Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 3 (12.1.1906)
- Date
- 1906-01-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 3 Natlonalzcitung Seite 3 deutsche aus Piekät, hatte keinen Teil da ran.- HlWea-en rvnren der Mischen Ntasst, die keiner Partei angchört, zcchlrotche Beftuher entnommen, -die unter Umständen einen Finnerzeia für ihr Verhalten in poliiischer Neichtnna von der BerftmvMnng erwartet lüttst n. Doch die israelitischen es e r ma n e n, aHo Ue Deutschen mit jeden Preis, sahen die VeranMltuna von vornherein mit scheelen Auaen an. AniderS die soz tal de mokrattschen Inden. Die flihlten instinktiv, daß hier ein Werk in Szene gesetzt wird, das; ihre Reichen bei den Wahlen stark M lichten vermcuz, sie haben auch ihre Anwesenheit -davek als Parteffache angesehen u-nd den ('ftveck denselben durch die Redner, die sie ins Feld gestellt haden, a ng eg rissen, wobei sie mit VerslüinmeUtngen und absichtlichen DlißdÄttung-cn wacker fochten. Und endlich waren auch die Zionisten da, die pur und simpel die Erftrllnna einer Mischen WaMurie ernpsahten. Jim Vorstehenden habe ich eine flüchtige UebersichL 'der Parteischattiernnnen int Prager Judentum geboten und bemerke, das; sie sich nntereinawLer, mit geringen Ausnahmen, aufs schärfste befehden. Wenn nun rn dieses Chaos das allgemeine Wahlrecht feierlichen Einzüa halten wird, so sann es sich m einem Fluche für die jüdische Bevölkerung gestalten. Mcht allein, das; sie in ihrer Zersplitterung bei keiner Partei Einfluß werden zu erlangen vermögen und unbeachtet bleiben werden, sondern vielmehr werden sie allen hier in Betracht kommenden Parteien die willkommene Gelegenheit bieten, gegen sie l-oszuz-iehen, weil in allen jüdische Wähler zu finden sein werden. Bollkommen nMtrlrch wird es jede derselben finden, jene jüdischen Wähler aWngreifen, die im gegnerischen Lager sich betätigt haben, ohne Rücksicht, daß es auch welche gegeben hat, die im eigenen gute Dienste leisteten. Und das Fazit: der Jude wird gehalut, der Deutsche von dein Tschechen oder umgebehrt und beide gemein-fa-m werden dem sozialdentokratisthen Juden hart zusetzen, mit welchem Recht, ist Nebensache, dem: wer fragt nach Recht, wenn es heißt: los gehen gegen Juden! iEs bedarf keiner Propheten gä be, nur eines klaren Blickes unib der richtigen Auffassung der gegebenen Tatsachen, trat zu diesen urranfechtbaren Schlüssen z»: gelangen. Soll es also nicht dazu kowuten, uNt den hieroriigen Juden ihre sonst schon genug schwierige Situation nicht noch unerträglicher zu gestalten, muß die Bevölkerung als solche und die flihrenderv Männer derselben aber insbesondere, scharf nach einem Mittel auslugen, um Liesen: Dilemma aus dem Wege zu gehen und darauf sinnen, diese Gelegenheit gleich arideren Bevötker urr gsschichterr dazu zu benützen, der Juden heit Prags zur erftsprechenben Geltung zn verhelfen. Nach der Wahl im Jahre 189-7 haben die meisten jüdischen Männer und Wähler bedauert, daß kein Zählkandtöat eigerrs für die Inden ausgestellt wurde, denn «mit hätte dazumal dadurch, daß den Juden, die den Sozialdenrokraten Dedic rricht rvähler: mochten, freistarrd, eineuandererr Kandidaten als den Antisemiten Brzezuovsky zu wählerr, der allgenteinen Anschauung zufolge die D-szember-Judenkraiwalle vermieden. Ganz gleiche Verhältnisse berottert sich nUn vor und es hieße mehr als unklug handeln, wollte mar: mit Gegenrnaßregeln warten, bis es zu spät wird. Ich bin desserr