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Neue Nationalzeitung · 1915-04-23 · Heft 8 (23.4.1915) · p. Seite 71

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 8 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 „Neue National-Zeitung" Seite 71 Merkwürdigerweise aber de c k e n si c h die Statuten mit dies e m P a s s u s des Aufrufes nicht, denn im § 14 der Statuten „Wirkungskreis des Verwaltungsrates" heißt es im Abs. b: „Bewilligung aller Ausgaben der Verw altung einschließlich der F u nktionsgebühren des Präsidiums und des Direktionsrate s." Daraus geht hervor, daß das Präsidium, d. h. Präsident und Vizepräsidenten, weiters der Direktionsrat, ö. h. 3—5 Mitglieder des Verwaltungsrates, Funktionsgeh ü-h r e r. erhalten, deren Höhe der Verwaltnngsrat allein zu bestimmen hat. Unter diesen Umständen sind diese Funktionen nicht mehr unentgeltlich, sondern werfen Tantiemen ab, wie 1) e i den auf Gewinn berechneten Bank e n. Das ist also das Gegenteil vom Aufruf und daher suchen wir in den Statuten vergeblich nach dieser Bestimmung, daß das Amt der Vorstandsmitglieder und des Aufsichtsrates unentgeltlich (?) ist. Eine entsprechende Aufklärung seitens der Proponenten wäre im Interesse dieses Institutes, das sonst wärmstens zu begrüßen ist, dringend geboten. Denn ein solches Institut ist wirklich nicht dazu da, daß man „Funktionsgebühren" herausschlägt. * Kultusvorsteher Wilhelm Kuffner vermietet nicht an jüdische Flüchtlinge. Das Wiener Tagblatt „Wiedenski Kuryer Polski" vom 16. d. M. berichtet: „In unserer Nummer vom 13. d. M. haben wir berichtet, daß einem unserer Leser, der in einem der Häuser der Aktiengesellschaft Kuffner eine Wohnung mieten wollte, folgende Antwort zugekommen ist: „Zimmer und Küche, unmöbliert, nicht an Flüchtlinge, sind zu vermieten: XVI., Herbststraße 37, XVI., Thaliastraße 82, XVI., Ettingergasse 10, Josef Modern, Hausverwalter der A.-G. Kuffner, Wien, XVI." Nun erschien bei uns Josef Modern und bat um Veröffentlichung nachstehender Erklärung, die wir wörtlich wiedergeben: „Ich verweigere den Flüchtlingen nicht die Vermietung von Wohnungen. Bezüglich der im Briefe vom 9. d. M. angegebenen Wohnungen dachte ich aus vielen Gründen nur an die jüdischen Flüchtlinge und diesen wollte ich den zwecklosen Weg nach Ottakring ersparen." Somit werden in den Häusern der genannten Aktiengesellschaft, an deren Spitze der Kultusvorsteher Wilhelm Kuffner steht, nur jüdischen Flüchtlingen keine Wohnungen vermietet. * Eine Wohltätigkeits-Akademie für die Flüchtlings-Baracken. Bei der am 27. v. M. im Großen Musikvereinssaale zugunsten der Flüchtlingskinder in den Barackenlagern (Nikolsburg, Pohrlitz, Gaya) und der Wiener Brockensammlung veranstalteten Wohltätigkeitsvorstellung, stellten sich in liebenswürdiger Weise erste Kunstkräfte der Wiener Theater und Kabaretts in den Dienst dieser Hilfsaktion. Es wirkten mit Fr. Selma L i b o w i t z - G ö t z 1, Opersängerin Fr. Raja Ba.rber-Waldberg, Violinvirtuosin Fr. Gertrude Popper -Janowitzer, Doktor Benno Wünsch, Homunkulus (Dr. Robert Weil), Paul Morgan, Frl. Mimi Marlow, Frl. Else S a 1 d e r n, Frau Trude Voiigt, Fraiu Wer bezirk u. a. Sie ernteten alle reichen Beifall. Am Schlüsse wirkten besonders verdienstvoll Frau Gisela Marion und Edmund Eysler, die. immer wieder erscheinen und danken mußten. Das Reinerträgnis dieser Wohltätigkeits-Akademie betrug K 3001.20, welche den folgenden Bestimmungen zugeführt wurden: für arme, kranke Flüchtlingskinder zur Anschaffung von Milch und schützenden Kleidungsstücken in den Barackenlagern Nikolsburg K 500.