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Neue Nationalzeitung · 1915-09-03 · Heft 17 (3.9.1915) · p. Seite 143

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 17 (3.9.1915)
Date
1915-09-03
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 .Neue National-Zeitung" Seite 143 Georgia die Krone auf. Wenn das in den Vereinigten Staaten möglich ist, daß der Straßenmob die staatliche Justiz durch Mordtaten korrigiert, dann wird es wohl schwer fallen, dieses Land unter die Kulturstaaten zu zählen. Leo Frank hat durch seinen schrecklichen Tod den Beweis erbracht, daß auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika selbst von tierischen Auswüchsen antisemitischer Rohheit nicht frei sind. Der arme Frank hat bis zu seinem letzten Atemzuge auch an den Sieg der Gerechtigkeit geglaubt; er hat diesen Irrtum mit dem Leben gebüßt. Nun steht er heute mehr denn je in der ganzen öffentlichen Meinung als das unschuldige Opfer antisemitischer Volksverhetzung da; ein Schulbeispiel für die amerikanische Kultur zu Beginn des XX. Jahrhunderts. Und. die Geschichte des Antisemitismus ist um ein schaurig-blutiges Kapitel reicher. L. Kriegsnachrichten. Der Feiertags-Gottesdienst für jüdische Soldaten. Ueber Intervention der k. u. k. israelitischen Militär-Seelsorge in Wien (Feldrabbiner Dr. F r a n k f u r t e r) hat das k. u. k. Militärkommando in Wien für den Bereich des Wiener Korps bezüglich der hohen Feiertage die Verfügung getroffen, daß der Versöhnungstag unbedingt dienstfrei zu sein hat, während an beiden Neujahrstagen während der Vormittage der jüdischen Mannschaft Gelegenheit zu geben ist, den Gottesdienst zu besuchen. Die in früheren Jahren übliche Klausel: „inwiefern es die Dienstverhältnisse gestatten", gilt nunmehr als beseitigt. In Wien befinden sich derzeit zirka 5000 jüdische Soldaten. Für dieselben wird seitens der Wiener Kultusgemeinde im Konzerthaussaale und in einigen Kasernen der Gottesdienst eingerichtet. Der jüdische Friedhof in Piotrkow. Wie das „Lodzer Volksblatt" berichtet, wurde über Initiative mehrerer jüdischer Offiziere unserer k. u. k. Armee auf dem jüdischen Friedhofe in Piotrkow (Russisch-Polen) zur Erinnerung an die dort bestatteten jüdischen Armee-Angehörigen ein Heldendenkmal errichtet. Die Feldrabbiner in Deutschland. Während in Oesterreich-Ungarn die im Kriegsfalle angestellten Feldrabbiner den Rang, den Ausrüstungsbeitrag und die kriegsmäßigen Bezüge von iHauptleuten erhalten, sind die Feldrabbiner der deutschen Armee lediglich auf ihren normalen Gehalt als Rabbiner angewiesen und erhalten von der Kriegsverwaltung gar nichts. Es ist daher erfreulich, daß der deutsche Reichstag während seiner letzten Tagung über Vorschlag der Budget-Kommission folgende Resolution angenommen hat: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß den jüdischen Feldpredigern gleiche Aufwandsentschädigungen und Ausrüstungsgelder wie für die nichtangestellten christlichen Feldgeistlichen gewährt werden. * Judenausweisungen aus rumänischen Grenzorten. Aus Bukarest wird dem „Berliner Tagblatt" gemeldet: „Die Lokalbehörden cler an der ositungarischen Grenze gelegenen Gebfete erhielten von ihrer Regierung einen geheim e n B e f e h 1, wonach Juden die betreifenden Grenzgebiete n i cht b e w o h ine n dürren. In der letzten Zeit haben daher in Bannornitza (Bezirk Dorohoii), Bicaz, Bistricioara, Prisecanü, Piesesci, Palanca, Pnedeal, Cajnenii, Comanesci usw. Ju'Jenausweisungen stattgefunden. Trotz aller lrntexventiionsversuche ist es nicht gelungen, von der Regierung einen Aufschub der Ausweisungen zu erlangen. In rranchen Orten mußten döe Jucken innerhalb weniger Stunden unter Z u r ü c k 1 a s s un g ihres gesamten Besitzes den Ort verlassen, in Marmorjtza wurden sie durch Gendarmen verjagt. Auch die naturalisierten Juden mit Bürgerrecht und die Veteranen des Unaibhängigkeötskrieges wurden von der Ausweisung betroffen. Da unter den Aasgewiesenen großes Elend herrscht, ist eine Hilfsaktion eingeleitet worden. Der Grund zu dem Vorgehen der rumänischen Regierung soll dadn zu suchen sein, daß die Juden eine allzu Österreich-freundliche Haltung zeigen." Die Rumänen haben uns also nicht enttäuscht; wir haben sie in Sachen der Humanität nie höher als d'ie Russen bewertet. Das Jiddisch in Russisch-Polen. Wie wir bereits mitgeteilt haben, wurden über Initiative der deutschen Kriegsverwaltung respektive des Kriegspresseleiters C I e i n o w in Russisch-Polen zwei jiddische Zeitungen und zwar in Lodz und in Wroclawek gegründet. Wie wir aus Warschau erfahren, erscheinen dort die von den Russen sistierten jiddischen Tagblätter „Haint" und „Moment" mit Erlaubnis der deutschen Kriegszensur weiter. Die besondere Rücksicht, welche die deutsche Kriegsverwaltung auf die Bedürfnisse der jüdischen Volksmassen nimmt, äußert sich in nachstehender Polizeiverordnung: Unterm 19. d. M. verlautbarte der kaiserlich deutsche Polizeipräsident v. Oppen in Lodz eine Polizeiverordnung, laut welcher alle nach der Straße zu sichtbaren Inschriften, insbesondere diejenigen der Läden, Werkstätten und sonstigen Geschäftsräume, die Straßenschilder der Privatschulen, Rechtsanwälte, Aerzte, Zahnärzte, Feldschere und Hebammen in deutscher und polnischer Sprache verfaßt sein müssen. Neben diesen beiden Sprachen ist auch der jüdische Jargon zugelassen. Die Anbringung von Inschriften in anderen Sprachen, insbesondere in russischer Sprache, ist verboten. * Die Englisch-jüdischen Kriegsgefangenen. Im Engländerlager in Ruhleben — die jüdischen „Engländer" sind bekanntlich fast ausschließlich osteuropäische Juden, die die englische Staatsangehörigkeit erworben haben — ist eine „J ü d i s c h e Gemeinde" natürlich mit dankenswerter Billigung der Behörde, begründet worden. Zum Vorsitzenden ist Herr Kessel gewählt worden. Vor allem wurde eine Synagoge, ein schmucker, würdiger Holzbau, errichtet, in der täglich dreimal Gottesdienst abgehalten wird. Weitgehendste Unterstützung bei allen religiösen Bestrebungen haben die Internierten den beiden Rabbinern der Berliner Adaß-Jisroel Gemeinde zu verdanken. * Invalide Offiziere als Lehrer in den okkupierten Provinzen. Wir lesen in einem Provinzblatte folgendes Kommunique: „Das Etappenoberkommando beabsichtigt zum Schulunterricht in den okkupierten Teilen von Russisch-Polen vom Herbste an als Lehrer invalide Offiziere (Subalternoffizierc, eventuell jüngere Hauptleute) heranzuziehen. Von einer Lehrbefähigungsprüfung würde abgesehen werden. Bedingung für

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