonds statutenmäßig der Kultusgemeinde zuzufallen hgt) beinahe aufzehrte. Es wurden in den letzten Jahren viele tausende dieses Reservefonds zu den Ausgaben der Kultllsgemeinde verwendet, so im Jahre 1906 14.000 Kronen zur Bezahlung einer Schuld der Kultusy\cn\einbe. Nachdem der folgende Redner, Herr Franz Deutsch, Pas Gebaren der Kultusgemeinde verteidigt hatte, und Herr S. Krakauer dem Kultusbeirat. B. & Telts ch e r an die schonen Zeiten erinnerte, wo er noch in der Opposition war, sowie an den jüngst gefallenen, so schönen Ausspruch: „Man spricht anders vor dem Diner und anders nach dem Diner", erhielt Herr Advokaturskonzipient Gustav K o h n in sehr vorgerückter Stunde das Schlußwort. Derselbe besprach vorerst das an ihm persönlich verübte gewaltsame Vorgehen, wie der Kultusvorstand nach ihm zugckommcnm Nachrichten es sogar nicht scheute/durch unwcchrp Angaben seine Besteuernng und damit auch sein Wahlrecht 31t hnstertreiben, wie er sein Wahlrecht erst bei den Behörden erkämpfen müsse. Nach kurzer Zusammenfassung der Ausführungen in der Versammlung schloß Redner sein Referat mit dem Rufe:^..Auf Wiedersehen bei den Wahlen!" Diese Versammlungen, deren eine nrit seltener Ausdauer und streng objektiv von Herrn Hcrmann S t i a s n p geführt wurde, haben den Bgnn, der bss jetzt auf den Wählern des zweiten Wahlkörpers (Nikolsburg hat zwei Wahlkörper) so schwer lastete, endgültig gebrochen, und wird auch dafür gesorgt werden, daß es den geborenen Führern des Volkes nicht so bald wieder gelingt, das Volk in ihre Netze zu bekonnnen. (Weitere Artikel folaen.) Die Sußerße K««sequen; der Affimilati.n. Aus Pardubitz wird jtn§ berichtet: Ani 14. Jänner 1900 fand eine VersannnlttNsi des „R 0 z 0 g" statt, in welcher der Obmann Herr Dr. S ch li l h 0 f iiber die Frage der j ü d i - s ch e n?s u t 0 n o in i e Bericht erstattete. Die Versammlung war von 30 Damen und 20 Männern, darunter 14 Nichtwähler, besticht. Der Vortragende setzte auseinander, daß die Inden weder eine religiöse noch eine nationale Einheit bildeil, daß die Juden sich schgji in Palästina mit ihren Nachbarn vermischt haben, die russischen Juden seien chozarischen, die rumänischen seien römischen Ursprungs, in Böh- >nen seien viele Tschechen zur Zeit der Gegenreformation zuln Judentum übergetreten; es gebe schwarze, gelbe und weiße Juden, die Behauptung der Zionisten und jüdischen Nationalisten, daß die Juden ein Volk sind, sei durch nichts gerechtfertigt und er fühle sich nicht als tschechischer Jude, sondern als Tscheche ohne jedes Attribut. Wenn ihn die Nation nicht als solchen anerkenne, so sei ihm dasgleichgültig, da ja Masaryk, der größte tschechische Denker, auch nicht anerkannt sei. Was jedoch die Ju- . den in Galizien betrifft, so sind dieselben nach seiner Ansicht ein Volk mit einer ausgebildeten selbständigen Sprache und Kultur und gebühre denselben die nationale Autonomie wie jedem anderen Volke. Die nationale Autonomie verfolge das Ziel, daß der Kampf um die Schule eingeengt werde. Würden alle österreichischen Juden die nationale Autonomie erhalten, so müßten unsere Kinder in jüdischen Schulen im Jargon den Unterricht erhalten (?) und würden weder das Deusche noch das Tschechische sich so aneignen, wie sie es zum Fortkommen im Leben brauchen. Das w e st ö st e r r e i ch i s ch e I u d e n t u m wird somi t durch die G a lizianer in s e i n e m wirtschaftlichen V e - st a 11 d e b e d r 0 h t (?). Dm Galizianern gönne er ihre selbständige Wahlkprie und sogar die Autonomie, aber die westösterreichischen Inden seien Tschechen oder Deutsche, s i e h a b e n m i t d e n O st j u d e n weder die Sprache noch die Religion gemein (!), beinhalte die Ansicht der Zionisten, daß die Juden Juden finb, eine große Gefahr, Und er werde aus dem Verbände