Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 3 (12.1.1906)
- Date
- 1906-01-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/2429839-2429840-2429843--018-2430067- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Żnin 1× ep/1048185
OCR text
Der 7. Jänner. Die Aktion des Wahlreckstskomilocs hat bereits ganz ungeahnte Dimensionen angenommen. lieber alles Erwarten stark ist die Bcreilignng der jüdischen Intel! iaenz. Tie Weisiaglmgcn derer, die da höhnisch meinten, die Agitatoren wevdcn bei der Mischen Bevülkernng keinen Anklaim, sondern nur einen HinaiiMuiuT finden, ist jämmerlich zuschanden geworden. Man muß die Versammlungen in A'mhren und die tausendköpfigen Versanun lungeir in Galizien gesehen haben, um nur ahnen 51t können, lvelch tingehetrrer Schatz von Begeisterung, Leidenschaft und Velkslicbe in diesen bisher so stiefmütterlich behandelten Masseir ruht. Das Volk ist nun einmal^ erwacht und kein Rankespiel, fein Mißerfolg wird cs abhalten köuueu, von sein-en Forderungen mrd Rechten Abstand zn nehmen. Der 7. Iämrer lvar eiir Lostag in der Geschichte der österreichischen Jlchensehast. An: 7. Jänner fanden in der ganzen Monarchie Versanrrnlnitgeir statt. In Galizien allein über vierhundert. Selbswetständlich hatten diese galtzischen Versammlungen wieder ettvas Galizisches an sich. Der Herr Bezirkshaupnnann fand in einer jüdischen Versarnrnlung die Möglichkeit des Ausbruches einer Seuche. Der Mann erfüllte nur seine Pflicht, indem er errergisch dieser Gefahr begegnete rmd die Versammlung verbot. Aber man kannan. diesen: lehrreichen Beispiel erkennen, tvelch bitteres Unrecht den Regierungsorganenin Galizien überhaupt geschieht. Denn die Jrrden halten' die Kühnheit, sich den weiseir Anordmmgeu des Bezirkshauptmanus nicht zu ftigen. Die Seuchengefahr verhinderte sie nicht, zu Paragraph 2-Versammlungeu zusalmnenzuireten. Leider besitzen wir nicht den Ramn, um alle Meldungen hier uuterLriugen zu können. Wir wollen nnr versucheil, die ersten Au zeigen, die wir. erhielten, zu bringen: Potok Zlotij. Große Volksversammlung: Redner mr. Wemrcb ans Buezacz. Kossorv. Im Hotel Sch-apira über 700 Iu-s'u versammelt. Redner: S. A. Häusler und Dr. Seliger ans S-uialyn. Hnsiatyn. Agitalion mit Hilfe des Kultus- Vorstandes, des La nfmä „urschen Kasinos und des Vereines „Bnei Zion". Großer Erfolg. Ottynia. Bezirkst: mptmamMaft verbot d-e Versammlung, daraufhin 8 2-Versa>mnlnng in der Synagoge. Redner: Herr Krener und Herr T-r. Kanncr. Seletyn. Vcrsamnrlnng sämtlicher Inden, gro^e Begeisterung, Annahme der vorgelegten Resolution. Kalnsz. Große Versammlung, Teilnahme auch der indisserenten Elemente. Redner: .Herr Abraham Ringel ans Skryj. Tlumacz. Tausendkvpfige Volksversammlung. Redner: sur. Inslicht itn-5 L. Magnet aus Stawislan. An der Versammlung nahmen auch Doch sagt: warum suchet ihr just diese Rachel? Es fielen doch so viele." „Ein Freund ihres Vaters, der glücklich entflohen, bat unfern König darnnr." „Sich ifo! Und dieser Freund; darf man fragen, wer der war?" Der Sprecher schmieg ein Wetschen, dann sagte er: „Wir keirnen ilicht seinen Namen. „Jedoch ivar's ein byzantinischer Krieger!" „Rein, der Mann ist Jude!" „So, so. .- Und weilt nicht eilt byzantinischer Krieger aneurem Hof?" „Gewiß nicht!" „Keimt ihr nicht Leo?" „Rein doch! Würden lvir's denn sonst mehl sagen? Wer ist Leo?" „Ein Fahnenflüchtiger, den lvir suchen. Verzeihet die vielen Fragen. Nehmet ineinen Seg.n mit auf den Weg." „Lüge gegen Lüge, es ging nicht anders," mtirmelte der Sprecher. Der Patriarch aber trat m das Gemach der Kaiserin. „Und Leo ist doch nicht in Belendscher, wir täuschten uns," sagte er vergnügt. „Die Nachforschungen hat irgend ein entronnener Jude, ein Freund Benoms, veranlaßt." WaiehbarU üauardiehi! Qtruchlos! Rationalzeitnng die Vertreter der anderen nationalen Gruppen teil. IablÄorv. Große Bollsoersammtnng. R^- ner: L. Ebner. Kolomca. Große Volls-versamMnng in