Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 1 (5.1.1906)
- Date
- 1906-01-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Natwnalzeitung Nr. 1 Seite ü diesmal siegen, wenn jeder Iüestchnatte.'mtt' voÄäüf seine Pflicht tut. Sollte un* ober gegen Erwarten diesmal der Sieg entgle ten, Hann wevdeir lvir in wenigen Jahren um so fcgfimtatcr, um. so glanzender siegen. Die Bewegung fiir die nationale Autonomie läßt sich.nicht mehr anshalten, gegen die Macht großer Ideen läßt sich eben n cht ans die Tauer ankämpfeu, sie wirken tvie elementareNaturkräfte. Assimilanien, laßt alle Hoffnungen fahren, der endgültige Sieg ist uns doch sicher! Preßstimmen über die Stellung der Juden zur Wahlresorm. Mn dcntschlibtralcs Blatt für die Judenkurie — in Galizien und Bukowina. „Das „Prager Tagblatt" hat am 28. Dezember in e.nem „Die jüdische Kurie" betitelten längeren Artikel sich über dieses Thema geäußert. Ter Artikelschreiber gleitet über die nationale 'Katastrierung der westösterreichischen Juden vorsichtig und kurzerhand hinweg, indem er sic m t bom Einwan de abtut, daß die Jüden im Westen nur Andersnationale mosaischer Konfession sind. Er hat sich da das schwächste, bequemste und wohlfeilste Gegenargument herausgesucht. Mit größerem Verständnis, aber auch mit stärkerer Folgerichtigkeit beurteilt er die östlichen Bechältn.ssc. Tie in einem ausgesprochen liberalen Parteiblatte jedenfalls überraschenden Ausführungen, d'e, mit der üblichen Totschweigetaktik brechend, der aktuellsten jüdischen Frage gewdmet sind, lauten: T'ie praktische TurchsWruna nationaler Kcrtaster ist, theoretisch genommen, höchst eirrsach. Stur in einem einzigen! 'Falle kamr sie Schwierigkeiten bereiten — bei den Freden, und speziell dort, wo diese irr dichten Massen beisammenwohnen. Im westlichen Teil Oesterreichs, wo die Emanzipation der Finden ihren Anschluß cm die Nation, Leven Bildung ste angeuvrnmen haben, zur Folge hatte, •fo daß es hier — trotz der jungen zionistischen Bewegung — eben nicht Natiorralisten, sondern DerUsche, Tschechen oder Italiener mosaischer Konfession gibt, mag die Frage einer jüdischen .Kurie befrenlden. Anders liegen die Devhältnisse im Osten, irr Galizien und der Bukowina. Dort ist e8 eine eminent praktische, direkt eine Existenzfrage. Znm größten Teil eingekeilt in die ruthenische BeEkevu-ns, Hütten die Inden die Wahl Mischen der polnischen urrd der rnthenischen Kurie. Und welche der beiden sie auch Wahlen würden — beides wäre für sie ein Unglück. — Erscheinen sie im polnischen Kataster, dann sind sie sofort zu den Todfeinden der Ru Genen gestempelt, nnter denen sie wohnen, mit Lenen sie wirtschaftliche I iseröl-FaMs- — Telephon 12359. DlCtlSflilfj!! ... Prämiiert I. Hener Licht-Ausstellung 1900. Interessen verbinden, von Lenen sie wirJcha glich abhängig sind und mit denen sie bisher in verhältnismäßigem Frieden lebten. Ja es körlnte in. diesem Falle nicht überraschen, wenn es direkt zu Judemlnrnhen unter Len Nnthenen käme, wenn die Inden durch ihre Stimmen zur Knebelung und Unterdrückung deS rnt'henischen Volkes beitragen würden. Wenn sie aber dies bedenken, wenn sie mit dem Volke, unter dem sie leben, Frieden halten wollen, dann kommen sie erst recht von der Skylla in die Eharybdis. Ter ganze gewaltige Einfluß des Polenklubs würde sofort gegen sie mobilisiert werben; statt des vielleicht bloß wirtschaftlichen Boykotts von seiten der Nnthenen käme die systematische Betärnpsnng durch eine gewaltige, einslntzreiche, in ihrem Besitzstände sich bedroht fühlen de Partei, ja durch das ganze polnische Volk. Denn es handelt sich nicht mehr bloß ium die Stimme der Inden, sondern um die bedrohte Herrschaft über die Ruthenen. Wenn aber — was schließlich das wahrscheinlichste ist — d.e einen sich den Polen, die anderen den Nnthenen an'schließen, dann ist es ganz unzweifelhaft — und darin wird jeder Kenner der Verhältnisse beipflichten — daß der Kampf und Boykott gegen die Finden von beiden Seiten losginge — von selten der Polen, weil sonndfoviele Juden mit den Ruthenen — von diesen, weil sonndfoviele mit den Polen stimmen. Beide würden gewiß nicht ermangeln, die Inden nach