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Neue Nationalzeitung · 1915-09-03 · Heft 17 (3.9.1915) · p. Seite 144

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 17 (3.9.1915)
Date
1915-09-03
Page
Seite 144 (sequence 8)
Language
German
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Seite 144 ..Neue Natipnal-Zeitung'1 ivr. 17 die Aufnahme ist: österreichische oder ungarische Staatsbürgerschaft, vollkommene Kenntnis der polnischen Sprache in Wort und Schrift, r ömisch-katholisch oder griechisch-katholische Religion, im Kriege erworbene Invalidität, makelloses Vo'rleben." Nach den Mitteilungen der statistischen Zentralstelle des deutschen Lehrervereines gab es im Jahre 1911 in Kongreß- Polen 5054 öffentliche Elementarschulen:. Außerdem gab es 1674 private Volks- und Mittelschulen. Es wird also eine ziemlich bedeutende Zahl von invaliden Offizieren hier eine Versorgung finden. Invalide Offiziere evangelischer und jüdischer Religion hält das Etappenoberkommando offenbar für ungeeignet, Schulunterricht in den okkupierten Provinzen zu erteilen. Ein 17jähriger Handelslehrling — Ritter des Eisernen Kreuzes. Bevor er zu den Fahnen eilte, war Walter Weiß, Sohn des Max Weiß, Bielefeld, als Lehrling tätig. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz und gleichzeitiger Beförderung zum Unteroffizier ausgezeichnet und erhielt die Qualifikation zum Reserveoffizier. * Ein Volks-Unterstützungs-Komitee für die Kriegsopfer. Neben dem in New-York bestehenden Unterstützungs- Komitee „American Jewish Relief Comittee", welches bis Anfang Juni 760.000 Dollars (über 4 Millionen Kronen) gesammelt hat, hat sich ein Volks-Unterstützungs-Komitee „Peoptes Relief Committee" gebildet, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, die weitesten Volkskreise zur Beitragsleistung für die jüdischen Kriegsopfer heranzuziehen. An der Spitze dieses SOgliedrigen Komitees stehen Meyer London, jüdisch-sozialistisches Kongreßmitglied, und der Schriftsteller S c h a 1 o m Asch. Der Kriegszustand in Palästina. Der New-Yorker jiddische Dichter Salomon B1 u m g a rten, unter dem Pseudonym Yehoasch bekannt, kehrte vor kurzer Zeit aus Palästina zurück und äußerte sich einem Redakteur des „American Hebrew" gegenüber begeistert über Palästina: „Als der Krieg ausbrach, da gab es überall Furcht und Entsetzen. Alle Einkommensquellen und Zufuhren der Lebensmittel waren plötzlich abgeschnitten und auch die Araber wurden bedrohlich." Trotzdem glaubt Yehoasch voller Zuversicht an die Zukunft des heiligen Landes. „Jedermann", sagte er, „der in Palästina war, muß es fühlen, daß dort unser Meim ist; nur dort kann jüdisches Leben blühen, kann sich die jüdische Volksindividualität durchsetzen." /WS ALLEN WELTTEILEN Reichsratsabgeordneter Dr. Julius Ofner ist 70 Jahre alt geworden. Er vertritt seit Einführung des allgemeinen Wahlrechtes im Jahre 1907 den jüdischen Teil der Leopoldstadt im Reichsrat. Der Gesinnung nach ist er ein Gemisch von deutschem Nationalismus und gedämpftem Sozialismus. Ebenso wie sein Parlamentskollege Kuranda lehnt er es ab, „jüdische Interessen" zu vertreten. Das fünfzigjährige Doktor-Jubiläum beging am 21. August Professor Dr. Jakob Rosanes, Ordinarius für Mathematik an der Universität Breslau. Am 16. August 1842 zu Brody (üalizien) geboren, wurde er am 21. August 1865 an dieser Universität Dr. phil., habilitierte sich 30. Mai 1870 für die mathematisch - physikalischen Wissenschaften und verbrachte die gesamte akademische Lehrtätigkeit an der Breslauer Universität. Außerordentlicher Professor wurde er am 10. Februar 