geroiß, daß unter dem Narrrcr: Zühlkandidot die Sache unseren rnatzgebenden Inden rricht gegen den Strich gehen wird. Ich möchte also, daß die Juden Prags sich dafür einsetzen,die Bewillignr:g von der Regiernngf?) zn erlangen, einen Zä'hltaUididaterr bei jeder W^ahl aufstellen zn dürfen, der, soferrr er die Majorität der Wähler auf sich vereinigt, als Abgeordneter in die gesetzgebende Körperschaft einzuziehen das Recht hat, um daselbst als Dolrnetsch jüdischer Wünsche zn fungieren, öfters aber die meuchlerischen Angriffe gegerr uns von rechtsivegen rbzufchlagen. Solcherart ist ohrre Zrveifel der Weg gesurröen, alle Juden für die Sache zn gewinnen, insoweit der eirre Teil sich gegert derr Nämerr „National" verwahrt, im Wesen aber nichts dagegen einzuwenden hat. Namen sollen es nicht stur, die uns trertrilen, wenrt es sich um eine wichtige Sache handelt. Es ist rricht deplaciert, hier die Frage aufgnwersen, rvas soll der Jude, der bei dem- Jnslebentreterr des allgemeiner! Wahlrechtes den Wahlzettel irr die Hand bekommt, mit ihm beginnen, wenn er ihn nicht für einen jüdischen Kandidaten verwendenkarm. Freuen soll es mich, rverm mir darauf ^ffriüden st eilend geantwortet wird. Ben Jchnda. Ans Ungarisch-Brod. lieber Einberufung des Herrn Krtttnsvorstehers Markus B r a m m e x hatte am 25. Dezember 1005 im Sitz-rmgsfaale der Karltusgelneirrde uiur 7 Uhr abends eine Versammlung jüdischer Landtagswähler der Ung.-Broder Kültusgerneinde stattgeftt-nden. Mn die mährische J-nderifchaft zu einemgeeinigten ZnsänrMengehen in derWahlrechtsfrage zuveranlassen, entsendete das jüdische Zentraiwahlkomitee Herrn Dr. .Hermann Kadisch, Schriftsteller aus Wien, in die Versammlung, damit derselbe ein Referat liber diese Angelegenheit erstatte. Ter Einbernfer Herr Markus BraMmer begrüßte die Erschienenen und setzte den Zweck der ZUisarnmeu^tu rtft auseinan> er. Nach Kv-nftituieruu« des Präsidiums, in welches Herr Kültnsvorsteher Brammer als Vorsitzender, Herr J'U'Dr. Markus Weil zn desserr Stellvertreter und die Herren Lehrer F relschl und JUC. Verthold S p r e g l e r als Schriftführer gewählt wurden, ergriff der Vorsitzende abermals das Wort, nur mitzüte'ilen, daß arrläßlich derbevorstehenden Landtagsirvahlen sine Versammlung von Vertrauensmärmemr der Judenscha'-ft Mährens bereits stattgofunden. Er ist der Meinung, daß bei dem Umstande, als die Tschechen ans die Stimmen jüdischer Wähler nichd reflektieren, es sich empfehlen dürfte, entweder sämtliche jüdischen Stimmen a'n«f einen jüdischen Kandidaten zu versiuigerr oder dieselben demjenigen von derr Deutscherr irr den irr Betracht rormnendeln Wa-Hlbezirken ansgestellten Kaudidaterr zu geben, welcher für die jüdiischen Interessen eirrzntret'en verspricht. Zur Erzielung eines Erfolges sei aber vollste Einigkeit nvtrvendig. Hüerauf erteilt der Vorsitzende Herrn Dbktor Kadisch 'das Wort, der folgerndes auMHrt: Gegeriiwärtig bereite sich eirre allgemeine Uurgestaltu-ng der politischeit Verhältnisse vor. Irr Ungarr, wie nt Oesterreich gehe die Forderrtng nach dem allgemeinen, gleichen rrrrd direkten Wahlrecht ihrer Ersiillung entgegen. In Mährer; soll der langjährige Streit zrvischeu Dielitschen rnrd Tschechen, der auf dem Rücker: der Juden ausgettagerr roorden, teilweise geschlichtet üveröen. Es müssen sich daher die Ariden Oesterreichs, speziell Mährens, die Frage vorlegeir, rvelche Stellrrng sie angesichtsder zugewärtigeudert U'mgeftaltnrrg eirtz-nttehnreu