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Neue Nationalzeitung · 1915-09-22 · Heft 18 (22.9.1915) · p. Seite 151

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 18 (22.9.1915)
Date
1915-09-22
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 .Neue National-Zeitung*' Seite 151 San Franzisko. Er erklärte darauf, daß drei Viertel der Einwohner des Staates Georgia, ihn inbegriffen, von der Schuld Franks überzeugt sind. Der Gouverneur von Georgia ließ wieder in einer Zeitung publizieren, daß er seinem auf Reisen befindlichen Vorgänger, Mister Slaton, der Frank begnadigt hat, nicht raten würde, jetzt nach Hause zu kommen. Das Leichenbegängnis Franks. Die Einwohner von Marietta und Umgebung, die sich des Morgens auf dem Tatorte versammelten, haben sich nicht nur über den am Baume hängenden Körper Franks lustig gemacht, sondern trafen Anstalten, denselben zu „zerreißen1' und zu verbrennen. Nur dem Dazwischentreten eines Richters, namens Morris, ist es zu verdanken, daß die verrohte Menge darauf verzichtete. Mr. Morris führte die Leiche nach Atlanta und dieselbe mußte von der Leichenbestattungsgesellschaft durch einige Tage dem Publikum zur Besichtigung überlassen werden. Dann wurde sie nach Brooklyn bei New York zu den Eltern überbracht und am dortigen Friedhofe bestattet. Die greisen Eltern Franks hatten bereits das Furchtbare vernommen und waren gefaßt, als die Leiche ihres Sohnes um 12 Uhr nachts eintraf. Die Mutter erklärte: „Ich danke Gott, daß mein Sohnschontotist; der Tod hat ihn von seinen Leiden erlöst. Weiter zu leben, wäre für ihn bloß eine Qual. Die Menschen, die nach seinem Blute gedürstet haben, hätten ihn vielleicht noch auf eine ärgere Weise umgebracht." Stimmen der amerikanischen Presse. Die amerikanische Presse hat zum größten Teil die Ermordung Franks nicht nur verdammt, sondern sie als eine Schande für den Staat Georgia hingestellt. Im Staate Georgia selbst fanden sich auch zahlreiche Blätter, die diesen Standpunkt vertreten. Verschieden sind jedoch die publizistischen Stimmen darüber, inwiefern der Antisemitismus bei diesem Akte niedrigster Verrohung auch mitspielt. Hier ist besonders erwähnenswert die Meinung des „Cleveland Leader", welches Blatt von Marc Hannah, dem Sohn des berühmten Führers der republikanischen Partei redigiert wird: „Leo Frank wäre nicht ermordet worden, wenn er nicht ein Jude wäre. Ein Christ wäre überhaupt auf Grund der Aussage eines Negers nicht verurteilt worden. Durch Frank's Ermordung hat sich der Staat Georgia auf eine Stufe mit dem Pogrom-Rußland gestellt." Eine Resolution des amerikanisch-jüdischen Komitees. Die hervorragendste jüdische Organisation Amerikas zum Schutze der jüdischen Rechte hat folgende Resolution gefaßt: „Das amerikanisch-jüdische Komitee beklagt gemeinsam mit allen amerikanischen Bürgern aufs Tiefste den brutalen Lynch-Mord Leo Franks. Gemeinsam mit unseren Mitbürgern brandmarken wir die Tat der Lynch-Mörder als gesetzwidrig und staatsfeindlich. Hier handelt es sich um ein Gebiet, auf dem alle Bürger dieses Landes in gleicher Weise interessiert sind. Die Behörden des Staates Georgia haben die Pflicht, alles vorzukehren, um die Lynch- Mörder vor die Schranken der Justiz zu bringen. Wir wollen hoffen, daß die Bürger dieses Landes vor derartigen schändlichen Ausartungen der Rechtlosigkeit gewarnt und die Lynch-Praktiken endlich ausgerottet sein werden." Kriegsnachrichten. Familie Boiko im Felde. Der Wiener Hoflieferant C. Bojko hat'vier stramme Söhne unter den Waffen, wovon drei an der Front sind. Der eine davon, Train-Leutnant Max Bojko, wurde jüngst mit dem Signum laudis am Bande des Militär-Verdienstkreuzes ausgezeichnet, der zweite ist Artillerieleutnant, der dritte Train- Kadett. Auch der jüngste, der bereits Kadett-Aspirant ist, dürfte demnächst ins Feld gehen. Oberst Maximilian Maendi — zweifach ausgezeichnet. Oberst M a e n d 1, von dem wir zu Beginn des Krieges berichtet haben, daß er der einzige jüdische Oberst und Rssimentkommandant in der Armee ist, wurde seitdem bereits zweimal ausgezeichnet: Das erste Mal mit dem Militärsverdienstkreuz und nun auch jüngst mit dem Orden der eisernen Krone dritter Klasse. Die Persönlichkeit dieses Offiziers, der in der Armee besonders als Geschichtsschreiber mehrer Regimenter sehr bekannt ist, schildert das „Wiener III. Extrablatt" wie folgt: Der auch in Wien sehr bekannte Offizier befehligt ein Landsturm-Regiment, das sich schon vielfach ausgezeichnet und sowohl in den russischen Kämpfen des Vorjahres, als ganz besonders seit Beginn der Mai-Offensive durch Tapferkeit uiid Schneid reichen Lorbeer errungen hat. Darum ist auch bei diesem Regiment die Zahl der Tapferkeitsauszeichnungen, groß. Oberst Maendl befehligt das Regiment seit Kriegsbegihh und steht mit kurzer Unterbrechung, die durch ein im Felde erworbenes schmerzhaftes Leiden verursacht war, ununterbrochen im Felde. Er hat vorher bei den Infanterie-Regimentern Nr. 51, 39 und 102 gedient, war jahrelang in Wien in Garnison, erfreute sich großer Beliebtheit und hat auch dem Ausschusse des Militärkasinos angehört. Oberst Maendl hat sich viel mit der Geschichte der Regimenter, bei denen er gedient hat, befaßt und im amtlichen Auftrage Regimentsgeschfchten geschrieben.. Dey tapfere Oberst ist auch um das Wohl seiner Leute sehr besorgt und hat einen Unterstützungsfonds für die Witwen und Waisen der im Regimente gefallenen Krieger gegründet, der in ganz kurzer Zeit über tausend Kronen verfügte. Paßt's Euch nicht? . . . Die österreichische Militärverwaltung macht "überall in den besetzten Gebieten gründlich Ordnung. Ein Heer von Staatsbeamten ist bemüht, Post-, Telegraphen-, Steuer-, Gemeinde-Aemter usw. in Funktion zu bringen, damit der heue Verwaltungsapparat klappt. Darüber berichtet die dortige Zeitschrift „Ziemia Lubelska" und nach ihr der Wiener „Kuryer Polski": ." ' „Alle städtischen Aemter sind in Tätigkeit. In den Magistrats-, Post-, Telegraphen- und ähnlichen Aemtern arbeiten ausschließlich österreichische Beamte und darunter sehr viele dortige Juden." * Kriegszensur. Die in Wien seit 1. Jänner d. J. erscheinende „W i e n e r Morgenzeitung" (Tagblatt in. jiddicher Sprache) wurde ohne Angabe von Gründen seitens der, Pölizei-Direkt'iM" in Wien eingestellt. Gegen die Einstellung/des .Blattes Vuf fl^R^ kurs erhoben. * .t

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