1SS3, ordentlicher Pofessor für Mathematik und Mitdirektor des mathematisch - physikalischen Seminars am 26. April 1876, Geheimer R e g i e r u n g s r a t 1897. Auf seinen Antrag wurde er 1911 von seinen amtlichen Pflichten entbunden. Lange Jahre gehörte er auch der wissenschaftlichen Prüfungskommission an. Er ist durch seine Mutter ein Enkel von Rabbi Akiba Eger in Posen. Geheimrat Paul Ehrlich — gestorben. Am 20. y. M. starb nach kurzer Krankheit Professor Paul E h r 1 i c h, einer der bedeutendsten Gelehrten Deutschlands. Paul Ehrlich ist am 14. März 1854 iii Strehlen in Schlesien geboren, war Professor an der Berliner Universität und Direktor des Instituts für Serumforschung und Serumprüfung in Steglitz, überhaupt der Begründer der Seruintherapic. Er arbeitete über das Sauerstoffbedürfnis des Organismus, entdeckte die Mastzellen und gab eine neue Hariiprobe (Diazoreaktion) an. Ferner lieferte er Studien über das Blut, welche die klinische Blütlehre auf einen neuen Boden stellten, und über Färbemethode für Mikroskopie, namentlich aber zahlreiche Untersuchungen über Immunität. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Professor Dr. Ehrlich in Frankfurt a. M. und sein Forschungen galten den Serumwirkungen, die er in meisterhafter Weise zu analysieren und zu ergründen vermochte. Professor Paul Ehrlich konnte trotz seines großen Wissens und seiner vorzüglichen Leistungen nicht ordentlicher Professor in Preußen werden, bis er endlich an der neugegründeten Universität zu Frankfurt a. M. eine ihm gebührende ordentliche Professur zugewiesen bekam. Paul Ehrlich war Träger des Nobelpreises und erhielt 1911 den Titel Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz. Das Judentum hat Ursache stolz zu sein auf diesen treuen, hervorragenden Sohn seiner Gemeinschaft. Landtagsabgeordneter Otto Münsterberg — gestorben. Kommerzienrat Münsterberg, der freisinnige Landtagsabgeordnete von Danzig, ein Bruder des früheren amerikanischen Austauschprofessors für Berlin, ist im Alter von 61 Jahren gestorben. Mit dem Verstorbenen ist nicht nur einer der hervorragendsten fortschrittlichen Führer der Ostmark dahingeschieden, sondern auch ein hochverdienter Verteter westpreußischen Handels- und Gewerbefleißes. Um Danzig hat sich der Verstorbene besondere Verdienste erworben als langjähriger Stadtverordneter und stellv. Stadtv.-Vorsteher. In trefflichen Schriften war er der ostmärkischen gewerblichen Entwicklung ein verdienter Bahnbrecher. Als Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei vertrat er 1903/1908 und seit 1913 Danzig im Abgeordnetenhause. Senator Ferdinand Dreyfus — gestorben Am 19. Juli 1. J. ist in Paris der jüdische Senator Dreyfus im Alter von 64 Jahren gestorben. Er hat bereits in jungen Jahren eine umfassende journalistische und politische Tätigkeit begonnen, die ihn zu hohen Ehren brachte. Als Journalist war er lange Jahre Chefredakteur der „La Laterne" und Begründer der jetzt verbreitetsten „Matin" Mit 34 Jahren wurde er bereits Abgeordneter und kam dann in den Senat. Er war ein heftiger Gegner von Boulanger und trug mehrfache Duelle aus, u. a. mit dem Antisemiten Marquis Mores. Personalnachricht. Pharm. Mag. Wilhelm König wird sich mit Fräulein Vilma Weiß Sonntag, den 5. September, 2 Uhr mittags, im israelitischen Tempel Wien, IL, Tempelgasse (Zeremoniensaal) vermählen. Die Austrittsliste befindet sich auf der zweiten Umschlagsseite. Verantwortlicher Redakteur Dr. S. R. Landau. — Druck von Ignaz Spitz t Söhne, Wien II, Robertgasse 2.

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