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Neue Nationalzeitung · 1915-06-18 · Heft 12 (18.6.1915) · p. Seite 103

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 12 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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ffr. 12 „Neue National-Zeitpgjg" Seite t03 KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Die Oberrabbinerfrage in Wien. (Neue Kandidaten.) Wien. Wie wir erfahren, ist die Kandidatur der Budapester Rabbiner Dr. Hevesi und Dr. Venetianer fallen gelassen worden. In einer jüngst stattgefundenen Sitzung des Vertreter-Kollegiums, der auch Oberrabbiner Doktor G ii d e m a n n zugezogen wurde, kamen neue Kandidaten aufs Tapet. Es wurde beschlossen, diesbezüglich mit Oberrabbiner Dr. Margülies in Florenz und Rabbiner Dr. N o b 1 in Frankfurt a. M. in Unterhandlungen zu treten. Nach diesen Kandidaten zu urteilen, dürfte es sich wohl eher um die Besetzung der Rabbinerstelle am Seitenstettentempel, als um die Lösung der Oberrabbinerfrage handeln. Nord-Amerika. Zur Begnadigung Leo Franks. New-York. Wie sehr die ungerechte Verurteilung Leo Franks zum Tode mit der öffentlichen Meinung der Vereinigten Staaten im Widerspruche steht, beweist am besten die ungeheure Bewegung, die für seine Begnadigung eingeleitet wurde. An den Gouverneur des Staates Georgia, dem in diesem Falle das Begnadigungsrecht zusteht, sind bereits tausende Briefe von den höchstgestellten Personen, Gouverneuren, Senatoren, Abgeordneten, Geistlichen u. dgl. eingelangt, die um die Begnadigung bitten; in den bedeutendsten Städten werden Massenversammlungen veranstaltet und Hunderttausende von Petitionen gesammelt. In Chicago allein sind bisher 415.000 Unterschriften vorhanden. Als Hinrichtungstermin wurde der 22. d. M. bestimmt. Wir wollen hoffen, daß dem hartgeprüften Frank das Allerärgste erspart bleiben wird. Die Hilfstätigkeit für die Flüchtlinge. Aufruf zur Errichtung einer Speiseanstalt für Angehörige des Handels¬ und Mittelstandes. Die Not der Zeit ist groß und macht sich in allen Schichten geltend. Von der Ueberzeugung ausgehend, daß zahlreiche Angehörige, insbesondere des Handels-, aber auch des übrigen Mittelstandes die rationelle Verpflegung nicht mehr in Einklang mit dem Einkommen und den hohen Lebensmittelpreisen zu bringen vermögen, hat schon vor geraumer Zeit in den Kreisen des unterzeichneten Vereines den Entschluß entstehen lassen, eine Speiseanstalt für die kaufmännischen und Mittelstandskreise zu errichten, wo ein schmackhaftes Mittagessen zu mäßigem Preise und in einer den Einrichtungen der akademischen Mensa nachgebildeten Weise verabreicht werden wird. Die außerordentlichen Anforderungen jedoch, die an die gemeinnützige Tätigkeit des Vereines auf seinem Hauptarbeitsgebiete gestellt werden und die Mittel des Vereines fast ganz absorbieren, veranlassen denselben, an die breite Oeffentlichkeit, insbesondere an die interessierten kaufmännischen und industriellen Verbände, Korporationen, sowie an die Herren Chefsunserer einheimischen Firmen mit der inneren Bitte heranzutreten, unser zeitgemäßes, ja notwendiges Bestreben durch Beiträge zu fördern, da die Kosten der nicht auf Gewinn berechneten Aktion nicht unbeträchtlich sind. Der Verein zur Errichtung von Volksküchen. Wien, IL Krummbaumgasse 8. (Gegr. 1879.) (Spenden werden von unserer Administration angenommen und in unserem Blatte ausgewiesen.) * Die Wiener Strombäder und die Flüchtlinge. Wie die „Wiener Morgenzeitung" berichtet, wird den Flüchtlingen der Zutritt in die städtischen Strombäder verwehrt. Angeblich soll dies auf Grund eines magistratischen Erlasses geschehen. Die Zeitung wendet sich daher an Dr. Schwarz-Hiller wegen Intervention. Nach unseren Erfahrungen wäre ein direkter Appel an den Bürgermeister Dr. Weiskirchner wirkungsvoller. Kriegsnachrichten. Jüdische Palästina-Hilfsaktion. Das große jüdische Hilfswerk für Palästina ist jetzt in der ganzen Welt organisiert worden. Die Hilfsaktion in A m e r i k a, die schon im September eingesetzt hatte und sehr erhebliche finanzielle Ergebnisse zu verzeichnen hat, wird auf das energischeste fortgesetzt. Sie wird von dem „Amerikanisch- Jüdischen Hilfskomitee" geleitet, das sich aus Vertretern des „Provisorischen Exekutiv-Komitees für zionistische Angelegenheiten" und des „American-Jewish Committee" zusammensetzt. In Europa erfolgt die Organisation der Hilfsaktion durch die „Zentralstelle der Jüdischen Palästina-Hilfsaktion, Kopenhagen, Vestergade 1". In fast allen Ländern beteiligen sich Juden aller Parteirichtungen in gleicher Weise am Hilfswerk. Die gesammelten Gelder werden sowohl von New-York wie von Kopenhagen aus durch Vermittlung des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel, Mr. M o rg e n t h a u, an das Verteilungskomitee in Palästina überwiesen. Geldsendungen sind an die Zentralstelleder Jüdischen Palästina-Hilfsaktion, Kopenhagen, Vestergade 1, zu adressieren oder an die Danske Landmandsbank, Filiale Vesterbro, Kopenhagen, auf das Konto „Jüdische Palästina-Hilfsaktion, Zentralstelle Kopenhagen" zu überweisen. * Loyalitäts-Kundgebungen in Nikolsburg. Man schreibt uns aus Nikolsburg: Am 3. d. M., als die Nachricht von der Rückeroberung von Przemysl einlangte, veranstalteten die in Nikolsburg und im Barackenlager wohnenden Flüchtlinge unter Führung des Barackenverwalters, Herrn Handelskammerrat S. Krakauer, einen Fackelzug, welcher sich unter begeisterten Hochrufen auf unseren geliebten Monarchen und dessen erhabenen Verbündeten durch die ganze Stadt bewegte. Bei der löbl. k. k. Bezirkshauptmannschaft, bei den Bürgermeistern bei der Gemeinde und bei dem Herrn Rabbiner wurden von der Flüchtlingskapelle Serenaden veranstaltet. Die genannten Herren hielten patriotische Ansprachen, welche mit stürmischer Begeisterung aufgenommen wurden. Am 24. Mai 1. J. empfing Seine Durchlaucht Fürst Hugo von und zu Dietrichstein eine Deputation der Stadtgemeinde II und der israelitischen Kultusgemeinde Nikolsburg, bestehend aus den Herren Bürgermeister Franz Deutsch, Kultuspräsident Gustav P i s.k und Gemeinderat Gustav A b e 1 e s in Audienz, um die Loyalitätskundgebung der genannten Gemeinden gegenüber unserem Fürstenhause und den Dank für die hochehrzige Initiative in der Flüchtlingsfürsorge entgegenzunehmen. Herr Bürgermeister Franz Deutsch betonte in seiner

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