bewährten Miu'stern als die Erzvolksse'inde hinzu stellen. — Eine wirtliche Zugchörigteit zu einer dieser Parteien aber — und das muß ausdrücklich betont werden, von seiten der Inden existiert nicht. Jeder, der nur irgendwie Einblick in die Verhältnisse hat, wird dies bedingungslos für die breiten, ausschlaggebenden Massen znnlindest M ge stehen, da nicht nur Lebensführung und Lebeusbedittgung der Inden und der beiden anderen Völker durchaus verschieden sind, sondern auch schon aus dem rein äußerlichen Grunde, weil sich die Inden fast durchgängig einer anderen Sprache, des Jargons, bedienen. So scheint denn die Schaffung einer jüdischen Kiurie für Galizien und Vnkowina die einzige Möglichkeit, mn nicht nur die wirtschaftlichen und intellektuellen Bedürfnisse der östlichen Finden zu schlitzen, sondern auch für jene Länder die Gewähr einer Kalmierung des inneren nationalen Haders zu bieten. Wir wollen davon absehen, daß in erster Limo sehr gewichtige Prinzipien staatsbürgerlicher Anerkennung lind Gleichberechtigung für die nationale Gleichstellung und Gleichwertigkeit der Juden sprechen. Im Osten nicht minder wic im Westen» des Neiches. Aber wenn schenr int „Prag. Tagbl." auf gewisse materielle praktische Seiten der nationalen, Frage das Hauptgewicht gelegt und die Juden kurte mit Rücksicht auf die notwendige Neutralisierung der Juden im poluisch-ruthenischen! Kampfe gefordert w'rd, — ja, liegen denn die Verhältnisse in den Sudetenländern, und speziell in Mähren, wesentlich anders? Auch dort ist es gar nlichi ausgeschlossen, sondern seit Jahren hier und dort der Fall, daß die. Juden zwischen die beibeiu nationalen Feindeslager geraten und Wie zwischen zw.i Mühlsteinen wirtschaftlich aufgerieben werden. Allerdings, um „die wirtschaftlichsten und intellektuellsten Bedürfnisse" der westösterreichischen Jllden zeigt sieh das liberale Blatt nicht so besorgt und legt sich für sie eine andere Logik und Politik zurecht. Aber man braucht int ob gen Artikel statt Polen, lind Ruthcnen mir die Worte Deutsche und Tschechen, ei nzu fügen und d'e Judenkurie erweist sich aud>, für den Westen als „die einzige Möglichkeit..." Siehe „Prager Tagblatt"! Aus den Agitations- Versammlungen in der Provinz. L-.ipnik. Anr 26. Dezember veranstaltete die. jüd.-akadem. Ferkalverbindting „Massada" zugunsten der Opfer der russischen Judenmassakers eine Makkabäerfeier. Nachdem Herr Ing. Groag die zahlreich, erschienenen Gäste begrüßt und Herr Ing. Himmler die Bedeutung der Makkabäerfeier für die jüdisch. Jungmannschast erläutert hatte, hielt Herr Dr. K ad i s ch seine Tende nz rede. Im. ersten Teile, wo er über die Greucl der russischen Judenverfolgungen. sprach,. fiel cs einem Redner von dev Art des Herrn Dr. Kad'sch naturgemäß nicht schwer, die Anwesenden zu, Tränen zu rühren. Ahrr auch im zweiten Teile seiner Rede, wo er das Wesen der jüdischnationalen Autonomie erklärte, gelang es ihm irr jenem Leipnik, i n d e m m a n> b i s h e r v o n c i n e m j ü d i - schen Nati o n a l i s m u s n i ch. t s w i ss e n w o l I t e, so manchen Anhänger zu gewinnen. Um das Gelingen des inoffiziellen Teiles madjitni fiefy besonders verdient die Daruen: Frau Dr. Beck, Frl. Sidomie Prehner und Frl. Tauber sowie dic Herren stud. jur. Rokotnitz, stud. jur. Tauber u. a. 5iremsier. Am. 27. Dezember fand in Den Lokalitäten der hiesigen Kultusgemeinde eine Verstümmlung statt, in der Herr Dr. K a - d i schj über das Thema: „.Nationale Autonomie und die Juden." referierte. Air der darauffolgenden Diskussion beteiligten sich Herr Kultusvorsteher K n ö p f e l m a ch e r, Herr D o n a t h, Herr S ch i m in e r l und Herr Prof. F r a n k l. Zum Schlüsse wurde ein» st i ni m i g beschlossen, daß eine Nesolution an den Ministerpräsident.n gesch'ckt werde, in der die Gleichberechtigung der jüdischen Nation mit den. anderen! Nationen! verlangt^D^ Geh * Blitz Wien, XX^ Dresdnersirassa 82 Petroleum in bannen franko Haus nach allen Doch auch Redlich erfaßte merkwürdig rasch die Situation und gar bald bereute er seinen Schritt. Der Pfarrer, welcher nach der Taufe sichtlich seine Besuche bei Redlich eingestelü hatte, hatte sich