der großen Synagoge. Als Rbdner fungierte Tr. Sal. Roseuhcck, der große Begeisterung erzielte. Herr Oster erklärte im Rainen der Sozialdemokraten ihre Zustimmung und ihren Anschluß. Voll Kolomoa ans wurden Versoinmlungen in Obertyn, Jablmtorv, Gwo-dicz, Pcczyiticzyrr, Horebcnka, Bvczacz veranfMet. Als Redner fungierten die Herren Scheermann, Geber, sur. isliitai, jur. Hncznekcr, sur. .Kleinmann und Prediger Weber., Useic t'iclonc. An der Agitation beteiligten sich lebhaft die >urftusgenieinde und der Vcreilk „Hakilaoa'. Referenten: Inwey und Techniker Krisnapoler. Ezndin lBnkolvina». Am 7. Jänner fand hier im Saale der hiesigen Knltnsgemeinde eine überaus stark besuchte jüdische Versammlung statt, in ivelcher das Thema „Die Wahlresorin und die jüdische Autonomie" zur Sprache gelangte. Der Referent, ftnb. jur. M. Krastel („Zephirah"-C zcrnowitz), besprach in IMum dtger, mitAtürmischem Beifall anfgenmmnener Rede die Stellung der Inden zlnn allgemeinen Wahlrecht. Er kam zu dem Schlüsse, daß es einzig und allein die natiolmle Autononne fei, die die Juden von dem schwierigen- Dilemma, entweder gar keine Vertretung 51t haben oder im Lager anderer Nationen 311 wählen, befreien könne. Nach den: Referate wurde eine lebhafte Diskussion eingeleitet, an der sich unter andern der hiesige Kultusvorstand, Herr E. Rudich, sowie bei Herren, sind. tech. B. Schindler („Kadimah"-Wien) wann beteiligten. Im Sinne der Referenten wurde etile Resolution einstimmig angenommen, die sofort telegraphisch'dein Ministerpräsidenten nütgeteilt wurde. Czernowitz. Sonntag den 7. d. Dlts. fanb Zwecks Disktission über die Erlangung einer jüd. Wahlkurie wie in allen größeren- Ortschaften der Bukowina und Galiziens auch in Ezernowitz im Rathatlssaale eine jüdische Vobksversainlnng statt, die massenhaft besucht lvar. Lange schon vor Beginn der- Versammlung, halb 4 Uhi^imchmittags, war der Saaldicht gefüllt und es rnußten viele, die die Versanunlllng besitchen lvollten, Platzmangels wegen den Heimweg wieder antreteir. ftnm Vorsitzenden ivnrde unter geradezu stürmische: A4flaniationen Dr. S t r a u ch e r und zrun Sleltvertteler Abgeordneter W. T i l t i it g e r gewählt. Als Regieruikgsoertreler fungierte Komnrissär Tr. W y s 0 c k i. Nach einer Etuleiirlng des Vorsitzenden ersiattcteit Tr. Meirdel Ki i ir z b r tt it it e r urrd Redaktetir Löbl T a tlb e s in erschöpfender und lichtvoller Weise die Referate. Dr. Kmsbrrmner lviderlegte in eitler großzügigeit, markigen Rede alle Bedeirkeit, welche gegen die jüdische Autonomie vorgebracht Ireires Gesicht erhellte sich. „Ist das gelviß?" „Ich glaube ja. Sie ahnten nicht, wes-, halb icb fragte." „lln-d mnr?" „Schuiell Ftißlänfcr und Reiter ausgeschickt, Rachel und den. Patrizier 31t verfolgen. Einen hohen Preis auf ihre Köpfe ausgeseht. Sie dütfen Belendscher nicht erreicheu." „Ja," erwiderte die Kaiserin. „Erreicht der Patrizier Belendscher, siitd unsere Pläne vereitelt, denn er kenn „Er darf cs nicht erreicheu," unterbrach heftig der Patriarch. Un'd während sich vor deur Palast die beideit Gesandtschaften, die zahlreichen, mit Geschenken bepackten Maulesel mvb die Sklaven zu einer glänzendeit Kolonne vereinigten imb in Bewegung setzten, verließen: voin hiittereit Eingang her Reiter und Fttßläufer in Schareit den Palast, um ganz Byzanz und alle Laitdstraßen zu dtirchsncheit nach Rachel Benoni tiltd ihrein Beschützer, dein Patrizier. Eines Morgeits, ungefähr eilte Woche später, betrat dier Patriarch das Gemach der Kaiseriit. Sein Gesicht strahlie vor Freude. „Gute Botschaft, hohe Tochter," rief er ihr schon vont Eiugaltg eittgegett. „Soebeir ist eilt Sklave tmserer Gesaudtschaft zu Belendscher ciltgekrosfett. Er nteldei, daß lve- ■Nr. { lvevden, während Redakteur Taubes im jüdischer Sprache das Wesen des zu evsirebendett indischen Katasters erklärte. Als oppositioneller Redner sprach Advokat Dr. C Home dl, dessen. Argninente großen Widerspruch