haben Bei Ronacher in Wiert habe vor kurzer Zeit eine imposante VersammAnrg stattgeflt-ndon, in rvelcher die Forderung ausgestellt rvorden sei, daß der: Juden Oesterreichs durch Auerkenuung ihre re Nationalität eine gerechte Bertreluna im neuen Reichsrale zuteil werde. A.us die Frage, welcher Weg nun -irr Land und Reich einzuschlagen seß könue es rnrr eine Antwort geben: der Weg, der zur IUteressenvertretmrig führe. Jedoch «etze dies ein einiges mrd solidarisches Vorgehen voraus. Wenn wir vielleicht irr Einzelheiten a-uselinandergehert, körnte durch Tiölüssion so manche abrv eichen de Anschmunig beseitigt werö'ert. Jedenfalls aber uMsse. -rvenn die Näasorität einen. Beschluß gefaßt, derselbe auch durchgeführt rverden. Tie Chauvinistert aller Völker schreiert „Nieder mit den Juderrl" Es könne daher keine verbrecherischere jüdische Politik geben, als wenrt in irgend emem Teil der Monarchie jlidische Stimmen rrrrd jüdisches Geld dazrk vevw'ondet werden, nur den Nationalitäterrstreit zn schttrerr. „Es ist eigenartig", meinte dev Redner, „daß unau urrs, der: Zionisten näntlich, so oft wir betonen, ein Volk zu sein, welches die freiheitliche Entwickltrmz an-strebe, der: Vorwurf erltgegenichlendert, daß wir ein Ghetto errichten, imfer Voll ins Mittelalter zurückstoßen, uns zu Pärias machen und abschlietzeir rvolleir. Dem muß entgegengehaltenwerden, daß wir erklärt Haberr, jenen in Mjafsen wohnenden Inden, die irr ihrer Heimat nicht leben können, eilt Bettlerdasein führen müssen, eine ösfentlichrechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen. Wir haben Pflichten gegen rmser gesamtes Volk. Wir wollet: einig Vorgehen mit allen, die sich als Jrtdert fühlen. Bei uns heißt natiorml fühlen nicht gegen andere Hetzen, vielmehr für -unser Volk, darurrier insbeso>rrde're für die Armen nitd Elenden des'selben sorgen." Ter Noduer erivlOut ntru des Boykotts, der sowohl irr tschechischen wie in deutschen Gegenden gegen d'ie Juiden geharldhabt rvird, und kommt zum Schlüsse, daß jegliche Konzession, rvelche die verschiedenen Regierungen irgend einer der Veld er: Nationen gewährt, die Juden hätten büßen müsserr. Ter Nest reut streift mwfjt die heutigen ungarischer! Verhültnisst, erörtert danrr die gegenwärtige Situation in Mähren und meint: „Ob der Friede ehrlich oder nrtehrlilch gemeint ist, darüber ließe sich viel streiten. Jede der beiden Natiorreri hat ihre besonderen Gründe gehabt, den Atlsgleich abzuschließen. Daß das allgemeine Wahlrecht vor den Landtagennicht Halt machen Wied, ist selbstverstärtdlich. Darm wevöen die bürgerlichen Parteien sich sowohl gegerr die Sozialderuokvaten rvie auch gegendie Klerikalen zu wehren haben. Die Masse des Volkes ist des sortwäorenden Kärnpfesüberdrüssig. Tie heutigen parlamentarischen Verhältnisse sind unhaltbar. Nicht nur in den unterer: Schichten des Volles, auch ar: den oberster: Spitzer: des Staates meint man, Prämiiert I. Wiener Licht-Ausstellung 1900. - Telephon 12359. Kaiseröl-Fabriksntederlage Ceh A ülitz Wien, XX|2 Dresdnerstrasse 82 Petroleum in Kannen franko Haus nach allen Maua errötete tief lmib1 blickte auf ihre Papiere. Josefs Augen leuchteten freudig auf, Ludanyi aber machte eine ungeduldige Boweguug. „Mein Herr —" Der Alte unterbmch ihn. „Ich habe Ihre Tochter „lm'iu .siind" genannt, nicht lvahr? Nrm, ich bindoch schon ein sehr alter Mann. Und ich habe es wirklich gern — dieses — K'nd, — wie eine Tochter, ich fühle es. Und mm