zwar ehrlich, bemüht, ihn in die Gesellschaft der Stadtbürger einzufiihren, doch gelang es nicht, ihnen, das Vertraneni für Redlich einzuslößen, und deshalb blieb der Verkehr zwischen. Redlich' .und den Bürgern^ nicht nur aufs äußerste beschränkt, sondern man kam ihm auch n.och mit lveniger Vertrauen entgegen, wie seinerzeit, als er noch Jude war. Gerne hätte nun Redlich sein Wort zurückgezogen, gerne gesehen, daß die Tat nicht geschehen wäre. Verachte! war er nun von Juden! und wenig beliebt bei Christen-. „Mama, jetzt sind wir doch auch Christen und doch schimpfen mich alle noch immer „getaufter st.r Jud"! Was habe ich also davon'?" beklagte sich fetzt häufig Leo zur Mutter. Die Mutter sah erst jetzt ihren Fehler ein und war nicht einmal mehr imstande, ihr Kind nach i h r e r Art beschwichtigon zrr können. Verkannt, vergessen und verschmäht, das ist und bleibt das Los der meisten Renegaten. Huntes Feuilleton. Die Goethe-Briefe der Meyer Cohnfchen Sammlung. Bei der in Berlin stattgefnndenen Versteigerung der Meyer Cohnfchcn Handfchriftenfammlimg ist man bei der Abteilung „Deutsche Schriftsteller, Dichter und Gelehrte von Lessing bis zur Neuzeit" angelangt. Man drang, so berichtet die Vofsische Zeitung, bis zum Buchstaben G> vor, so daß die Perlen der Saminluna. die Goethebriefe, ihren neuen. Besitzer fanden. Zwei köstliche Briefe der Mutter Goethes wurden für zusammen 840 Dtark fortgegeben,. Dann kam die Korrespondenz Goethes mtt seinem Jugend freund Friedrich Heinrich Jacobi an die Reihe. Der Katalog zählt aus: 71 Stück eigenhändige Briefe mit Unterschrift, I66P2 Seiten umfafsend, und zwei eigenhändige Gedichte sowie 14 nur uuterschriebene Briefe von- 88 Quart- und Oktavseiten. 12 000 Mark war der Prcis, für den diese Sainmlung nach Frankfurt ging. 68 Briefe des Dichterfürsten, unter denen aber bloß drei eigenhändige, an Karl Friedrich Grafen v. Reinhardt, brachten es nur auf 2366 Mark. Fast ebenso hoch, nämlich mit 2100 Mk., wurde ein einzelner Brief Gocthcs bezahlt, und zwar der, in dem er von Clavigo, Götz und den. Leiden des jungen Werther spricht und u. ci. sagt: „In der .Nacht vom 28. auf den 29. May kam Feuer aus in unsser Iu denga sse, das schnell und gräßlich überhand nahm, ich schleppte auch weinen Tropfen Wasser hyn und die wunderbarsten, innigstcn, mannigfaltigsten Empfiiidungen haben mir auf der Stelle meine Mühe belohnt. Ich habe bey dieser Gelegenheit das gemeine Volk lmeber näher kennen gelernt, und binn aber und abermal vergewissert, daß das doch die b e st e n Mens ch e n sind. . . Ein Diplomat über den Antisemitismus. Sir Horace Rumbold, dev frühere Botschafter Großbritanniens am Wiener Hofe, hat die Geschichte^ seiner D.plomatenlanfbahn in einem Memoirenwerk beschrieben, dessen dritter und letzter Band vor einigen Tagen erschienen ist. Der Verfasser äußert sich darin u. a. auch in sstcchr beachtenswerter Weise über die Frage des Antisemismus? „Der AntisemitisnNis — sagt er — ist eines der ernstesten Uebel, an denen das öffentliche Leben in Oesterreich leidet, und es gibt in Wien keinen verdeirblichercn Einfluß als den des bigotten und herrschsüchtgen Bürgermeisters Dr. Lueger, der unglücklicherweiso die fließende rhetorische Macht eines geborenen Demagogen besitzt. Der Wahnsinn feines leiidenschaftlichen KreuzzugeK gegen die Juden ist durch die verheerenden wirtschaftlichen Resultate, die er zur Folge hatte, rasch, offenkundig geworden. Die österreichische Negierung tut wohlweislich ihr Bestes, unr den Antisemitismus int Zaume zu halten, dem sich auch der Kaiser stark widersetzt, da er denselben! ganz richtig für unsittlich und gefährlich hält. „Ich werde in meinem Staate keine Judenhetzeu dulden," sagte er zum- Rabbiner voir Prag nach den antisemitischen Exzessen in Böhmen.und Mähren, nach der bekannten Affäre von P!olna." KRCBWOUICKC 5. niTTELBflCn Wien, I , Hoher Markt Nr. 8 ♦ (Palai» Siaa) im Zentrum der Stadt, ch Soda-Pastillen. tjebeUeiieD. Dieselben sind f(Jr Pernouen, welch» an Magenbeachwerden __ bQdbrenen, AuMoaaen etc. leiden« unentbehrlich. Vermöge der Ausstattung in Pastillen' form sehr bequem. — Prall pro Sahaohtol 10 Holler