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Neue Nationalzeitung · 1915-06-18 · Heft 12 (18.6.1915) · p. Seite 104

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 12 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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Seite 104 „Neue, NataPriakZeitimg" Mr. 12 Ansprache, daß diese Gemeinden sich seit jeher der Gewogenheit und Gunst des Fürstenhauses erfreuten Und iviele Privilegien demselben verdanken. Bürgermeister Franz Deutsch legte Sr. Durchlaucht die ü b e r 300 J a h r e a 11 e n, im Gemeindearchive aufbewahrten, historischen, diese Privilegien betreffenden Urkunden vor, wobei er auch erwähnte, daß durch die Gnade Sr. Eminenz des Kardinals Fürst Karl von und zu Dietrichstein seinerzeit gestattet wurde, daß die altehrwürdige Altschulsynagoge unmittelbar an den Schloßpark angebaut werde. Se. Durchlaucht nahm die Ansprache beifällig auf, dankte den Herrn für die loyale Kundgebung und erwiderte, daß er getreu den Traditionen seiner Vorfahren auch weiter der Isräelitengemeinde seine Gunst zuwenden werde. Er ließ auch seinen Sohn Einsicht in die genannten Urkunden nehmen, „um auch In ihm", wie er ausdrücklich betonte, „das tolerante Gefühl für/die Israelitengemeinde zu wecken." .Ein Ehrenfriedhof für jüdische Helden in Berlin. Laut .Beschluß, des. Vorstandes und der Repräsentanten der jüdischeii. Gemeinde* in Berlin ist auf dem Friedhof in Weißensee jifne Fläche von etlichen hundert Quadratmetern für die: Errichtung eines Ehrenfriedhofes zur Beerdigung der gefallenen jüdischen Helden in Benutzung genommen worden. Auf diesem Ehrenfriedhofe, der unmittelbar hinter der neuen Halle liegt, haben bereits 25 gefallene Krieger Aufnahme gefunden. Die Bestattung erfolgt auf Kosten der Gemeinde. Später soll in der Mitte des Ehrenfriedhofes ein gemeinsames Denkmal für die Gefallenen errichtet werden. In Wien werden bekanntlich die gefallenen Juden teils am katholischen, teils am israelitischen Zentralfriedhof be-= stattet. * Zwei Mächtige. Der „Täglichen Rundschau" in Berlin wird geschrieben: In unseren Gefangenenlagern wird dem Insassen oft Gelegenheit gegeben, ihren bürgerlichen Beruf auszuüben. Tischler, Maurer, Buchbinder und viele andere werden nach ihren Fälligkeiten und Kenntnissen beschäftigt. So ist es auch einem kleinen jüdischen Barbier aus dem tiefsten Russisch- Polen erlaubt, seine Kunst auszuüben. Mitunter kommen ihm sogar die Mannschaften und Offiziere des Wachtkommandos unter die Hände. Wie alle Barbiere ist er sehr gesprächig, und freut sich, wenn eine Kunde ihn einer Anrede würdigt. Da fragte neulich einer der deutschen Herren, den er einseifte: „Sagen Sie mal, der Zar ist doch eigentlich ein guter Mann. Sein Aufruf an die Juden war doch sicher ehrlich gemeint?" Der „Barbier" hielt mit dem Einseifen inne, zog die Schultern in die Höhe und sagte: „Der Zar ist sehr ein guter Mann, aber, sehen Sie, lieber Herr, er^ hat nebbich in Rußland so viel zu sagen, wie — nu, wie ich hier im Gefangenenlager." * Ein jüdischer Zugsführer in der ukrainischen Legion. Nicht nur in der polnischen, sondern auch in der ukrainischen Legion dienen zahlreiche Juden, die sich durch ihren Heldenmut auszeichnen. Ein solcher ruthenischer Legionär war auch Jacob D r i m m e r, Zugsführer, 20 Jahre alt, der dieser Tage infolge seiner Wunden in Wien gestorben ist und auch hier bestattet wurde. * Jüdische Passagiere der „Lusitania". Unter den über 100 amerikanischen Passagieren der „Lusitania" befanden sich auch mehrere hervorragende Juden. Es sind untergegangen der berühmte Theater-Manager Charles F r o h m a n, der Gründer des Theater-Trust, und der Dramaturg Charles K1 e i n, Verfasser mehrerer Theaterstücke. Todesnachrichten. Am 