Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 11 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- Seite 96 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 96 «Nette^&tim^iriie&tangie ftr. 11 An der Spitze des Komitees stehen Komnierzienrat Gerson S i m o n - Berlin als Vorsitzender,'Dr. Alfred Nossig als Leiter des Geschäftsführenden Ausschusses und Bankier Alois A. F. Marcus als Schatzmeister. Binnen kurzer Zeit sind bei der Zahlstelle des Komitees Bankhaus Veit, Seiberg & Cie., Berlin W. 8, über 100.000 Mark eingegangen. Bemerkenswert ist, daß selbst sehr kleine Gemeinden an dieser Sammlung sich beteiligt haben. 313 Synagogengemeinden haben aus ihren Gemeindefonds Beiträge bewilligt, in 188 Gemeinden wurden Privatsammlungen durchgeführt. Ueberdies haben auf Grund des Aufrufs des Komitees zahlreiche Personen ihre Beiträge den kais. türkischen Konsuln in verschiedenen Städten direkt zukommen lassen. Die Verwendung des aufgebrachten Fonds für die Zwecke des Roten Halbmonds hat sich das Komitee vorbehalten. Der Ausweis über die einzelnen Beträge wird im Publikationsorgan der A. .1. K. O. erfolgen. Weitere Spenden werden von der genannten Zahlstelle (Postscheck-Konto Berlin Nr. 4396) entgegengenommen. * Jüdische Kriegsgefangene in Deutschland. Im New-Yorker Tagblatt „Die Wahrheit" veröffentlicht Oberkantor Elchanan Itzig aus Obau, der während der Kriegserklärung in Königsberg weilte und dort verhaftet wurde, dann aber die Erlaubnis erhielt, über Schweden nach Amerika zu reisen, traurige Reminiszenzen aus der Zeit dei Kriegsgefangenschaft. Er lobt ungemein die Behandlung der jüdischen Kriegsgefangenen durch die deutschen Behörden. Während die Russen in der Festung Glatz interniert wurden, erhielten die russischen Juden die Erlaubnis, in Breslau und Salzbrunn zu bleiben, wo die jüdische Gemeinde für sie sorgt. Während einer kurzen Zeit waren die Juden mit ihren russischen „Mitbürgern" in Breslau zusammen untergebracht, sie wurden aber von ihnen furchtbar mißhandelt; dafür wurden aber letztere empfindlich gestraft und für den Wiederholungsfall mit der Todesstrafe bedroht. Viele von den jüdischen Kriegsgefangenen wurden infolge der eingelangten Nachrichten über die Ermordung ihrer Familien und die Plünderung ihres Vermögens wahnsinnig. Liste der Ausgetretenen. Vom 18. bis 31. Mai 1915. (Nr. 236—262.) s Josef, geb. 27. Juni 1887 in Mähr.-Ostrauv XIL, Wilhelmstraße 47. Black Friedrich, Kaufmann, geb. 10. Juli 1885 in Wien, VII., Neubaugürtel 46. Bund Hermine, Näherin, geb. 20. April 1895 in Wien, XVII., Lacknergasse 54. Dukes Paul Stefan, Student, geb. 1. Jänner 1892 in Wien, XVIH., Coloredogasse 25. Feiciser Salomen aus Czyzowka (Galizien), geb. 1890, dz. Nebotein, k. u. k. Feldkanonenregiment Nr. 1. freven Berta 'geb. Mautner. Ingenieursgattdn, geb. 12. Februar 1888 in Trautenau, II., Valeriestraße 106. Halasz (Handler) Josef, geb. 17. März 1891 in Györ (Ungarn), VI., Fillgradergasse 11. Hauser Josefine, Private, geb. 19. April 1889 in Radibrunn <N.-Qe), IX., Habngasse 3. Kampel Ladislaus, Exportakademiker, geb. 12. September 1896 in Lemberg, IX., Grünetorgasse 19 a. Koch Elisabeth, Schneiderin, geb. 15. April 1891 in Wien, VIII., Langegasse 30. Koch Wilhelm, Drogistenlehrling, geb. 15. Juni 1898 in Wien, VIIL, Lenaugasse 30. Körner Jetti, Modistin, geb. 30. Mai 1S90 in Wien, III-, Klimsch- ' gässe 16. Kotfl LeopoWhie, Näherin, geb. 11. August 1897 in Wien, X., Buchengasse 40. Littner Frida, Ingenieursgattin, geb. in Sambor, Galizien, 1893, Littner Siegfried, Ingenieur in Olmütz, geb. in Zavzitz Schlesien, 4890. Mayer Karoline, Private, geb. 2. April 1850 in Prag, IV., Guß-; hausstraße 12. Mazer Heinrich, geb. 17. August 1896 in Budapest, X., Laxenburgerstraße 18. Panzer Margarethe, geb. Hahn, Arztensgattin, geb. 21. Mai 1880 in Wien, I„ Hessgasse 7. Plesz Robert Karl, Realschüler, geb. 