—, Pohrlitz K 500.—, (i a y a K 500.—. für arme, blinde Flüchtlingskinder tu Händen des Herrn Dir. S. Heller K 500.—, für die Brockensammlung für jüdische Arme K 1201.20, zusammen K 3001.20. * Eine rituelle Milchaktion. Ueber Anregung des unseren Lesern bereits wohlbekannten, unermüdlichen Herrn Ch. W eitzner in Sarajewo wir J aus dem von demselben gesammelten Fonds eine r i t uelle Milchaktion der bosnischen Juden in Wien ein ge leitet. Diese Aktion besieht darin, daß an arme, kinderreiche FHich'tlingstamilien je ein Liter Milch, der bei der jetzigen Preislage 44 Heller kostet um 24 Heller verabreicht wird. Die Differenz von 20 Heller wird vom Sarajewoer Komitee ersetzt. Vorläufig werden täglich 100 Liter verteilt, doch ist in Aussicht genommen eine baldige Vermehrung. Angesichts des ungemein humanen Zweckes hat sich der Verein „Machsike Ha das" über Einladung gerne bereit erklärt, die Beschaffung cför rituellen Milch, die Verteilung der Marken usw. zu überwachen, sowie den zu bestellenden Maschgiach aus eigenem zu bezahlen. Die näheren Details wurden in einer Vorstandssitzung des „Machsike Hadas" vom 20. dl M. unter dem Vorsitze des Obmannes Jakob März und im Beisein des Herrn Rabbiners M. Mayersohn owid unseres Herausgebers beschlosen und werden im Vereinlokale, wo bekanntlich zirka 400 Flüchtlinge täglich unentgeltlich ausgespeist werden, zur allgemeinen Kenntnis (gebracht. Kriegsnachrichten. Die Emanzipation der Juden au! dem kommenden Friedenskongreß. Unter dem Namen „Jüdisches Emanzipations-Komitee" hat sich in New York unter dem Vorsitze des Richters Jakob S. Strahl ein Komitee gebildet, das die öffentliche Meinung für eine wirksame Vertretung der Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern auf dem kommenden Friedenskongreß vorbereiten will. Man rechnet zwar nicht auf eine offizielle Vertretung der jüdischen Gesamtheit auf diesem Kongreß, wohl aber damit, daß alle Kultur Staaten sich zum Anwalt der jüdischen Sache machen werden, wenn ihnen das notwendigste Material dazu geliefert wird. Das Komitee ist interkonfessionell und will zu ähnlichen Aktionen in den anderen Ländern anregen. Wie die „Jüdische Volkszeitung" in Kopenhagen meldet, haben sich dlie offiziellen jüdischen Organisationen in England an ihre Regierung und an die Frankreichs, Amerikas und Engtands mit der Forderung gewendet, eine jüdische Delegation zu den Frieden-sun-terhandTunge.il z u z u 1 asse n. * Der englische Feldrabbiner Michael Adler. Der Londoner Rabbiner Michael Adler, der die britischen Truppen ins Feld begleitet hatte, ist nach mehrwöchigem Aufenthalt auf dem französischen Kriegsschauplatz wieder nach England zurückgekehrt und schildert nun in der „Times" die von ihm gewonnenen Eindrücke. „Ich fand," erzählt Adler, „daß ich die Zahl der Juden, die im Felde stehen, weit unterschätzt hatte. Ich hatte eine Liste von vielen Tausenden zusammengestellt, doch traf ich überall noch immer neue jüdische Offiziere und Mannschaften. Wo es nur anging, hielt ich Gottesdienste ab und gab den Offizieren und Mannschaften Anleitungen, wie sie selbst Gottesdienste abhalten könnten. Es machte mich glücklich zu sehen, wie die Juden meilenlange Märsche über die ärgsten Wege nicht scheuten, um mit uns beten zu kommen. Ich trage auf

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