des Judentums a u s t r e t e n, iverm eine jüdische Nation anerkannt werden sollte. Der anwesende Schriftleiter der „Osvöta Lidu", Alois Hain, setzte auseinander, das Streben aller fortschrittlichen Leute müsse darauf gerichtet sein, die Schranken, welche die Menschen voneinander trennen, zu beseitigen und den Menschen nach seinem Tun. nicht aber nach seiner Abkunft zu beurteilen. Anknüpfend daran machte Herr V 0 h r hzek darauf aufmerksam, daß die fortschrittlichen Tschechen m. K. schon vorÄnem Jahre den Juden elMfohlen. hätten, dm -Samstag.auf den Sonntag Zu verlegen und Äe Speisegesetze nicht zu beobachten. Damals wurden dieselben aber gerade Von ejnem mährischen Jgdm heftig angegriffen und vor einigen Tagen habe dieser m ährjsche Jude ein. Sch weinsfest veranstaltet, zu dem der Tempel- Vorsteher geladen war und auch erschien. Dieser Erfolg belehre die jüdisch-tschechischen Fortschrittler,' dgß sie auf dem rechten Wege feiert;" Ejnen Einblick haben wir gewonneit in die Seele der fortschrittlich tschechischen Juden, die jeden Zusammenhang mit der Jndenheit leuanen und auf die Vernichtung des Judentums hinarbeiten. A»fr«f dx» mrßsathischr« Aistridt»- A«mttres. Werte Gefinn nnysg^yo fssn! Gemäß Böschlntz des «D.-K. wird Kr Sonytqg den 4. Febrnax f. I. nach Tarnow der hrstw westflqlizische Histpiktstgg eipbernftn, TagesprHn nn«; 1. EEmina: 3. «Wahl des Buveails, des Legttttlmkionsapsschrrsses und der Revi>svveu: 8. Bericht des schotdeu<deu «D.-K. n»d Erteilung 'des Msoluloriums,- 1. Organisation der MiMchen Zioni'sten,' 6. IlNsere Sielluna zu den anderen Parteierr in Galizien,- a. Parteiabgaben, dlatiunalfonds und Präliminare pro lüDf?: 7. Wahl des neuen D.-K.; 8. Gventnalia. «Eörvaia« Wiinfche, Arrträge und PxomMioiteu bezjjglich der Reserenierr sinan dgs D.-K. Ochäniden des Obnnnmes Dr. L. GMrvgsser, Kralkau, Allerheiligen 8, «spätefkens acht Tage vor bau DNtrilktstage zu übermitteln. Gleichzeitig erlfuchen mir mn ibqWjiügBMe C'iMenämrg des TätlMitsbepich-teS her ibetrelffenden Vereine, welcher irnter andere», z>l enthalten Hai: ai Ranien des Prälsidilims nnh des Ausschusses,- b) Anzahl der Miiglleder und Gche>kelzaHleres tnvae Darstell»u«g des Entwicktuingsgauges K'S Be re t u es; d) Bvrträge, Llntse, Aiöerrde nH>m.,' e) Agltiatilvn znannslell des NaiwuMonds; fs lNkale Agitatlon, irrsbösonldere in dezug aitf die lokalen NalhalperhnUuisse un!d die Wahlresorin. Auch 'bitten wir um uuoerzügli'che Entrichtunig der 'Parteisteuer ured bemerken zugleich, da» das Wahl recht zum Dtstritlstage nur denjentgeii -Schekelzahlern Msteht, welche die Parteisteuer Kr das letzte Jahr «bezahlt haben. Auszug aus unserem OrganrsationAstatut: „8 12. Dje Drstrrktsverjammlung besteht aus den Mitgliedern «des D.-K., den Delegierten und Vertrauensmännern. «Der WasMo'dus ist folgender: Auf je 25 Scheke'lzahler eines Vereines, insofern dieselben di«e Parteisteuer bezahlt haben, entfällt ein Delegierter, jedoch nie mehr als drei. An Orten, wo keine Vereine bestehen, wäh«len je 25 zu einer Gruppe vereinigte Schekelzahler, die auch die Parteisteuer entrichtet haben, einen Delegierten." Alle «diese Tellegierten «sowie auch die Vertrauensnrämter nehmen au der DtstMsversaMrnlung mit eutschoidender Stimme teil. Wir fördern lsohin alle unfere Verenre und Vertrauensmänner auf, die Berichte sowie die Parteisteucr «spätestens b-is zum 26. ö. M. einzuisenderr und die Delegierterrwahl rechtzeitig vorzunehmen, da die Wahlproliokolle spätestens acht Tage vor de», Distriktsfage dorn D>K. mitgeteilt werde» müsse». Mit Zionsgvuß Yiir das westgaiisifche D.