Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 16 (20.8.1915)
- Date
- 1915-08-20
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 »Neue Natjojml^Zeitung'' Seite 133 750 Verwundete, darunter Fiebernde und furchtbar Leidende, ohne jeden Zwischenfall nach den umsichtigen Anordnungen dieses auch militärisch hervorragenden Arztes transportiert, und selbst während der Verschiebung ließ Regimentsarzt Glaser nicht ab, jedem einzelnen seine ärztliche Pflege aufopferungsvoll angedeihen zu lassen. Auch bei der unverwundeten Mannschaft und bei den Offizieren wurde durch das Bewußtsein, sich dermaßen behütet zu wissen, das Gefühl reger Dankbarkeit erweckt und die Auszeichnung des pflichtfrohen Arztes durch das Ritterkreuz des Franz-Josefs- Ordens mit kameradschaftlicher Freude begrüßt. Dr. Heinrich Glaser wurde 1872 in Krakau geboren, 1898 in den Aktivstand des Heeres als Oberarzt aufgenommen und ist seit November 1900 Regimentsarzt. Anm. der Red. Hauptmann Moritz Seinfeld. Der Ritterschlag mit dem russischen Säbel. Wenn eine Landsturmabteilung reguläre Infanterie schlägt, so ist das etwas Besonderes. Männer, die sich immer hervorragend schlugen, sich aber immer besser für die Defensive eigneten als für den, nur für den Elan der Jugend so recht geschaffenen, offenen Sturmangriff, haben aber dennoch oft und oft in diesem Kriege geleistet, was die frischeren, jungen und straff organisierten Mannschaften zuwege brachten. Oft war es dann besonders der Führer gewesen, der das trägere, überlegende Blut der alternden Männer zu heißem Aufkochen zu bringen wußte, so daß sie unsterblicher Taten fähig waren, wie sie das Landsturm-Infanterieregiment Nr. 21 vollbrachte. Das Bataillon des Hauptmannes Moritz Seinfeld vom Infanterieregiment Nr. 43 stürmte in kurzer Zeit dreimal; einmal eine befestigte, feindliche Stellung und zweimal ging es im Generalsturm angreifender, feindlicher Infanterie mit der blanken Waffe zu Leib und warf sie! So hartnäckig verbiß sich diese Truppe einmal in den flüchtenden Gegner, daß eine ganze Zeit Russen und Landstürmer vermischt dahin rasten, bis Hauptmann S e i n f e 1 d, um den flüchtenden Gegner wirksam unter Feuer zu nehmen, seinen Leuten endlich Halt gebot. Er selber hatte sich durch den Anblick eines flüchtenden russischen Offiziers hinreißen lassen, sich in den Knäuel zu mischen, bis er den Offizier eingeholt und am Aermel gefaßt hatte. Der riß sich los und Hauptmann Seinfeld konnte nur mehr den Säbelgriff des Feindes packen; ein Riß, und der Säbel des Offiziers war in seiner Hand. Mit langausholendem Hiebe sauste der eroberte Stahl über einen gewissen Teil der Kehrseite des Flüchtenden; dann erst sammelte der Offizier lachend seine Truppe und leitete die Feuerverfolgung ein. Für die an der Spitze seines Bataillons vollbrachten wackeren Taten erhielt Hauptmann Seinfeld das Militärverdienstkreuz III. Kl. mit der Kriegs dekoration. Moritz S e(im" e 1 d, geboren 1868 zu Bistritz in Siebenbürgen, wurde am 18. August 1888 aus -clor Kadettenschule zu Herrnannstadit zum Infanterieregiment Nr. 1 als Kadett ausgemustert, avancierte Februar 1889 zum Kadett-Oitiziiers- Stellvertretar, Mai 1891 zum Leutnant, vier Jahre später zum Oberleutnant und Mai 1904 zum Hauptmann im Infanterieregimente Nr. 43. Mit diesem Regimente machte er die, ans