19. Juli 1899 in Wien, I., Bastiengasse 20. Poliak Josef, Kutscher, geb. 25. März 1875, X., Inzerstorferstraße 116. Popper Anna, geb. Anböck, Börsenredakteursgattin, geb. 21. Mai 1*89 in Frankenburg (Bezirk Vöklabruck) XIX., Sieveringerstraße 116. Popper Felix, Rechtshörer, geb. 1. März 1894 in Wien, VII., Mariahilferstraße 74 a. Rosinger Rosa, Private, geb. 13. März 1889 in Wien", III., Radetzkystraße 3. Schwarz Julius, Magazinmeister d. k. k. Staatsbahn, geb. 25. Jänner 1871 in Wien, II.. Hochstädtergasse 20. Wassertrilling Berta geb. Low, Fabrikantenswitwe, geb. 5. März 1850 in Wien, XIX., Felix Mottelsträße'11. Weinberger Ottilie geb. Brünner, Private, geb. 20. Februar 1885 in Prag, VII., Neubaugasse 25. Weinberger Erwin, Fabrikant*, geb. 29. September 1875 in Wien, VII., Neubaugürtel 25. Briefkasten der Redaktion. Ein Abonnent. Wir wollen Ihrem Wunsche gerne ent- - sprechen und an dieser Stelle der gewiß sehr beachtenswerten Festnagelung im Organ des „O e s t e r r. Israelitischen Religionslehrerbundes' eine größere Publizität verleihen. Die letzte Nummer der „Freien jüdischen Lehrerstimme" schreibt also: „Di w r e scheker. Die Erörterung dieser Angelegenheit wäre Gegenstand eines speziellen Artikels. Es ist Ihnen — wie Sie schreiben — „völlig unerfindlich, woher dieser Herr, der sonderbarerweise noch immer Sitz und Stimme im Kollegium hat, die Legitimation nimmt, sich als Staatsanwalt aufzuspielen und über die Wiener Rabbiner in Bausch und Bogen und noch dazu in einem nichts weniger als salonfähigen Kauderwelsch abzuurteilen. Etwa auf Grund seiner allerdings nicht zu bestreitenden, durch intensiv gepflegte Geschäftspraxis erworbenen geistigen Fähigkeiten? Oder vielleicht infolge der zahlreichen Talente, die er sich im stillen gebildet, die aber deshalb nicht unbedingt zum Charakter im Strom der Zeit führen müssen? Man mag wohl von dem Wahne befallen sein, das erste cäsarische Rad am Wagen der Gemeinde zu sein, muß aber auch dann damit rechnen, für begangene Invektiven und unverzeihliche Injurien derb gepackt zu werden. Dem Herrn sollte man doch endlich einmal — was ihm offenbar schon lange nicht passiert ist — reinen Wein einschenken." — Beruhigen Sie sich. Wir glauben nicht, daß der von seiner Würde offenbar berauschte Herr imstande ist, die Rabbiner zu beleidigen oder ihre Ehre zu vertreten. Er wird hoffentlich bald nüchtern werden und auch hier — was ja bei ihm vielleicht nicht etwas ganz ungewöhnliches ist— noch recht viel Wasser in seinen Wein tun." Unsere Leser werden ja ohnehin wissen, daß hier der Weinhändler von Simmering, Friedhofspascha und Mikwah- Oberaufseher Sigmund Kauders, gemeint ist. Daß ihn selbst die Religionslehrer der Kultusgemeinde so unsanft angreifen, gibt viel zum Nachdenken. Russische Orden. Der Appell eines Wiener Tagblattes, daß die österreichischen Staatsbürger nicht bloß aus Patriotismus, sondern auch aus Reinlichkeitsgefühl die Orden der Entente-Mächte zurücklegen sollten, müßte auch von jüdischer Seite beherzigt werden. Ist es denn nicht eine Schmach, selbst zu Friedenszeiten, daß österreichische Juden von der russischen Torquemada-Regierung Orden annehmen? Ein Kommandeur des Stanislaus-Ordens mußte allerdings sein Mandat für den Wiener Kuitusvorstand über Drängen der öffentlichen Meinung niederlegen, dafür wurde aber ein anderer russischer und rumänischer Ordens-Kommandeur vom Präsidenten Doktor Stern an die Spitze des Kultus-Wahl-Komitees berufen. Kultuswähler. Die jüngste Defraudation in der Seitenstettengasse ist uns gewiß nicht unbekannt geblieben. Warum müssen wir aber alles enthüllen? Und die anderen jüdischen Blätter! Jedenfalls werden wir darauf noch zurückkommen, wenn der Schuldige, der einen hohen Protektor hat, nicht bald zur Verantwortung gezogen wird. Verantwortlicher Redakteur Dr. S. R. Landau. — Druck von Ignaz Spitz t Söhne, Wien II, Robertgasse 2.