-K4 A. Gamprich Dr. L. Goidwasser Schri«ftführer. Obmann. Vermischte Nachrichten. Wien. Der Bri«gittenauer israelitische Unterftützungsverein hielt Mittwoch den 10. d. M., 8 Uhr abends,'im Restaurant Philipp Haar, 20. Be-z., Treustraße, seine diesjährige Generalversammlung ab, womit der Verein in das elfte Jahr seines Bestandes getreten ist. DMe Versammlung trug als Mer-krual eine ganz eigenartige Signatur, die der Berichterstatter eine spez«Mch Schreiberische bezeichnen möchte. Nicht, wie es vielfach hei sulchen An«lqsse» Eich, die Hervorhebung der eigenen Verdretkste und die Jnangurierung einer gewisser, Selbstanräucherung war «die Aufgabe, welche sich Her Obmann Herr Adolf Schreiber bei der Besprechung der VereinstätWe'it stellte, sondern im Gegenteil: er bezoichnete das, was bisher auf den, Gebiete der Wohltätiglkeit in diesem Bezirke des jüdischen Massenelends geleistet wurde, als zu gering und geißelte die Indolenz der besitzenden Klassen, die ihren armen Glaublensgenofsen bloß Brosamen zulwerfen. Herr Schreiber stellte geradezu die 5labinettfrage, indem er erklärte, nur dann seine Tätigkeit fortfetzetl z«u können, wen» die Besitzenden sich ihrer Pflicht bewußt werden und in Zukurtft sich demselben nicht verschließen wollen. Auch Müßte die löbliche ismelüische Kultus«goUHrnde diese«m Vereine, an den so große AOorderUngen gestellt werden, in der Folge eine weit größere Subvention zuwenden, als dies bisher hex Ball rvar. —, :Die Ver>sam«mlnng nahm nun den folgenden Verlauf: Der Ob«manu Herr Adolf Schreiber eröffnete die Generalversammlung, die erschienenen Mitglieder wie insbesondere Grau Dr. Emilie Weiß, Präsidentin des Brigitteugsier israelitischen Frauen - Wiohltätigkeitsvereines, Herrn Adhl«f Schrantek als Delegierten der Kultusgerneinde, den Tempel- und Kultusvorsteher Herrn Hermann Eltbogen und Herrn Hetnrich Weiner, Obmann des Vereines „Die Brüder", herzlichst begrüßend, und ,»id«,nete Hierarrf den im vorigen Jahre verstorbenen «WWt-gliedern Adolf Knmmerm'anu und Jaköb Otto einen ehrenden Nachruf. Aber auch Erfreuliches habe ich zu vermelden, sagte Redner. Unser Vorstandsm'itgljod C'afetier Herr Ignatz Körner, der „Ballmacher", der alljährlich die so beliebt gewordene Pnrim- Retdoute arrangiert, ist von schwerer Krankheit genesen und konnte Hc«ute bereits in unserer Mitte erscheinen. Zur «Besprechung «des Nechenschtaftsberichies übergehend, hebt Redner hervor, 'daß oer Verein ton Vorjahre mit einem Kasfastand von K 861,58 Mchlotz, i«m abgelaufenen B'eremsjgHre an Unterstsltznnae« etwa Xi 6OO0 veransgahtd und noch etzren Saldo pro K II6044. anfznwBsort in der Lage ist. 'Es wurden größere Beträge an drei B'rau,te (Hachnnsas Kaluf mr'd einige Gofchäfisloute, deren Existenzen bedroht waren, verabreicht wie auch «ntehrero FaMierp vor «Delogierung geschlitzt. Es folgte hsergllf eitle Debatte, an welcher «sich die Herren. Herm. Ellbogen, Sekretär «J0s. Kohn, Jakob Gpldner, Bert hold WWr, Heinrich Weiner uf,p. beteiligten. Nachdem über Antrag des Herrn Back dern Gefamtvvrstaride ernstjmrrrig das «Absöluttorium erteilt und dern Obmänne Herrn Schreiber Dank und Anerkennung fiir lsein rastloses Wirken gezollt wurde, hielt Herr Dr. Heirnäch Schreiber einen Bortrag siher «das Kapitel Armeniwosen. In großen Zügen und von «zveiten Ausblicken getragen, pephorresziert Redner die Kleinarbeit M dein Gebiete der Wohltätigkeit. «Mit Hern Verabreichen von Handgeld wich bloß das Schnorretusn aez«üchtet. In einer her größter, füOschen G«emeinben Europas, wie es die Metropole Wien ist, rnüsse Großes artgestrebt werden. Es inüfse die «Möglichkeit geschaffen ^werden, «schivankende Existenzen zu befestigen, neue zu gründen, gegen «die Armut, die Not einen Damm anfznrichten. Dies wäre aber nur i"> Wege «der «Organffation, «durch die Kouzeutintio» oder Zerrtralisation der oepschichenerr Vereirre aus breitester Birsis rnöglich. — In «jk-u Vorstand wur- Die „Naäonalzeifung“ muss in federn üMichen Lokale eufltege»!