Anlaß der Ausdehnung der kaiserlich-österreichischen Souveränitätsirechte auf Bosnien und Herzegowina nötig gewordenen, vom 1. Oktober 1908 bis 30. April 1909 dauernden, besonderen militärischen Maßnahmen an der Sti-ostgrenze der Monarchie mit. August 1913 wurde ihm „in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung während der besonderen militärischen Maßnahmen 1912/13" die belobende Anerkennung des 7. Korpskommandos ausgesprochen. Während des Krieges avancierte Seinfeld zium Major und wurJe nach oben geschilderter Affäre für e:.ne spätere bravouröse Wafientat mit dem E i s e r neu K r o n e n - O r d e n III. Klasse ausgezeichnet. Anm. der Re d. (Weitere Artikel folgen.) „Nobel!" Von hervorragender, gut informierter Seite erhalten wir nachstehende Mitteilungen: In aller Stille und Heimlichkeit will der Kultusvorstand die Rabbinerfrage der Seitenstettengasse ins Reine bringen. Niemand denkt daran, als das Vertreterkollegium, das zum greisen, aber noch immer willenstarken, ja starrsinnigen Präsidenten nach Baden zitiert wird. Der spiritus rector ist noch immer Herr K a u d e r s, insoweit man bei ihm von Spiritus reden darf. „Nobel" ist jetzt die Losung, unnobel die Gesinnung. Dieses Vertreterkollegium ist unbegreiflich, hilflos und unberaten. Wenn es nicht so tieftraurig wäre, man müßte herzlich lachen über diese kläglich uninformierten, irregeleiteten Herren, die mit Importen aus Deutschland schon so traurige Erfahrungen gemacht haben. Verdienen würde es dieser Vorstand, daß seine heimlichen Unterhandlungen mit dem Frankfurter Rabbiner Nobel zu seiner Berufung führten. Da zeigte sich der Schiffbruch in schrecklicher Weise. Ohne Frage. Rabbiner Nobel ist ein ehrenwerter, tüchtiger Rabbiner. Kein einziger theologisch-wissenschaftlicher Fachmann, kein einziger Prediger Deutschlands wird ihn aber zu den hervorragenden Gelehrten, Predigern, Talmudisten zählen. Er hatte Glück und kam nach Frankfurt, versieht sein Amt in Würde. Ist das ein Grund, ihn nach Wien zu rufen? Nobel paßt nach Wien und in die Wiener Verhältnisse wie die Faust aufs Auge. Was an Predigern für Deutschland gut ist, ist für Wien noch lange nicht gut genug; man ist hier in der Tat verwöhnt. Es wird eine Katastrophe, wenn der Streich gelingt, die wildem Vorstande, aber nicht der Gemeinde gönnen, die an der Unfähigkeit ihrer Vertreter unschuldig ist. Als Deckmantel für diese Maulwurfsarbeit aber benützt man, so geht das Gerücht, den greisen Oberrabbiner, der Nobels Fähigkeit erkunden soll und selbstverständlich die glänzendsten Auskünfte bringen wird, zumal sich Uebles absolut von Nobel nicht aussagen läßt und jetzt Deutschland Trumpf ist. Wir wollen nicht sagen, daß es eine Ueberhebung von seiten Nobels ist, der die Grenzen seines sehr bescheidenen Könnens vielleicht selber kennt, diese Stelle anzustreben, der er nicht gewachsen ist und für die er in keinem Betracht paßt; weder intellektuell, noch seiner religiösen Richtung nach, die streng-orthodox im süddeutschen Sinne ist, am allerletzten aber als Prediger und Kanzelredner. Woher soll dies alles der Wiener Kultusvorstand wissen, der zu den ungeschicktesten, uninfermiertesten Kultusräten der Monarchie gehört? Die Wählerschaft aber soll besser informiert werden und erfahren, daß der Vorstand sich anschickt, eine grandiose Dumm-