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Neue Nationalzeitung · 1915-07-02 · Heft 13 (2.7.1915) · p. Seite 110

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 13 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
Seite 110 (sequence 6)
Language
German
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Seite 110 .Neue Natiotifll-Zeitung" *r. 15 englischen 5000, in der belgischen 1000 und in der serbischen 700. Diese Daten sind natürlich statistisch ganz unverläßlich. Sie dürften jedoch mit Ausnahme Deutschlands — wo die Anzahl weit überschätzt ist — den wirklichen Ziffern stark nahekommen. Auch ist die Mitteilung unrichtig, daß in der k. k. Armee zwei jüdische Generale kämpfen. Vorläufig steht bloß Generalma:or Schwarz als Brigadier in der Front. Doch heißt es, daß sich auch Generalmajor Vogl (in Pension) freiwillig gemeldet hat. * „Archives Israelites" als Hetzblatt. Das Züricher „Israelitisches" Wochenblatt" wendet sich in heftiger Weise gegen die Kriegshetze, welche die Pariser ,jArchives Israelites" treiben. Indem wir die markantesten Stellen dieses Artikels abdrucken, wollen wir unsere Zuversicht ausdrücken, daß diese schmähliche, aber in der jüdischen Presse, vereinzelt dastehende Haltung dieses französischen Assimulantenblattes auch nach dem Kriege, und dann erst recht, die entsprechende allgemeine Verurteilung finden wird. Das „J. W." schreibt: „Wir haben Gelegenheit, die jüdische Presse der verschiedenen Staaten allwöchentlich zu lesen, und machen dabei die unangenehme Wahrnehmung, daß auch in dieser das Band der Einigkeit, das sonst so stark durch die jüdischen Kreise zog, zum großen Teile verschwunden ist. Es mag sein, daß dies höheren Weisungen entspricht, aber auffällig muß es doch genannt werden, wenn jüdische Blätter es mit dem Hasse so weit treiben, daß sie Stammesgenossen, die ihnen nie etwas Böses taten und tun, verunglimpfen und beschimpfen. In der deutschen, österreichischen, englischen, russischen, polnischen und amerikanischen jüdischen Presse haben wir derartiges nicht gefunden. Dagegen tut sich in dieser Beziehung das in Paris erscheinende Blatt „Archives israelites" hervor, das oftmals in einem Tone über die deutschen Juden schreibt, der direkt anwidert. Wir können den Haß der Franzosen gegen die Deutschen begreifen, wir verstehen auch, warum die französische Presse sonst Schimpf- und Lästerworte gegen die Deutschen anwendet. Aber ein jüdisches Blatt, das sich dazu konservativ-religiös bezeichnet, sollte sich davor hüten, in seinen Spalten Gehässigkeiten gegen Juden aufzunehmen. Man erinnert sich unwillkürlich der großen französisch-jüdischen Patrioten, wie Cremieux u. a., die trotzdem Gründer der „Alliance isr. universelle" waren, die stets wußten, daß trotz ihres Franzosentums ihr jüdisches Herz mit den anderen Juden der Welt mit sehr intimen Banden zusammenhing. Daß dies ihre Epigonen, die Herren Emile Cahen und H. Prague, von den „Archives isr.", vergessen haben, beweist, daß ihre religiöse und jüdische Gesinnung sich auf dem Wege der Dekadenz befindet. Sie haben nicht mehr das Recht, ein spezifisch jüd. Blatt zu redigieren, wenn dies in der letzten Woche schrieb: „Juif ou chretien, depuis le 1 aout, tout Boche nous est aussi odieux". Das heißt mit anderen Worten: „Die deutschen Jude« sind uns unausstehlich und verhaßt" und sie sind nichts anderes als „Boches". Ueber den Geschmack läßt sich nicht streiten und wir können auch den Redakteuren des Pariser jüdischen Blattes keine Vorschriften machen, was es schreiben soll und darf. Aber wir legen Verwahrung ein gegen diesen Ton in einem jüdischen Organ. Wir tun ^s im Interesse des Judentums im Hinblicke auf die