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Neue Nationalzeitung · 1915-08-20 · Heft 16 (20.8.1915) · p. Seite 135

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 16 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 „Neue National-Zeitung" Seite 135 Ansicht sein kann. Es gibt in dem Staate Georgia auch viele anständige Menschen wie ich, die der Ueberzeugung sind, daß Frank schuldig ist. Das ist Ansichtssache. Ich selbst kam nach einem langwierigen Studium des umfangreichen Aktes zu einer Ueberzeugung, die es mir unmöglich gemacht hat, eine andere Entschließung zu fassen, als die ich gefaßt habe. Es ist auch nicht meine Pflicht, darüber zu entscheiden, ob Frank schuldig ist; ich wurde lediglich darum ersucht, das Todesurteil umzuändern, und ichhabeesgetan, weilichsonst einen Mord verübt hätte. Ich habe sechs schlaflose Nächte verbracht und ich habe lieber durch einige Nächte auf den Schlaf verzichtet, als daß ich noch durch 40 Jahre — wenn ich noch so lange lebe — das Blut dieses Menschen auf meinem Haupte trage. Ich kenne Frank gar nicht, aber es ist Tatsache, daß viele, für ihn sprechende Umstände dem Schwurgerichte, das ihn verurteilte, gar nicht mitgeteilt wurden. Richter Roan (der Vorsitzende des Schwurgerichtshofes, Anm. der Red.) selbst hat mir geschrieben und mich gebeten, für Frank das zu tun, was er unterlassen hat, nämlich das Todesurteil zu mildern. Und das habe ich auch getan." „Hätte Richter Roan seinen Zweifel noch zur Zeit des Prozesses schriftlich zum Ausdruck gebracht, statt, wie er es einmal mündlich getan hat, so ist es zweifellos, daß der Oberste Gerichtshof von Georgia dem Frank eine neue Verhandlung gewährt hätte. Richter Roan hat mir geschrieben, daß ich die einzige Macht der Welt bin, die im Stande wäre, seinen Fehler zu korrigieren." Kein Rassen-Vorurteil. „Glauben Sie, daß das Rassen-Vorurteil etwas mit der Verurteilung Franks zu tun hatte", fragte der Interviewer. „Nein", anwortete Slaton, „Sie finden zwar Vorurteile gegen Fremde in manchen Teilen der Bevölkerung von Georgia, aber dasselbe ist auch hier in New York und sonst überall der Fall. Georgia ist gerade so menschlich, wie jeder andere Staat der Vereinigten Staaten." „Hat vielleicht der Fall Frank irgendwelche Vorurteile gegen die Juden in Georgia zur Folge", fragte weiter der Interviewer. „Ich kann darauf nur antworten", erwiderte Slaton, „daß die Juden in Georgia die höchsten Stellen eingenommen haben und noch einnehmen. Der Präsident des Unterrichts-Departements und der Vice-Präsident der Handelskammer in Atlanta sind Juden. Mein Kanzlei-Kompagnon (Slaton ist in seinem Berufe Advokat, Anm. der Red.) ist ein Jude. Sie finden Juden unter den besten Bürgern von Georgia." Noch einige Stunden bevor Slaton den Begnadigungsakt unterzeichnet hat, sagte er zu seiner Frau, er sei zur Ueberzeugung gelangt, daß Frank auf Grund der gegen ihn geführten Beweise nicht hingerichtet werden darf. „Ich sagte, daß wenn dies selbst meinen Tod herbeiführen würde, so bin ich dennoch überzeugt, daß ich bloß meine Pflicht tue. Und Mrs. Slaton erklärte mir, daß ich meine Pflicht erfüllen müsse. Aber ich verlange hiefür gar keine Anerkennung, ich habe lediglich einen Akt der Gerechtigkeit vollzogen." Kriegsnachrichten. Liebesgaben iür jüdische Soldaten. Wir veröffentlichen eine Reihe uns bekanntgegebener Adressen von Feldrabbinern, denen Liebesgaben für die Soldaten zugesendet werden mögen: Feldrabbiner Adler (Etappenkornmando. Feldpost 99): Feldrabbiuer Dr. G o 1 i n s k i. Feldpost 1N6; Feldrabbiner Dr. Grünfeld (Sanitätsanstalt, Feldpost 1()U); Feldrabbiuer Dr. Michael H a 1 b e r s t a m in (5. Armec- EtappenkommaiKlo, Feldpost Sl); Feldrabbiner Dr. Karpelis (Divisionsseelsorger. Feldpost 52); Feldrabbiner Dr. Lember g s r (Feldpost 70); Feldrabbiner Ignaz L ö w y (Etappenkomniando, Feldpost 56); Feldrabbiner Dr. Schweiger (Divisionsseelsorger, Feldpost 26); Feldrabbiner Dr. M. Tauber (Divisionsseelsorger, Feldpost 6); Feldrabbiner Dr. Templer (Divisionsseelsorger, Feldpost 81); Feldrabbircer Dr. L. W e i n s b e r g, Festungsseelsorger in Krakau. Die rituelle Verpflegung jüdischer Kriegsgefangenen. Bekanntlich hat die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen .Judentums" im Dezember v. .1. beim preußischen Kriegsministerium eine Verfügung erwirkt, durch welche in sehr entgegenkommender Weise allgemeine Grundsätze für die Errichtung von rituellen Küchen in den Gefangenenlagern festgesetzt wurden; auch die übrigen deutschen Kriegsministerien und die Lagerkommandanten wurden von Berlin aus von der Verfügung in Kenntnis gesetzt. Der Durchführung der Verpflegung stellten sich, wie nicht anders zu erwarten, in praxi vielfach lokale Schwierigkeiten der verschiedensten Art entgegen; insbesondere haben die in manchen Lagern herrschenden ansteckenden Krankheiten den Zutritt und damit die Schaffung der notwendigen Einrichtungen erschwert, während in vielen Fällen die weitgehende Zersplitterung der jüdischen Kriegsgefangenen auf die verschiedenen Lager sowie ihre Unentbehrlichkeit als Dolmetscher sich als hinderlich erwies. Erfreulicherweise hat nunmehr das bayrische Kriegsministerium auf Antrag zweier bayrischer Rabbinate genehmigt, daß diejenigen jüdischen Kriegsgefangenen, die auf rituelle Verköstigung Wert legen, in zwei bayerischen Lagern konzentriert werden, so daß dort mit Unterstützung der „Freien Vereinigung" Koscherküchen errichtet werden können. Bisher haben die jüdischen Gefangenen, um die Schwierigkeiten dter Koscherverköstigung zu verringern, vielfach auf Fleischnahrung verzichtet. * Die jüdischen Zuaven. Es dürfte wenig bekannt sein, daß unter den aus Algier und Tunis stammenden Soldaten, die „Zuaven" genannt werden, sich sehr viele Juden befinden, welche in diesem Kriege durch ihren Heldenmut sich besonders auszeichnen. Viele von ihnen wurden durch französische Tapferkeits-Medaillen dekoriert. Diese Haltung der Juden aus Algier gilt als ein Akt der Dankbarkeit gegenüber Frankreich für die ihnen durch die Loi-Cremieux im Jahre 1870 gewährte Gleichberechtigung. Mit ihnen sind auch mehrere Rabbiner aus Algier mitgezogen, welche in ihren Berichten mit Begeisterung davon erzählen, wie die Juden in den Kämpfen mit dem Ausrufe „Schemah Jisroel" stets an der Spitze stürmen.

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