Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 16 (20.8.1915)
- Date
- 1915-08-20
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 136 „Neue National-Zeitung"^ Nr. 16 Rabbiner Henry Levi berichtet darüber folgendes: „Ich benachrichtige Euch mit Freuden über die tapfere Haltung unserer Juden, die wie die Helden kämpfen. Ihr Blut wird hoffentlich die antisemitische Schande in Frankreich ersticken." Auch die Briefe, welche die jüdischen Zuaven nach Hause schicken, sind voll Begeisterung. Unter ihnen hat sich besonders ein Mann namens .lehuda Ben-Burok ausgezeichnet, welcher für seine Heldentaten mit der Tapferkeits-Medaille ausgezeichnet wurde. Diese Medaille wurde ihm in einem Pariser Militär-Hospital in Gegenwart zahlreicher Verwundeter aus Algier und Marokko von einem General mit folgender Ansprache an die Brust geheftet: „Der Zuave .luda Ben-Burok hat sich die Dankbarkeit des Vaterlandes erworben. Trotz einer schweren Wunde hat er vorwärts gestürmt und seine Kameraden mit sich fortgerissen. Im Namen des Präsidenten der Republik überreiche ich Euch, Juda Ben-Burok, diese Tapi/eirkefos-Medaiil-le. Ich habe vor sechs Monaten eine Division in Constantin kommandiert, und fühle mich jetzt glücklich, daß ich die Ehre habe, diesem tapferen Juden eine so hohe Auszeichnung zu überreichen." Dann wandte sich der General an die anwesenden arabischen Soldaten und sprach zu ihnen: „Schaut her, Ihr Araber, wie sich dieser Jude ausgezeichnet hat, nehmt Euch an i hm ein Beispiel! Seid so tapfer wie er, und verdienet Euch den Dank des Vaterlandes." Unzählig sind auch die Toten und Schwerverwundeten, welche die jüdischen Zuaven in ihren Reihen aufzuweisen haben. Es befinden sich darunter nicht nur Soldaten des Mannschaftsstandes, sondern auch Offiziere, wie Dr. Bauer aus Marokko, Jakob Dane, Robert Abukei u. a. Die Mutter des Leutnant Jakob Dane, die außer diesem noch 5 Söhne im FelOe hat, erhielt vom Gouverneur von Algier ein sehr warmes Schreiben. Zahlreich sind die Familien, aus deren Reihen mehrere Söhne als jüdische Zuaven kämpfen. So hat die Familie Baruch Tautun 30 Soldaten gestellt, Frau Karuba 5 Soldaten, Bey Samuel ben Ischay 4 Soldaten. Das größte Opfer brachte Frau Sarah Lelisch, deren acht Söhne in den Reihen der Zuaven dienen. Verbot der hebräischen und jüdischen Zeitungen in Warschau. Ihren bevorstehenden Abzug von Warschau haben die dortigen Behörden noch durch das Verbot der hebräischen und jiddischen Zeitungen „gekrönt". Auf diese Weise wurde den Organen der jüdiischen Volksmassen: „Hazefirah" (hebräisches Tagblatt), „Moment" und „Haint" (jidciische TagbläMer) die Existenz-möglichkeit entzogen. Nun, mit der Be-, setzung Warschaus durch die deutsche Armee werden die genannten Tagesblätter, die zusammen weit über 100.000 Auflage haben, wieder ins Leben treten können. Bemerkenswert ist, daß die Warschauer polnische Presse auf Grund eines veralteten Gesetzes vom Jahre 1862. ein Verbot der jiddischen Sprache überhaupt verlangte. Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. (Hillskommission 1915 für Palästina.) Dienstag, den 24. August d. J., 6 Uhr nachmittags, findet im Hotel Continental, Wien, Fraterstraße 7, die V o 11 v e r s a m m- 1 u n g der Hilfskommission 1915 statt. Tagesordnung: 1. Begrüßung durch den Vorsitzenden. 2. Referat des Herrn Oberrabbiners W. Reich. 3. Aneräge. 