Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 1 (5.1.1906)
- Date
- 1906-01-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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: heori e. Itever Rasseudingc tvissen iw. n cht vill Bestiinmtes. die wissenschaftliche Vorurbeit ist zum Teile noch nicht geliefert, in dm Werdeprozcß dieser Dinge können wir roch nicht htneinleuchten. Ader nationale „Eigentümlichkeit" ist etwas historisch Ge gebenes, Klares, faßbares und Greifbares, Deutsche tcnd Franzosen, Engländer und Spanier, ja .konservative und Sozialist.,, sogar liaden liier für Sinn, nur d u Judei, und Halbs udeu fehlt mertlviivdigerweise der -inn kür diese „psychischen Geincinsamke tsinerkmale", wie ich diese nationalen Eigentümlichkeiten schon im Programme der Jüdischen Volkspartei genannt habe. Für Juden und Halbsuden sind dstse Dinge eben auch in theoretischer Begebung unangenehm. Auch in der Wissenschaft spielt, nm nur Nietzsche zu reden, das Menschliche, Allzumenschliche, das hinter den Dingen geht, eine Nolle. Der Daldji.de Herd wird mich schon perweheil. Doch dies nur nebenbei. Der Staat, meint Hertz weiter, kann mit solchen geistigen Einheiten nichts anfangen, er braucht ändere Merkmale. Das ist die Sprache, und dieses Merkmal fehlt bei den Juden. Hierbei ist nun zweie,lei zu sagen: Erstens haben die menten Inden eine eigne Sprache, zweitens braucht ein moderner s-taat solche äußere Merkmale gar nicht. An dieser Stelle weiß Hertz nichts davon, daß die Inden eine eigene Sprache haben; Zum Schlüsse des Aufsatzes heißt es wörtlich: „Aber selbst irn Osten, wo die besondere Sprach." nsw. Drei Viertel der Inden Oesterreichs wohnen oben im Osten, geehrter Herr, sprechen eben den sogenannten jüdischen Volksdialckt. Und diese Sprache, die manchen Inden, die selbst nur ellnd mauscheln, so komisch vorkommt, ist eine gar wuchtige und schöne Mundart, die sich viel besser liest als jenes papierene Deutsch, das unsere Assim lanren schreiben. Es klingt nicht schön, sagt inan; nun, das ist Geschmackssache. Ich für meine Person liebe jenes seltsame Nichtdeutsch, jenes undeutsche Gemauschel der Wiener, mährischen und deutsch-ungarischen Juden auch nicht. Aber die Hauptsache ist und bleibt, daß zwei Drittel ö eWJüdetMinOesierreich, wie Hertz selbst einmal zugibt, nun eine besondere Sprache haben. Zweitens, ein wirklich moderner Staut braucht diese äußeren Merkmale nicht. Im modernen Staatswesen wird und soll nur darnach gefragt werden: Will sich eine Gruppe von Menschen ans einer solchen« nationalen Basis konstituieren, daß dadurch etwa der Staat geschädigt wird«? Die Iren haben auch keine eigene Sprache, aber cs fallt den Engländern gar nicht ein, ihre Forderungen abzuweisen, weil das äußere Merkmal der Sprache fehlt, soudenk an unsere Helene. Du weißt nicht, daß sie in den Leutnant, der uns -- mich und die Helene — stets auf der Promenade begleitet, rein pernarrt ist. Wenn wir sie nicht einem beliebigen hergelaufenen Juden geben, bleibt sie zum Schlüsse noch eine alte Jungfer. Wenn wir uns taufett lassen, wird aber alles anders. Dann wird sich gewiß der Leutnant mit unserer Helene verloben, denn das fatalste Hindernis bei der ganzen Sache ist dann für immer beseitigt. Wir müssen cs unserer Kinder halber tun, denn haben auch wir genügend Leid als Juden ertragen, so soll cs unseren Kindern erspart bleiben." Die Frau siegte, Redlich äußerte dem Pfarrer gegenüber den Wunsch, sich taufen zu lassen. Ter Pfarrer weihte sie mm irr die Gebräuche und Glaubenssätze seiner Religion ein, bereitete sic zur Taufe vor und besorgte s löst die Taufpaten. Die .Nachricht von dem Glaubenswechsel Redlichs wurde zum Stadtgespräch. Das hatte die Stadt M. noch nicht gesehen, weil sich noch nie ein Jude in ihrer Kirche taufen ließ. Und pt diser Zeit war gerade Redlich der einzige. Die Betschwestern überhaupt beschäftigten sich nur mit diesenr Thema. „Das macht der Red- Ich bloß des Geschäftes wegen," meinte ein dickes Betschwesterlein zu ihrer