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Neue Nationalzeitung · 1916-04-01 · Heft 1 (1.4.1916) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVIII (1916)
Issue
Heft 1 (1.4.1916)
Date
1916-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 .Neue National-Zeitung" Seite 3 Die vierte Kriegsanleihe. Es bedarf wohl keines besonderen Appells an die jüdischen Staatsbürger, um sie zur intensiven Beteiligung an der jüngsten Kriegsanleihe-Zeichnung zu bewegen. Die Juden der österreichischungarischen Monarchie haben empfindliche Opfer an Gut und Blut gebracht, es kann sich für sie nur darum handeln, weitere Opfer nicht zu scheuen, bis der Sieg der Zentralmächte ein vollständiger sein wird. Denn durch diesen Sieg soll nicht nur das Schicksal der in diesem Staate, insbesondere in dessen Osten lebenden Juden gesichert, sondern die geistige und politische Entwicklung der jüdischen Volksmassen in Ländern, wo sie bisher geknechtet und gefoltert waren, gefördert werden. Das «müssen sich besonders die reichen Juden des Ostehs vor Augen halten und sie müssen für die vierte Kriegsanleihe weitere Opfer bringen. Wie sich das Schicksal der Russisch-Polen bewohnenden zwei Millionen Juden nach dem Kriege gestalten wird, das genau zu bestimmen, vermag wohl heute Niemand. Aber die letzte Kanzlerrede im Deutschen Reichstag stellt es außer Zweifel, daß diese Länder nicht mehr an Rußland zurückgehen werden; damit erscheint ihre Befreiung vom russischen Joche als endgiltig: Alles andere ist während der Kriegszeit bloß ein Provisorium. Leider sind die Juden gegenüber anderen Völkern nach einer Richtung im großen Nachteil: sie besitzen keine einheitliche Organisation und keine anerkannten Führer, auf deren Wünsche bei der Neugestaltung der Dinge nach dem Kriege Rücksicht zu nehmen sein wird. Es bestehen dafür zahllose Parteien und noch zahllosere Individuen, die plötzlich ein Herz für die Ostjuden entdeckt haben, wiewohl sie die Verhältnisse der Ostjuden gar nicht kennen und mitunter vor dem Kriege den Bestand jüdischer Interessen entschieden leugneten. Da die Bestrebungen dieser Herren nicht näher bekannt sind, wird man wohl mit gebotener Skepsis ihrer ferneren Tätigkeit entgegensehen. Für heute muß aber schon erklärt werden, daß eine Beschränkung der mit so großem Applomb plötzlich auftretenden Verteidiger der Ostjuden bloß auf die Juden in Russisch-Polen und in Rußland nicht haltbar sein wird. Es gibt im Osten auch noch einen anderen Staat, in dem die Juden keine politische Gleichberechtigung genießen, und nicht viel weniger als in Rußland zu leiden haben. An diese Juden des Ostens darf bei Neugestaltung der Dinge nach dem Kriege nicht vergessen werden. jZeichnet die vierte Kriegsanleihe Ein österreichisches Zentral- Komitee: von Wien bis Troppau. Seitdem sich die Juden Oesterreichs gleich allen anderen diese Monarchie bewohnenden Volksstämmen und Konfessionen der politischen Gleichberechtigung erfreuen, war es beschämend zuzusehen, wie politisch rat- und hilflos sich die österreichische Judenheit nach außenhin repräsentierte. Nur leider zu oft mußten die österreichischen Juden in der langen Friedensperiode, die dem gegenwärtigen Weltkriege voranging, diesen Uebelstand am eigenen Leibe verspüren. Niemals gelang es, eine politische Kundgebung zu veranstalten, bei der die Juden Wiens, Prags, Lembergs, Krakaus und Czernowitz' eines Sinnes wären. Alles was von den Juden für die Juden veranlaßt wurde, hatte einen kleinlichen lokalen Charakter und trug sogar sehr oft den Stempel persönlicher Eitelkeit. Trotz des unbeschreiblichen Unglückes, welches der Krieg über Millionen von Menschen brachte, zeigen sich, speziell in Oesterreich, in politischer Beziehung Lichtblicke, welche nur in den Erfahrungen des Krieges ihre Ursachen haben. Die Polen Galiziens bilden seit einigen Wochen eine politische und wirtschaftliche Einheit. Abrahamowicz und Daszynski vertreten von einer gemeinsamen Stelle aus gemeinsam die Interessen ihres Volkes. Dem Beispiele der Polen folgen die Tschechen, die Deutschen u. s. f. Der große Lehrmeister Krieg hat in den Volksstämmen Oesterreichs aufmerksame Schüler gefunden. Nur bei einer Gruppe von Schülern stoßt er leider, wie schon viele bedeutende Lehrer in der Geschichte vor ihm, auf Widerstand. Würde man auch diese kleine Gruppe nicht beim Namen nennen, jeder würde sofort erraten, daß dies nur die Juden sein können. Mehr als jedes andere Volk in Oesterreich zahlen die Juden im Kriege ihr Lehrgeld, Dreiviertel der Judenschaft Oesterreichs leben im Osten des Reiches und mit einer ganz besonderen Gier hat sich der erbittertste Feind unseres Reiches, der Zarismus, auf die Juden Galiziens und der Bukowina geworfen. Ihr felsenfester Patriotismus, ihre Treue für Kaiser und Reich waren ihm ein Dorn im Auge. Weder durch Grausamkeiten, bei deren Schilderung das Blut im Menschen gerinnen muß, noch durch liebenswürdiges Entgegenkommen konnten die zaristischen Henker während der Dauer ihrer Invasion in Oalizien und in der Bukowina die dortigen Juden in ihrem felsenfesten Vertrauen zu Kaiser und Reich und in ihrem, selbst angesichts dieses bösesten aller Feinde bekundeten Patriotismus, erschüttern. Bei jeder sich nur darbietenden Gelegenheit konnte es die gesamte Oeffentlichkeit aus dem berufensten Munde erfahren, wie sehr der Patriotismus der Juden Galiziens und der Bukowina in den Zeiten der höchsten Gefahr sich bewährt hat. Hat aber die Anerkennung, die den östlichen Juden von der berufensten Seite des Staates zuteil wurde, ihnen auch bei der westösterreichischen Judenschaft das gleiche Maß von Achtung und Vertrauen verschafft? Zu unserem tiefsten Bedauern sehen wir uns veranlaßt, gerade in einem Momente, wo die Parole des Burgfriedens gewahrt wird, dies zu verneinen. Mehr als eine

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