4. Diverses. Zur Unterstützung, der durch den Krieg und eine ungewöhnlich schwere Heuschreckenplage dem Hungertode preisgegebenen jüdischen Kolonisten österreichisch - ungarischer Staatsangehörigkeit in Palästina hat die vor wenigen Wochen gegründete H i 1 f s k o m m i s s i o n 1915 (Geschäftsleitung Wien, IL, Ferdinandsstraße 23) eine Sammlung eingeleitet, an der sich u. a. die Herren Louis Freiherr von Rothschild mit 10.000 K, Gebrüder Gutmann mit 8000, Sigismund Freiherr von Sirringer mit 5000, Philipp von Gomperz mit 5000, Leop. Pollack von Parnegg mit 2000, Generalrat B. Wetzler mit 2000, die Herren Bankdirektoren Dr. Paul Hammerschlag, Wilhelm Kux, Em. Raumann und Alexander Weiner mit je 1000 K beteiligt haben. Wien. Mi#e August eröffnete der Jüdische Handlung s g e h i 1 fe n - V e t b a n d neue Unterrichtskiurse in deutscher, s o w i e h e b r ä i s c h e r Sprache u n d Oabelsberger S t e n o g .r a p h i e (für Anlänger und Vorgeschrittene). An den Kursen können Damen undi Herren (auch Flüchtlinge) teilnehmen. Regiebeitrag pro Gegenstand K 1.— monatlich. Anmeldungen werden noch; Samstag, den 21. d. M. zwischen 8—9 Uhr abends, sowie Donntag, den 22. d. M., zwischen 10—11 Uhr vormittags in der Verbandsk:.n,zlei, II. Bezirk, Obere Dor.austraße Nr. 65, entgegengenommen. Todesnachrichten. Wie dem Polenklub berichtet wurde, 'ist in Buczacz der Reichsratsabgeordnete und Bürgermeister Bernard Stern gestorben. Er war der einzige jüdische Abgeordnete, der trotte der russischen Invasion in seinem Wahlbezirke ziti VRÜUibliebeu ist, um der jüdischen Bevölkerung zu raten und zu helfen. Er hat dies auch, wie man allseits hört, unter den schwersten Demütigungen zu tun versucht; doch war er offenbar den russischen Raubgesellen, die den größten Teil von Buczacz in Schutt und Asche verwandelt haben, nicht gewachsen. Er erlag im Alter von 62 Jahren den physischen und psychischen Martern der Russen. So hat er denn durch seinen Tod alle jene Verfehlungen gesühnt, eße iran ihm bei Lebzeiten vorwarf. Aber gerade, weil wir 'ihn bei Lebzeiten bekämpft halben-, können wir jetzt, da so manche, die ihm Dank schuldim, ihn Gerechtigkeit zollen: er war als Bürgermeister und Abgeordneter ein unermüdlich tätiger Freund des jüdischen Proletariats und aller, die ihn um seine Fürsprache baten. Seine chevalereske Gesinnung bewies er bei den letzten Reichsraitswahlen, als er einen jüdisch-nationalen Gegenkandidaten, den der zionistische Mob unter Führung eines notorischen Falschspielers insultieren wollte, persönlich in Schutz nahm. Alles in allem war er gewiß nicht schlechter, als seine jüdischen Kollegen im Polenklub, die A-.'elskronen und Ordensdekorationen tragen. Briefkasten der Redaktion. An mehrere Einsender. Die uns zugekommenen Briefe in Sachen der Friedhofs-KonkLMTenz können wir leider wegen Raummangels und da sie wesentlich nichts Neiues sagen, nicht veröffentlichen. Es ist wirklich nicht notwendig, daß man . casselbe einige Maie sagt. Mag es Ihnen geniigen, daß d!ie Organe des Kultusvorstandes und der Zionisten den Fall nach wie vor totschweigen. Die Blätter und ihre Hintermänner könnten nicht deutlicher alles bestätigen. D. R. Sie machen uns aufmerksam, daß nicht! nur die Zahl der Raibb'inats-Kandidaten, sondern auch ce-r katholischen Theologen und der Kloster-Novizen im letzten Jahre sehr gestiegen ist und fragen, warum wir uns damit nicht beschäftigen. Sie sind doch "wirklich sehr naiv! .Glauben Sie denn, daß man alles schreiben kann, was man weiß? . . . Josef J. Wir bitten Sie um Ihren. Besuch. Die Austrittsliste befindet sich auf der zweiten Umschlagsseite. Verantwortlicher Redakteur Dr. S. R. Landau. — Druck von Ignaz Spitz t Söhne, Wien II, Robertgasse 2.