seien Sie mir deshalb böse — wenn Sie's können, Herr- Graf." Dabei blickte der Alte dein Grafen fest in die Augen und jener konnte keine Antwort finden. Nach einer kurzeir, peinlichcrr Parrse plauderte mau noch einhalbes Stiindchen über allerlei Dinge und ging d<mn zu Bett. Zum ersten Male reichte Joses der M'a- -na in G^enwart ihres Vaters die Haird mit einem einfachen: „Gute Nacht, Fräulein." Es war dem Grafen anzusehar, daß ihm die Familiarität gar nicht paßte, aber znm zlveiten Male herrte abend lvrißte er nicksts e.nznlvenden. Nur unter seinem Schnauzbart murmelte er: „Wenn, die Kerls nur nichts solche Gentlemen wäwn! Und dann sind sie auch mime Gäste." Als man sich am nächsten Nachmittage wieder zusannnenfand, meinte der Großvater: „Wir wollen heute möglichst viel erledigen-. Nicht wahr?" Sie wollen! uns )vohl schon gern los sein-?" fragte jener, halb scherzend, halb im Ernst. Ludanyi wu.rde vi.rwirirt. „Aber was fällt Ihnen ein! Sie sind mir lieb und lvert! Wirklich! Nur gespannt bin ich,, lvie es weiter kommt." „Es ist ja bald zu Ende," meiute Josef, das Manuskript hin- und herrollend; „vietleichi komen wir heute schon znm Schluß." „Heule kaum," erwiderte der Großvater bestimint. „Es ist noch nicht solo eit. Aber bald, doch fange an, mein Kind." Und die Arbeit nahm ihrcn Anfang wie immer, Josef diktierte und Maria schrieb: „In Belendscher herrschte großer Jubel. Die Straßen lvaren glefüllt mit Volk; Jude, Christ und Muselmann drängten! sich friedlich aneinander. Namentlich bein: Palast un-d auf dein ganzen Weg bis zunr Tempel staute die Menge, den hier, mußte der Chan vorbeikommen auf drin Wege zum Goltesdien-st und miit ihmdie byzantinische Gesandtschaft, die mm schon' mondelang in; Belendscher weilte und noch immer dort lvar. Im Tempel selbst waren schon so viel Menschen, als hinein konnten, und auch die einzige Moschee und die einzige Kirche, welche die Hauptstadt arfwies, ttmvcn festlich erleuchtet und gestillt. Denn es galt I heute ein gar großes Fest zufeien:. Ein dre!-! faches, großes Fest. Es war der Pnrim-tag, ' nach dem sich die Einwohner der Ehazaren- - Hauptstadt das gange Jahr hindurch sehnten; - gl.ichzeilig aber sollte der Sieg der Chazaren über die aufständischen' Wjatitsthen- und das; Bündnis der Chazaren und Byzantiner an! diesenr Tage gefeiert werden. Dieses Bündnis, das am. Tage vorher errichtet worden war zum Schutz und Trutz der beiden Länder, wäre beinahe gar nicht zustande gekommen. Denn Kundschafter hinterbrachten dun Chan die .Nachricht, daß Byzantiner umherzogen in: Lande der Wjatitschen, diese anslviegelteir gegen ihren! Herrn Chakan Bn-lan und ihnen Hilfe versprachen ans Byzanz. Und als dcx Chakan dieses der Gesandtschaft vorhielt, da anttvortete Kaiserin Irene damit, -daß sie Streitkräste aus Byzcmz zunr Chakan schickte, damit diese ihrn helfen gegen die Wjatitschen. Uird oblvohl der Chan dieser Rede nicht bedrirste, sah er doch daraus, daß Irene es ehrlich mit ihm rneinie und jene Kundschafter sich geirrt hatten. Die Wjatitschen wurden also aufs Haupt gfchlagen in einer eiiWgen großen Schlacht und ihr Ansi'chrer enthauptet. Dann- Ivard das M'mdms Vollzogen-, welches nran heute feierte. (Fortsetzung folgt.) KREBWOHIEKE Extrakt Oieeev stete mit gut. Erfolg aogewend. Brusteirup wirkt 5. niTTELP/ICn -.- -. Wien, I., Heher Markt Nr. 8 SESlÄffiSi. 4(|>alsii 9i»e) im Zentrum der Stadt. + Appetit u. Ernlhruag aow. deq KOrper etttrlrend. Prell K!