Umgebung, „aber der kann sich mit seiner Frau und seiner Tochter sechsmal taufen lassen, so bleibt er doch nur ein Jud; das heilige Weihwasser kann ihm den Juden doch nicht hermltevwaschen. Nanoualzeiuing bern sw fürchten, daß dir Iren zu sehr ein Staat im Staate werden. Kein veuiuiussigee Mansch wird, sei es in Rußland, sei cw in Oesterreich, fürchten, daß d e Juden die zen trale Gewalt des Staates irgendwie schädigen könnten. Hertz verkennt eben das Wesen des modernen Staates, und deshalb kann er auch die nationale Autonomie fälschlicherweise aufsasseu als das, was sie gar nicht ist, als ein „Provisor.nur". Er schreibt wörtlich: „Es ist nicht eine dauernde Einführung, sondern Zn vorläufiger Waffenstillsland." Ja, so Uellt si'w Moritzchcn die nationale Autonomie vor, so sprechen eben nur Inden und Halbjuden davon. Diese nat onal Entfremdeten, diese Entwurzelten reden von nationalen Klassen wie der Blinde von Farben. Für sie hat nur das Individuum ein Recht, zu bestehen, die nationale. Individualität mag umcrgehen. Ab.r sie will eben n.cht untergehon. Aus diesem Grunde haben eben Masaryk und die Ruthenen eine andere Vorstellung von der nationalen Autonomie, als der Halbjude Hertz und die verschiedenen Inden, die, als Italiener, Slowenen nsw. verkleidet, als Nationalautonom-isltn auftreten. Für Wese Inden und .Halbjuden handelt cs sich um ein Provisorium, für Masaryk und die Ruthenen aber um Erbaltung des Volkstums, um die Konservierung der nationalen Individualität, die sie trotz oder gerade wegen ihres modernen Sozialismus anstreben. Ans di-ssem Grunde treten auch Masaryk mH die Ruthenen und andere nichtjüdische Amonomistcn! für die nationalen Forderungen der Juden offen und mit beherzten Worten ein!!! Ja, lieber Hertz, die nat onale Sache ist reckt unbequem, aber die Wabrheit läßt sich -einmal nicht aus der Welk schaffen. Tann meint Hertz, daß das politisch.' L'ystcm, das wir anstreben, für wie Inden liu vorteilhaft sein würde. Ja, um Gottes willen, ist denn das heutige vorteilhaft? Wo ist heute die politische Macht der Inden? Man sehe in dieser Beziehung die Haltung der meisten Abgeordneten angesichts, der Rede Luegers. Ob es sich um die Ausführungen eines lie-n Schwätzers hierbei Handel: oder rieht, ist gleichgültig, mau merkt die Absiclu der Politiker, für die Juden nichts zu tun, und wird mit Recht verstimmt. Im. Osten kann mau bei dem hcut'gen System von einem politischen Einfluß des Judentums gar nicht reden. Sic sind Knechte des Polenklubs und werden von den Ruthenen mit Recht politisch verfolgt. In Mähren stehen heute die Dinge trostlos, wie selbst die „Union" zng'bt. Die Juden sind Wohl große Politische Naivlinge, aber daß cs ihnen heute in politischer und wirtschaftlicher Solche Getaufte sind zwar fromm, aufrichtig aber sind sie dann weder zu unsereins noch znm Juden." Auch im Milüärkasino bildete der Fall Redlich den Gesprächsstoff, nur mußte diesmal der Dragoner leutnant die Zielscheibe so mancher Witze seitens seiner Kameraden abgeben. Es wurde hin- und hcrgen.ckt und daun einmütig beschlossen, es als „Ehre" zu betrachten, daß ihr Kamerad mit einem „g e - tauften" Judeu'mädcheu Reklame reißen kann. Dem Dragoncaleutnant selbst war der Glaubenswcchsel nicht einmal angenehm, denn nur die Unterhaltung mit einem Judenmädchen verschaffte ihm« Passion. Er suchte daher nach Gelegenheit, seiner Bekanntschaft iu t Helene ein Ende zu setzen und dachte über einen sensationellen Knalleffekt nach. Ter Taufakt war vorüber. Redlich erhielt in der Taufe den Namen Franz, seine Frau wurde Marie und seine Tochter Anna getauft, während Leo seinen Namen behielt. Frau Redlich hatte sich bald in das neue Leben hercingefuicken und vergaß nie, an Sonntagen die Kirche zu besuchen. Natürlich begleitete sie nun auch Helene, die wir nun Anna nennen wollen, stets dabei, und gemeinsam gingen sie nach der Messe einige Male auf der Promenade auf und ab. Tn schloß sich ihn.n zum rüsten Male nach der Taufe der Leutnant au. „Haben Sie heute auch schon für mich