5. d. M. starb in Teplitz-Schönau, .wohin er sich nach seiner Pensionierung zurückgezogen hatte; der langjährige Sekretär der Handels- und Gewerbekammer in Brody im Ruhestande, Leo Herzberg-Fränkl, in seinem 88. Lebensjahre. Schon als Jüngling machte er an der Seite Adolf Fischhofs im Jahre 1848 die Freiheitsbewegung in Wien mit und übernahm dann die Stelle eines Sekretärs der deutschen Handelskammer in Brody. Bis in den letzten Jahren war er literarisch tätig und war auch Mitarbeiter an dem von weiland Kronprinz Rudolf geschaffenen Werke „Die österreichischungarische Monarchie in Wort und Bild". Der Heimgegangene hinterläßt eine Tochter, die Frau des Apothekers Mahrer in Teplitz, und einen Sohn, den bekannten Wiener Hof- und üerichtsadvokaten Dr. Ludwig Herzberg-FränkeL Sein älterer Sohn Dr. Siegmund Herzberg-Fränkel, Professor an der Universität in Czernowitz und namhafter Historiker, starb, wie erinnerlich, während der Tagung der 13.- Versammlung deutscher Historiker in Wien, am 18. September 1913, eines jähen Todes. Liste der Ausgetretenen. Vom 1. bis 15. Juni 1915. (Nr. 263—284.) Beck Walter, Privatbeamter, geb. 26. November 1892 in Wien, XVIII., Geblergasse 1. Benesi Charlotte, Kleidermacherin, geb.'17. Mai .1896 in Wien, II., Lirinegasse 14. Benesi Fanny, Kontoristin, geb. 22. Oktober 1894 in Wien, II., Linnegasse 14. Bock Regina, geb. 27. Jänner 1879 in Groß-Routka (Bezirk Mähr.-Trübau), III., Kollergasse 43. Brunnengraber Josef, Privatbeamter, geb. 3. Jänner 1893 in Nowoszyce (Galizien), V., Wehrgasse 23. Frisch Siegfried, k. u, k. Reservekadett, geb. 7. August 1886 in Zelonic (Bezirk Gorszow), XIII., Felbigergasse 93. Fuchs Johanna, geb. 15. Juli 1894 in Wien, VII., Zollergasse 21. Helmreich Pauline, Schneiderin, geb. 6. Juni 1895 in Wien, XVI., Thaliastraße 82. Klaber Heinrich, geb. 25. März 1881 in Wien, XX., Dresdnerstraße 51. Kohn Margarete, Beamtin, geb. 28. April 1885 in Horazdowitz (Böhmen), III., Traungasse 4. Kohn Otto, Verkäufer, geb. 2. März 1892 in Wien, II., Volkertstraße 3. Mandl Eduard, Fabriksbesitzer, geb. 7. April 1879 in Zwettl (Niederösterreich), IV., Wiedner Hauptstraße 120. Mayer Unzarius, Maschinist, geb. 18. Oktober 1888 in Zaleszczyki, XL, Dorfgasse 37, II. Stock, Tür 13. Mohl Gertude, Beamtin, geb. 1. April 1889 in Friedland (Böhmen), III., Rennweg 33. Probst Beile, Kontoristin, geb. 25. August 1884 in Boryslaw, IL, Mathildengasse 4. Rost Helene, Handarbeiterin, geb. 2. Juli 1895 in Stanislau, XX., Wintergasse 14. Schreyer Josef, geb. 30. Juni 1908 in Wien, III., Salesianerg. 31. Singer Bertha, Schauspielerin, geb. 7. Juli 1884 in Wien, IL, Praterstraße 66. Stern Gisela, Abteilungs-Leiterin, geb. 26. März 1894 in Wien, XX., Othmargasse 25. Sternberg Julius, Doktor, Arzt, geb. 19. November 1867 in Wien, L, Seilergasse 14. Wachsler Marie, Kleidermacherin, geb. 30. März 1891 in Wien, IL, Volkertplatz 5. Werner Alice, Private, geb. 4. April 1889 in Wien, VII., Burggasse 79. Notizen. Die nächste Staatswohltätigkeitslotterie. Am 15. Juli 1. J. findet die Ziehung der 31. Staatslotterie statt, deren Reinertrag gemeinsamen Militärwohltätigkeitszwecken gewidmet ist. Der Ziehungsplan dieser bewährten populären Lotterie ist ein außerordentlich günstiger; es gelangen insgesamt 21.146 Geldgewinnste im Gesamtbetrage von 625.000 Kronen, darunter Haupttreffer zu 200.000 Kronen, 50.000 Kronen, 30.000 Kronen, 20.000 Kronen usw. zur Verlosung. Lose ä 4 Kronen sind in Tabaktrafiken, Lottokollekturen, Wechselstuben, bei Steuerämtern, Postämtern, Bahnämterri usw. erhältlich.......__ Verantwortlicher Redakteur Dr. S. R. Landau. — Druck von Ignaz Spitz k Sohns, Wien II, Robertgasse 2.

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