Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 11 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. i 1__________„Neue Hationai-Zeitung"____________Seite 95 Städte Sambor und Drohobycz befinden und weist in seiner Ansprache darauf hin, daß der Verein im verflossenen Jahre über seine normale Tätigkeit hinausgehend eine umfassende Aktion zur Linderung der Not der durch den Krieg am schwersten betroffenen galizischen Juden geleitet hat, welche im vorliegenden Berichte eingehend geschildert ist. Hofrat Dr. R a n p a p o r t begrüßt die Versammlung im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde, welche sich an den Hilfswerken der Allianz immer beteiligt und auf dem Gebiete der Flüchtlingsfürsorge die Aktion der Allianz zu ergänzen bestrebt war. Dr. M a r g u 1 i e s drückt im Namen der galizischen Juden in einer warmen Ansprache seine Dankbarkeit aus für die in Zeiten größter Not von der Israelitischen Allianz gewährte brüderliche Hilfe. Der Vorsitzende bemerkt mi Bezug auf die gegebenen Anregungen, daß eine Organisation der galizischen Judenheit nicht von außen in dieselbe hineingetragen werden könnte; sie müßte sich von innen heraus bilden. Die Idee der Schaffung von Lesesälen sei bereits im Vorstande erwogen worden, er würde sich mit derselben noch befassen. Der Jahresbericht und die Bilanz pro 1914 wurden hierauf einstimmig genehmigt. Aus dem Berichte ergibt sich, daß der Verein, was die Kriegshilfsaktion betrifft, für die Repatriierung russischer Glaubensgenossen, für zurückgebliebene jüdische Emigranten und zahlreiche andere Hilfszwecke größere Beträge verwendet hat. Die Fürsorge für die galizischen Flüchtlinge als Ergänzung der staatlichen Fürsorge und der durch zahlreiche Vereine und spezielle Komitees in Wien und in allen jüdischen Gemeinden gebotenen Hilfe erforderte bis zur Abfassung des Berichtes bereits über 300.000 Kronen. Eine übersichtliche Tabelle (von uns bereits veröffentlicht) gibt Aufschluß über die Zahl der in Böhmen, Mähren und anderen Kronländern untergebrachten Flüchtlinge, die von dem Hilfskomitee selbständig aufgebrachten Mittel, und der von der Allianz bis jetzt gewährten Subventionen. Unter den Nachrichten über das Vereinsvermögen und Verwaltung gedenkt die Vereinsleitung in warmen Worten des Wohltäters und begeisterten Freundes der Israelitischen Allianz, Herrn Jakob Adler, der seinen gesamten unbeweglichen Besitz der Israelitischen Allianz testiert hat, bestehend aus dem Gute Kossut in Ungarn und einer Villa in Baden. Bei den hierauf folgenden Wahlen wurden die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder, Dr. Wilhelm Ritter von Gutmann, Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, Wilhelm Pappenheim, Ferdinand Bloch und Michel Benies per Akklamation wiedergewählt. Anm. der Redaktion: Zu bemerken wäre der sonderbare Umstand, daß diese Versammlung unter Ausschluß der Öffentlichkeit tagte. Die jüdische Presse wurde nicht geladen. Hat die „Isr. Allianz" wirklich die Oeffentlichkeit zu scheuen? Kriegsnachrichten. * Ein 79jähriger Kriegsfreiwilliger. Geh. Sanitätsrat Dr. Gustav Simon in Schoeneberg, Veteran der Feldzüge 1864, 1866, 1870/71, Ritter des Eisernen Kreuzes, hat sich dem Kriegsministerium zur Verfügung gestellt und befindet sich als Chefarzt eines Lazarettzuges in den Karpathen. Geheimrat Simon ist 79 Jahre alt. * Die hebräische Schrift und die Feldpost. Wir lesen in den Tagesblättern nachstehende Notiz: „Gebrauch unerlaubter Schriften im Feldpostverkehr. In letzter Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß Briefe und Korrespondenzkarten in stenographischer, türkischer, h ebräi scher, ja selbst in Zeichenschrift bei der Feldpost aufgegeben wurden. Da nach Punkt 74 der Feldpostvorschrift (E—47) allen Angehörigen der Armee im Felde auf oder in Feldpostsendungen der Gebrauch einer unkontrollierbaren Schrift oder Sprache, einer Geheimschrift oder der Schnellschrift verboten ist, dürfen solche Sendungen bei den Feldpostämtern nicht aufgegeben, noch derartige bei anderen Feldpostämtern dennoch aufgegebene Sendungen ausgefolgt werden." Wie aus obiger Notiz hervorgeht, ist es den im Felde stehenden jüdischen Soldaten, von denen wohl tausende (aus Galizien und Bukowina) nur mit hebräischen Lettern (jiddisch) schreiben können, verboten, sich dieser Schrift zu bedienen. Das ist für diese Soldaten, die ihr Blut und Leben für Kaiser und Vaterland opfern, ein schwerer Schlag, weil ihnen dadurch die Möglichkeit benommen wird, ihren Verwandten vom Felde Nachrichten zukommen zu lassen. Zudem handelt es sich bei hebräischen Buchstaben gar nicht um eine unkontrollierbare (?) Schrift. Jeder Feldrabbiner ist in der Lage, diese Schrift zu lesen, respektive zu zensurieren. Es wäre daher eine dringende Pflicht der Feldrabbiner, kompetenten Ortes diesbezüglich im Interesse der ihrer Seelsorge anvertrauten Soldaten vorstellig zu werden. * 3000 jüdische Ritter des Eisernen Kreuzes. Die Zahl der vom Kaiser Wilhelm II. mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichneten jüdischen Krieger hat bereits das dritte Tausend überschritten. Auch die Zahl der jüdischen Offiziere in der deutschen Armee ist in Zunahme begriffen. * Für den Roten Halbmond. Auf Anregung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" (A. J. K. O.) in Berlin hat sich vor einiger Zeit, im Einvernehmen mit dem interkonfessionellen „Deutschen Komitee für Sammlungen zugunsten des Roten Halbmond" und im Anschluß an dasselbe ein jüdisches Hilfskomitee „Roter Halbmond" gebildet. Das Komitee, welches aus den Vertretern aller größeren Synagogengemeinden Deutschlands besteht, unternahm es, im Kreise der deutschen Juden für den Roten Halbmond zu werben.