gebetet, Fräulein Helcno?" frug sie Dr. < Beziehung gut geht, das wird ihnen niemand weisnmchcn können. Zum Schlüsse spricht Hertz von der Hoffnungslosigkeit d.ffer Bestrebungen und meint: „Wenigstens hat eine Konferenz jüdischer Vertrauensmänner aus ganz Galizien die Idee a bgelehnt." Man reibt sich ganz erstaunt die Augen und sagt: „Das hat ein Mitisch unterrchtctcr Mann wie Hertz geschrieben?" Weiß denn Hertz wirklich nicht, daß diese Versamnw lang nur eine Konferenz der B h k scheu Clique war? 16 b s 20 abhängige Kultusvorsläude, von denen zwei Drittel aus einer. -Ltadt, aus Lemberg, waren, das waren in Wirklichkeit die jüdischen Vertrauensmänner aus ganz Galizien! Hat der Sozialdemokrat Hertz plötzlich seinen Katechismus vergessen? Weiß er nichts mehr von der Schlachta, von den Inden des Polenklubs? Plötzlich, wenn cs sich um die Judenfrage handelt, wird Herr Hertz, der sonst so gut Informierte, zur politischen Unschuld, Byk und Konsorten erscheinen ihm plötzlich als die natürlichen Führer des jüdischen Volkes im Osten. „Mama, was ist ein- Leutnant, wer sind Schlachziz.n, wer ist dem, eigentlich Byk?" fragt die politische Unschuld Hertz. Wahrlich, solche Gegner machen uns den Kampf leicht. Wenn das so fortfährt, beginnt der Kampf gegen die Afsimilat on langweilig zu werden. Das sind die geistigen Waffen der assimilatorischen Blüte. Dann kann man sich Vorsichten, mit welchen Argumenten ein Byk kämpft. Die ältesten Ladenhüter müssen her halten: Natürlich sind die Juden n u r eine Religion usw. nsw. Allerdings, ein neues, köstliches Argument hat der Byk doch .gefunden) man höre und Banne: „Die Jubelt sind keine Nation, weil cs Lei ihnen so viele v.rschiedene soziale Klassen« gibt." Ergo sind auch die Deutschen keine Nation, weil es im Deutschen Reiche Soz'ald«elnoktatcn und Junker gibt! Wer lacht da nicht? Ties ist das geistige Rüstzeug unürer Gegner. Hiermit kann man freilich nicht siegen. Ich hege auch die feste Ueberzeugung, daß diese Waffen bald in die Rumpelkammer werden wandernmüssen. Die anständigen El:mente wie Hertz werden sich bald über die Frage in Schweigen hüllen, die änderet, aber werden ihre alten Waffen hervorhoten: Kein ferenzen bei geschlossenen Türen, Denunziationen und Verleumdungen werden sich bald über unsere Häupter ergießen. Die Polen knechte werden die Pollin gegen uns aushetzen. die Deutschnationalen jüdischer Konfession die Deutschen. Aber das alles wird ihnen nicht viel helfen. Unvorbereitet wie wir sind, trotz unserer unzureichenden Mittel können wir schon etwas schnippisch der Marsjünger. „Bitte, Anna nennt man mich seit kurzem," antwortete Anna, stolz, den Kopf hebend, „und als Neuling in Ihrer Religion gibt es für mich in der Kirche so viel Schönes zu sehen, daß ich ans Bell» ganz nick gar vergesse." Eitrige Male promenierten sie nun auf und ab, die Mutter schweigend neben den,. Paare, im Stillen den Leutnant schon als ihren Schwiegersohn betrachtend. Der Leutnant verabschiedete sich diesmal kühler als sonst, mit der Bemerkung, daß er jetzt ans einige Zeit verreisen müsse. Doch in Wirklichkeit hatte er heute bereiten noch bemerkt, daß ihn die Frau Redlich in ihr Netz locken tritt, und gebrauchte deshalb diese Ausrede, um. sich ganz aus der Schlinge zu ziehen. Nach ein gen Wochen braucht er rann Fräulein „Anna" nicht zu kemreu, denn nur Fräulein „Helene" bereitete ihn, Spaß. Ja, er ging noch weiter. Er verlobt, sich mit einer anderen Dame und nahm sich die Freiheit, seine Verlobung auch der Familie Redlich an zuzeigen. Nicht wenig Bestürzung verursachte diese Nettigkeit. Frau Redlich, deren Luftschlösser wie ein Kartenhaus zusainmeiffielen, war wie aus allln Himmeln gefallen, während Anna sich um ihren Leutnant die Augen wund weinte. Wie mngedreht ging jetzt alles in, Hanse wie auf der Straße zu. Niemand grüßte, niemand kümmerte sich um sie, und zum ersten Mal empfanden Mutter und Tochter den Einsatz der Nette über die Tat, zu der sic Redlich bewogen hatte. _ Pollen/. eckte ftekoml-ZchMlsrlWttt Ml