bei der VeriammltUtg hervorriefelt, so daß dieser schließlich auf das Wort verzichtete. J,r sehr ttefflichcr Attsführtlng beleuchtete sodmur Mvokat Dr. Maper E b u e r die Mische Wqhlrcchtsbcweguitg nnb widerlegte die AussülMm gen Ehomeds. .Rüichdcin itoch ein jüdischer Arbeiter Ackermann gesprochen, hielt Dr. Straucher das Schltlßivort und ltnter tosendem Beifall lvtirde folgende Resoluttoit! des Referentern Tan-bes, tvelche telegraphisch deitt Miuisterpräsidenten und denn. Miilister des Jnitenr wie folgt übermittelt wurde: „Die am 7. Jänner 1906 im Rathatlssaale zu Czernrolvitz tagende ntassenhast besuchte: allgemeine jüdische Volksversamutltutg orsttcht dringendst Euere Exzellenz in der Sau hohen Reichs rate zu imtevbceitawen Wahlgesetzvorlage den wirksanten Schrch der jüdischen MiiWriiäi in Oesterreich durch Schafflutg natioital-jüdischer Ktrrielt oder'jüdischer Wahlbezirke sicherzustellelt. Der Vorsitzende: Abg. Dr. Straticher", aitgatoltmteil'. Bielitz. Seitens des mähr.-schles. Drstrchktskvlnitees lrubde der Bielitzer Organisation Sie Isgitation in Schlesien in der Wählrechtsangelegettheit zngewieison. Bei der mangochäst «itsgeban ten O rganiisatwU. in die sem Kroll lande i!st eö jedoch nicht möglich gewesen, mit der Agitation sofort z>n beginneir. Das Komitee hofft jedoch bis znin 10. d. die Vorbereitungen soweit getroffen zu haben, daß von: 20. Jänner an in fast allen schlesischen Städtelr Berfannnktlngelr stattfinldelr werden. In Bielitz findet bereits ain 14. eine große Vvkksnoi-s«r'mni0ung statt, irr welcher Herr Dr. Leopold Kahn referieren wird. Das Konrftiee trifft die uurfasselldstcn Vorbereitungen, um dtofe Versamnllung imposant zn gestalteu. lieber den Vcrlaitf werde» wir berichteu. Parteiverhältniffe in Böhmen. Prag, dcll 7. Jänner 1000. Ueber die an, 0. d. M. hier stattgeslrirdene und arffgelöße jiidische Versa nun tun g dürften Sie von anderer Seile schon unterrichtet sein, ich will es dagegen versuchen, die Eiudrücke, die -eilt aufmerksamer Beobachter bei dieser Gelegeu'heit en,pfaugerl lnnßte, nnederzngsbeu, um daraus die Rotlveu'diglett einer jüdischeu Wählerinrie zu be,veiseu. Aeßgehalte» soll zunächst die Tatsache ,verde», daß es ein t s ch e ch r s ch s 0 r t s ch r i t t l i ch r r Jude gewesen, der mit nnnerhoh-lener Absicht, die Versammlung zu sprengen, die Rednertribüne vet rat, die t s ch e ch i s ch e u Jude n k >o u s e r v ativer ßlichtung enthielten sich des Wortes, forveit sie sich an der Versammlung beteiligt haben. T ie tschechischen Jude n, v 0 n D r. ScharfS Eouleu r, blieben zuhause, weil sie selbst deil enra gier testen Alltisem>iteu wählen qverden, falls die „Rar. Lrsty" sie dazu kontmanfricrc» werden. Die offizielle Ilideu'schast, die der Rachel noch der Patrizier Belendscher erreicht haben. Mai, erzählt sich, ztvei Leichen seien geftlndcu worden, ein Manir uu-d eine Frau, von Wölfeir zerrissen. Nienmnd kennt sie. Also sind-'s wahrscheinlich nie bei den,^ sonst hätten sie längst in. Belendscher sein müssen. Auch den Leo scheint kein Meußtz Varl zn kennen. Am Hofe und in der Staldt ist er jedenfalls bestimmt nicht, sonst hätten ihi, unsere Leute entdeckt, da sie ihn alle kennen nun scharf Ausschau nach ihrn halten." Freudig küsstdie Küiserin die Hand des Patriarchen. „Frohe Botschaft fürwahr! Dank, heiliger. Vater! So sind denn die Heiligen mit uns. Ter Bann scheint gebrochen und wir haben gewonnenes Spiel." Josef hielt erschöpft inue. Fmn ersten Riale hörte er ans freien Stücken aus, ohne ei'st dazu anfgesordert lverden zu müssen. Er lvar völlig erschöpft, nicht nur von der Anstrengung, sondern auch vor Ansreglmg. Den anderenging es nicht viel besser. Der einzige Ruhige war, wie immer, der Groß Vater." „Es lviod ein kompletter Ronran," rief Riaoia erregt. „Wie wird er wohl enden?" „Gut für die Guten, -lvie alles enden nmß, mein Kiud," erwiderte der Großvater ruhig. Pollenz echte Reform-$cb weissblätter «MW! i