Zukunft. Das französische Judentum hat keine Ursache, auf die deutschen Juden zu schimpfen, da sie beide gar eng liiert sind durch verwandtschaftliche Bande und durch geschäftliche Verbindungen. Wir wissen, daß es beute zahlreiche jüdische Offiziere in Frankreich gibt, deren Eltern ihren Wohnsitz in Frankfurt: oder München hatten, und wissen auch, daß zahlreiche Juden in Frankreich bedauern, daß die Staaten Deutschland und Frankreich es nicht verstanden haben, sich besser zu vertragen, da dies für beide gewiß zum Segen gewesen wäre. Also, darum fort mit Derartigem aus der jüdischen Presse. Unsere Geschichte und unsere Ethik lehren uns andere Grundsätze und zeigen uns, daß ein Abkömmling vom Stamme Abrahams vor allem Menschenfreundlichkeit und Menschenliebe verkünden soll, besonders aber in einem Organ, das geschaffen ist, die religiösen Bande zwischen den Juden zu befestigen und nicht zu schwächen." * Vom Vizefeldwebel zum Hauptmann befördert. Ein seltener Fall von militärischer Beförderung, wie er in dem reglementmäßig immer nur ganz korrekt funktionierenden Preußen-Deutschland zu den Wundern gehört, die sich in Jahrzehnten nur zwei-, dreimal ereignen, ist laut amtlichen „Militär-Wochenblattes" bekanntgegeben worden. Es handelt sich um den bisherigen Vizewachtmeister der Landwehr a. D. Fritz Haber, Direktor des Kaiser Wilhelm-Instituts . für physikalische Chemie und Elektrochemie in Dahlem. Sonst war dieser Vizewachtmeister, der übrigens israelitischer Konfession ist, noch Geheimrat, königlicher Professor und Doktor zweier Fakultäten. Habers Religion, wegen der ihm vor dem Kriege die Möglichkeit genommen war, zum Offizier befördert zu werden, ist seit den Augusttagen 1914 kein Grund mehr, ihm zu verweigern, was man jedem tüchtigen Soldaten bereitwilligst zugestand: der Leutnantsrang. Vom rein militärischem Standpunkte aus betrachtet, stellt diese Beförderung vom Vizewachtmeiser zum Hauptmann einen Sprung dar, wie ihn bisher nur wenige in der preußischen Armee gemacht haben. * Eine Untersuchung über die Greueltaten der russischen Armee. Die Washingtoner Regierung beauftragte den amerikanischen Konsul in Warschau, eine Untersuchung über die Lage der Juden des polnischen Operationsgebietes einzuleiten. Diese Untersuchung wurde veranlaßt durch die Beschwerden, die seitens der amerikanischen-yiddischen Presse über die Verbrechen des russischen Heeres an der eigenen jüdischen Zivilbevölkerung vorgebracht werden. Es wird erwartet, daß die amerikanische Regierung, im Falle die Untersuchung die Berechtigung dieser Beschwerden ergeben sollte, diesbezüglich Vorstellungen beim Petrograder Kabinett erheben werde. * * Die Auszeichnung eines Feldrabbiners. K. k. Feldrabbiner Dr. Samuel Lemb.erger, Rabbiner in St. Georgen in Ungarn, wurde für tapferes Verhalten vor dem Feinde mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. L., Sohn des sei. Rabbiners in Rozsnyo, Schüler der Preßburger Jescln'ba, ist seit Kriegsbeginn im Felde. In der deutschen Armee wurden bereits mehrere Feld- Rabbiner, darunter Dr. Sonderling, ein geborener Brünner, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. * Ein englischer Fliegerangriff auf eine Synagoge. Wie aus Karlsruhe (Baden) mitgeteilt wird, fielen bei dem Fliegerangriff in der letzten Woche 3 Bomben in den Synagogenhof ' an der Kronertstraße. Glücklicherweise wurde weder Personennoch Sachschaden angerichtet, obwohl rings um die Synagoge die Beamtenwohnungen liegen, die von" zahlreichen Personen bewohnt sind. Die jüdischen Anwohner dürfen von großen Glück sprechen,' daß der Ueberfall so glimpflich für sie abgelaufen ist.

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